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DE-Abitur · PhilosophieT·077 / 15
Die zentrale Frage der Anthropologie lautet seit Kant: Was ist der Mensch? Aristoteles bestimmt den Menschen als zoon logon echon (vernunftbegabtes Lebewesen) und zoon politikon (politisches Wesen). Pico della Mirandola (1486) sieht den Menschen als Wesen ohne festen Ort, das sich selbst gestaltet. Helmuth Plessner (1928) bestimmt die exzentrische Positionalität als anthropologisches Differenzmerkmal: der Mensch verhält sich zu seinem Sich-Verhalten. Arnold Gehlen (1940) sieht den Menschen als Mängelwesen, das durch Institutionen entlastet wird. Diese Modelle bilden die Folie für aktuelle Debatten um Transhumanismus, KI und Tierethik.
6Abschnitteca. 12Min Lesezeit2Kompetenzen
Operatoren:analysieren · vergleichen · erörtern · beurteilen
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Aristoteles (zoon logon echon, zoon politikon), Plessners exzentrische Positionalität, Gehlens Mängelwesen-These. Differenz Mensch — Tier benennen können.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Genese der philosophischen Anthropologie (Scheler, Plessner, Gehlen) als eigene Disziplin im 20. Jh.; Diskussion mit Soziobiologie und neuerer Kognitionsforschung; transhumanistische und posthumanistische Kritik.
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Aristotle (Stanford University) · KMK EPA Philosophie 2006 (KMK)
Kernpunkte
PLESSNERS STUFEN DER POSITIONALITÄT
Welche drei Beschriftungen in "Plessners Stufen der Positionalität" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophical Anthropology (Stanford University) · NRW KLP Philosophie GOSt 2013 (MSB NRW)
Kernpunkte
Typische Fehler
LK-Vertiefung
Vertiefen Sie Habermas’ Argument der „liberalen Eugenik" und Sandels Bedenken zur „Vollkommenheits-Suche" (The Case Against Perfection, 2007) als deontologische Gegengewichte gegen transhumanistischen Optimismus.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophical Anthropology (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Jürgen Habermas (Stanford University)
Kernpunkte
FREIHEIT UND DETERMINISMUS — DREI GRUNDPOSITIONEN
Welche drei Beschriftungen in "Freiheit und Determinismus — drei Grundpositionen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Beurteilen Sie das Argument: „Da das Libet-Experiment ein Bereitschaftspotenzial im Gehirn nachweist, bevor die Versuchsperson den Entschluss bewusst fasst, ist der freie Wille eine Illusion."
Libet (1983) maß ein Bereitschaftspotenzial (readiness potential) rund 550 ms vor der Bewegung, einen Finger zu bewegen; die bewusst erlebte Entscheidung (W) trat erst etwa 200 ms vor der Bewegung auf — das Bereitschaftspotenzial geht der bewussten Entscheidung also um rund 350 ms voraus. Argument: P1 Die neuronale Ursache liegt vor dem Bewusstsein. P2 Was vorher neuronal festgelegt ist, ist nicht frei gewählt. K Der bewusste Wille ist kausal wirkungslos — Freiheit ist Illusion.
Der Schluss unterstellt einen libertarischen Freiheitsbegriff (Verursachung durch ein der Kausalkette enthobenes Ich). Ein kompatibilistischer Begriff (Freiheit = Handeln nach eigenen Wünschen ohne äußeren Zwang) wird durch das Bereitschaftspotenzial gar nicht berührt.
Das Experiment betrifft nur willkürliche, bedeutungslose Spontanbewegungen ohne Überlegung — nicht überlegte Entscheidungen mit Gründen. Libet selbst räumte ein Veto-Fenster ein („free won’t"): das Bewusstsein kann die eingeleitete Bewegung noch stoppen. Folgestudien (Schurger 2012) deuten das Potenzial als stochastisches Rauschen, nicht als Entscheidungskausal.
Der naturalistische Fehlschluss droht: aus dem Sein (neuronaler Vorlauf) folgt kein Sollen (Verantwortung entfällt). Zudem: Freiheit ist primär ein praktischer und normativer Begriff (Zurechenbarkeit von Gründen), kein neurophysiologisches Datum.
Das Libet-Argument widerlegt allenfalls einen naiven Libertarismus spontaner Willkürakte, nicht die für Ethik und Recht relevante Freiheit der gründegeleiteten, vetofähigen Entscheidung. Determinismus und Verantwortung sind nach kompatibilistischer Lesart vereinbar.
Ergebnis: Das Argument ist nicht stichhaltig: Es überträgt einen Befund über bedeutungslose Spontanbewegungen auf den normativen Freiheitsbegriff, ignoriert das Veto-Fenster und begeht einen Sein-Sollen-Fehlschluss. Die handlungsrelevante Willensfreiheit bleibt unwiderlegt.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Kant’s Moral Philosophy (Stanford University) · KMK EPA Philosophie 2006 (KMK)
Kernpunkte
LEIB-SEELE-PROBLEM — POSITIONEN
Welche drei Beschriftungen in "Leib-Seele-Problem — Positionen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Analysieren Sie das Cogito-Argument: Welche Prämissen führen Descartes zur Konklusion „Ich denke, also bin ich"? Prüfen Sie die Schlussfolgerung.
Descartes (Meditationes 1641) setzt radikalen Zweifel an: Sinneserfahrung kann täuschen (Traumargument), selbst mathematische Gewissheiten könnten durch einen genius malignus suggeriert sein. Ziel: ein archimedischer Punkt, der jedem Zweifel widersteht.
P1: Auch der Akt des Zweifelns ist ein Akt des Denkens. P2: Wo gedacht wird, muss ein Denkendes existieren (kein Denken ohne Träger). P3: Selbst wenn ein böser Geist mich täuscht, muss ich existieren, um getäuscht werden zu können.
K: „Ich bin, ich existiere" — solange ich denke (quamdiu cogito). Geltungsanspruch: nicht logischer Syllogismus, sondern unmittelbare intuitive Evidenz im Vollzug des Denkens (clara et distincta perceptio).
Selbstreferentielle Unbezweifelbarkeit: Der Versuch zu bezweifeln, dass man denkt, ist selbst ein Denkakt. Begründet ein gewisses „Ich" als Ausgangspunkt der Philosophie. Markiert den „turn to the subject" der Neuzeit (Erkenntnistheorie statt Ontologie als Erste Philosophie).
Lichtenberg: „Es denkt" wäre korrekter — aus Denken folgt nur ein Denken, nicht ein einheitlicher Träger („Ich"). Nietzsche: das „Ich" ist grammatische Suggestion, kein substantielles Subjekt. Hume: das Selbst ist nur ein „bundle of perceptions". Heidegger: Cogito unterschlägt die Frage nach dem Sein des cogito (Sein und Zeit § 10).
Das Cogito sichert minimal die Existenz eines denkenden Akts — die starke Konklusion einer res cogitans (denkende Substanz) trägt es nicht. Als methodischer Anfangspunkt unverzichtbar; als Substanzbeweis überfordert. Wertvoll bleibt der epistemologische Wendepunkt: Gewissheit beginnt bei der Selbstreflexion des Bewusstseins.
Ergebnis: Klausurtauglich ist eine Analyse, die das Cogito als unmittelbare Selbstgewissheit (nicht als Syllogismus) erfasst, seine Stärke als archimedischen Punkt anerkennt und die Einwände gegen die starke Subjektthese (Lichtenberg, Nietzsche, Hume) integriert.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
Vertiefen Sie Searles Chinese-Room-Argument (1980) gegen den Funktionalismus: syntaktische Symbolmanipulation erzeugt keine Semantik — und die Systemantwort der Funktionalisten.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Descartes (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophical Anthropology (Stanford University)
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophical Anthropology (Stanford University) · KMK EPA Philosophie 2006 (KMK)