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DE-Abitur · LateinT·011 / 9
Die lateinische Morphologie als Fundament jeder Übersetzung. Fünf Deklinationen, fünf Konjugationen, drei Verbalstämme, sechs Tempora, vier Modi und zwei Genera verbi bilden ein hochregelmäßiges System; sicher beherrscht erschließen sie Sinneinheiten in Sekunden. Schwerpunkt: häufige Ausnahmen (Mischstamm, Deponentien, unregelmäßige Verben) und die Differenzierung formgleicher Endungen.
7Abschnitteca. 27Min Lesezeit5Kompetenzen
Operatoren:bestimmen · analysieren · erschließen · einordnen · erläutern
grundlegendes Niveau
gA — Sichere Formenkenntnis als Voraussetzung jeder Übersetzung. Erwartet: alle fünf Deklinationen, Adjektive a-/o- und 3. Dekl., Personal-, Demonstrativ-, Relativpronomen, alle Tempora Indikativ Aktiv/Passiv, Konjunktiv Präsens und Imperfekt, PPP und PPA, Infinitive Präsens/Perfekt, esse und posse.
erhöhtes Niveau
eA — Vollständige Formenkenntnis inklusive aller Konjunktivformen, Gerundium/Gerundivum, PFA, periphrastische Konjugationen, semideponente Verben, unregelmäßige Verben (ferre, velle, nolle, malle, ire, fieri), Defektiva (memini, odi, coepi) und Bildung seltener Tempora wie Futur II Passiv.
Kernpunkte
DIE FÜNF DEKLINATIONEN IM ÜBERBLICK
Welche drei Beschriftungen in "Die fünf Deklinationen im Überblick" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Bestimmen Sie Kasus, Numerus, Genus, Deklinationsklasse und Grundform der Form civitatum und übersetzen Sie sie kontextfrei.
civitat- (Stamm) + -um (Endung). Die Endung -um signalisiert entweder Akk. Sg. (2. Dekl., neutr.) oder Gen. Pl. (3./5./manchmal 2. Dekl.).
civitat- endet auf den Konsonanten -t; das schließt die 2. Dekl. aus. civitas, civitatis gehört zur 3. Deklination und ist als mehrsilbiges Abstraktum auf -tas zu erkennen.
Alle Abstrakta auf -tas sind feminin. -um als Endung der 3. Dekl. = Gen. Pl. — Substantive auf -tas zählen streng zu den Mischstämmen, deren Gen. Pl. zwischen -ium und -um schwankt: civitatium und civitatum sind beide belegt (civitatum ist bei Caesar besonders häufig).
Gen. Pl. fem.: „der Bürgerschaften / Staaten / Bürgergemeinden". Im Satzkontext meist genitivisches Attribut zu einem übergeordneten Substantiv.
Ergebnis: civitatum = Gen. Pl. f., 3. Deklination (Mischstamm; Gen. Pl. civitatium ~ civitatum belegt), Grundform civitas, civitatis f. — „der Bürgerschaften / Staaten".
Musterlösung
Bestimmen Sie für die drei formgleich anmutenden Wörter vis, vir, vix Klasse und Hauptbedeutung.
vis, vis f. (Pl. vires) = „Kraft, Gewalt" — 3. Dekl., defektiv im Sg. (kein Gen.); vir, viri m. = „Mann" — 2. Dekl. auf -r; vix = Adverb „kaum".
Plural vires (Nom./Akk.) wird oft mit viri (Nom. Pl. von vir) verwechselt; in vires ist der Stamm vir- ohne Ableitungssuffix, in viri liegt der reguläre o-Stamm vor.
vis als Sg. ist als Subjektnominativ oder Akk. (vim) häufig in Cicero („vim adferre" = „Gewalt antun"); vir kommt als Subjekt oder Apposition häufig in Vergil und Sallust vor.
Ergebnis: vis = 3. Dekl. fem. „Kraft" (defektiv); vir = 2. Dekl. mask. „Mann"; vix = Adverb „kaum". Identische Schreibung tritt nicht im Nom./Akk. auf, wohl aber im Plural-Bezug.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie die historische Entstehung der 5. Deklination als spezialisierte e-Stamm-Klasse aus indoeuropäischen Wurzeln und vergleichen Sie die Restformen (Lokativ, archaische Endungen wie pater familias).
Kernpunkte
Musterlösung
Bestimmen Sie das Adjektiv und sein Bezugswort in der Wendung „magnum ... bellum" (Aeneis I, 5).
magnum (Nom./Akk. Sg. neutr.) und bellum (Nom./Akk. Sg. neutr.) stimmen in Kasus, Numerus, Genus überein. Beide formal kongruent.
Hyperbaton: zwischen magnum und bellum stehen weitere Wörter (z.B. „passus" und Eigenname Iuno). Trotz Distanz gehören die beiden Wörter zusammen — keine andere Kongruenz möglich.
Hyperbaton verstärkt die epische Spannung: magnum schwebt am Anfang, bellum kommt erst nach mehreren Versen — der Leser hält bis zur Auflösung den Atem an.
„viel … durchlitten … einen großen Krieg …" — die deutsche Wiedergabe bewahrt die Sperrung nur teilweise; meist wird sie zugunsten der Lesbarkeit aufgelöst.
Ergebnis: magnum kongruiert mit bellum (Nom. Sg. neutr.); das Hyperbaton ist stilistisches Markenzeichen des vergilischen Hexameters.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie das stilistische Gewicht des elativischen Superlativs in Ciceros In Catilinam I, 1 (z.B. „atrocissimus" — „grauenhaftest"); ordnen Sie die Wendung in die rhetorische Strategie der invectio ein.
Kernpunkte
Musterlösung
Bestimmen Sie den Bezug von suos und eius in: „Caesar dixit suos milites fortes esse; eius vero hostes timore captos esse."
Subjekt des Hauptverbs dixit ist Caesar.
suos milites fortes esse = „dass seine eigenen Soldaten tapfer seien" (Reflexivität auf Caesar als Subjekt des dixit).
eius hostes timore captos esse = „dass dessen Feinde von Furcht ergriffen seien". Hier verweist eius nicht auf Caesar (das wäre sui), sondern auf einen anderen, im Kontext genannten Akteur.
Vermutlich bezieht sich eius auf einen anderen Feldherrn oder Gegner, der zuvor erwähnt wurde. Der Kontrast „seine eigenen — dessen" (suus — eius) ist Cicero- und Caesar-typisch.
Ergebnis: suos = reflexiv auf Caesar; eius = nicht-reflexiv auf einen anderen, im Kontext bereits genannten Akteur. Beide Pronomina kontrastieren zwei Lager.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie Ciceros gezielten Gebrauch des Demonstrativs iste in der ersten Catilinaria — wo wird iste statt hic eingesetzt, und welche pejorative Funktion erfüllt diese Wahl?
Kernpunkte
STAMMFORMENPYRAMIDE — DIE DREI VERBALSTÄMME
Welche drei Beschriftungen in "Stammformenpyramide — die drei Verbalstämme" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
TEMPUSSYSTEM — SECHS INDIKATIV-TEMPORA
Welche drei Beschriftungen in "Tempussystem — sechs Indikativ-Tempora" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Bestimmen Sie alle morphologischen Kategorien und übersetzen Sie ducebantur.
Endung -ntur = 3. Pers. Pl. Passiv (Standard-Passivendung im Präsensstamm).
Element -ba- zwischen Stamm und Endung = Imperfekt-Marker (gilt für alle Konjugationen).
duce- mit eingeschobenem -e- vor -ba- ist das Imperfektmuster der konsonantischen Konjugation (rege-ba-m, duce-ba-m, lege-ba-m).
Stammformen duco, ducere, duxi, ductum = konsonantische Konjugation.
3. Pers. Pl. Imperfekt Passiv von ducere.
Ergebnis: ducebantur = „sie wurden geführt / sie wurden ständig geführt" — Imperfekt Passiv der Dauer.
Musterlösung
Bestimmen Sie das Tempus und die Stammformen der Form vidi.
Endung -i = 1. Pers. Sg. Perfekt Aktiv (Standard-Perfektendung).
vid- mit gedehntem -i- = Dehnungsperfekt (statt regelmäßigem v-/u-/s-Perfekt). Charakteristisch für eine kleine Gruppe e-Konj.-Verben.
video, videre, vidi, visum = e-Konjugation mit Dehnungsperfekt.
Mit dem Perfektstamm vid- werden gebildet: vidi (Perf.), videram (Plqp.), videro (Fut. II), viderim (Konj. Perf.), vidissem (Konj. Plqp.), vidisse (Inf. Perf.).
Ergebnis: vidi = 1. Sg. Perf. Akt., „ich habe gesehen / sah" — klassisches Dehnungsperfekt aus der e-Konj.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie die periphrastische Konjugation mit PFA und Form von esse (laudaturus est „er ist im Begriff zu loben / wird gleich loben") und vergleichen Sie ihre Funktion mit dem Futur I.
Kernpunkte
KONJUNKTIVTYPEN IM HAUPTSATZ
Welche drei Beschriftungen in "Konjunktivtypen im Hauptsatz" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Bestimmen Sie Form und Funktion und übersetzen Sie utinam veniat!
veniat = 3. Sg. Konj. Präs. Akt. von venio, -ire, veni, ventum (i-Konjugation; Konj. Präs. mit -a- bei nicht-a-Konj.).
utinam signalisiert Optativ (Wunsch) — alternativ utinam ne für negierten Wunsch.
Konj. Präs. = erfüllbarer Wunsch in Gegenwart/Zukunft („möge er kommen!"). Konj. Imp. (utinam veniret) = unerfüllbar Gegenwart („würde er doch kommen!"). Konj. Plqp. (utinam venisset) = unerfüllbar Vergangenheit („wäre er doch gekommen!").
„Möge er (doch) kommen!" — erfüllbarer Wunsch in der Sprechgegenwart.
Ergebnis: utinam veniat = Optativ Präsens, erfüllbarer Wunsch; die Sprecher-Erwartung ist offen und positiv.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie die consecutio temporum in einer Cicero-Stelle (z.B. De officiis I, 22) und erläutern Sie die Funktion des Konj. Perf. in einer abhängigen Frage.
Kernpunkte
ABLATIVUS ABSOLUTUS — KONSTRUKTION UND FÜNF SINNRICHTUNGEN
Welche drei Beschriftungen in "Ablativus absolutus — Konstruktion und fünf Sinnrichtungen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Analysieren Sie alle satzwertigen Konstruktionen in: „Caesar urbe capta milites in castra reduxit, quod hostes fugere coepisse audivit."
urbe (Abl. Sg. fem.) + capta (PPP, Abl. Sg. fem.); Bezugswort kommt im Hauptsatz NICHT vor → Abl. abs. PPP = vorzeitig. Sinn: „nachdem die Stadt erobert worden war".
reduxit = 3. Sg. Perf. Akt. von reducere — „er führte zurück".
quod + Indikativ = kausal: „weil er hörte".
hostes (Subj. Akk.) + coepisse (Inf. Perf., vorzeitig zu audivit) + fugere (Inf. Präs., gleichzeitig zu coepisse). Sinn: „dass die Feinde zu fliehen begonnen hatten".
Vier ineinander verschachtelte Konstruktionen: Hauptsatz + Abl. abs. + kausaler Nebensatz + AcI mit eingebettetem Inf. Präs.
Ergebnis: „Caesar führte, nachdem die Stadt erobert worden war, die Soldaten in das Lager zurück, weil er hörte, dass die Feinde zu fliehen begonnen hatten." — alle vier Konstruktionen sauber aufgelöst.
Musterlösung
Erläutern Sie Form und Funktion in der berühmten Sentenz „Carthago delenda est".
Carthago = Nom. Sg. fem. (Eigenname); delenda = Gerundivum von delere (Nom. Sg. fem., kongruent zu Carthago); est = 3. Sg. Präs. Ind. von esse.
Gerundivum + Form von esse = passivische Notwendigkeitskonstruktion („muss/soll … werden"). Subjekt ist das Bezugswort des Gerundivums.
„Karthago muss zerstört werden." Falsche aktive Wiedergabe („Karthago muss zerstören") wäre grober Sinnfehler.
Cato d. Ä. soll diese Forderung am Ende jeder Senatsrede wiederholt haben; das Diktum wird zur römischen Selbstvergewisserung und mündet im Dritten Punischen Krieg (149–146 v. Chr.).
Ergebnis: delenda est = passivische Notwendigkeitskonstruktion; Karthago als Subjekt der zu vollziehenden Handlung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie das lateinische Gerundivum mit esse (passivische Notwendigkeitskonstruktion) mit dem deutschen „sein + zu + Infinitiv" („das Buch ist zu lesen") und mit dem altgriechischen verbalen Adjektiv auf -teos.
Kernpunkte
Musterlösung
Bestimmen Sie tulit und referebant und erläutern Sie die Stammformen.
3. Sg. Perf. Akt. von ferre — der Perfektstamm ist tul- (suppletiv aus indogermanischer Wurzel tel-/tol-).
fero, ferre, tuli, latum — drei verschiedene Wurzeln (fer-/tul-/lat-) bilden ein suppletives Paradigma.
3. Pl. Imp. Akt. von referre (re- + ferre). Imperfektbildung über den Präsensstamm (refer-) + -ba- + -nt.
referre = „zurücktragen, berichten, beziehen". In der Historiographie häufig als „berichten" (Caesar, Livius).
Ergebnis: tulit = „er hat getragen / brachte"; referebant = „sie berichteten ständig / brachten zurück" (Imperfekt der Dauer).
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erklären Sie die formale und semantische Asymmetrie von fieri (aktive Form, passive Bedeutung) und vergleichen Sie sie mit der mediopassiven Diathese im Altgriechischen.