Loading
Sprache existiert nicht als homogene Einheit, sondern in Varietäten — regionalen (Dialekt), sozialen (Soziolekt), gruppenspezifischen (Jugend-, Fachsprache) und situativen (Register, Nähe/Distanz). Hinzu kommt die individuelle und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit: Sprachkontakt, Migration, Code-Switching und die Mehrsprachigkeit der deutschen Gesellschaft. Die KMK-Bildungsstandards (§2.5, „Sprache und Sprachgebrauch reflektieren") fordern die Reflexion über Sprachvarietäten und Mehrsprachigkeit als eigenständige Kompetenz — beschreibend, nicht wertend, und mit Blick auf die soziale Dimension von Sprache.
4Abschnitteca. 18Min Lesezeit2KompetenzenNiveauBasis 1 · Standard 2 · Vertiefung 1Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Varietätentypen (Dialekt, Soziolekt, Jugend-, Fachsprache) unterscheiden und beschreibend (nicht wertend) analysieren; Standardsprache als eine Varietät unter mehreren einordnen; einfache Reflexion über Sprache und soziale Zugehörigkeit.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: soziolinguistische Reflexion (Sprache-Macht, linguistische Diskriminierung); Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt theoretisch fassen (Code-Switching, Entlehnung, Migrationsvarietäten); Reflexion über Sprachpolitik und sprachliche Normierung.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Sprachvarietäten — Schichtung des Deutschen
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Untersuchen Sie das Verhältnis von Dialekt, Regiolekt und Standardsprache als Kontinuum (Dialekt-Standard-Kontinuum). Inwiefern lässt sich nicht scharf zwischen „Dialekt" und „Umgangssprache" trennen, und welche soziolinguistischen Folgen hat der fortschreitende Dialektabbau (Dialekt-Standard-Ausgleich) in Deutschland?
Aktive Wiederholung
Ordnen Sie fünf Sprachbeispiele (z. B. ein Dialektsatz, eine umgangssprachliche Wendung, eine fachsprachliche Formulierung, ein formeller und ein informeller Satz) den Variationsachsen zu. Beschreiben Sie die Merkmale beschreibend, nicht wertend.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Sprachvarietäten — Schichtung des Deutschen
Beurteilen Sie die These, dass Anglizismen das Deutsche „verarmen". Wie strukturieren Sie eine begründete Stellungnahme?
Was bedeutet „verarmen"? Lexikalische Vielfalt? Stilistische Differenzierung? Idiomatische Eigenständigkeit? Die These auf eine prüfbare Form bringen: „Anglizismen reduzieren den Wortschatz nativer Lexeme und gefährden die idiomatische Eigenständigkeit des Deutschen."
Empirie: Anglizismen machen ca. 3–5 % des Standardwortschatzes aus (Duden 2024). Lehnwortintegration ist ein historisches Konstanzphänomen — Latinismen im Mittelalter, Gallizismen im 17./18. Jh. Die Belegbasis spricht gegen die „Verarmungsthese".
Argument für „bedingte Verarmung": fachsprachliche Anglizismen ohne deutsche Übersetzung erschweren die Teilhabe nicht-fachkundiger Sprecher (digitale Verwaltung). Argument gegen pauschale Verarmung: gleichzeitige Neologismen wie „Klimakleber", „Tafelsilber" zeigen lexikalische Produktivität.
Beurteilen heißt Kriterien offen legen. Maßstab 1: Funktionalität (kann der Sprecher kommunizieren?). Maßstab 2: kulturelle Identität (welche Sprachpolitik gewünscht?). Maßstab 3: soziale Teilhabe (wer wird ausgeschlossen?). Je nach Maßstab kommt die Beurteilung anders aus.
Begründete Stellungnahme: „Die Verarmungsthese überzieht. Anglizismen bereichern lexikalisch und werden idiomatisch integriert (verbale Derivation: „downloaden, downloadete, downgeloadet"). Problematisch sind nicht Anglizismen an sich, sondern die soziale Stratifikation, die englische Fachsprachen erzeugen — hier braucht es sprachpolitische Aufmerksamkeit, nicht Verteidigungsreflexe."
Ergebnis: Beurteilung in fünf Schritten: These präzisieren → Empirie → Differenzierung → Maßstäbe → Position. KMK-Operator „beurteilen" verlangt offene Kriterienreflexion, keine bloße Meinungsäußerung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie an einer Szene aus Büchners „Woyzeck" (1836/37), wie der Kontrast der Sprachvarietäten (Woyzecks einfache Rede gegen den Jargon von Hauptmann und Doktor) das soziale Machtgefälle inszeniert und Gesellschaftskritik leistet. Querverweis: Die Dialoganalyse entfaltet das Thema „Dramenanalyse".
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie einen jugendsprachlichen Text (z. B. einen Chat- oder Social-Media-Ausschnitt) hinsichtlich seiner lexikalischen Merkmale und Funktionen. Erörtern Sie anschließend die These, Jugendsprache verarme das Deutsche.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Reflektieren Sie das unterschiedliche Prestige von Herkunftssprachen am Beispiel der gegensätzlichen Bewertung von Englisch-Deutsch („Bildung") und Türkisch-Deutsch („Defizit"). Untersuchen Sie, welche sozialen Mechanismen — nicht sprachlichen Eigenschaften — diese Hierarchie erzeugen, und beziehen Sie das Konzept des sprachlichen Kapitals (Bourdieu) ein. Querverweis: Der folgende Abschnitt entfaltet Sprache, Norm und soziale Geltung.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie an Beispielen den Unterschied zwischen Entlehnung, Interferenz und Code-Switching. Erörtern Sie, ob gesellschaftliche Mehrsprachigkeit als Ressource oder als Problem zu bewerten ist, und legen Sie Ihren Maßstab offen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Sprachvarietäten — Schichtung des Deutschen
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Untersuchen Sie das Konzept der „linguistischen Diskriminierung" und reflektieren Sie, wie sich Sprachvarietäten in beruflichen und institutionellen Kontexten auswirken (mit Bezug auf Bourdieus „sprachliches Kapital"). Querverweis: Den Sprachwandel und den Genderdiskurs entfaltet das Thema „Sprache und Sprachgebrauch reflektieren".
Aktive Wiederholung
Erörtern Sie die These, dass die schulische Privilegierung der Standardsprache soziale Ungleichheit reproduziert. Beziehen Sie Befunde zu linguistischer Diskriminierung und Bildungssprache ein und legen Sie Ihren Beurteilungsmaßstab offen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Belege & Quellen
Kultusministerkonferenz
Ministerium für Schule und Bildung NRW