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Die Romantik (ca. 1820–1900) entdeckt die Subjektivität und das Innerliche als musikalisches Thema. Drei Schwerpunkte: das Kunstlied (Schubert, Schumann, Wolf, Brahms) als Vereinigung von Lyrik und Musik; das Klavierstück als intime Form (Chopin, Schumann, Liszt); das Musikdrama (Wagner) als „Gesamtkunstwerk“. Die Spätromantik (1880–1920) erweitert Funktionsharmonik bis an die Grenzen der Tonalität (Mahler, Strauß, Skrjabin) und bereitet die Moderne vor. Charakteristisch: Programmmusik, Chromatik, Leitmotivik, expressive Subjektivität.
6Abschnitteca. 26Min Lesezeit2KompetenzenNiveauStandard 4 · Vertiefung 2Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Kunstlied als zentrale Gattung der Romantik kennen (Schubert), Wagner-Oper als Gesamtkunstwerk benennen, romantische Programmmusik (Liszt, Berlioz, Smetana) als Konzept verstehen.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Detaillierte Analyse romantischer Kunstlieder (Schubert „Winterreise“, Schumann „Dichterliebe“), Wagner-Leitmotivik anhand des „Rings“, Spätromantische Erweiterung der Tonalität (Tristan-Akkord, Mahler-Adagio, Strauß-Tondichtung), Brahms vs. Wagner („Neudeutsche Schule“ Debatte).
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Liedform und Periode — formale Bausteine
Analysieren Sie das Lied „Der Lindenbaum“ aus Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ (Text: Wilhelm Müller, 1827). Untersuchen Sie das Verhältnis von Dur- und Moll-Strophen, die funktionsharmonischen Wendungen und die Wort-Ton-Beziehung.
„Der Lindenbaum“ ist Nr. 5 von 24 Liedern der „Winterreise“ (komponiert 1827). Form: erweiterte Strophenform mit Variantentechnik. Drei Hauptteile entsprechen den drei Erinnerungsschritten des lyrischen Ichs (Erinnerung - Versuchung - Resignation). Tonart: E-Dur (Strophe 1, 3) wechselt nach e-Moll (Strophe 2, „Mir tat sein Rauschen ...“).
Triolenfiguren im Klavier (3/4-Takt) malen das Rauschen der Blätter im Wind - hochgradig programmatisch. Die rechte Hand spielt durchgängig Sechzehntel-Triolen, die linke Hand stützt mit Tonika und Dominante in E-Dur. Eintaktiger Vorhang öffnet die Erinnerungsszene.
Gesang setzt mit Sextsprung c#-e ein („Am Brunnen vor dem Tore“). Harmonische Folge T - S - D - T (I - IV - V - I) in E-Dur, ausgeschmückt durch Vorhalte und Durchgangsnoten. Die Strophe endet mit authentischer Kadenz V7 - I (H7 - E-Dur). Erinnerungston: friedlich, klar, dur-haltig.
Variantentonart-Wechsel von E-Dur nach e-Moll (gleiche Tonika, andere Terz) signalisiert die schmerzhafte Wendung der Erinnerung. Harmonik wird chromatisch angereichert: e-Moll, h-Moll (Moll-Dominante v; zugleich Paralleltonart von D-Dur), C-Dur (Untermediante / VI — innerhalb von e-Moll die diatonische sechste Stufe, gegenüber dem Grundton E-Dur als tiefalterierte ♭VI hörbar). Eine echte neapolitanische Wendung wäre F-Dur (♭II) als zusätzliche Spannungsfarbe. Begleitfigur des Klaviers wechselt zu pulsierenden Achtel-Akkorden statt fließender Triolen - Sturmcharakter, Naturmetapher für den inneren Aufruhr.
Rückkehr nach E-Dur, aber die Triolen-Begleitung ist nun chromatisch eingefärbt. Spannungstöne (verminderte Septakkorde, Doppeldominanten) zeigen, dass die Idylle nicht ungetrübt zurückkehrt. Die Schlusswendung enthält einen Trugschluss V - VI (H7 - cis-Moll) vor dem endgültigen Ganzschluss - musikalisches Äquivalent zum textlichen Schwanken zwischen Sehnsucht und Resignation.
Die Tonartendisposition E-Dur - e-Moll - E-Dur spiegelt den dramaturgischen Bogen Erinnerung - Versuchung - Resignation. Schubert nutzt Variantentechnik (Hauptmittel der Romantik) statt der klassischen Dominantmodulation - der Charakterwechsel bleibt im selben tonalen Zentrum verankert, was die psychologische Innerlichkeit verstärkt. Der Text wird nicht „vertont“, sondern in eine eigenständige musikalische Dramaturgie überführt.
Ergebnis: Schuberts „Lindenbaum“ zeigt exemplarisch die romantische Liedästhetik: erweiterte Strophenform, programmatische Klavierbegleitung (Blätterrauschen), Variantentechnik als Ausdruck psychischer Wendungen, Chromatik als Mittel innerer Konflikte. Die funktionsharmonische Grundsubstanz bleibt klassisch, wird aber durch Modulationen, Trugschlüsse und Variantentonarten emotionalisiert.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Untersuchen Sie die Rolle des Klaviernachspiels in Schumanns „Dichterliebe" op. 48 (1840). Warum gibt Schumann am Zyklusende dem Klavier das letzte Wort, und wie deutet das Nachspiel den Text über das Verstummen der Singstimme hinaus? Vergleichen Sie diese reflektierte Klavierrolle mit Schuberts unmittelbarer Tonmalerei.
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ D 118 (1814, Goethe-Text aus „Faust“). Beschreiben Sie die Spinnrad-Figur im Klavier, ihren Stillstand am Höhepunkt („Sein Kuss“) und die schrittweise Wiederaufnahme. Wie unterstützt die musikalische Anlage den psychischen Zustand Gretchens?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie Schumanns „Träumerei“ (Kinderszenen Nr. 7) mit Liszts später „Nuages gris“. Welche Wege gehen die beiden im Umgang mit Tonalität?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie Chopins Präludium e-Moll op. 28 Nr. 4. Beschreiben Sie die absteigende chromatische Bewegung in den Mittelstimmen, die langsame harmonische Verschiebung und das emotionale Resultat (Lamento-Charakter).
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Analysieren Sie den Tristan-Akkord am Beginn des Vorspiels zu „Tristan und Isolde“ (1859). Bestimmen Sie seine Töne, klassifizieren Sie ihn und beschreiben Sie, warum seine Auflösung als Wendepunkt der Harmonik gilt.
Der Tristan-Akkord besteht (von unten) aus den Tönen f - h - dis - gis. Die Intervalle über dem Basston f: f-h ist eine übermäßige Quart (Tritonus, 6 Halbtöne), f-dis eine übermäßige Sexte, f-gis eine übermäßige None.
Klanglich (enharmonisch umgedeutet) entspricht der Akkord einem halbverminderten Septakkord. Entscheidend ist jedoch nicht die isolierte Benennung, sondern die schwebende Funktion: der Akkord lässt offen, welcher Tonart er zugehört.
Der Spitzenton gis wird als Vorhalt aufgefasst und steigt chromatisch zu a auf; gleichzeitig führt die Bewegung in einen Dominantseptakkord (E7 = e-gis-h-d). Statt einer stabilen Tonika folgt also wieder ein spannungsgeladener Dominantklang - die Auflösung wird hinausgeschoben.
Wagner wiederholt die Wendung „spannungsreicher Akkord - Dominante - erneut Spannung“ in einer aufsteigenden Sequenz. Eine klare Kadenz auf eine Tonika bleibt aus; die Musik hängt in permanenter Schwebe (das „Sehnsuchtsmotiv“).
Weil die Funktionsharmonik hier konsequent ihre Auflösung verweigert, gilt der Tristan-Akkord als Beginn der Auflösung der Dur-Moll-Tonalität. Er bildet eine direkte Brücke zur Spätromantik (Mahler, Strauß) und schließlich zur Atonalität Schönbergs.
Ergebnis: Der Tristan-Akkord f-h-dis-gis (klanglich ein halbverminderter Septakkord) löst sich nicht in eine Tonika, sondern über den Vorhalt gis-a in einen Dominantseptakkord E7 auf. Die hinausgeschobene Auflösung in einer Sequenzkette macht ihn zum harmonischen Wendepunkt hin zur Auflösung der Tonalität.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Konzept des Gesamtkunstwerks anhand des „Rings“. Wie verbindet Wagner Dichtung (Mythos), Musik (Leitmotive), Bühne (Maschinenbau Bayreuth) zu einer Einheit? Welche ästhetischen und politischen Folgen hatte dieses Konzept im 20. Jh.?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie das Vorspiel zu Wagners „Tristan und Isolde“ (1859). Untersuchen Sie den Tristan-Akkord (T. 2), seine „ungewollte“ Auflösung und die folgende Sequenzkette. Warum gilt dieses Vorspiel als Wendepunkt der Musikgeschichte?
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Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Sinfonieorchester — Sitzordnung und Instrumentengruppen
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie die Spannung von Volkslied-Anklängen und avantgardistischer Form in Mahlers 1. Sinfonie D-Dur („Titan“). Wie integriert Mahler „Bruder Jakob“ (3. Satz, Trauermarsch im Kanon) in eine sinfonische Dramaturgie?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie das Adagietto (4. Satz) aus Mahlers 5. Sinfonie (die Sinfonie wird nach ihrem Kopfsatz als cis-Moll-Sinfonie bezeichnet; das Adagietto selbst steht in F-Dur). Untersuchen Sie die Streicher-Faktur (nur Streicher und Harfe), die harmonische Sehnsuchts-Spannung und die formale Anlage (modifiziertes Lied / dreiteilige Form).
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Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Sinfonieorchester — Sitzordnung und Instrumentengruppen
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Verfahren der „thematischen Transformation“ bei Liszt. Wie unterscheidet es sich von der klassischen Durchführung und von Wagners Leitmotiv-Technik?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie Smetanas „Die Moldau“ (aus „Ma vlast“, 1874). Beschreiben Sie, mit welchen musikalischen Mitteln (Tonmalerei, Themen, Instrumentation) der Flusslauf von der Quelle bis zum breiten Strom dargestellt wird.
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Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie die Rolle der Oper als Medium nationaler Identitätsbildung am Beispiel Verdis und des Risorgimento. Inwiefern ist der „Nationalstil" der musikalischen Schulen (Volksmelodik, modale Wendungen) weniger ein naives Abbild „echter" Volksmusik als eine bewusste künstlerische Konstruktion?
Aktive Wiederholung
Vergleichen Sie eine Arie aus Verdis „Rigoletto" („La donna è mobile") mit einer Szene aus Webers „Freischütz" (etwa der Wolfsschlucht). Arbeiten Sie Unterschiede in Form (geschlossene Nummer vs. durchgestaltete Szene), Melodik und dramaturgischer Funktion heraus.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Belege & Quellen
Bärenreiter / Metzler
Oxford University Press