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Die abendländische Musikgeschichte beginnt mit dem einstimmigen Gregorianischen Choral (8.-9. Jh.). Im 12. Jh. entsteht in Paris die mehrstimmige Notre-Dame-Schule (Leoninus, Perotinus). Die Renaissance (15.-16. Jh.) bringt mit Josquin, Palestrina und Lasso die Blütezeit der Vokalpolyphonie. Der Barock (1600–1750) etabliert Generalbass, Oper (Monteverdi), Konzert (Vivaldi) und Fuge (Bach, Händel). Charakteristisch: Affektenlehre, Generalbasspraxis, kontrapunktische Dichte. Bach und Händel markieren das Ende der Epoche.
6Abschnitteca. 28Min Lesezeit2KompetenzenNiveauBasis 1 · Standard 5Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Drei Epochen-Blöcke (Mittelalter, Renaissance, Barock) mit je 1–2 zentralen Komponisten und Gattungen sicher benennen. Gregorianik als einstimmig, Renaissance als vokalpolyphon, Barock als instrumentaldominiert und kontrapunktisch.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Periodisierung der Epochen mit Wendepunkten (Notre-Dame ca. 1180, Beginn Generalbass ca. 1600, Tod Bach 1750). Stilistische Details: cantus firmus-Technik, isorhythmische Motette, Madrigalismus, Affektenlehre, konzertierender Stil, da capo-Arie. Hauptwerke einordnen und exemplarisch analysieren können.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Prinzip der Isorhythmie an Machauts „Messe de Nostre Dame“. Wie verhalten sich talea (Rhythmusmodell) und color (Tonfolge) im Tenor zueinander, und warum markiert die Messe musikhistorisch einen Schritt von der liturgischen Sammlung (vgl. die ältere, mehreren Händen zugeschriebene Tournai-Messe) hin zum einheitlich konzipierten Komponistenwerk?
Aktive Wiederholung
Beschreiben Sie die Vortragsweisen des Gregorianischen Chorals (syllabisch, neumatisch, melismatisch) an einem vorgelegten Notenbeispiel. Welcher Text-Musik-Bezug wird damit jeweils gestaltet?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie die radikale Chromatik bei Gesualdo (z. B. „Moro lasso“) mit Palestrinas konservativem Stil. Welche stilistische Spaltung der Spätrenaissance wird sichtbar?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie die ersten 16 Takte einer Palestrina-Motette (z. B. „Sicut cervus“). Markieren Sie Imitationseinsätze, Konsonanz/Dissonanz-Behandlung und Phrasenübergänge.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Analysieren Sie den ersten Satz (Allegro) aus Vivaldis Violinkonzert „La Primavera“. Identifizieren Sie die Ritornellform, ordnen Sie die programmatischen Episoden zu und benennen Sie das tonale Gerüst.
Solokonzert für Violine, Streicher und Basso continuo in E-Dur (1725 veröffentlicht). Der Satz ist von einem Sonett begleitet, dessen Zeilen einzelnen Abschnitten zugeordnet sind - frühe Programmmusik. Grundform: Ritornellform (Wechsel von Tutti-Ritornell und Solo-Episoden).
Das Ritornell stellt das Hauptthema im Tutti vor: zweiteilig, mit kraftvollem Kopfmotiv und echohafter Wiederholung (forte - piano). Es steht fest in der Tonika E-Dur und kehrt im Satzverlauf - oft verkürzt und in andere Tonarten transponiert - mehrfach wieder. Funktion: tonaler und thematischer Ankerpunkt.
Zwischen den Ritornellen treten die Solo-Episoden, in denen die Solovioline programmatische Bilder ausmalt: Vogelgesang (hohe Triller und Terz-Figuren mehrerer Soloviolinen), murmelnde Quellen (fließende Sechzehntel), Gewitter (rasche Tonleitern, Tremoli, Donner im Bass). Die Episoden modulieren in verwandte Tonarten (Dominante H-Dur, Tonikaparallele cis-Moll).
Ritornelle markieren die Stationen des Tonartenplans: E-Dur (Beginn) - H-Dur (Dominante) - cis-Moll (Tonikaparallele) - zurück nach E-Dur (Schluss). Das abschließende Ritornell bringt das Hauptthema wieder in der Tonika und rundet den Satz tonal ab.
Die Ritornellform ist das barocke Pendant zum späteren Sonatenrondo: ein wiederkehrender Tutti-Block rahmt kontrastierende Solopartien. Vivaldis Verbindung von fester Form und konkretem Programm macht den Satz zum Modellfall barocker Konzert- und Programmmusik.
Ergebnis: Der Satz folgt der Ritornellform: ein E-Dur-Ritornell kehrt mehrfach (auch transponiert nach H-Dur und cis-Moll) wieder und rahmt programmatische Solo-Episoden (Vogelgesang, Quelle, Gewitter). Tonal schließt der Satz wie er begann - in der Tonika E-Dur.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie Monteverdis Unterscheidung von „prima prattica" und „seconda prattica" im Streit mit dem Theoretiker Giovanni Artusi. Wie rechtfertigt Monteverdi die freiere, dem Text untergeordnete Dissonanzbehandlung der seconda prattica, und warum markiert dieser Streit den Übergang von der Renaissance zum Barock?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie den ersten Satz aus Vivaldis „Frühling" (Le quattro stagioni, op. 8 Nr. 1, 1725). Identifizieren Sie die Ritornell-Einsätze und ihre Tonarten, ordnen Sie die programmatischen Solo-Episoden (Vogelgesang, Quelle, Gewitter) zu und erläutern Sie das Verhältnis von Form und Programm.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Fuge — Aufbau und kontrapunktische Verfahren
Analysieren Sie die Fuge in c-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier Teil I (BWV 847). Identifizieren Sie das Thema, beschreiben Sie die Exposition und benennen Sie kontrapunktische Verfahren.
Dreistimmige Fuge. Thema beginnt im Alt (Mittelstimme) in c-Moll (T. 1–3): rhythmisch prägnante Sechzehntel-Figur, charakteristisches Sprungintervall (Quint abwärts, Sext aufwärts), endet auf der Dominante g. Das Thema hat ca. 2 Takte Länge und ist motivisch dicht.
Dux in Alt (T. 1–3, c-Moll) -> Comes in Sopran (T. 3–5, g-Moll, tonale Beantwortung: der Themenanfang wird zur Wahrung der Dominanttonart angepasst) -> Dux in Bass (T. 7–9, c-Moll). Begleitung der jeweils anderen Stimmen durch Kontrasubjekt (regelmäßige Sechzehntelbewegung) - feste Verbindung zwischen Thema und Kontrasubjekt durchgängig.
Zwischenspiel (T. 9–10) moduliert nach Es-Dur (parallele Durtonart). Themen-Einsätze in Es-Dur (T. 11), g-Moll (T. 15), B-Dur (T. 19). Sequenzbildung in den Zwischenspielen, motivische Verarbeitung. Bach führt durchgängig ein regelmäßiges (festes) Kontrasubjekt mit, das fast jeden Themeneinsatz begleitet - die Fuge ist aber keine echte Doppelfuge, da kein zweites, eigenständig exponiertes Thema auftritt (eine Doppelfuge hat zwei selbständig durchgeführte Subjekte).
Rückkehr nach c-Moll. Letzte Themen-Einsätze in der Tonika; diese Fuge enthält keine Engführung (im Gegensatz zur C-Dur-Fuge BWV 846 des WTK I, der berühmten Engführungsfuge) - sie ist durch zahlreiche Zwischenspiele gekennzeichnet. Pedalpunkt auf G (Dominante) baut Spannung auf, löst in c-Moll-Tonika (T. 29) mit picardischer Terz (C-Dur als Schlussklang - barocke Konvention).
Verfahren in dieser Fuge: (a) tonale Beantwortung, (b) festes Kontrasubjekt, (c) Sequenzierung in Zwischenspielen, (d) Pedalpunkt, (e) picardische Terz. Nicht angewandt (in dieser Fuge): Engführung, Umkehrung, Krebs, Augmentation/Diminution - diese finden sich in anderen Bach-Fugen (Engführung z. B. in BWV 846 C-Dur; Umkehrung/Krebs z. B. in der Kunst der Fuge BWV 1080).
Die Fuge zeigt die hohe Verdichtung des Spätbarock: aus einem kurzen, scharf konturierten Thema entwickelt sich ein ganzer Satz durch konsequente kontrapunktische Verarbeitung. Bachs Ideal: jeder Ton ist Resultat eines Stimmenverlaufs. Das WTK ist Sammlung pädagogischen und kompositorischen Charakters - 24 Präludien-Fugen-Paare in allen Dur- und Molltonarten (Manifest der temperierten Stimmung).
Ergebnis: BWV 847 ist eine dreistimmige Fuge mit klassischer Exposition (Dux im Alt - Comes im Sopran - Dux im Bass), Durchführung in Nebentonarten (Es, g, B) und einem Schlussteil mit abschließenden Themen-Einsätzen und Pedalpunkt (ohne Engführung). Die picardische Terz am Ende ist gattungstypisches Merkmal des Barock.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie die Rolle der Rhetorik in Bachs Musik (Figurenlehre nach Athanasius Kircher, Andreas Werckmeister). Welche barocken Figuren (climax, exclamatio, suspiratio, catabasis) sind in einer Bach-Arie wirksam?
Aktive Wiederholung
Vergleichen Sie eine Bach-Arie (z. B. „Ich folge dir gleichfalls“ aus der Johannes-Passion) mit einer Händel-Arie (z. B. „Lascia ch’io pianga“ aus Rinaldo). Untersuchen Sie Affektgestaltung, Wort-Ton-Beziehung und Faktur.
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Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Untersuchen Sie die Turba-Chöre der Matthäus-Passion. Wie gestaltet Bach die Volksmenge musikalisch (Homophonie, Imitation, Affekt), und welche dramaturgische Wirkung erzielt er?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie die Abfolge der Sätze in einem Satz aus Bachs Kantate BWV 140 „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Ordnen Sie Rezitativ, Arie, Choral und Chor ihren dramaturgischen Funktionen zu.
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Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Quintenzirkel — Dur- und Molltonarten mit Vorzeichen
Notenwerte und Pausen — Dauerverhältnisse
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie das mathematische Grundproblem jeder Stimmung (das pythagoreische Komma: zwölf reine Quinten ergeben nicht exakt sieben Oktaven). Wie „verteilt" die gleichstufige Stimmung diese Differenz, und was geht dabei gegenüber den ungleichstufigen Stimmungen an Tonartencharakteristik verloren?
Aktive Wiederholung
Erklären Sie den Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Stimmungssysteme (mitteltönig → wohltemperiert → gleichstufig) und der kompositorischen Möglichkeit, in alle Tonarten zu modulieren. Begründen Sie, warum Bachs „Wohltemperiertes Klavier" ohne eine temperierte Stimmung undenkbar wäre.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Belege & Quellen
Bärenreiter / Metzler
Oxford University Press
Schott Music