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DE-Abitur · EthikT·088 / 11
Drei zentrale angewandte Felder bündeln das Sozialethische: Umweltethik (anthropo-/patho-/bio-/ökozentrische Modelle, Generationengerechtigkeit nach Hans Jonas), Friedensethik (bellum iustum von Augustinus bis Walzer, Pazifismus, humanitäre Intervention) und Sozialphilosophie (Gerechtigkeitsformen nach Aristoteles und Rawls, Recht und Moral, Naturrecht vs. Rechtspositivismus). Diese Felder zeigen die praktische Wirkkraft ethischer Theorien in den großen Gegenwartsfragen.
6Abschnitteca. 12Min Lesezeit2Kompetenzen
Operatoren:analysieren · anwenden · erörtern · beurteilen
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: vier umweltethische Modelle (anthropo-, patho-, bio-, ökozentrisch); Jonas-Imperativ; Grundzüge bellum iustum; Gerechtigkeitsformen (distributiv, prozedural, kommutativ).
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Tiefenökologie (Naess); Rawls’ Schleier des Nichtwissens und Differenzprinzip; Pazifismus (Tolstoi, King, Gandhi); humanitäre Intervention und R2P; Naturrecht (Thomas v. Aquin, Radbruch-Formel) vs. Rechtspositivismus (Kelsen, Hart).
Kernpunkte
UMWELTETHIK: KONZENTRISCHE MODELLE MORALISCHER BERÜCKSICHTIGUNG
Welche drei Beschriftungen in "Umweltethik: Konzentrische Modelle moralischer Berücksichtigung" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Environmental Ethics (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ethics (Stanford University)
Kernpunkte
GENERATIONENETHIK NACH JONAS: „PRINZIP VERANTWORTUNG"
Welche drei Beschriftungen in "Generationenethik nach Jonas: „Prinzip Verantwortung"" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Erörtern Sie mit Hans Jonas’ „Prinzip Verantwortung", warum heutige Generationen zu wirksamem Klimaschutz verpflichtet sind, obwohl die Betroffenen noch nicht existieren und am heutigen Diskurs nicht teilnehmen können.
Künftige Generationen sind von heutigen Handlungen betroffen, können aber heute weder zustimmen noch Einspruch erheben. Klassische, auf Gegenseitigkeit beruhende Ethiken (Vertragsmodelle, Diskursethik) erfassen diese einseitige Beziehung nur unzureichend.
Jonas (Das Prinzip Verantwortung, 1979) formuliert: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden." Die Reichweite moderner Technik verlangt eine Zukunftsethik, die das Überleben der Gattung sichert.
Da die Folgen ungewiss, aber potentiell irreversibel sind, gibt Jonas der „schlechten Prognose" den Vorrang (Heuristik der Furcht). Daraus folgt das Vorsorgeprinzip: Im Zweifel ist die Handlung zu unterlassen, die das Überleben gefährden könnte — angewandt auf Emissionen, Kipppunkte und Biodiversitätsverlust.
Einwände: Jonas’ Ethik kann handlungslähmend wirken (jede Innovation birgt Risiken) und gewichtet die heutigen Interessen (Entwicklung, Wohlstand) womöglich zu gering. Eine ausgewogene Position kombiniert Jonas’ Vorsorgeprinzip mit einer Abwägung gegenwärtiger und künftiger Interessen (intergenerationelle Gerechtigkeit nach Rawls’ Sparprinzip).
Ergebnis: Jonas begründet die Pflicht zum Klimaschutz aus der asymmetrischen Verantwortung gegenüber der Zukunft, dem neuen kategorischen Imperativ und dem Vorsorgeprinzip; eine reflektierte Position wägt dieses Prinzip gegen legitime gegenwärtige Interessen ab.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Environmental Ethics (Stanford University) · Grundgesetz Art. 1 — Menschenwürde (BMJ)
Kernpunkte
LEHRE VOM GERECHTEN KRIEG (BELLUM IUSTUM)
Welche drei Beschriftungen in "Lehre vom gerechten Krieg (bellum iustum)" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — War (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Civil Disobedience (Stanford University)
Kernpunkte
GERECHTIGKEITSFORMEN: VERTEILUNGS-, VERFAHRENS-, TAUSCH-, ANERKENNUNGS-GERECHTIGKEIT
Welche drei Beschriftungen in "Gerechtigkeitsformen: Verteilungs-, Verfahrens-, Tausch-, Anerkennungs-Gerechtigkeit" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Heinz’ Ehefrau leidet an einer seltenen Krebserkrankung. Ein einziges Medikament könnte sie retten; der Apotheker, der es entwickelt hat, verlangt das Zehnfache seiner Herstellungskosten. Heinz kann nur die Hälfte aufbringen, der Apotheker verweigert Ratenzahlung. Heinz bricht nachts in die Apotheke ein und stiehlt das Medikament. Beurteilen Sie das Verhalten ethisch.
Konflikt: Eigentumsrecht des Apothekers (Art. 14 GG) vs. Recht der Ehefrau auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2 II GG). Hinzu kommt die ökonomische Frage gerechter Preisgestaltung bei lebensrettenden Gütern.
Aggregierter Nutzen: Leben gerettet (hoher Wert) − ökonomischer Schaden des Apothekers (gering) − Sekundärschaden Rechtsordnung (mittel). Saldo positiv → Stehlen ist gerechtfertigt. Singer (Präferenzutilitarismus) würde betonen, dass die Präferenz der Ehefrau zu leben die Profit-Präferenz des Apothekers überwiegt.
Maxime „Ich darf stehlen, wenn ich ein höherwertiges Gut retten kann" lässt sich nicht universalisieren — Eigentumsordnung kollabierte. Diebstahl bleibt Pflichtverletzung. Aber: der Apotheker instrumentalisiert die Notlage zur Profitmaximierung — Verstoß gegen Selbstzweckformel. Kant würde Stehlen ablehnen, das Verhalten des Apothekers aber als moralisch verwerflich brandmarken.
In einem idealen Diskurs unter Beteiligung aller Betroffenen (Heinz, Ehefrau, Apotheker, Gesellschaft) wäre eine Norm zu finden, der alle zustimmen könnten. Wahrscheinliches Ergebnis: keine Pflicht zum Diebstahl, aber Pflicht der Gesellschaft, lebensrettende Medikamente solidarisch verfügbar zu machen (Sozialstaatsprinzip).
Stufe 1 („Heinz soll nicht stehlen, weil er bestraft würde"); Stufe 3 („Heinz soll stehlen, weil ein guter Ehemann seine Frau rettet"); Stufe 4 („Heinz soll nicht stehlen, weil das Gesetz gilt"); Stufe 5 („Sozialvertrag — Recht auf Leben ist höherrangig"); Stufe 6 („Universalprinzip der Menschenwürde — Heinz darf, vielleicht muss er stehlen"). Wichtig: Kohlberg bewertet die Begründungsstruktur, nicht das Ergebnis.
Vertretbar ist eine Position, die Eigentumsrecht hinter dem Lebensrecht zurückstellt (postkonventionelle Begründung) und gleichzeitig die strukturelle Verantwortung der Gesellschaft betont — das Dilemma soll gar nicht erst entstehen (vgl. den Rechtsgedanken des § 34 StGB, rechtfertigender Notstand: ob er einen Einbruchsdiebstahl zur Medikamentenbeschaffung tatsächlich rechtfertigt, ist juristisch umstritten — die Interessenabwägung und das Merkmal der Angemessenheit sind hier gerade nicht eindeutig).
Ergebnis: Eine klausurtaugliche Antwort kombiniert Folgen-, Pflicht- und Diskursethik, verortet die eigene Begründung in Kohlbergs Stufenschema und reflektiert das Spannungsverhältnis von Individualmoral und Sozialstruktur.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Wenden Sie Rawls’ Schleier des Nichtwissens auf die Konstruktion eines gerechten Klimaschutzregimes an. Welche Pflichten würden hinter dem Schleier rationale Vertragspartner einander auferlegen?
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ethics (Stanford University) · Grundgesetz Art. 1 — Menschenwürde (BMJ)
Kernpunkte
GERECHTIGKEITSFORMEN: VERTEILUNGS-, VERFAHRENS-, TAUSCH-, ANERKENNUNGS-GERECHTIGKEIT
Welche drei Beschriftungen in "Gerechtigkeitsformen: Verteilungs-, Verfahrens-, Tausch-, Anerkennungs-Gerechtigkeit" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (UN 1948) (Vereinte Nationen) · Grundgesetz Art. 1 — Menschenwürde (BMJ)
Kernpunkte
TOULMIN-SCHEMA FÜR ETHISCHE ARGUMENTATION
Welche drei Beschriftungen in "Toulmin-Schema für ethische Argumentation" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: Grundgesetz Art. 1 — Menschenwürde (BMJ) · NRW KLP Philosophie GOSt (MSB NRW)