Aufgabenstellung
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Klassische und operante Konditionierung, Modelllernen, Mehrspeichermodell, Working Memory, Vergessen.
6Abschnitteca. 19Min Lesezeit3KompetenzenNiveauStandard 4 · Vertiefung 2Stand 06/2026
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Klassische Konditionierung (Pawlow-Paradigma)
Erläutern Sie das Little-Albert-Experiment als Beispiel klassischer Konditionierung. Benennen Sie US, UR, NS, CS, CR und diskutieren Sie ethische Probleme.
Albert (9 Monate alt) zeigt keine Furcht vor weißen Ratten (NS = neutraler Stimulus). Lauter Hammerschlag auf Metallplatte (US) erzeugt Schreckreaktion und Weinen (UR).
Watson und Rayner präsentieren wiederholt die Ratte gleichzeitig mit dem lauten Geräusch. Albert assoziiert die Ratte zunehmend mit Furcht.
Nach mehreren Kopplungen löst die weiße Ratte (CS) allein die Furchtreaktion (CR) aus — auch ohne Geräusch.
Albert reagiert ähnlich auf andere weiße, pelzige Objekte (Kaninchen, Pelzmantel, Wattebausch). Generalisierung zeigt die Allgemeingültigkeit konditionierter Reaktionen.
Verstöße: kein informed consent, keine Löschung (Reextinktion) der konditionierten Angst, Schädigungsrisiko. Heute wäre das Experiment nach DGPs/APA-Ethikkodex unzulässig.
Ergebnis: Das Experiment belegt die Übertragbarkeit klassischer Konditionierung auf menschliche Emotionen (Erklärungsmodell für Phobien) — gleichzeitig Lehrbuchbeispiel für unethische Forschung und Ausgangspunkt heutiger Ethikkommissionen.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Konstruieren Sie ein Beispiel klassischer Konditionierung aus dem Alltag (Werbung, Phobie, Trainingsritual) und benennen Sie alle Stimuli/Reaktionen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Klassische Konditionierung (Spektrum)
Die vier Konsequenztypen der operanten Konditionierung
Analysieren Sie mit Skinners Begriffen, warum intermittierende Verstärkung (z. B. am Spielautomaten) zu besonders löschungsresistentem Verhalten führt.
Operante Konditionierung: Verhalten wird durch seine Konsequenzen gesteuert. Positive Verstärkung erhöht die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens.
Kontinuierliche Verstärkung: jede Reaktion wird belohnt. Intermittierende (partielle) Verstärkung: nur ein Teil der Reaktionen wird belohnt — etwa nach variabler Quote (variable ratio).
Der Spielautomat zahlt nach einem variablen Quotenplan aus: unvorhersehbar, im Schnitt nach einer bestimmten Zahl von Versuchen. Genau dieser Plan erzeugt sehr hohe, gleichmäßige Reaktionsraten.
Bei kontinuierlicher Verstärkung fällt das Ausbleiben der Belohnung sofort auf, das Verhalten erlischt rasch. Bei variabler Quote sind Nullserien normal — der Ausbleiben-Reiz ist nicht eindeutig, daher wird viel länger weitergespielt (Partialverstärkungseffekt).
Praktische Folge: variable Verstärkungspläne fördern stabile Gewohnheiten und erklären die suchterzeugende Wirkung von Glücksspiel. Verhaltenstherapeutisch nutzt man kontrollierte Pläne zum Auf- und Abbau von Verhalten.
Ergebnis: Intermittierende, besonders variable Verstärkung erzeugt löschungsresistentes Verhalten, weil das Ausbleiben der Belohnung nicht eindeutig signalisiert wird. Dies erklärt die hohe Bindungswirkung von Glücksspiel.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Diskutieren Sie, wie Social-Media-Likes als variable Verstärkungspläne wirken und welche Risiken das birgt.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Operante Konditionierung (Spektrum)
Atkinson-Shiffrin-Mehrspeichermodell
Ebbinghaus-Vergessenskurve
Erklären Sie mit dem Mehrspeichermodell (Atkinson-Shiffrin) und dem Working-Memory-Modell (Baddeley), warum nächtliches „Durchpauken" vor einer Prüfung wenig bringt — und was stattdessen funktioniert.
Reize gelangen ins sensorische Register (< 1 s); Aufmerksamkeit überträgt sie ins Kurzzeit-/Arbeitsgedächtnis (7 ± 2 Chunks, 20–30 s); nur Elaboration und Wiederholung überführen sie ins Langzeitgedächtnis (Abb. 3).
Durchpauken überlastet die begrenzte Kapazität (Baddeley: phonologische Schleife, visuell-räumlicher Notizblock, zentrale Exekutive). Zu viel auf einmal kann gar nicht erst sauber enkodiert werden.
Die Überführung ins Langzeitgedächtnis geschieht nicht sofort, sondern über Konsolidierung — der Schlafentzug beim nächtlichen Pauken untergräbt genau diesen Schritt.
Ohne Wiederholung fällt das Behalten rasch ab (Ebbinghaus, Abb. 4); einmal Gepauktes ist daher schnell wieder verloren.
Verteiltes Lernen (Spacing), aktives Abrufen (Testing), Chunking, multimodale Elaboration und ausreichend Schlaf zur Konsolidierung — das nutzt die Architektur des Gedächtnisses, statt gegen sie zu arbeiten.
Ergebnis: Durchpauken scheitert an der begrenzten Arbeitsgedächtniskapazität, an fehlender Konsolidierung (Schlaf) und am raschen Vergessen ohne Wiederholung. Wirksam ist verteiltes, abrufendes Lernen mit ausreichend Schlaf.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Skizzieren Sie eine wissenschaftlich begründete Lernstrategie für Maturafragen mit Bezug zu Atkinson-Shiffrin und Baddeley.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Mehrspeichermodell (Spektrum)
Evidenzbasierte Lernstrategien
Entwerfen Sie einen zweiwöchigen Lernplan für eine Matura-Teilprüfung, der Spacing, Testing und Interleaving nutzt, und begründen Sie jede Wahl.
Die Themen in überschaubare Einheiten (Chunks) aufteilen und über die zwei Wochen VERTEILEN, statt sie am Ende zu massieren (Abb. 5).
Jedes Thema mehrmals in wachsenden Abständen wiederholen (z. B. Tag 1, 3, 7, 13). Verteiltes Lernen schlägt Cramming, weil das wiederholte Abrufen aus dem Langzeitgedächtnis die Gedächtnisspur festigt.
Statt den Stoff erneut zu LESEN, ihn aktiv abrufen: Selbsttests, Karteikarten, frühere Maturafragen ohne Unterlagen lösen. Aktives Erinnern festigt stärker als Wiederlesen (testing effect).
Verschiedene Themen und Aufgabentypen mischen statt blockweise abzuarbeiten. Das fördert Unterscheidung und Transfer; es fühlt sich schwerer an, wirkt aber nachhaltiger („desirable difficulty").
Den Lernerfolg überwachen (was sitzt, was nicht?) und den Plan anpassen; ausreichend schlafen für die Konsolidierung. So nutzt der Plan die Befunde der Gedächtnispsychologie systematisch.
Ergebnis: Ein wirksamer Plan verteilt den Stoff (Spacing), prüft sich aktiv ab (Testing) und mischt die Themen (Interleaving), gesteuert durch Metakognition und gestützt durch Schlaf — deutlich effektiver als massiertes Wiederlesen.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Entwerfen Sie einen zweiwöchigen Lernplan für eine Prüfung, der Spacing, Testing und Interleaving nutzt.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Lernen (Spektrum)
Gedächtnissysteme des Langzeitgedächtnisses
Nach beidseitiger Hippocampus-Entfernung konnte H. M. keine neuen Fakten/Ereignisse behalten, lernte aber motorische Fertigkeiten (Spiegelzeichnen) dazu — ohne sich ans Üben zu erinnern. Was zeigt der Fall?
Anterograde Amnesie: keine neuen deklarativen Erinnerungen mehr, bei weitgehend erhaltenem Altgedächtnis, normaler Intelligenz und Sprache (Abb. 6).
Im Spiegelzeichnen wurde H. M. von Tag zu Tag besser — beteuerte aber jedes Mal, die Aufgabe nie zuvor gesehen zu haben. Können und Erinnern fallen auseinander.
Deklaratives (explizites) und prozedurales (implizites) Gedächtnis sind getrennte Systeme — das eine kann ausfallen, während das andere intakt bleibt.
Der Hippocampus ist für die BILDUNG und Konsolidierung neuer deklarativer Erinnerungen nötig, aber nicht ihr endgültiger Speicher (das Altgedächtnis blieb) und nicht für prozedurales Lernen zuständig.
Der Fall ist ein Meilenstein, der die Mehrsystem-Architektur des Gedächtnisses neuropsychologisch belegt. Grenze: Es ist eine Einzelfallstudie — sie ist mit weiteren Befunden (LTP, Bildgebung, weitere Patienten) abzusichern.
Ergebnis: H. M. zeigt, dass deklaratives und prozedurales Gedächtnis getrennte Systeme sind und der Hippocampus für die Bildung neuer deklarativer Erinnerungen zuständig ist — nicht für ihren Dauerspeicher und nicht für motorisches Lernen.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie am Fall H. M., welche Gedächtnissysteme getrennt voneinander funktionieren können.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Gedächtnis (Spektrum)
Warum wir vergessen
Erklären Sie mit Loftus’ Forschung, wie falsche Erinnerungen entstehen, und beurteilen Sie die Folgen für Augenzeugenaussagen.
Erinnern ist kein Abspielen einer Aufzeichnung, sondern ein aktives Rekonstruieren bei jedem Abruf; Lücken werden mit Schemata, Erwartungen und nachträglichen Informationen gefüllt (Abb. 7).
In Loftus’ Auto-Studie schätzten Versuchspersonen die Geschwindigkeit höher und „erinnerten" zerbrochenes Glas, wenn die Frage das Wort „krachten" statt „berührten" enthielt — nachträgliche Sprache verändert die Erinnerung.
Im „Lost in the Mall"-Paradigma entwickelten Versuchspersonen detaillierte Erinnerungen an ein NIE geschehenes Ereignis (als Kind im Einkaufszentrum verloren gegangen). Ganze Episoden sind suggerierbar.
Falsche Erinnerungen sind keine bewusste Lüge — die Person ist subjektiv überzeugt. Lebendigkeit und hohe Konfidenz sind KEIN Beleg für die Richtigkeit einer Erinnerung.
Augenzeugenaussagen sind fehleranfällig; suggestive Befragung und Wiederholung können Erinnerungen erzeugen oder verändern. Konsequenz: frühe, nicht-suggestive, dokumentierte Befragung und Vorsicht bei „wiedergefundenen" Erinnerungen.
Ergebnis: Erinnerung ist rekonstruktiv: Durch Misinformation und Suggestion entstehen überzeugende, aber falsche Erinnerungen (Loftus). Daher sind Augenzeugenaussagen mit Vorsicht zu behandeln und nicht-suggestiv zu erheben.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Beurteilen Sie die Verlässlichkeit einer Augenzeugenaussage unter Verweis auf Loftus Forschung.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Falsche Erinnerungen (Spektrum)
Belege & Quellen