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Das Drama ist die dritte literarische Großgattung des Abiturs. Anders als Epik und Lyrik kennt das Drama keine Erzähl- oder Sprechinstanz: es besteht aus dem Dialog der Figuren und den Regieanweisungen (Nebentext) und ist für die Aufführung bestimmt. Die Dramenanalyse arbeitet mit Dramaturgie (Freytag, offene/geschlossene Form), Figurenkonstellation und -konzeption, Dialog- und Kommunikationsanalyse sowie dem dramatischen Konflikt. Der zentrale Gegensatz der Q-Phase ist der zwischen aristotelischem (geschlossenem) und epischem Theater (Brecht). KMK §2.4.1 fordert den souveränen Umgang mit dramatischen Texten von der Aufklärung bis zur Gegenwart.
5Abschnitteca. 27Min Lesezeit3KompetenzenNiveauBasis 1 · Standard 2 · Vertiefung 2Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Bestimmung von Dramentyp (offen/geschlossen) und Aufbau (Freytag-Pyramide); Erstellung einer Figurenkonstellation; Szenenanalyse mit Fokus auf dramatischen Konflikt; Unterscheidung von klassischem und epischem Theater.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: vertiefte Dialog- und Kommunikationsanalyse (Sprechakte, Strategien, Subtext); Reflexion über Dramen- und Theatertheorie (Aristoteles, Lessing, Brecht, Dürrenmatt); Inszenierungsanalyse als eigene Lesart; Werkvergleich über Epochen.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Reflektieren Sie die Leistung und die Grenzen der Mauerschau (Teichoskopie) und des Botenberichts in der geschlossenen Form. Warum verlegt das klassische Drama Gewalt und Katastrophe hinter die Bühne, und wie verändert das offene bzw. das epische Theater (Brecht) diesen Umgang mit dem Nicht-Zeigbaren? Querverweis: Den Bauform-Gegensatz entfaltet der folgende Abschnitt.
Aktive Wiederholung
Bestimmen Sie für ein Pflichtdrama Ihres Bundeslands den zentralen dramatischen Konflikt, die Gattung (Tragödie/Komödie/Mischform) und je ein Beispiel für Dialog, Monolog und Regieanweisung mit ihrer Funktion.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Freytagsche Pyramide — Aufbau des klassischen Dramas
Charakterisieren Sie die Figurenkonstellation in Lessings „Nathan der Weise" (1779) im Hinblick auf die Toleranzthematik. Welche Schritte führen von Beobachtung zur tragfähigen Charakterskizze?
Drei Religionen, drei Hauptfiguren: Nathan (Judentum), Saladin (Islam), Tempelherr (Christentum). Erweiterung: Recha (Adoptivtochter Nathans), Sittah (Saladins Schwester), Daja (christliche Erzieherin), Patriarch (institutionalisierter Glaube). Die Konstellation ist symmetrisch um Nathan zentriert.
Familiäre, religiöse, machtpolitische Bindungen offenlegen. Die finale Verwandtschaftsenthüllung (Recha und der Tempelherr sind Geschwister, Saladins Bruder ist ihr Vater) zeigt die ideologische Funktion: Religion ist nicht Abstammung. Lessing montiert die Familie als symbolische Toleranz-Allegorie.
Charakterzüge benennen und mit Textstellen belegen (paraphrasiert): Nathan ist reflektiert, friedensorientiert, dialogisch. Die Ringparabel (3. Aufzug, 7. Auftritt) wird zur Schlüsselrede: Nathan überzeugt nicht durch Dogma, sondern durch Erzählen — Toleranz ist methodisch.
Der Patriarch fungiert als Antagonist des Toleranzdiskurses: sein Refrain „Tut nichts! Der Jude wird verbrannt." (IV. Aufzug, 2. Auftritt; in der Klausur in indirekter Form paraphrasieren) markiert den Fanatismus, gegen den Nathan steht. Wichtig: Es ist die Figurenrede des Patriarchen, nicht Lessings eigene Aussage — gerade hier zählt die Autor-Figur-Unterscheidung. Die Konstellation arbeitet mit polar gestellten Figuren.
Lessing macht die Figurenanordnung selbst zur Botschaft: die drei Religionen sind familiär verschränkt, ideologisch gleichberechtigt, individuell unterschieden. Die Charakterisierung muss zeigen, dass die Figuren nicht psychologische Studien, sondern dramaturgische Funktionsträger der Aufklärung sind.
Ergebnis: Charakterisierung in Konstellation gedacht: jede Figur erscheint relational, nicht isoliert. Die Bewertung erfolgt textgestützt (Textstellen paraphrasiert) und funktional (was leistet die Figur für die Toleranzthematik?). KMK-Operator „charakterisieren" verlangt diese Doppelperspektive.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Prüfen Sie an einem offenen Drama (z. B. Büchners „Woyzeck"), inwiefern sich die Freytag-Pyramide anwenden lässt oder gerade scheitert. Zeigen Sie, dass das Versagen des geschlossenen Schemas selbst ein Deutungsbefund ist — die offene Form widersetzt sich dem zielgerichteten Spannungsbogen. Querverweis: Die Epochen Sturm und Drang sowie Vormärz entfaltet das Thema „Literaturgeschichtliche Epochen".
Aktive Wiederholung
Ordnen Sie die Schlüsselszenen eines geschlossenen Dramas (z. B. Schillers „Maria Stuart", 1800) den fünf Stationen der Freytag-Pyramide zu. Begründen Sie, warum die geschlossene Form zur Thematik passt.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Figurenkonstellation und -konzeption
Charakterisieren Sie die Figurenkonstellation in Lessings „Nathan der Weise" (1779) im Hinblick auf die Toleranzthematik. Welche Schritte führen von Beobachtung zur tragfähigen Charakterskizze?
Drei Religionen, drei Hauptfiguren: Nathan (Judentum), Saladin (Islam), Tempelherr (Christentum). Erweiterung: Recha (Adoptivtochter Nathans), Sittah (Saladins Schwester), Daja (christliche Erzieherin), Patriarch (institutionalisierter Glaube). Die Konstellation ist symmetrisch um Nathan zentriert.
Familiäre, religiöse, machtpolitische Bindungen offenlegen. Die finale Verwandtschaftsenthüllung (Recha und der Tempelherr sind Geschwister, Saladins Bruder ist ihr Vater) zeigt die ideologische Funktion: Religion ist nicht Abstammung. Lessing montiert die Familie als symbolische Toleranz-Allegorie.
Charakterzüge benennen und mit Textstellen belegen (paraphrasiert): Nathan ist reflektiert, friedensorientiert, dialogisch. Die Ringparabel (3. Aufzug, 7. Auftritt) wird zur Schlüsselrede: Nathan überzeugt nicht durch Dogma, sondern durch Erzählen — Toleranz ist methodisch.
Der Patriarch fungiert als Antagonist des Toleranzdiskurses: sein Refrain „Tut nichts! Der Jude wird verbrannt." (IV. Aufzug, 2. Auftritt; in der Klausur in indirekter Form paraphrasieren) markiert den Fanatismus, gegen den Nathan steht. Wichtig: Es ist die Figurenrede des Patriarchen, nicht Lessings eigene Aussage — gerade hier zählt die Autor-Figur-Unterscheidung. Die Konstellation arbeitet mit polar gestellten Figuren.
Lessing macht die Figurenanordnung selbst zur Botschaft: die drei Religionen sind familiär verschränkt, ideologisch gleichberechtigt, individuell unterschieden. Die Charakterisierung muss zeigen, dass die Figuren nicht psychologische Studien, sondern dramaturgische Funktionsträger der Aufklärung sind.
Ergebnis: Charakterisierung in Konstellation gedacht: jede Figur erscheint relational, nicht isoliert. Die Bewertung erfolgt textgestützt (Textstellen paraphrasiert) und funktional (was leistet die Figur für die Toleranzthematik?). KMK-Operator „charakterisieren" verlangt diese Doppelperspektive.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie an einem Pflichtdrama eine Spiegelungs- oder Kontrastfigurenkonstellation (z. B. die beiden Königinnen in Schillers „Maria Stuart", 1800). Zeigen Sie, wie der Figurenkontrast zwei konkurrierende Wertordnungen verkörpert und so den ideellen Konflikt des Dramas auf der Personenebene austrägt.
Aktive Wiederholung
Erstellen Sie für ein Pflichtdrama eine Figurenkonstellation mit benannten Beziehungsachsen. Charakterisieren Sie die Hauptfigur entlang der Konzeptionsachsen und belegen Sie je ein Beispiel direkter und indirekter Charakterisierung.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Vier-Seiten-Modell der Kommunikation (Schulz von Thun)
Analysieren Sie den folgenden paraphrasierten Dialogausschnitt sprechakttheoretisch: A fragt „Ist hier noch frei?", B antwortet „Ich warte auf jemanden." Welche Sprechakte und welche Maximen sind im Spiel?
A vollzieht einen Direktiv in Frageform (Bitte um Information, zugleich indirekte Bitte um Erlaubnis). B vollzieht formal einen Assertiv („Ich warte …"), der aber funktional als Direktiv (Ablehnung der Bitte) wirkt. Die Differenz von formalem und funktionalem Sprechakt ist der analytische Kern.
Lokution von B: die Aussage über das Warten. Illokution: höfliche Zurückweisung des Sitzplatzwunsches. Perlokution: A bleibt stehen oder sucht einen anderen Platz. Die eigentliche Handlung („Nein") wird nicht ausgesprochen, sondern erschlossen.
B verletzt scheinbar die Maxime der Relation (der Antwortsatz beantwortet nicht direkt die Ja/Nein-Frage). Genau diese Verletzung erzeugt die Implikatur „der Platz ist nicht frei für dich". Das Kooperationsprinzip bleibt gewahrt: der Hörer rekonstruiert die gemeinte Botschaft.
Die indirekte Form ist gesichtswahrend (face-saving): eine direkte Ablehnung („Nein, setz dich woandershin") wäre unhöflich. Die Implikatur erlaubt beiden Beteiligten, das Gesicht zu wahren — ein pragmatisches Standardverfahren.
Der Dialog zeigt, dass kommunikative Bedeutung nicht in der Wortbedeutung (Semantik) aufgeht, sondern pragmatisch konstituiert wird. Die Analyse macht sichtbar, wie viel ungesagt mitgeteilt wird — relevant für jede Dialoganalyse literarischer Dramen.
Ergebnis: Der Befund verbindet Searles Sprechakttypen, Austins Dreiteilung und Grices Implikaturmodell zu einer integrierten Pragmatik-Analyse. KMK-Operator „analysieren" verlangt diese Verknüpfung von Beobachtung und kommunikativer Funktion — eine reine Begriffsnennung genügt nicht.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Analysieren Sie eine Verhörszene oder ein Machtgespräch (z. B. die Begegnungen in Lessings „Emilia Galotti", 1772) als asymmetrische Kommunikation. Zeigen Sie, wie über Sprechakte, Maximenverletzungen und Anredeverhalten ein Machtgefälle hergestellt und der Subtext der Bedrohung erzeugt wird.
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie eine dramatische Konfrontationsszene (z. B. die Begegnung zweier Kontrahenten) hinsichtlich Sprechakten, Gesprächsdominanz und Subtext. Belegen Sie Maximenverletzungen und deuten Sie ihre Wirkung.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Klassisches vs. episches Theater (nach Brecht)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Reflektieren Sie das Verhältnis von Lessings Dramentheorie (Mitleidsdramaturgie, „Hamburgische Dramaturgie", 1767–69) und Brechts epischem Theater. Inwiefern ist Brechts V-Effekt eine bewusste Absage an die aristotelisch-Lessingsche Katharsis? Querverweis: Die Epochenkontexte (Aufklärung, Exil/Nachkrieg) entfaltet das Thema „Literaturgeschichtliche Epochen".
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie an einer Szene aus Brechts „Leben des Galilei" (1938–55, paraphrasiert) drei Verfremdungstechniken und erläutern Sie, wie sie kritische Distanz statt Einfühlung erzeugen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · Kernlehrplan Deutsch — Gymnasiale Oberstufe Nordrhein-Westfalen (Ministerium für Schule und Bildung NRW)
Belege & Quellen
Kultusministerkonferenz
Ministerium für Schule und Bildung NRW