Formenlehre — Substantive, Adjektive, Pronomina, Verben
Die lateinische Morphologie als Fundament jeder Übersetzung. Fünf Deklinationen, fünf Konjugationen, drei Verbalstämme, sechs Tempora, vier Modi und zwei Genera verbi bilden ein hochregelmäßiges System; sicher beherrscht erschließen sie Sinneinheiten in Sekunden. Schwerpunkt: häufige Ausnahmen (Mischstamm, Deponentien, unregelmäßige Verben) und die Differenzierung formgleicher Endungen.
Operatoren:bestimmen · analysieren · erschließen · einordnen · erläutern
grundlegendes Niveau
gA — Sichere Formenkenntnis als Voraussetzung jeder Übersetzung. Erwartet: alle fünf Deklinationen, Adjektive a-/o- und 3. Dekl., Personal-, Demonstrativ-, Relativpronomen, alle Tempora Indikativ Aktiv/Passiv, Konjunktiv Präsens und Imperfekt, PPP und PPA, Infinitive Präsens/Perfekt, esse und posse.
erhöhtes Niveau
eA — Vollständige Formenkenntnis inklusive aller Konjunktivformen, Gerundium/Gerundivum, PFA, periphrastische Konjugationen, semideponente Verben, unregelmäßige Verben (ferre, velle, nolle, malle, ire, fieri), Defektiva (memini, odi, coepi) und Bildung seltener Tempora wie Futur II Passiv.
Die fünf Deklinationen im Überblick
Basiskmk-epa-latein-sprache-form-1nrw-vorgaben-latein-sprachkompetenzKernpunkte
- Erkennung der Deklinationsklasse erfolgt über den Genitiv Singular: 1. Dekl. -ae (rosa, rosae); 2. Dekl. -i (servus, servi; bellum, belli); 3. Dekl. -is (rex, regis); 4. Dekl. -us (manus, manus); 5. Dekl. -ei (res, rei). Der Nominativ allein verrät die Klasse oft nicht.
- Die 3. Deklination ist die häufigste und gliedert sich in drei Untergruppen: Konsonantenstamm (rex, regis), reiner i-Stamm (mare, maris; turris, turris), Mischstamm (urbs, urbis; civis, civis). Der Mischstamm hat im Gen. Pl. -ium statt -um; Neutra reine i-Stämme haben im Abl. Sg. -i statt -e.
- Neutrumregel (gilt in allen Deklinationen): Nominativ und Akkusativ stimmen überein; im Plural enden Neutra stets auf -a (templa, maria, cornua, corpora). Diese Regel ist eine zuverlässige Erschließungshilfe.
- Die 5. Deklination ist klein (ca. zwölf abiturrelevante Wörter, fast alle feminin: res, spes, fides, acies, materies, species). Nur dies und meridies sind maskulin oder gemischt; dies ist im Singular meist maskulin, im Plural feminin („festliche Tage").
- Lokativ (alte Form, erhalten bei Stadtnamen und wenigen Sondersubstantiven): Romae, Corinthi, Carthagini „in Rom / Korinth / Karthago"; domi „zu Hause", ruri „auf dem Land", humi „auf dem Boden". Im Abitur regelmäßig in Caesar- und Cicero-Stellen anzutreffen.
- Wortpaarmethode: Lerne jedes Substantiv als Block Nominativ + Genitiv + Genus: rosa, -ae f. — servus, -i m. — rex, regis m. — manus, -us f. — res, rei f. Ohne diese drei Angaben ist die Form später nicht eindeutig flektierbar.
- Endungssynkretismus als Stolperstein: die Endung -is kann Gen. Sg. der 3. Dekl. (regis) oder Dat./Abl. Pl. der 1./2. Dekl. (rosis, servis) oder Akk. Pl. der 3. Dekl. i-Stamm (turris) sein. Nur die Konstruktionsanalyse im Satz entscheidet sicher.
- Griechische Lehnwörter behalten oft ihre Originalflexion: Aeneas, -ae m. (1. Dekl.); Anchises, -ae m.; Aegyptus, -i f.; Delos, -i f. Bei Vergil und Ovid sind diese Formen häufig.
DIE FÜNF DEKLINATIONEN IM ÜBERBLICK
Welche drei Beschriftungen in "Die fünf Deklinationen im Überblick" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Vollanalyse einer Wortform — civitatum
Bestimmen Sie Kasus, Numerus, Genus, Deklinationsklasse und Grundform der Form civitatum und übersetzen Sie sie kontextfrei.
- Schritt 1 — Endung isolieren
civitat- (Stamm) + -um (Endung). Die Endung -um signalisiert entweder Akk. Sg. (2. Dekl., neutr.) oder Gen. Pl. (3./5./manchmal 2. Dekl.).
- Schritt 2 — Stamm prüfen
civitat- endet auf den Konsonanten -t; das schließt die 2. Dekl. aus. civitas, civitatis gehört zur 3. Deklination und ist als mehrsilbiges Abstraktum auf -tas zu erkennen.
- Schritt 3 — Genus + Funktion
Alle Abstrakta auf -tas sind feminin. -um als Endung der 3. Dekl. = Gen. Pl. (mehrsilbige Konsonantenstämme können -um statt -ium haben).
- Schritt 4 — Übersetzung
Gen. Pl. fem.: „der Bürgerschaften / Staaten / Bürgergemeinden". Im Satzkontext meist genitivisches Attribut zu einem übergeordneten Substantiv.
Ergebnis: civitatum = Gen. Pl. f., 3. Deklination (Konsonantenstamm), Grundform civitas, civitatis f. — „der Bürgerschaften / Staaten".
Musterlösung
Endungssynkretismus auflösen — vis vs. vir vs. vix
Bestimmen Sie für die drei formgleich anmutenden Wörter vis, vir, vix Klasse und Hauptbedeutung.
- Schritt 1 — Stammformen
vis, vis f. (Pl. vires) = „Kraft, Gewalt" — 3. Dekl., defektiv im Sg. (kein Gen.); vir, viri m. = „Mann" — 2. Dekl. auf -r; vix = Adverb „kaum".
- Schritt 2 — Plural-Differenz
Plural vires (Nom./Akk.) wird oft mit viri (Nom. Pl. von vir) verwechselt; in vires ist der Stamm vir- ohne Ableitungssuffix, in viri liegt der reguläre o-Stamm vor.
- Schritt 3 — Funktion im Satz
vis als Sg. ist als Subjektnominativ oder Akk. (vim) häufig in Cicero („vim adferre" = „Gewalt antun"); vir kommt als Subjekt oder Apposition häufig in Vergil und Sallust vor.
Ergebnis: vis = 3. Dekl. fem. „Kraft" (defektiv); vir = 2. Dekl. mask. „Mann"; vix = Adverb „kaum". Identische Schreibung tritt nicht im Nom./Akk. auf, wohl aber im Plural-Bezug.
Typische Fehler
- manus wird als 2. Dekl. (mask./neutr.) gelesen statt als 4. Dekl. (fem.) — alle Kongruenzen werden falsch.
- res publica wird als zwei unverbundene Substantive gelesen statt als feststehende Wortgruppe (5. + 1. Dekl., fem., „Staat").
- Der Mischstammgenitiv (urbium, civium, montium) wird mit -um abgekürzt; in der Übersetzung verschwindet dann der Plural.
- domus (4. Dekl.) wird falsch dekliniert: domi (Lokativ), domum (Akk. der Richtung „nach Hause"), domo (Abl. der Trennung „von zu Hause") werden nicht erkannt.
- Griechische Eigennamen wie Aeneas, Anchises werden nach der 1. Dekl. fem. behandelt, obwohl sie maskulin sind.
Übungsaufgabe
Bestimmen Sie von den Wortformen poetae, regibus, manuum, diei, urbium, templa, hostium, fidei, montibus, copiis jeweils Kasus, Numerus, Genus und Deklinationsklasse.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie die historische Entstehung der 5. Deklination als spezialisierte e-Stamm-Klasse aus indoeuropäischen Wurzeln und vergleichen Sie die Restformen (Lokativ, archaische Endungen wie pater familias).
Adjektive und Komparation
Basiskmk-epa-latein-sprache-form-2nrw-vorgaben-latein-sprachkompetenzKernpunkte
- Adjektive der a-/o-Deklination sind dreigliedrig: bonus, -a, -um. Maskulin und Neutrum folgen der 2. Dekl., Feminin der 1. Dekl. Kongruenz mit dem Substantiv in Kasus, Numerus und Genus ist verbindlich.
- Adjektive der 3. Deklination kommen in drei Formen vor: dreigliedrig (acer, acris, acre „scharf"), zweigliedrig (fortis, forte „stark"; omnis, omne „alle"), eingliedrig (felix, felicis „glücklich"; ingens, ingentis „gewaltig"). Alle 3.-Dekl.-Adjektive sind i-Stämme.
- Endungseigentümlichkeiten i-Stamm-Adjektive: Abl. Sg. -i (omni, forti — nicht -e); Gen. Pl. -ium; Nom./Akk. Pl. Neutrum -ia (omnia, fortia).
- Kongruenzregel: rosa pulchra (Nom. Sg. fem.); civitas ingens (Nom. Sg. fem., obwohl ingens formal eingliedrig erscheint); poeta bonus („der gute Dichter" — mask., obwohl poeta nach 1. Dekl. flektiert wird).
- Komparation regelmäßig: Positiv altus „hoch" — Komparativ altior, altius „höher / ziemlich hoch" — Superlativ altissimus, -a, -um „am höchsten / sehr hoch". Komparativ folgt 3. Dekl. Konsonantenstamm; Superlativ 1./2. Dekl.
- Unregelmäßige Komparation (Pflichtwissen): bonus — melior — optimus; malus — peior — pessimus; magnus — maior — maximus; parvus — minor — minimus; multus — plus — plurimus.
- Komparation auf -er: pulcher — pulchrior — pulcherrimus; celer — celerior — celerrimus. Adjektive auf -ilis: facilis — facilior — facillimus; difficilis — difficilior — difficillimus.
- Doppelbedeutung Komparativ: altior „höher" (Vergleich) oder „ziemlich hoch / zu hoch" (absolut). Superlativ: „am höchsten" (Vergleich) oder „sehr hoch" (elativisch). Kontext entscheidet; Vergleichsobjekt mit quam + Nom. oder Abl. comparationis.
- quam + Superlativ = „möglichst …": quam celerrime „möglichst schnell". Klausurklassiker, in fast jeder Caesar- und Cicero-Stelle anzutreffen.
Musterlösung
Kongruenz bei Hyperbaton — Vergil, Aeneis I
Bestimmen Sie das Adjektiv und sein Bezugswort in der Wendung „magnum ... bellum" (Aeneis I, 5).
- Schritt 1 — Form prüfen
magnum (Nom./Akk. Sg. neutr.) und bellum (Nom./Akk. Sg. neutr.) stimmen in Kasus, Numerus, Genus überein. Beide formal kongruent.
- Schritt 2 — syntaktischer Bezug
Hyperbaton: zwischen magnum und bellum stehen weitere Wörter (z.B. „passus" und Eigenname Iuno). Trotz Distanz gehören die beiden Wörter zusammen — keine andere Kongruenz möglich.
- Schritt 3 — stilistische Funktion
Hyperbaton verstärkt die epische Spannung: magnum schwebt am Anfang, bellum kommt erst nach mehreren Versen — der Leser hält bis zur Auflösung den Atem an.
- Schritt 4 — Übersetzung
„viel … durchlitten … einen großen Krieg …" — die deutsche Wiedergabe bewahrt die Sperrung nur teilweise; meist wird sie zugunsten der Lesbarkeit aufgelöst.
Ergebnis: magnum kongruiert mit bellum (Nom. Sg. neutr.); das Hyperbaton ist stilistisches Markenzeichen des vergilischen Hexameters.
Typische Fehler
- Adjektiv wird mit dem nächststehenden Substantiv kongruiert statt mit dem Bezugswort: bei Hyperbaton wird so der Sinn verfehlt.
- Eingliedrige Adjektive (felix, felicis) werden im Nominativ als Genitiv interpretiert, weil die Nennform identisch klingt.
- pulchrior wird als Superlativ („am schönsten") gelesen — tatsächlich Komparativ.
- Bei elativischem Superlativ („sehr hoch") wird zwanghaft eine Vergleichsgröße gesucht, die nicht existiert.
- Komparation auf -ilis (facillimus statt facilissimus) wird mit der Standardform verwechselt.
Übungsaufgabe
Bilden Sie Komparativ und Superlativ von folgenden Adjektiven und bestimmen Sie Kongruenz im Kontext: altus, fortis, felix, magnus, bonus, pulcher, facilis, similis, liber.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie das stilistische Gewicht des elativischen Superlativs in Ciceros In Catilinam I, 1 (z.B. „atrocissimus" — „grauenhaftest"); ordnen Sie die Wendung in die rhetorische Strategie der invectio ein.
Pronomina — Personal, Demonstrativ, Relativ, Reflexiv
Standardkmk-epa-latein-sprache-form-3Kernpunkte
- Personalpronomina: ego, tu, nos, vos. Im Lateinischen werden sie meist weggelassen (Verbendung trägt die Person), nur zur Hervorhebung oder Kontrastierung gesetzt: ego et tu „ich und du".
- Reflexivpronomen sui, sibi, se, se (3. Pers., kein Nom.) bezieht sich auf das Subjekt des aktuellen Satzes. Possessiv suus, sua, suum „sein eigener / ihr eigener" ist reflexiv; eius, eorum „dessen / deren" ist nicht-reflexiv.
- Reflexivitätsregel (Klausurklassiker): Caesar suos milites laudat = „Caesar lobt seine (eigenen) Soldaten"; Caesar eius milites laudat = „Caesar lobt dessen (= eines anderen) Soldaten".
- Demonstrativpronomina: hic, haec, hoc „dieser hier" (Sprechernähe); iste, ista, istud „dieser bei dir / dieser dort" (oft pejorativ bei Cicero); ille, illa, illud „jener" (Distanz, oft mit verklärender Konnotation).
- is, ea, id ist das schwache Demonstrativ („der, die, das"; auch als 3.-Person-Pronomen); ipse, ipsa, ipsum „selbst" ist verstärkend; idem, eadem, idem „derselbe" ist Identitätspronomen aus is + -dem.
- Relativpronomen qui, quae, quod kongruiert in Genus und Numerus mit dem Bezugswort im Hauptsatz; sein Kasus richtet sich nach der Funktion im Relativsatz. Diese Regel ist die wichtigste Pronomen-Regel überhaupt.
- Indefinitpronomina: aliquis „irgendjemand" (nach si, nisi, num, ne fällt der Anfang aliqu- weg → quis); quidam „ein gewisser"; quisque „jeder einzelne"; nemo „niemand" (Gen./Abl. nullius/nullo aus nullus); nihil „nichts".
- Interrogativpronomen: quis, quid „wer? was?" (substantivisch); qui, quae, quod „welcher? welche? welches?" (adjektivisch). In indirekten Fragen folgt Konjunktiv.
Musterlösung
Reflexivität — suus vs. eius im Konjunktivsatz
Bestimmen Sie den Bezug von suos und eius in: „Caesar dixit suos milites fortes esse; eius vero hostes timore captos esse."
- Schritt 1 — Hauptsatzsubjekt
Subjekt des Hauptverbs dixit ist Caesar.
- Schritt 2 — AcI
suos milites fortes esse = „dass seine eigenen Soldaten tapfer seien" (Reflexivität auf Caesar als Subjekt des dixit).
- Schritt 3 — zweiter AcI
eius hostes timore captos esse = „dass dessen Feinde von Furcht ergriffen seien". Hier verweist eius nicht auf Caesar (das wäre sui), sondern auf einen anderen, im Kontext genannten Akteur.
- Schritt 4 — Auflösung
Vermutlich bezieht sich eius auf einen anderen Feldherrn oder Gegner, der zuvor erwähnt wurde. Der Kontrast „seine eigenen — dessen" (suus — eius) ist Cicero- und Caesar-typisch.
Ergebnis: suos = reflexiv auf Caesar; eius = nicht-reflexiv auf einen anderen, im Kontext bereits genannten Akteur. Beide Pronomina kontrastieren zwei Lager.
Typische Fehler
- suus wird nicht-reflexiv übersetzt: „Caesar laudat suos milites" als „Caesar lobt die Soldaten" (welche?) statt „seine (eigenen) Soldaten".
- eius wird reflexiv interpretiert: „Caesar eius milites laudat" als „seine eigenen Soldaten" — falsch, eius verweist auf einen anderen.
- Relativpronomen wird im Kasus des Bezugsworts gelassen statt nach der Funktion im Relativsatz flektiert.
- Bei aliquis nach si wird das „irgendjemand" beibehalten, obwohl die Form quis (ohne Präfix) gilt: „si quis venit" = „falls jemand kommt".
- idem (= is + -dem) wird als eigenes Pronomen gelernt, ohne den Aufbau zu erkennen — Endungen verschmelzen, was bei der Formbestimmung verwirrt.
Übungsaufgabe
Erläutern Sie an drei Beispielen aus dem Übersetzungstext den Unterschied zwischen suus und eius und übersetzen Sie jeweils sinngemäß.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie Ciceros gezielten Gebrauch des Demonstrativs iste in der ersten Catilinaria — wo wird iste statt hic eingesetzt, und welche pejorative Funktion erfüllt diese Wahl?
Verbalsystem — fünf Konjugationen, sechs Tempora
Basiskmk-epa-latein-sprache-form-4Kernpunkte
- Erkennung der Konjugation am Präsensstammvokal: a-Konjugation (laudo, laudare, laudavi, laudatum); e-Konjugation (moneo, monere, monui, monitum); konsonantische Konjugation (rego, regere, rexi, rectum); i-Konjugation (audio, audire, audivi, auditum); gemischte Konjugation (capio, capere, cepi, captum — „kurz-i").
- Die vier Stammformen (1. Sg. Präs., Inf. Präs., 1. Sg. Perf., PPP) sind die Pflichteinheit. Ohne sie ist keine Form sicher bildbar. Lernblock: laudo — laudare — laudavi — laudatum.
- Drei Stämme erzeugen alle Formen: Präsensstamm (Präsens, Imperfekt, Futur I, Konj. Präs./Imp.); Perfektstamm (Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II Aktiv, Konj. Perf./Plqp.); Partizipialstamm (PPP, alle Passiv-Perfektformen, PFA).
- Aktiv-Endungen: -o/-m, -s, -t, -mus, -tis, -nt. Passiv-Endungen: -or/-r, -ris, -tur, -mur, -mini, -ntur. Imperfekt-Tempuszeichen: -ba-; Futur I a-/e-Konj.: -b-; konson./i-/gem.: -e-/-a-; Konj. Präs.: a-Konj. → -e-, alle anderen → -a-.
- Perfektbildung in vier Typen: v-Perfekt (lauda-vi), u-Perfekt (monu-i), s-Perfekt (rex-i, dux-i), Dehnungs-/Reduplikationsperfekt (vidi aus vid-, cecidi aus cad-). Auswendig lernen oder aus Stammformen ableiten.
- Passiv: Präsensstamm synthetisch (laudor, laudaris, laudatur …); Perfektstamm analytisch (PPP + Form von esse: laudatus sum, laudatus eram, laudatus ero). Die Form-Komposita sind im Deutschen dreigliedrig wiederzugeben: laudatus est = „er ist gelobt worden / wurde gelobt".
- Imperativ Präs.: Sg. = Präsensstamm (lauda!, mone!, rege!, audi!, cape!); Pl. = +te (laudate!). Unregelmäßig: dic!, duc!, fac!, fer! ohne -e (von dico, duco, facio, fero).
- Sechs Infinitive: Inf. Präs. Akt. (laudare), Präs. Pass. (laudari); Inf. Perf. Akt. (laudavisse), Perf. Pass. (laudatus esse); Inf. Fut. Akt. (laudaturum esse), Fut. Pass. (laudatum iri).
- Zeitstufenregel im AcI: Inf. Präs. = gleichzeitig zum Hauptverb; Inf. Perf. = vorzeitig; Inf. Fut. = nachzeitig. Niemals absolut, immer relativ zum übergeordneten Verb.
STAMMFORMENPYRAMIDE — DIE DREI VERBALSTÄMME
Welche drei Beschriftungen in "Stammformenpyramide — die drei Verbalstämme" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
TEMPUSSYSTEM — SECHS INDIKATIV-TEMPORA
Welche drei Beschriftungen in "Tempussystem — sechs Indikativ-Tempora" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Vollanalyse einer Verbform — ducebantur
Bestimmen Sie alle morphologischen Kategorien und übersetzen Sie ducebantur.
- Schritt 1 — Endung
Endung -ntur = 3. Pers. Pl. Passiv (Standard-Passivendung im Präsensstamm).
- Schritt 2 — Tempuszeichen
Element -ba- zwischen Stamm und Endung = Imperfekt-Marker (gilt für alle Konjugationen).
- Schritt 3 — Stamm
duce- mit eingeschobenem -e- vor -ba- ist das Imperfektmuster der konsonantischen Konjugation (rege-ba-m, duce-ba-m, lege-ba-m).
- Schritt 4 — Konjugation
Stammformen duco, ducere, duxi, ductum = konsonantische Konjugation.
- Schritt 5 — Ergebnis
3. Pers. Pl. Imperfekt Passiv von ducere.
Ergebnis: ducebantur = „sie wurden geführt / sie wurden ständig geführt" — Imperfekt Passiv der Dauer.
Musterlösung
Stammformen ableiten — vidi
Bestimmen Sie das Tempus und die Stammformen der Form vidi.
- Schritt 1 — Endung
Endung -i = 1. Pers. Sg. Perfekt Aktiv (Standard-Perfektendung).
- Schritt 2 — Stamm
vid- mit gedehntem -i- = Dehnungsperfekt (statt regelmäßigem v-/u-/s-Perfekt). Charakteristisch für eine kleine Gruppe e-Konj.-Verben.
- Schritt 3 — Stammformen
video, videre, vidi, visum = e-Konjugation mit Dehnungsperfekt.
- Schritt 4 — abgeleitete Tempora
Mit dem Perfektstamm vid- werden gebildet: vidi (Perf.), videram (Plqp.), videro (Fut. II), viderim (Konj. Perf.), vidissem (Konj. Plqp.), vidisse (Inf. Perf.).
Ergebnis: vidi = 1. Sg. Perf. Akt., „ich habe gesehen / sah" — klassisches Dehnungsperfekt aus der e-Konj.
Typische Fehler
- Konjugationsklasse falsch bestimmt — capio (gemischt) wird wie audio (i-Konj.) behandelt; Folge: falsche Stammbildung.
- Endung -t kann 3. Sg. Präs. ODER Sg. Perf. sein — bei monet (Präs.) und monuit (Perf.) entscheidet der Stammvokal, nicht die Endung.
- Passiv-Perfekt (laudatus est) wird als Präsens gelesen („er wird gelobt") statt als Perfekt („er ist gelobt worden / wurde gelobt").
- Futur I (laudabit) und Konj. Präs. (laudet) der a-Konj. werden verwechselt; bei e-/konson./i-Konj. wächst die Gefahr (reget = Fut., regat = Konj.).
- Imperativ-Sg. (lauda!) wird als Indikativ („du lobst") oder Ablativ („durch das Lob") gelesen.
Übungsaufgabe
Bestimmen Sie von amavit, amabat, amabit, amaret, amet, audiebantur, ceperis, regemini, monitus erat, capientur jeweils Person, Numerus, Tempus, Modus, Genus verbi und Konjugationsklasse.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie die periphrastische Konjugation mit PFA und Form von esse (laudaturus est „er ist im Begriff zu loben / wird gleich loben") und vergleichen Sie ihre Funktion mit dem Futur I.
Konjunktiv und Imperativ
Standardkmk-epa-latein-sprache-form-5kmk-epa-latein-sprache-synt-1Kernpunkte
- Konjunktiv Präsens: a-Konj. mit -e- (laudem, laudes, laudet); alle anderen mit -a- (moneam, regam, audiam, capiam). Merkregel: „a-Konj. → e, alle anderen → a".
- Konjunktiv Imperfekt: stets Präsensstamm + -re- + Personalendung (laudarem, monerem, regerem, audirem, caperem). Formal identisch mit Inf. Präs. + Personalendung — eine zuverlässige Brücke.
- Konjunktiv Perfekt: Perfektstamm + -eri- + Endung (laudaverim, monuerim, rexerim). Konjunktiv Plusquamperfekt: Perfektstamm + -isse- + Endung (laudavissem, monuissem). Identisch mit Inf. Perf. + Personalendung.
- Sieben Sinnrichtungen des Konjunktivs im Hauptsatz: Iussiv (3. Pers., Befehl: „veniat!"), Adhortativ (1. Pl., Aufforderung: „eamus!"), Optativ (Wunsch: „utinam veniat!"), Potentialis (Möglichkeit: „dicat aliquis"), Irrealis (Unwirkliches: „venires"), Deliberativ (Erwägungsfrage: „quid faciam?"), Concessivus (Einräumung: „sit fur").
- Konjunktiv im Nebensatz: abhängig vom Subjunktor — nach ut (Final, Konsekutiv), cum (cum historicum, kausal, konzessiv), ne, quin, quominus; in indirekter Frage; in indirekter Rede (oratio obliqua).
- Imperativ Präs. Sg. = Präsensstamm pur; Pl. = Präsensstamm + -te. Verbote werden NICHT mit ne + Imperativ gebildet, sondern mit noli/nolite + Inf. („noli timere!" = „fürchte dich nicht!") oder ne + Konj. Perf. („ne timueris!").
- Imperativ Futur: -to / -tote (selten; in Gesetzestexten und feierlichen Formeln: „salveto!" = „sei gegrüßt!"; „regito!" = „du sollst herrschen!").
- Zeitstufenregel im Konjunktiv-Nebensatz (consecutio temporum): Hauptverb Präs./Fut. → Konj. Präs. (gleichzeitig) / Konj. Perf. (vorzeitig); Hauptverb Vergangenheit → Konj. Imp. (gleichzeitig) / Konj. Plqp. (vorzeitig).
KONJUNKTIVTYPEN IM HAUPTSATZ
Welche drei Beschriftungen in "Konjunktivtypen im Hauptsatz" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Optativ Präsens — utinam veniat!
Bestimmen Sie Form und Funktion und übersetzen Sie utinam veniat!
- Schritt 1 — Form
veniat = 3. Sg. Konj. Präs. Akt. von venio, -ire, veni, ventum (i-Konjugation; Konj. Präs. mit -a- bei nicht-a-Konj.).
- Schritt 2 — Marker
utinam signalisiert Optativ (Wunsch) — alternativ utinam ne für negierten Wunsch.
- Schritt 3 — Tempus und Erfüllbarkeit
Konj. Präs. = erfüllbarer Wunsch in Gegenwart/Zukunft („möge er kommen!"). Konj. Imp. (utinam veniret) = unerfüllbar Gegenwart („würde er doch kommen!"). Konj. Plqp. (utinam venisset) = unerfüllbar Vergangenheit („wäre er doch gekommen!").
- Schritt 4 — Übersetzung
„Möge er (doch) kommen!" — erfüllbarer Wunsch in der Sprechgegenwart.
Ergebnis: utinam veniat = Optativ Präsens, erfüllbarer Wunsch; die Sprecher-Erwartung ist offen und positiv.
Typische Fehler
- Konj. Imp. (laudarem) wird als Indikativ oder Infinitiv gelesen, weil die Form an den Inf. Präs. erinnert.
- Konj. Plqp. (laudavissem) wird mit Inf. Perf. (laudavisse) verwechselt — der Unterschied ist nur die Personalendung -m, -s, -t.
- Imperativ und Indikativ Präs. 2. Sg. fallen zusammen (lauda = „lobe!" oder Ablativ Sg. „durch die Lobe" wenn lauda Substantiv wäre — hier Imperativ, da kein Substantiv).
- Bei Verboten wird ne + Imperativ verwendet — das ist falsch (außer in Versdichtung): noli/nolite + Inf. oder ne + Konj. Perf.
- Konj. Präs. wird der a-Konj. mit -a- gebildet (laudam statt laudem) — die Merkregel „a → e" wird verwechselt.
Übungsaufgabe
Bilden Sie von amare alle vier Konjunktivtempora (1. Sg. Akt.), den Imperativ Sg. und Pl. und alle sechs Infinitive; übersetzen Sie: „lasst uns Frieden schließen", „möge er kommen!", „wenn er käme, würde er sehen", „ich glaube, dass er gekommen war".
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie die consecutio temporum in einer Cicero-Stelle (z.B. De officiis I, 22) und erläutern Sie die Funktion des Konj. Perf. in einer abhängigen Frage.
Partizipien, Gerundium, Gerundivum und Deponentien
Vertiefungkmk-epa-latein-sprache-form-6kmk-epa-latein-sprache-synt-2Kernpunkte
- Drei Partizipien: PPA (Partizip Präsens Aktiv: laudans, laudantis, „lobend"); PPP (Partizip Perfekt Passiv: laudatus, -a, -um, „gelobt worden / gelobt"); PFA (Partizip Futur Aktiv: laudaturus, -a, -um, „im Begriff zu loben / loben werdend").
- PPA gibt Gleichzeitigkeit und Aktiv, PPP Vorzeitigkeit und Passiv, PFA Nachzeitigkeit und Aktiv an — diese Trias ist die Zeitstufen-Achse jeder Partizipialkonstruktion.
- Participium coniunctum (PC): Partizip in Kongruenz mit einem Substantiv des Hauptsatzes. Deutsch: Relativsatz, Adverbialsatz (temporal, kausal, konzessiv, konditional, modal) oder Beiordnung. Beispiel: „Caesar pugnans victus est" = „Caesar, der kämpfte / während er kämpfte, wurde besiegt".
- Gerundium (Verbalsubstantiv, Aktiv, neutr.; kein Nom.): laudandi (Gen. „des Lobens"), laudando (Dat./Abl. „zum/durch das Loben"), laudandum (Akk., meist mit ad: „zum Loben"). Ersetzt den fehlenden Infinitiv in den obliquen Kasus.
- Gerundivum (Verbaladjektiv, Passiv, -nd-): laudandus, -a, -um = „der zu lobende / der gelobt werden muss". Prädikativ mit esse: passivische Notwendigkeitskonstruktion („Carthago delenda est" = „Karthago muss zerstört werden").
- Deponentien sind passiv in Form, aktiv in Bedeutung: hortor, -ari, hortatus sum = „ich ermutige" (NICHT „ich werde ermutigt"). Wichtige Deponentien: loquor, sequor, patior, morior, conor, vereor, polliceor, proficiscor, ingredior.
- Semideponentien: aktive Präsensstamm-Formen, passive Perfektstamm-Formen — audeo, ausus sum; soleo, solitus sum; gaudeo, gavisus sum; fido, fisus sum.
- PC vs. Abl. abs.: PC ist im Hauptsatz integriert (Bezugswort = Subjekt/Objekt des Hauptsatzes); Abl. abs. ist syntaktisch unabhängig (Bezugswort steht nur im Ablativ und kommt im Hauptsatz NICHT vor).
ABLATIVUS ABSOLUTUS — KONSTRUKTION UND FÜNF SINNRICHTUNGEN
Welche drei Beschriftungen in "Ablativus absolutus — Konstruktion und fünf Sinnrichtungen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
PC, AcI, Abl. abs. — verschachtelte Konstruktionen entwirren
Analysieren Sie alle satzwertigen Konstruktionen in: „Caesar urbe capta milites in castra reduxit, quod hostes fugere coepisse audivit."
- Schritt 1 — urbe capta
urbe (Abl. Sg. fem.) + capta (PPP, Abl. Sg. fem.); Bezugswort kommt im Hauptsatz NICHT vor → Abl. abs. PPP = vorzeitig. Sinn: „nachdem die Stadt erobert worden war".
- Schritt 2 — Hauptsatzprädikat
reduxit = 3. Sg. Perf. Akt. von reducere — „er führte zurück".
- Schritt 3 — Nebensatz mit quod
quod + Indikativ = kausal: „weil er hörte".
- Schritt 4 — AcI als Objekt zu audivit
hostes (Subj. Akk.) + coepisse (Inf. Perf., vorzeitig zu audivit) + fugere (Inf. Präs., gleichzeitig zu coepisse). Sinn: „dass die Feinde zu fliehen begonnen hatten".
- Schritt 5 — Gesamtwiedergabe
Vier ineinander verschachtelte Konstruktionen: Hauptsatz + Abl. abs. + kausaler Nebensatz + AcI mit eingebettetem Inf. Präs.
Ergebnis: „Caesar führte, nachdem die Stadt erobert worden war, die Soldaten in das Lager zurück, weil er hörte, dass die Feinde zu fliehen begonnen hatten." — alle vier Konstruktionen sauber aufgelöst.
Musterlösung
Gerundivum mit esse — Notwendigkeitskonstruktion
Erläutern Sie Form und Funktion in der berühmten Sentenz „Carthago delenda est".
- Schritt 1 — Form
Carthago = Nom. Sg. fem. (Eigenname); delenda = Gerundivum von delere (Nom. Sg. fem., kongruent zu Carthago); est = 3. Sg. Präs. Ind. von esse.
- Schritt 2 — Konstruktion
Gerundivum + Form von esse = passivische Notwendigkeitskonstruktion („muss/soll … werden"). Subjekt ist das Bezugswort des Gerundivums.
- Schritt 3 — Übersetzung
„Karthago muss zerstört werden." Falsche aktive Wiedergabe („Karthago muss zerstören") wäre grober Sinnfehler.
- Schritt 4 — Historischer Kontext
Cato d. Ä. soll diese Forderung am Ende jeder Senatsrede wiederholt haben; das Diktum wird zur römischen Selbstvergewisserung und mündet im Dritten Punischen Krieg (149–146 v. Chr.).
Ergebnis: delenda est = passivische Notwendigkeitskonstruktion; Karthago als Subjekt der zu vollziehenden Handlung.
Typische Fehler
- PPA und PPP werden vertauscht: amans = aktiv-gleichzeitig („liebend"); amatus = passiv-vorzeitig („geliebt worden"). Verwechslung kehrt den Sinn um.
- Gerundivum mit esse wird aktiv übersetzt („muss loben") statt passivisch („muss gelobt werden").
- PFA + esse-Form (laudaturus est) wird als Präsens gelesen statt als periphrastische Konjugation („er ist im Begriff zu loben").
- Deponentien werden passiv übersetzt: loquitur = „er spricht" (NICHT „er wird gesprochen"); hortatus est = „er hat ermutigt" (NICHT „er ist ermutigt worden").
- Bei PC wird das Bezugswort im Hauptsatz übersehen; der Schüler bildet einen freistehenden Abl. abs., obwohl die Kongruenz das verbietet.
Übungsaufgabe
Erschließen Sie in folgendem Satz alle satzwertigen Konstruktionen und ordnen Sie sie nach Typ und Sinnrichtung: „Caesar urbe capta milites in castra reduxit, quod hostes fugere coepisse audivit."
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie das lateinische Gerundivum mit esse (passivische Notwendigkeitskonstruktion) mit dem deutschen „sein + zu + Infinitiv" („das Buch ist zu lesen") und mit dem altgriechischen verbalen Adjektiv auf -teos.
Unregelmäßige Verben und Defektiva
Standardkmk-epa-latein-sprache-form-7Kernpunkte
- esse (sein) ist das wichtigste unregelmäßige Verb: sum, es, est, sumus, estis, sunt (Präs.); eram, eras, erat (Imp.); ero, eris, erit (Fut. I); fui, fuisti, fuit (Perf.); fueram, fuero. Komposita: posse (potens, kann), prodesse (nützen), abesse (abwesend sein), adesse (anwesend sein).
- posse (können) = pot- + esse-Formen: possum, potes, potest, possumus, potestis, possunt; vor -s/-t fallen -t- aus (pot- + sum = possum). Konj. Präs.: possim; Perf.: potui.
- ire (gehen): eo, is, it, imus, itis, eunt; Imp. ibam; Fut. ibo; Perf. ivi/ii. Komposita: abire (weggehen), redire (zurückkehren), exire (hinausgehen), inire (eintreten), perire (untergehen, sterben), transire (überqueren).
- ferre (tragen): fero, fers, fert, ferimus, fertis, ferunt (mit Synkope); Imp. ferebam; Fut. feram; Perf. tuli; PPP latum. Komposita: afferre (herbeibringen), conferre (zusammentragen), offerre (anbieten), referre (zurücktragen, berichten).
- velle (wollen) — nolle (nicht wollen) — malle (lieber wollen): volo, vis, vult, volumus, vultis, volunt; nolo, non vis, non vult …; malo, mavis, mavult …. Konj. Präs.: velim, nolim, malim.
- fieri (werden, geschehen, gemacht werden) — Passiv zu facere: fio, fis, fit, fimus, fitis, fiunt; Imp. fiebam; Fut. fiam; Perf. factus sum. Achtung: aktive Endungen, aber passive Bedeutung im Perfekt.
- Defektiva (nur Perfektstamm-Formen): memini, meministi, meminit „ich erinnere mich" (Präsensbedeutung trotz Perfektform!); odi, odisti, odit „ich hasse"; coepi, coepisti, coepit „ich habe begonnen".
- Imperative defectiva: aio (ich sage), inquam (ich sage — als Einschub bei direkter Rede: „inquit Caesar"), fari (sprechen); Imperativ fari → fare!
Musterlösung
Unregelmäßiges ferre und sein Kompositum
Bestimmen Sie tulit und referebant und erläutern Sie die Stammformen.
- Schritt 1 — tulit
3. Sg. Perf. Akt. von ferre — der Perfektstamm ist tul- (suppletiv aus indogermanischer Wurzel tel-/tol-).
- Schritt 2 — Stammformen ferre
fero, ferre, tuli, latum — drei verschiedene Wurzeln (fer-/tul-/lat-) bilden ein suppletives Paradigma.
- Schritt 3 — referebant
3. Pl. Imp. Akt. von referre (re- + ferre). Imperfektbildung über den Präsensstamm (refer-) + -ba- + -nt.
- Schritt 4 — Bedeutung
referre = „zurücktragen, berichten, beziehen". In der Historiographie häufig als „berichten" (Caesar, Livius).
Ergebnis: tulit = „er hat getragen / brachte"; referebant = „sie berichteten ständig / brachten zurück" (Imperfekt der Dauer).
Typische Fehler
- fert wird als 3. Sg. Präs. einer regelmäßigen Konjugation gelesen; tatsächlich Kurzform aus fero, geschwächt von ferit.
- memini wird als Perfekt übersetzt („ich habe mich erinnert") — falsch: Präsensbedeutung „ich erinnere mich".
- volo wird mit 1. Sg. Präs. einer a-Konj. verwechselt — tatsächlich unregelmäßig (volo, vis, vult, kein -a- im Stamm).
- fio wird als regelmäßiges Passiv von facere gelesen — formal aktiv, semantisch passiv; nur im Perfekt analytisch (factus sum).
- iit (er ging) wird als 3. Pl. Präs. gelesen — tatsächlich 3. Sg. Perf. von ire mit Zusammenziehung aus ivit.
Übungsaufgabe
Bestimmen Sie von folgenden Formen Person, Numerus, Tempus, Modus, Genus verbi und Grundform: possumus, ibant, tulit, vultis, nolite, fit, meminerunt, fuerunt, exit, conferebantur.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erklären Sie die formale und semantische Asymmetrie von fieri (aktive Form, passive Bedeutung) und vergleichen Sie sie mit der mediopassiven Diathese im Altgriechischen.