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Musikalisches Basiswissen ist Voraussetzung jeder Werkanalyse. Es umfasst das Tonsystem (chromatische Skala, Stammtöne, Alterationen), die diatonischen Tonleitern (Dur, Moll in drei Varianten, Kirchentonarten), die Intervalle (Halbtonschritte und Klassifikation), die Akkordbildung (Drei- und Vierklang) und die Funktionsharmonik (Tonika - Subdominante - Dominante mit Kadenzbildung). Diese Bausteine bilden das Vokabular, mit dem klassische und romantische Musik beschrieben wird.
6Abschnitteca. 36Min Lesezeit4KompetenzenNiveauBasis 2 · Standard 4Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Stammtöne und Alterationen, Vorzeichen der wichtigsten Tonarten (bis vier Kreuze/B), Intervalle bis zur Oktav sicher benennen, Dur- und Moll-Dreiklang aufbauen, Hauptfunktionen T-S-D in einer einfachen Kadenz erkennen.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Quintenzirkel komplett (auch enharmonische Verwechslung Fis/Ges), alle Intervalle inkl. übermäßig/vermindert, Vierklang mit Septim, Funktionsharmonik mit Nebenfunktionen (Tp, Sp, Dp) und Doppeldominante, modale Tonleitern (dorisch, mixolydisch etc.), Modulationen über gemeinsame Akkorde.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Quintenzirkel — Dur- und Molltonarten mit Vorzeichen
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie, wie die enharmonische Verwechslung als Modulationsmittel wirkt. Zeigen Sie am verminderten Septakkord (z. B. h-d-f-as), dass er durch enharmonische Umdeutung in vier verschiedene Dominantfunktionen aufgelöst werden kann, und ordnen Sie dies dem Wandel von der mitteltönigen zur gleichstufigen Stimmung zu.
Aktive Wiederholung
Bestimmen Sie die Tonart eines vorgelegten Notenausschnitts allein anhand der Generalvorzeichen. Geben Sie sowohl die Dur- als auch die parallele Mollvariante an und begründen Sie Ihre Entscheidung mit dem Schlussakkord und dem Auftreten eines Leittons.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Quintenzirkel — Dur- und Molltonarten mit Vorzeichen
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie die Verwendung der Kirchentonarten im 20. Jahrhundert (Vaughan Williams, Bartok, Jazz Modal Style). Welche kompositorische Funktion übernehmen Modi als Alternative zur Funktionsharmonik?
Aktive Wiederholung
Konstruieren Sie auf dem Grundton D je eine dorische, eine phrygische und eine mixolydische Tonleiter. Vergleichen Sie die Halbtonschritt-Verteilung mit D-Dur bzw. d-Moll und benennen Sie den charakteristischen Ton jeder Skala.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music)
Intervalltabelle — Bezeichnungen, Halbtonschritte, Stimmungs-Charakter
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Bestimmen Sie alle Intervalle der ersten vier Takte eines vorgelegten Bach-Choralsatzes (z. B. „O Haupt voll Blut und Wunden", BWV 244). Klassifizieren Sie nach Konsonanz/Dissonanz und beschreiben Sie an einer Stelle die Vorbereitung und Auflösung einer Dissonanz.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, erweiterter Akkord
Konstruieren Sie eine vollständige authentische Kadenz (T - S - D7 - T) in C-Dur. Geben Sie die Akkordtöne jeder Funktion an, beziffern Sie den Generalbass und beschreiben Sie die Stimmführung der beiden Leittöne im Übergang D7 - T.
Tonika I = C-Dur (c-e-g). Subdominante IV = F-Dur (f-a-c). Dominante V = G-Dur (g-h-d). Alle drei sind Dur-Dreiklänge aus den leitereigenen Tönen von C-Dur (keine Vorzeichen). Zusammen enthalten T, S und D alle sieben Stammtöne der Tonleiter.
Die Septime f wird über den Dominantgrundton g geschichtet: V7 = G7 = g-h-d-f. Das Intervall g-f ist eine kleine Septime (10 Halbtöne). Der Akkord enthält den Tritonus h-f (6 Halbtöne) zwischen Terz und Septime - er erzeugt den charakteristischen Auflösungsdrang.
Der Leitton h (zugleich Terz der Dominante und Leitton der Tonart C-Dur) löst sich einen Halbton aufwärts nach c (Grundton der Tonika) auf. Die Septime f löst sich einen Halbton abwärts nach e (Terz der Tonika) auf. Der Tritonus h-f kontrahiert also in Gegenbewegung zur Terz c-e.
In Grundstellung wird die Tonika ohne Ziffer notiert, die Subdominante als Dreiklang in Grundstellung ebenfalls ziffernlos, die Dominantseptime mit der Ziffer 7. Beziffert: C (—) - F (—) - G7 (7) - C (—). Im aussetzenden Satz führt der Continuist die Septime vorbereitet ein und löst sie regelgerecht abwärts auf.
Die Folge T - S - D7 - T realisiert das funktionsharmonische Grundgerüst: die Subdominante trägt von der Tonika weg, die Dominante führt mit höchster Spannung (Tritonus) zurück. Ersetzt man den Schluss-Akkord durch a-Moll (vi), entsteht statt der authentischen Kadenz ein Trugschluss V - VI.
Ergebnis: Authentische Kadenz in C-Dur: C (c-e-g) - F (f-a-c) - G7 (g-h-d-f) - C (c-e-g). Im Übergang G7 - C löst sich der Leitton h aufwärts nach c, die Septime f abwärts nach e; der Tritonus h-f kontrahiert in Gegenbewegung zur Terz c-e.
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Identifizieren Sie alle Akkorde der ersten Zeile des Bach-Chorals „Wachet auf, ruft uns die Stimme" (BWV 140). Geben Sie für jeden Klang Grundton, Akkordart und Umkehrung an und beziffern Sie den Bass.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music)
Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante (Kadenzschema)
Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, erweiterter Akkord
Konstruieren Sie eine vollständige authentische Kadenz (T - S - D7 - T) in C-Dur. Geben Sie die Akkordtöne jeder Funktion an, beziffern Sie den Generalbass und beschreiben Sie die Stimmführung der beiden Leittöne im Übergang D7 - T.
Tonika I = C-Dur (c-e-g). Subdominante IV = F-Dur (f-a-c). Dominante V = G-Dur (g-h-d). Alle drei sind Dur-Dreiklänge aus den leitereigenen Tönen von C-Dur (keine Vorzeichen). Zusammen enthalten T, S und D alle sieben Stammtöne der Tonleiter.
Die Septime f wird über den Dominantgrundton g geschichtet: V7 = G7 = g-h-d-f. Das Intervall g-f ist eine kleine Septime (10 Halbtöne). Der Akkord enthält den Tritonus h-f (6 Halbtöne) zwischen Terz und Septime - er erzeugt den charakteristischen Auflösungsdrang.
Der Leitton h (zugleich Terz der Dominante und Leitton der Tonart C-Dur) löst sich einen Halbton aufwärts nach c (Grundton der Tonika) auf. Die Septime f löst sich einen Halbton abwärts nach e (Terz der Tonika) auf. Der Tritonus h-f kontrahiert also in Gegenbewegung zur Terz c-e.
In Grundstellung wird die Tonika ohne Ziffer notiert, die Subdominante als Dreiklang in Grundstellung ebenfalls ziffernlos, die Dominantseptime mit der Ziffer 7. Beziffert: C (—) - F (—) - G7 (7) - C (—). Im aussetzenden Satz führt der Continuist die Septime vorbereitet ein und löst sie regelgerecht abwärts auf.
Die Folge T - S - D7 - T realisiert das funktionsharmonische Grundgerüst: die Subdominante trägt von der Tonika weg, die Dominante führt mit höchster Spannung (Tritonus) zurück. Ersetzt man den Schluss-Akkord durch a-Moll (vi), entsteht statt der authentischen Kadenz ein Trugschluss V - VI.
Ergebnis: Authentische Kadenz in C-Dur: C (c-e-g) - F (f-a-c) - G7 (g-h-d-f) - C (c-e-g). Im Übergang G7 - C löst sich der Leitton h aufwärts nach c, die Septime f abwärts nach e; der Tritonus h-f kontrahiert in Gegenbewegung zur Terz c-e.
Analysieren Sie das Lied „Der Lindenbaum“ aus Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ (Text: Wilhelm Müller, 1827). Untersuchen Sie das Verhältnis von Dur- und Moll-Strophen, die funktionsharmonischen Wendungen und die Wort-Ton-Beziehung.
„Der Lindenbaum“ ist Nr. 5 von 24 Liedern der „Winterreise“ (komponiert 1827). Form: erweiterte Strophenform mit Variantentechnik. Drei Hauptteile entsprechen den drei Erinnerungsschritten des lyrischen Ichs (Erinnerung - Versuchung - Resignation). Tonart: E-Dur (Strophe 1, 3) wechselt nach e-Moll (Strophe 2, „Mir tat sein Rauschen ...“).
Triolenfiguren im Klavier (3/4-Takt) malen das Rauschen der Blätter im Wind - hochgradig programmatisch. Die rechte Hand spielt durchgängig Sechzehntel-Triolen, die linke Hand stützt mit Tonika und Dominante in E-Dur. Eintaktiger Vorhang öffnet die Erinnerungsszene.
Gesang setzt mit Sextsprung c#-e ein („Am Brunnen vor dem Tore“). Harmonische Folge T - S - D - T (I - IV - V - I) in E-Dur, ausgeschmückt durch Vorhalte und Durchgangsnoten. Die Strophe endet mit authentischer Kadenz V7 - I (H7 - E-Dur). Erinnerungston: friedlich, klar, dur-haltig.
Variantentonart-Wechsel von E-Dur nach e-Moll (gleiche Tonika, andere Terz) signalisiert die schmerzhafte Wendung der Erinnerung. Harmonik wird chromatisch angereichert: e-Moll, h-Moll (Moll-Dominante v; zugleich Paralleltonart von D-Dur), C-Dur (Untermediante / VI — innerhalb von e-Moll die diatonische sechste Stufe, gegenüber dem Grundton E-Dur als tiefalterierte ♭VI hörbar). Eine echte neapolitanische Wendung wäre F-Dur (♭II) als zusätzliche Spannungsfarbe. Begleitfigur des Klaviers wechselt zu pulsierenden Achtel-Akkorden statt fließender Triolen - Sturmcharakter, Naturmetapher für den inneren Aufruhr.
Rückkehr nach E-Dur, aber die Triolen-Begleitung ist nun chromatisch eingefärbt. Spannungstöne (verminderte Septakkorde, Doppeldominanten) zeigen, dass die Idylle nicht ungetrübt zurückkehrt. Die Schlusswendung enthält einen Trugschluss V - VI (H7 - cis-Moll) vor dem endgültigen Ganzschluss - musikalisches Äquivalent zum textlichen Schwanken zwischen Sehnsucht und Resignation.
Die Tonartendisposition E-Dur - e-Moll - E-Dur spiegelt den dramaturgischen Bogen Erinnerung - Versuchung - Resignation. Schubert nutzt Variantentechnik (Hauptmittel der Romantik) statt der klassischen Dominantmodulation - der Charakterwechsel bleibt im selben tonalen Zentrum verankert, was die psychologische Innerlichkeit verstärkt. Der Text wird nicht „vertont“, sondern in eine eigenständige musikalische Dramaturgie überführt.
Ergebnis: Schuberts „Lindenbaum“ zeigt exemplarisch die romantische Liedästhetik: erweiterte Strophenform, programmatische Klavierbegleitung (Blätterrauschen), Variantentechnik als Ausdruck psychischer Wendungen, Chromatik als Mittel innerer Konflikte. Die funktionsharmonische Grundsubstanz bleibt klassisch, wird aber durch Modulationen, Trugschlüsse und Variantentonarten emotionalisiert.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Beschreiben Sie die Funktionsharmonik in einem chromatisch erweiterten Beispiel (z. B. Wagner, „Tristan“-Akkord). Wie weit trägt das Funktionsmodell, wo bricht es?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie funktionsharmonisch die ersten acht Takte des Bach-Chorals „Jesu, meine Freude" (BWV 227, e-Moll). Bezeichnen Sie jeden Akkord mit Funktionssymbol UND Stufenzahl, markieren Sie die Kadenztypen der Zeilenenden und kennzeichnen Sie etwaige Zwischendominanten.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Notenwerte und Pausen — Dauerverhältnisse
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie die metrische Mehrdeutigkeit durch Hemiole an einem Beispiel von Brahms (etwa dem Kopfsatz der 3. Sinfonie F-Dur op. 90, 1883, mit dem Widerstreit von 6/4 und 3/2). Wie nutzt Brahms die Hemiole, um die Phrasenwahrnehmung gezielt in der Schwebe zu halten?
Aktive Wiederholung
Notieren Sie den Rhythmus eines vorgesungenen Beispiels im 6/8-Takt. Bestimmen Sie den Auftakt, gliedern Sie die zwei Dreierschläge je Takt und kennzeichnen Sie alle Synkopen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Belege & Quellen