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DE-Abitur · PhilosophieT·1313 / 15
Ästhetik fragt nach Schönheit, Kunst und ästhetischer Erfahrung. Kant (Kritik der Urteilskraft 1790) begründet die moderne Ästhetik mit dem interesselosen Wohlgefallen. Adorno (Ästhetische Theorie posthum 1970) sieht Kunst als negative Erkenntnis gegenüber der instrumentellen Vernunft. Die Sprachphilosophie fragt nach Bedeutung, Geltung und Funktion sprachlicher Äußerungen. Wittgenstein vollzieht eine Wende: Frühwerk (Tractatus 1921) — Sprache bildet Welt ab; Spätwerk (PU 1953) — Bedeutung ist Gebrauch in Sprachspielen. Habermas entwickelt daraus die Theorie kommunikativen Handelns.
6Abschnitteca. 12Min Lesezeit2Kompetenzen
Operatoren:analysieren · erörtern · beurteilen · vergleichen
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Kants Schönheitsbegriff (interesseloses Wohlgefallen); Wittgensteins Wende (Bildtheorie → Sprachspiele); Bedeutung = Gebrauch.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: vier Momente des Geschmacksurteils (Qualität, Quantität, Relation, Modalität); Adornos Negativität der Kunst; Tractatus-Architektur (Welt — Tatsachen — Sätze); Familienähnlichkeit, Privatsprache-Argument; Habermas’ Universalpragmatik.
Kernpunkte
Musterlösung
Prüfen Sie die Äußerung „Diese Sonate ist schön" anhand der vier Momente des Geschmacksurteils aus Kants Kritik der Urteilskraft.
Erstes Moment: Das Wohlgefallen am Schönen ist „ohne alles Interesse". Es geht nicht um Nutzen oder Begehren (anders als beim Angenehmen oder Guten). Wer die Sonate schön nennt, will sie nicht besitzen oder verwerten — er verweilt in interesselosem Wohlgefallen.
Zweites Moment: Das Geschmacksurteil beansprucht Allgemeingültigkeit ohne Begriff. „Schön" ist nicht „mir gefällt", sondern „es müsste allen gefallen" — ein „Ansinnen" der Zustimmung, ohne dass ein Begriff die Regel liefert.
Drittes Moment: Das Schöne erscheint zweckmäßig (geformt, stimmig), ohne einem bestimmten Zweck zu dienen (Zweckmäßigkeit ohne Zweck, finalité sans fin). Die Sonate wirkt sinnvoll gestaltet, ohne ein äußeres Ziel zu erfüllen.
Viertes Moment: Das Wohlgefallen wird als notwendig vorgestellt — gestützt auf den Gemeinsinn (sensus communis), die unterstellte gemeinsame Verfassung der Urteilskraft aller Menschen.
Allen vier Momenten liegt das „freie Spiel von Einbildungskraft und Verstand" zugrunde: die Form des Gegenstands belebt beide Vermögen, ohne sie unter einen Begriff zu zwingen. Daraus entspringt das ästhetische Wohlgefallen.
Das Urteil „schön" ist damit weder rein subjektiv (bloßer Geschmack) noch objektiv-begrifflich (wie „rot"), sondern subjektiv-allgemeingültig. Kant löst so das Paradox: über Geschmack lässt sich streiten, weil er Zustimmung beansprucht, aber nicht beweisen, weil kein Begriff zugrunde liegt.
Ergebnis: Das Urteil „Diese Sonate ist schön" erfüllt Kants vier Momente: interesseloses, begriffloses, zweckfreies und notwendig-allgemeingültiges Wohlgefallen, fundiert im freien Spiel von Einbildungskraft und Verstand. Es beansprucht Zustimmung, ohne beweisbar zu sein.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Kant’s Aesthetics (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Theodor W. Adorno (Stanford University)
Kernpunkte
WITTGENSTEIN I/II — SPRACHE ALS BILD VS. SPIEL
Welche drei Beschriftungen in "Wittgenstein I/II — Sprache als Bild vs. Spiel" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Analysieren Sie die Äußerung „Ich erkläre dich hiermit zum Sieger" mit Austins/Searles Sprechakttheorie (Lokution, Illokution, Perlokution) und Habermas’ drei Geltungsansprüchen.
Der lokutionäre Akt ist die bloße Äußerung des Satzes mit Bedeutung und Bezug: die Wörter „Ich erkläre dich hiermit zum Sieger" werden grammatisch korrekt und verständlich geäußert (phonetischer, phatischer, rhetischer Teilakt).
Die Illokution ist die mit der Äußerung vollzogene Handlung: hier ein performativer Deklarativ — durch das Sprechen wird die Tatsache erzeugt (jemand wird zum Sieger erklärt). Das „hiermit" (hereby-Test) markiert die Performativität.
Nach Austin/Searle gelingt der Deklarativ nur, wenn institutionelle Bedingungen erfüllt sind: Der Sprecher muss autorisiert sein (z. B. Schiedsrichter), das Verfahren korrekt, der Kontext passend. Sonst ist der Akt nicht falsch, sondern „unglücklich" (infelicitous).
Die Perlokution ist die durch die Äußerung erzielte Wirkung beim Hörer: Freude des Siegers, Enttäuschung der Unterlegenen, Beifall des Publikums. Sie ist nicht konventional festgelegt, sondern faktische Folge.
Jede verständigungsorientierte Äußerung erhebt drei Ansprüche: Wahrheit (objektiv: stimmt der propositionale Gehalt?), Richtigkeit (sozial: ist der Sprechakt im normativen Kontext legitim — ist der Sprecher befugt?), Wahrhaftigkeit (subjektiv: meint der Sprecher es ernst?). Beim Deklarativ ist der Richtigkeitsanspruch (Autorisierung) zentral.
Die Analyse zeigt: Sprache beschreibt nicht nur, sondern handelt (Austins Wende „How to do things with words"). Habermas baut darauf eine Theorie der Verständigung: gelingende Kommunikation setzt die wechselseitige Anerkennung der drei Geltungsansprüche voraus.
Ergebnis: Die Äußerung ist ein performativer Deklarativ: lokutionär die Aussage, illokutionär die Sieger-Erklärung (gelingt nur bei Autorisierung), perlokutionär die Wirkung beim Publikum. Habermas’ Richtigkeitsanspruch (Befugnis) trägt den Akt.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
Vertiefen Sie Apels Transzendentalpragmatik: die Vermeidung performativer Selbstwidersprüche („wer argumentiert, kann nicht bestreiten, dass …") als Letztbegründung kommunikativer Vernunft.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ludwig Wittgenstein (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Jürgen Habermas (Stanford University)
Kernpunkte
VIER KUNSTBEGRIFFE
Welche drei Beschriftungen in "Vier Kunstbegriffe" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Kant’s Aesthetics (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Theodor W. Adorno (Stanford University)
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Theodor W. Adorno (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Kant’s Aesthetics (Stanford University)
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ludwig Wittgenstein (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Informal Logic (Stanford University)
Kernpunkte
Typische Fehler
LK-Vertiefung
Vergleichen Sie Wittgensteins „Bedeutung ist Gebrauch" mit Derridas „différance": Beide bestreiten eine fixe Wort-Welt-Zuordnung — wo liegt der Unterschied zwischen pragmatischer und dekonstruktiver Bedeutungstheorie?
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ludwig Wittgenstein (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Jürgen Habermas (Stanford University)