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Aufbau und Kanonbildung der christlichen Bibel, historisch-kritische Methode, Gattungen, hermeneutische Modelle (Schleiermacher, Bultmann, Gadamer, Ricoeur) und ihre Anwendung auf konkrete Exegesen. Methodische Grundlage der gesamten evangelisch-religiösen Arbeit. Querverweise: „Altes Testament: Schöpfung, Bund, Prophetie, Weisheit" und „Neues Testament" wenden die hier entwickelten Methoden exegetisch an.
6Abschnitteca. 26Min Lesezeit4KompetenzenNiveauBasis 2 · Standard 3 · Vertiefung 1Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: Aufbau der Bibel (AT/NT, vier Hauptgruppen), drei zentrale Schritte der hist.-krit. Methode (Text-, Literar-, Formgeschichte), zwei hermeneutische Modelle in Grundzügen, drei Gattungen (Prophetie, Gleichnis, Brief).
erhöhtes Niveau
eA: vollständige fünfschrittige hist.-krit. Methode inkl. Redaktions- und Sachkritik, Spannung diachron/synchron, Bultmanns Entmythologisierung, Gadamers Horizontverschmelzung, Ricoeurs Symboltheorie, Anwendung auf einen unbekannten Text.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Kanonischer Aufbau der christlichen Bibel
Trias der Bibelauslegung (synchron, diachron, applikativ)
Methodisch sauber zwischen den drei Ebenen unterscheiden; Aktualisierung ist legitim, darf aber nicht den Befund verdecken.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie das reformatorische Kanonprinzip (sola scriptura, testimonium internum) mit dem katholischen (Schrift + Tradition + Lehramt) und problematisieren Sie die Frage, wie sich der Kanon „selbst" bezeugen kann, ohne in einen Zirkel zu geraten.
Aktive Wiederholung
Stellen Sie den Aufbau der christlichen Bibel dar und erläutern Sie den Unterschied zwischen evangelischem und katholischem Kanonumfang anhand mindestens dreier konkreter Bücher.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · Luthers Septembertestament 1522 — gemeinfreier Volltext (Deutsches Textarchiv (BBAW)) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Schritte der historisch-kritischen Methode
Erläutern Sie den hermeneutischen Zirkel bei Schleiermacher und Gadamer und beurteilen Sie seine Bedeutung für die Bibelexegese.
F. Schleiermacher („Hermeneutik und Kritik", 1838): Verstehen pendelt zwischen grammatischem (Sprache, Satzbau) und psychologischem (Autorintention) Verstehen, zwischen Teil und Ganzem. Der hermeneutische Zirkel: das Ganze versteht man aus den Teilen, aber die Teile nur vom Ganzen her — ein produktiver, nicht vitiöser Zirkel.
H.-G. Gadamer „Wahrheit und Methode" (1960): Vorverständnis (Vorurteil im technischen Sinn) ist Bedingung des Verstehens, nicht Hindernis. „Horizontverschmelzung" zwischen Text-Horizont und Leser-Horizont. Verstehen ist immer schon Geschichtlich Verstehen — „wirkungsgeschichtliches Bewusstsein".
Reine Objektivität ist Illusion; der Exeget bringt seine Tradition (kirchlich, kulturell, methodisch) mit. Aufgabe: das eigene Vorverständnis bewusst machen, am Text korrigieren, eine Horizontverschmelzung anstreben. Historisch-kritische Methode bleibt nötig (vermeidet Eisegese), reicht aber nicht — die Aktualisierungsfrage muss explizit gestellt werden.
Befreiungstheologie (G. Gutiérrez): der „Ort" des Lesers (privilegiert vs. arm) beeinflusst das Verstehen — daher „Vorzugsoption für die Armen" als hermeneutische Position. Feministische Hermeneutik (E. Schüssler Fiorenza): Geschlechterperspektive deckt verdeckte Gewichtungen auf. Beide Ansätze radikalisieren Gadamers These und fordern, die soziale Verortung explizit zu machen.
Der hermeneutische Zirkel ist methodologisch unhintergehbar; er ist keine Schwäche, sondern Bedingung des Verstehens. Für die Bibelexegese folgt: Bibel ist nie „objektiv von außen" lesbar — sie spricht in Gemeinschaft und Tradition. Eine reflektierte Exegese kombiniert historisch-kritische Disziplin mit ehrlicher Reflexion auf den eigenen Standort.
Ergebnis: Der hermeneutische Zirkel macht Bibelexegese zu einem Gespräch zwischen Text und Leser im Horizont der Tradition. Methodische Disziplin und Reflexion des eigenen Vorverständnisses sind beide nötig — Objektivismus und Subjektivismus sind gleichermaßen Sackgassen.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die Kritik der hist.-krit. Methode (B. S. Childs „kanonische Exegese"; H. Frei „narrative theology") und entwickeln Sie einen Methodenmix, der diachrone und synchrone Zugänge integriert.
Aktive Wiederholung
Erschließen Sie Gen 1,1–2,4a in den fünf Schritten der historisch-kritischen Methode und beurteilen Sie, welche Aussagen für eine evangelische Schöpfungstheologie zentral sind.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Trias der Bibelauslegung (synchron, diachron, applikativ)
Methodisch sauber zwischen den drei Ebenen unterscheiden; Aktualisierung ist legitim, darf aber nicht den Befund verdecken.
Vergleichen Sie Bultmanns existenziale Interpretation mit Ricoeurs Symboltheorie an der Taufperikope Mk 1,9–13 und beurteilen Sie, welche Hermeneutik der Pluralität biblischer Sprache besser gerecht wird.
Die Perikope enthält geöffnete Himmel, herabsteigenden Geist „wie eine Taube", Himmelsstimme („Du bist mein lieber Sohn") und vierzig Tage Wüste/Versuchung. Mythische Sprachelemente (Himmelsöffnung, Stimme, Satan, dienende Engel) tragen die theologische Aussage.
R. Bultmann liest das mythische Weltbild nicht kosmologisch, sondern existenzial: Das Bild des geöffneten Himmels meint die Erschließung neuer Existenzmöglichkeit; die Stimme meint Anrede, die den Hörer ins Heute der Entscheidung ruft. Der Mythos wird nicht gestrichen, sondern auf seinen Aussagekern (Selbstverständnis vor Gott) hin „übersetzt".
P. Ricoeur („Symbol gibt zu denken") wendet sich gegen die Reduktion auf einen begrifflichen Kern: Das Symbol (Taube, Himmel, Wüste) besitzt einen Überschuss an Sinn, der sich nicht restlos in Existenzaussagen auflösen lässt. Der Text entwirft eine Welt, „vor" die der Leser tritt (Welt des Textes); Verstehen heißt, sich von dieser Welt etwas sagen zu lassen.
Bultmann sichert Übersetzbarkeit und Relevanz, riskiert aber Sinnverlust durch Verengung auf das existenziale Subjekt. Ricoeur bewahrt den Mehrwert der Symbolsprache und die narrative Ganzheit, riskiert aber Unbestimmtheit der konkreten Anrede. Beide eint die Absage an einen naiv-historischen Literalismus.
Für die Pluralität biblischer Sprache ist Ricoeur tragfähiger, weil er die unterschiedlichen Gattungen (Mythos, Symbol, Erzählung, Gleichnis) in ihrem je eigenen Sinnüberschuss anerkennt. Bultmanns Entmythologisierung bleibt jedoch als Korrektiv unverzichtbar, wo Texte fundamentalistisch verdinglicht werden. Eine reflektierte Exegese kombiniert Ricoeurs Symbolsensibilität mit Bultmanns Frage nach der existenziellen Verbindlichkeit.
Ergebnis: Ricoeurs Symboltheorie wird der Pluralität biblischer Sprache besser gerecht als Bultmanns Verengung auf das Existenzial; beide Modelle ergänzen sich, weil Symbolüberschuss und existenzielle Anrede zusammengehören.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie das Verhältnis von hist.-krit. Methode (J. Roloff, U. Luz) und kanonisch-narrativer Theologie (B. S. Childs, H. Frei) als methodische Ergänzung.
Aktive Wiederholung
Vergleichen Sie Bultmanns existenziale Interpretation mit Ricoeurs Symboltheorie an Mk 1,9–13 (Taufe Jesu) und beurteilen Sie, welche Hermeneutik der Pluralität biblischer Sprache besser gerecht wird.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophy of Religion (Stanford University) · Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft)
Gleichnis-Hermeneutik nach Jülicher / Linnemann
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie am Beispiel der Urgeschichte (Gen 1–11), inwiefern der Gattungsbegriff „Mythos“ theologisch produktiv ist, und grenzen Sie ihn gegen ein fundamentalistisches (Mythos als Tatsachenbericht) und ein rein literarkritisch-reduktionistisches (Mythos als bloße Fiktion) Textverständnis ab.
Aktive Wiederholung
Identifizieren Sie die Gattung von Ps 22 und interpretieren Sie den Psalm gattungsspezifisch; vergleichen Sie das Ergebnis mit der christologischen Auslegung in Mt 27,46.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie an Röm 3,28 und am „Sendbrief vom Dolmetschen“ (1530), inwiefern jede Bibelübersetzung notwendig Interpretation ist, und beurteilen Sie, wo die Grenze zwischen sachgemäßer Verdeutlichung und unzulässiger Sinnverschiebung verläuft.
Aktive Wiederholung
Vergleichen Sie zwei Übersetzungen (Luther 2017 und Elberfelder) zu Rom 3,28 und beurteilen Sie die theologischen Implikationen der Wortwahl „allein" (nur Luther).
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · Luthers Septembertestament 1522 — gemeinfreier Volltext (Deutsches Textarchiv (BBAW))
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie das Spannungsverhältnis von Bildungsauftrag (Art. 7 Abs. 3 GG, „Bibel als Kulturcode“) und Glaubensbezug des konfessionellen Religionsunterrichts und beurteilen Sie das Modell des konfessionell-kooperativen Unterrichts angesichts religiöser Pluralisierung.
Aktive Wiederholung
Erörtern Sie das Verhältnis von Bildungsanspruch und Glaubensanspruch im evangelischen Religionsunterricht und beurteilen Sie, wie dieses Verhältnis im Abitur prüfungspraktisch eingelöst wird.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK) · NRW Kernlehrplan Evangelische Religionslehre GOSt (MSB NRW)
Belege & Quellen
Deutsche Bibelgesellschaft
Deutsches Textarchiv (BBAW)
Stanford University