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Die lateinamerikanische Befreiungstheologie (G. Gutiérrez, L. und C. Boff, J. Sobrino) als kontextuelle Theologie aus der „vorrangigen Option für die Armen": Entstehung im Anschluss an das II. Vatikanum und die CELAM-Konferenzen von Medellín (1968) und Puebla (1979), Methode (Sehen — Urteilen — Handeln), biblische Wurzel im Exodus, die lehramtliche Prüfung durch die beiden CDF-Instruktionen Libertatis Nuntius (1984) und Libertatis Conscientia (1986) sowie ihre Wirkungsgeschichte bis Papst Franziskus.
4Abschnitteca. 18Min Lesezeit4KompetenzenNiveauStandard 2 · Vertiefung 2Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: Entstehungskontext (Armut Lateinamerikas, Medellín 1968), Grundbegriff „Option für die Armen", Gutiérrez als Begründer, Exodus als biblische Wurzel, Grundzüge der lehramtlichen Anfrage.
erhöhtes Niveau
eA: Theologie als „kritische Reflexion der Praxis" (Gutiérrez 1971), drei Dimensionen der Befreiung, Verhältnis zur marxistischen Sozialanalyse, die Differenz zwischen Libertatis Nuntius (1984, kritisch) und Libertatis Conscientia (1986, konstruktiv), Boff-Konflikt (Schweigegebot 1985), Rezeption in Aparecida (2007) und bei Papst Franziskus (Evangelii Gaudium 2013).
Lesetiefe: Vertiefung
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Drei Dimensionen der Befreiung (Gutiérrez) und der Dreischritt Sehen — Urteilen — Handeln
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Stellen Sie den Entstehungskontext der lateinamerikanischen Befreiungstheologie dar und erläutern Sie, inwiefern die „Option für die Armen" (Medellín 1968, Puebla 1979) eine theologische und nicht bloß sozialpolitische Kategorie ist.
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Quellen: Gaudium et Spes — Pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt (II. Vatikanisches Konzil) · Katechismus der Katholischen Kirche (Online-Ausgabe) (Libreria Editrice Vaticana)
Drei Dimensionen der Befreiung (Gutiérrez) und der Dreischritt Sehen — Urteilen — Handeln
Erörtern Sie die Grundanliegen der lateinamerikanischen Befreiungstheologie (Gutiérrez) und beurteilen Sie sie im Licht der beiden CDF-Instruktionen Libertatis Nuntius (1984) und Libertatis Conscientia (1986).
Die Befreiungstheologie entsteht im Lateinamerika der 1960er/70er Jahre angesichts massiver Armut und struktureller Ungerechtigkeit. Die CELAM-Vollversammlungen von Medellín (1968) und Puebla (1979) rezipieren das II. Vatikanum und formulieren die „vorrangige Option für die Armen".
Gustavo Gutiérrez („Teología de la liberación", 1971) versteht Theologie als „kritische Reflexion der Praxis (Praxis) im Licht des Wortes Gottes". Befreiung umfasst drei Dimensionen: sozial-politische Befreiung von Unrecht, menschliche Befreiung zur Würde und Befreiung von der Sünde. Methodisch gilt der Dreischritt Sehen — Urteilen — Handeln; biblischer Leittext ist der Exodus (Ex 3) als Befreiungsgeschehen.
Die erste Instruktion der Glaubenskongregation (Ratzinger) warnt vor einer „unkritischen Übernahme" marxistischer Analysekategorien (Klassenkampf, Reduktion des Heils auf innerweltliche Befreiung) und vor der Politisierung der Sakramente. Sie verurteilt nicht das Anliegen, sondern bestimmte ideologische Verkürzungen (pars destruens).
Die zweite Instruktion würdigt das berechtigte Anliegen positiv: Sie entfaltet eine umfassende christliche Lehre von Freiheit und Befreiung, bestätigt die „Option für die Armen" und verbindet geistliche und soziale Befreiung (pars construens). Damit wird die Befreiungstheologie in ihrem Kern in die Soziallehre integriert.
Stärke: die ernsthafte Verankerung des Glaubens in der Solidarität mit den Armen, biblisch und sozialethisch begründet. Anfrage: die Gefahr, Heil auf innerweltliche Befreiung zu reduzieren oder eine bestimmte Sozialtheorie zu verabsolutieren. Wirkungsgeschichte: zentrale Impulse (Option für die Armen, integrale Befreiung) sind in die kirchliche Soziallehre, besonders unter Papst Franziskus, eingegangen.
Ergebnis: Die Befreiungstheologie verbindet Glauben und Befreiungspraxis aus der „Option für die Armen". Die CDF prüft sie zweistufig: Libertatis Nuntius (1984) grenzt marxistische Verkürzungen ab, Libertatis Conscientia (1986) bestätigt das theologische Kernanliegen — eine Hermeneutik der reinigenden Aneignung, nicht der Verurteilung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie das Verhältnis von Befreiungstheologie und marxistischer Sozialanalyse — als methodisches Instrument oder als weltanschauliche Vorentscheidung — und beziehen Sie die Kritik aus Libertatis Nuntius (1984) ein.
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Analysieren Sie Gutiérrez' Bestimmung der Theologie als „kritische Reflexion der Praxis" und erläutern Sie, wie der Exodus (Ex 3) als biblische Wurzel der Befreiungstheologie fungiert.
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Quellen: Einheitsübersetzung 2016 (Bibleserver) (Katholisches Bibelwerk) · Libertatis Nuntius — Instruktion zur „Theologie der Befreiung" (1984) (Kongregation für die Glaubenslehre)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie das in Libertatis Nuntius gerügte „Praxis-Kriterium der Wahrheit" — die These, theologische Wahrheit entstehe und erweise sich erst in der befreienden Praxis. Worin liegt ihr berechtigter Kern (die Rückbindung der Theologie an die Nachfolge), worin ihre Gefahr (die Auflösung der Wahrheit in die jeweilige Parteinahme)? Erörtern Sie sodann, ob sich die „Option für die Armen" auch ohne marxistische Sozialanalyse begründen lässt — etwa naturrechtlich, aus der Gottebenbildlichkeit und der kirchlichen Soziallehre (KKK 2443–2449) — und ob die spätere Würdigung Gutiérrez' unter Papst Franziskus eine Versöhnung von Lehramt und Anliegen darstellt.
Aktive Wiederholung
Erörtern Sie, inwiefern die beiden Instruktionen Libertatis Nuntius (1984) und Libertatis Conscientia (1986) die Befreiungstheologie zugleich kritisch prüfen und in ihrem Kern bestätigen.
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Quellen: Libertatis Nuntius — Instruktion zur „Theologie der Befreiung" (1984) (Kongregation für die Glaubenslehre) · Libertatis Conscientia — Instruktion über christliche Freiheit und Befreiung (1986) (Kongregation für die Glaubenslehre)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie, ob Papst Franziskus zu Recht als „Befreiungstheologe" bezeichnet werden kann. Sein Denken speist sich weniger aus der marxistisch beeinflussten Schule als aus der argentinischen „Theologie des Volkes" (teología del pueblo; Lucio Gera, Rafael Tello), die die „Option für die Armen" aus der Volksfrömmigkeit und Kultur der Armen, nicht aus der Klassenanalyse begründet. Diskutieren Sie, inwiefern diese Herkunft erklärt, warum Franziskus das Anliegen aufnehmen und zugleich die in Libertatis Nuntius gerügten Verkürzungen meiden kann.
Aktive Wiederholung
Erörtern Sie, inwiefern die „Option für die Armen" über die klassische Befreiungstheologie hinaus bis in die Gegenwart (Aparecida 2007, Evangelii Gaudium 2013, Laudato Si' 2015) fortwirkt, und beurteilen Sie ihre heutige Tragfähigkeit.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Laudato Si' — Enzyklika zur Schöpfungsethik (Papst Franziskus) · Katechismus der Katholischen Kirche (Online-Ausgabe) (Libreria Editrice Vaticana)
Belege & Quellen
II. Vatikanisches Konzil
Libreria Editrice Vaticana
Katholisches Bibelwerk
Kongregation für die Glaubenslehre
Papst Franziskus