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DE-Abitur · MusikT·011 / 9
Musikalisches Basiswissen ist Voraussetzung jeder Werkanalyse. Es umfasst das Tonsystem (chromatische Skala, Stammtöne, Alterationen), die diatonischen Tonleitern (Dur, Moll in drei Varianten, Kirchentonarten), die Intervalle (Halbtonschritte und Klassifikation), die Akkordbildung (Drei- und Vierklang) und die Funktionsharmonik (Tonika - Subdominante - Dominante mit Kadenzbildung). Diese Bausteine bilden das Vokabular, mit dem klassische und romantische Musik beschrieben wird.
6Abschnitteca. 14Min Lesezeit4Kompetenzen
Operatoren:benennen · bestimmen · analysieren · beschreiben · klassifizieren
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Stammtöne und Alterationen, Vorzeichen der wichtigsten Tonarten (bis vier Kreuze/B), Intervalle bis zur Oktav sicher benennen, Dur- und Moll-Dreiklang aufbauen, Hauptfunktionen T-S-D in einer einfachen Kadenz erkennen.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Quintenzirkel komplett (auch enharmonische Verwechslung Fis/Ges), alle Intervalle inkl. übermäßig/vermindert, Vierklang mit Septim, Funktionsharmonik mit Nebenfunktionen (Tp, Sp, Dp) und Doppeldominante, modale Tonleitern (dorisch, mixolydisch etc.), Modulationen über gemeinsame Akkorde.
Kernpunkte
QUINTENZIRKEL — DUR- UND MOLLTONARTEN MIT VORZEICHEN
Welche drei Beschriftungen in "Quintenzirkel — Dur- und Molltonarten mit Vorzeichen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Kernpunkte
QUINTENZIRKEL — DUR- UND MOLLTONARTEN MIT VORZEICHEN
Welche drei Beschriftungen in "Quintenzirkel — Dur- und Molltonarten mit Vorzeichen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie die Verwendung der Kirchentonarten im 20. Jahrhundert (Vaughan Williams, Bartok, Jazz Modal Style). Welche kompositorische Funktion übernehmen Modi als Alternative zur Funktionsharmonik?
Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music)
Kernpunkte
INTERVALLTABELLE — BEZEICHNUNGEN, HALBTONSCHRITTE, STIMMUNGS-CHARAKTER
Welche drei Beschriftungen in "Intervalltabelle — Bezeichnungen, Halbtonschritte, Stimmungs-Charakter" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Kernpunkte
AKKORD-STAPELUNG — DREIKLANG, VIERKLANG, ERWEITERTER AKKORD
Welche drei Beschriftungen in "Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, erweiterter Akkord" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music)
Kernpunkte
FUNKTIONSHARMONIK — TONIKA, SUBDOMINANTE, DOMINANTE (KADENZSCHEMA)
Welche drei Beschriftungen in "Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante (Kadenzschema)" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
AKKORD-STAPELUNG — DREIKLANG, VIERKLANG, ERWEITERTER AKKORD
Welche drei Beschriftungen in "Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, erweiterter Akkord" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Konstruieren Sie eine vollständige authentische Kadenz (T - S - D7 - T) in C-Dur. Geben Sie die Akkordtöne jeder Funktion an, beziffern Sie den Generalbass und beschreiben Sie die Stimmführung der beiden Leittöne im Übergang D7 - T.
Tonika I = C-Dur (c-e-g). Subdominante IV = F-Dur (f-a-c). Dominante V = G-Dur (g-h-d). Alle drei sind Dur-Dreiklänge aus den leitereigenen Tönen von C-Dur (keine Vorzeichen). Zusammen enthalten T, S und D alle sieben Stammtöne der Tonleiter.
Die Septime f wird über den Dominantgrundton g geschichtet: V7 = G7 = g-h-d-f. Das Intervall g-f ist eine kleine Septime (10 Halbtöne). Der Akkord enthält den Tritonus h-f (6 Halbtöne) zwischen Terz und Septime - er erzeugt den charakteristischen Auflösungsdrang.
Der Leitton h (zugleich Terz der Dominante und Leitton der Tonart C-Dur) löst sich einen Halbton aufwärts nach c (Grundton der Tonika) auf. Die Septime f löst sich einen Halbton abwärts nach e (Terz der Tonika) auf. Der Tritonus h-f kontrahiert also in Gegenbewegung zur Terz c-e.
In Grundstellung wird die Tonika ohne Ziffer notiert, die Subdominante als Dreiklang in Grundstellung ebenfalls ziffernlos, die Dominantseptime mit der Ziffer 7. Beziffert: C (—) - F (—) - G7 (7) - C (—). Im aussetzenden Satz führt der Continuist die Septime vorbereitet ein und löst sie regelgerecht abwärts auf.
Die Folge T - S - D7 - T realisiert das funktionsharmonische Grundgerüst: die Subdominante trägt von der Tonika weg, die Dominante führt mit höchster Spannung (Tritonus) zurück. Ersetzt man den Schluss-Akkord durch a-Moll (vi), entsteht statt der authentischen Kadenz ein Trugschluss V - VI.
Ergebnis: Authentische Kadenz in C-Dur: C (c-e-g) - F (f-a-c) - G7 (g-h-d-f) - C (c-e-g). Im Übergang G7 - C löst sich der Leitton h aufwärts nach c, die Septime f abwärts nach e; der Tritonus h-f kontrahiert in Gegenbewegung zur Terz c-e.
Musterlösung
Analysieren Sie das Lied „Der Lindenbaum“ aus Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ (Text: Wilhelm Müller, 1827). Untersuchen Sie das Verhältnis von Dur- und Moll-Strophen, die funktionsharmonischen Wendungen und die Wort-Ton-Beziehung.
„Der Lindenbaum“ ist Nr. 5 von 24 Liedern der „Winterreise“ (komponiert 1827). Form: erweiterte Strophenform mit Variantentechnik. Drei Hauptteile entsprechen den drei Erinnerungsschritten des lyrischen Ichs (Erinnerung - Versuchung - Resignation). Tonart: E-Dur (Strophe 1, 3) wechselt nach e-Moll (Strophe 2, „Mir tat sein Rauschen ...“).
Triolenfiguren im Klavier (3/4-Takt) malen das Rauschen der Blätter im Wind - hochgradig programmatisch. Die rechte Hand spielt durchgängig Sechzehntel-Triolen, die linke Hand stützt mit Tonika und Dominante in E-Dur. Eintaktiger Vorhang öffnet die Erinnerungsszene.
Gesang setzt mit Sextsprung c#-e ein („Am Brunnen vor dem Tore“). Harmonische Folge T - S - D - T (I - IV - V - I) in E-Dur, ausgeschmückt durch Vorhalte und Durchgangsnoten. Die Strophe endet mit authentischer Kadenz V7 - I (H7 - E-Dur). Erinnerungston: friedlich, klar, dur-haltig.
Variantentonart-Wechsel von E-Dur nach e-Moll (gleiche Tonika, andere Terz) signalisiert die schmerzhafte Wendung der Erinnerung. Harmonik wird chromatisch angereichert: e-Moll, h-Moll (Moll-Dominante v; zugleich Paralleltonart von D-Dur), C-Dur (Untermediante / VI — innerhalb von e-Moll die diatonische sechste Stufe, gegenüber dem Grundton E-Dur als tiefalterierte ♭VI hörbar). Eine echte neapolitanische Wendung wäre F-Dur (♭II) als zusätzliche Spannungsfarbe. Begleitfigur des Klaviers wechselt zu pulsierenden Achtel-Akkorden statt fließender Triolen - Sturmcharakter, Naturmetapher für den inneren Aufruhr.
Rückkehr nach E-Dur, aber die Triolen-Begleitung ist nun chromatisch eingefärbt. Spannungstöne (verminderte Septakkorde, Doppeldominanten) zeigen, dass die Idylle nicht ungetrübt zurückkehrt. Die Schlusswendung enthält einen Trugschluss V - VI (H7 - cis-Moll) vor dem endgültigen Ganzschluss - musikalisches Äquivalent zum textlichen Schwanken zwischen Sehnsucht und Resignation.
Die Tonartendisposition E-Dur - e-Moll - E-Dur spiegelt den dramaturgischen Bogen Erinnerung - Versuchung - Resignation. Schubert nutzt Variantentechnik (Hauptmittel der Romantik) statt der klassischen Dominantmodulation - der Charakterwechsel bleibt im selben tonalen Zentrum verankert, was die psychologische Innerlichkeit verstärkt. Der Text wird nicht „vertont“, sondern in eine eigenständige musikalische Dramaturgie überführt.
Ergebnis: Schuberts „Lindenbaum“ zeigt exemplarisch die romantische Liedästhetik: erweiterte Strophenform, programmatische Klavierbegleitung (Blätterrauschen), Variantentechnik als Ausdruck psychischer Wendungen, Chromatik als Mittel innerer Konflikte. Die funktionsharmonische Grundsubstanz bleibt klassisch, wird aber durch Modulationen, Trugschlüsse und Variantentonarten emotionalisiert.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Beschreiben Sie die Funktionsharmonik in einem chromatisch erweiterten Beispiel (z. B. Wagner, „Tristan“-Akkord). Wie weit trägt das Funktionsmodell, wo bricht es?
Quellen: Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Kernpunkte
NOTENWERTE UND PAUSEN — DAUERVERHÄLTNISSE
Welche drei Beschriftungen in "Notenwerte und Pausen — Dauerverhältnisse" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)