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Der Kompetenzbereich Sprechen und Zuhören umfasst alle mündlichen Verfahren: Argumentieren, Präsentieren, Gesprächsführung, aktives Zuhören und die mündliche Abiturprüfung. Auch wenn sie im Stundenvolumen oft hinter dem Schreiben zurücksteht — die mündliche Prüfung ist Pflichtbestandteil der Abiturnote.
6Abschnitteca. 29Min Lesezeit2KompetenzenNiveauBasis 2 · Standard 3 · Vertiefung 1Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: klare und adressatenbezogene Darstellung; Argumentationsfähigkeit in moderierten Gesprächen; Anwendung mündlicher Konventionen (Anrede, rhetorische Verfahren, Schluss).
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: souveräne Gesprächsführung mit eigener Position; Reflexion über mündliche Verfahren; Auseinandersetzung mit medialen Formen mündlicher Kommunikation (Podcast, Talkshow, Politikdebatte).
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Rhetorisches Dreieck — logos, ethos, pathos
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Reflektieren Sie das Verhältnis von Rhetorik und Wahrheit zwischen Platons Gorgias-Kritik (Rhetorik als bloße „Schmeichelei", die das Wahrscheinliche über das Wahre stelle) und Aristoteles' Rehabilitierung der Rhetorik als argumentatives Vermögen. Inwiefern ist die Grenze zwischen legitimer Überzeugung und Manipulation (Demagogie, Propaganda) selbst ein rhetorisches und ein ethisches Problem?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie eine bekannte politische Rede (z. B. eine Gedenk- oder Parlamentsrede) hinsichtlich des Redeaufbaus (partes orationis), der Trias Logos–Ethos–Pathos und dreier rhetorischer Mittel — jeweils mit Befund und Funktion. Halten Sie anschließend selbst eine vierminütige Rede zum gleichen Thema und setzen Sie die untersuchten Verfahren bewusst ein.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Bereiten Sie einen zehnminütigen Vortrag zu einem Werk Ihrer Pflichtlektüre vor: Führen Sie zuvor eine kurze Adressatenanalyse durch, gliedern Sie in drei Schwerpunkte, beschränken Sie sich auf maximal sechs textarme Folien und legen Sie ein Take-away fest. Erproben Sie den Vortrag frei (nur Stichwortzettel) mit Stoppuhr.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
In einer Debatte zum Wahlrecht ab 16 sagt die Gegenseite: „16-Jährige sind politisch nicht reif genug." Wie reagieren Sie nach den Regeln des aktiven Zuhörens und konstruktiver Streitkultur?
Zunächst die Gegenposition korrekt zurückspiegeln: „Wenn ich Sie richtig verstehe, knüpfen Sie das Wahlrecht an eine politische Reife, die Sie bei 16-Jährigen noch nicht gegeben sehen." Damit ist gezeigt, dass zugehört wurde — und die Position ist präzise gefasst, nicht als Strohmann verzerrt.
Das stärkste Element des Gegenarguments benennen: „Der Punkt hat Gewicht, denn politische Urteilsfähigkeit ist tatsächlich eine Voraussetzung verantwortlichen Wählens." Zustimmung im Teilaspekt schafft eine gemeinsame Basis und erhöht die eigene Glaubwürdigkeit (Ethos).
Den impliziten Maßstab hinterfragen: „Die Frage ist, woran wir ‚Reife‘ messen. Wird sie am Alter festgemacht oder an nachweisbarer Urteilsfähigkeit?" Damit verschiebt sich die Debatte vom Behaupten zum Begründen.
Belegtes Gegenargument: „Wo 16-Jährige bereits wählen (Kommunalwahlen in mehreren Ländern), zeigen Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung kein auffälliges Unreifemuster." Beleg vor Behauptung — das vierte Argument trägt die eigene Position.
Eigene Position klar, aber dialogoffen: „Ich plädiere deshalb dafür, das Wahlrecht an Teilhabe statt an ein Mindestalter zu binden — und bin gespannt, wie Sie das Reifekriterium operationalisieren würden." Die Rückgabe des Worts hält die Debatte konstruktiv.
Ergebnis: Aktives Zuhören (Paraphrase), Steelmanning, Maßstabsreflexion, belegtes Gegenargument und dialogoffene Positionsmarkierung bilden den Vier-Regeln-Kern konstruktiver Streitkultur (Sache vor Person, Argumente vor Affekten, Belege vor Behauptungen, Respekt vor Sieg). KMK-Operator „diskutieren" verlangt das Abwägen gegenläufiger Positionen, nicht das Übertönen.
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Führen Sie mit einer Lerngruppe eine 30-minütige Debatte zu einer Streitfrage (z. B. Wahlrecht ab 16). Sichern Sie jede Erwiderung zunächst durch eine Paraphrase der Gegenposition, formulieren Sie deren stärkste Lesart (Steelmanning) und analysieren Sie anschließend einen Ausschnitt mit Schulz von Thuns Vier-Seiten-Modell.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Analysieren Sie den folgenden paraphrasierten Dialogausschnitt sprechakttheoretisch: A fragt „Ist hier noch frei?", B antwortet „Ich warte auf jemanden." Welche Sprechakte und welche Maximen sind im Spiel?
A vollzieht einen Direktiv in Frageform (Bitte um Information, zugleich indirekte Bitte um Erlaubnis). B vollzieht formal einen Assertiv („Ich warte …"), der aber funktional als Direktiv (Ablehnung der Bitte) wirkt. Die Differenz von formalem und funktionalem Sprechakt ist der analytische Kern.
Lokution von B: die Aussage über das Warten. Illokution: höfliche Zurückweisung des Sitzplatzwunsches. Perlokution: A bleibt stehen oder sucht einen anderen Platz. Die eigentliche Handlung („Nein") wird nicht ausgesprochen, sondern erschlossen.
B verletzt scheinbar die Maxime der Relation (der Antwortsatz beantwortet nicht direkt die Ja/Nein-Frage). Genau diese Verletzung erzeugt die Implikatur „der Platz ist nicht frei für dich". Das Kooperationsprinzip bleibt gewahrt: der Hörer rekonstruiert die gemeinte Botschaft.
Die indirekte Form ist gesichtswahrend (face-saving): eine direkte Ablehnung („Nein, setz dich woandershin") wäre unhöflich. Die Implikatur erlaubt beiden Beteiligten, das Gesicht zu wahren — ein pragmatisches Standardverfahren.
Der Dialog zeigt, dass kommunikative Bedeutung nicht in der Wortbedeutung (Semantik) aufgeht, sondern pragmatisch konstituiert wird. Die Analyse macht sichtbar, wie viel ungesagt mitgeteilt wird — relevant für jede Dialoganalyse literarischer Dramen.
Ergebnis: Der Befund verbindet Searles Sprechakttypen, Austins Dreiteilung und Grices Implikaturmodell zu einer integrierten Pragmatik-Analyse. KMK-Operator „analysieren" verlangt diese Verknüpfung von Beobachtung und kommunikativer Funktion — eine reine Begriffsnennung genügt nicht.
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie ein Interview- oder Talkshow-Transkript zu einem aktuellen Thema hinsichtlich Fragetypen, Sprecherrollen, Sprechzeitverteilung und dramaturgischem Verlauf. Beurteilen Sie, wie die mediale Inszenierung die argumentative Klärung fördert oder behindert.
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Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Sie haben in der mündlichen Abiturprüfung Deutsch 20 Minuten Zeit (10 Min. Präsentation + 10 Min. Gespräch). Themenbereich: „Politische Lyrik der Romantik". Wie strukturieren Sie die Präsentationsphase?
Aufmerksamkeitsgewinn durch einen knappen, prägnanten Eröffnungssatz: ein paraphrasiertes Heine-Zitat (Vormärz) als Aufhänger, gefolgt von der Themenfrage: „Inwiefern ist Romantik politisch?" — eine produktive Spannung zwischen Klischee („romantisch = weltabgewandt") und Realität.
Romantik in drei Phasen einordnen: Frühromantik (Jena, 1798–1804), Hochromantik (Heidelberg, 1805–1815), Spätromantik (1815–1840). Politische Akzente verschieben sich: von ästhetischer Universalpoesie zur volkstümlich-nationalen Bewegung und schließlich zur Vormärz-Politisierung bei Heine.
Eichendorffs „Es war, als hätt der Himmel" (1837) als Beispiel für unpolitische, harmonische Spätromantik. Kurz: Sprecherposition, Bildsprache, Wirkung. Anschließend die kritische Wendung: „Aber selbst diese Innerlichkeit ist politisch — als Rückzug aus dem restaurativen Klima nach 1815."
Heines „Die schlesischen Weber" (1844) als Beispiel direkter politischer Lyrik. Analyse von Refrain, Imperativ-Sprechakt, sozialem Engagement. Heines Position: nicht mehr Romantik im engen Sinn, sondern Vormärz — der Übergang ist fließend und zeigt die Bandbreite des Begriffs.
Bündelung: „Politische Lyrik der Romantik ist nicht ein Sonderfall, sondern eine konstitutive Spielart — von der Innerlichkeit als implizitem Protest bis zum direkten politischen Lied." Schlussangebot ans Prüferkollegium: „Ich freue mich auf Ihre Fragen, insbesondere zur Frage, wie sich Romantik vom Vormärz abgrenzen lässt."
Ergebnis: Zehn-Minuten-Präsentation mit klarer Drei-Teilung (Begriff — zwei Beispiele — Schlussthese), präzise Zeiteinteilung. Die mündliche Prüfung honoriert Belegtiefe, Strukturklarheit, Reflexionsfähigkeit. Operator „darstellen" + „diskutieren" sind eingelöst.
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Simulieren Sie eine vollständige mündliche Abiturprüfung: 30 Min. Vorbereitung an unbekanntem Material, ein klar dreigeteilter Vortrag (mit erreichter Synthese), dann 10 Min. Kolloquium. Lassen Sie eine Lernpartnerin Anschlussfragen aus allen drei Anforderungsbereichen stellen und reflektieren Sie hinterher Ihre Reaktionen.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · IQB Aufgabenpool Sekundarstufe II Deutsch — Beispiel- und Vergleichsaufgaben (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Reflektieren Sie das Konzept der „epistemischen Demut" und sein Verhältnis zur deliberativen Demokratietheorie. Welche Bedingungen müssten erfüllt sein, damit ein Diskurs im Sinne Habermas' als „gelungen" gelten kann — und sind diese Bedingungen unter den Anreizstrukturen digitaler Öffentlichkeit überhaupt erreichbar?
Aktive Wiederholung
Erörtern Sie auf Grundlage aktueller Beispiele, ob die deutsche Debattenkultur in einer Krise ist. Nutzen Sie Habermas' Diskursethik als methodischen Maßstab, trennen Sie empirische Beschreibung von normativer Bewertung und legen Sie Ihren Beurteilungsmaßstab offen.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Belege & Quellen
Kultusministerkonferenz
Ministerium für Schule und Bildung NRW
Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen