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Notizen/Physik/Messung, Experiment und Fehlerrechnung
Notizen · PhysikAT · Matura

Messung, Experiment und Fehlerrechnung

Messunsicherheiten, Fehlerfortpflanzung, lineare Regression und Diagramminterpretation - methodische Querschnittskompetenzen für alle anderen Themen.

6 Abschnitte·~17 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 3 · Vertiefung 1·Stand 06/2026

T·111111 / 11
Prüfungsprofil
W-10 · Wissen über Messunsicherheit und Fehlerrechnung organisierenE-10 · Messdaten kritisch auswerten, regressieren und Unsicherheiten angebenS-10 · Vertrauenswürdigkeit physikalischer Ergebnisse beurteilen
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Messung, Experiment und Fehlerrechnung
    • 01Messunsicherheit und Standardabweichung◐
    • 02Fehlerfortpflanzung und Regression●
    • 03Diagramminterpretation und Linearisierung◐
    • 04Experimentdesign, Genauigkeit und Präzision○
    • 05SI-Einheiten, Größenordnungen und Dimensionsanalyse○
    • 06Statistische Verteilung und Ausreisser◐
§ 01

Messunsicherheit und Standardabweichung#

●●○StandardLPPHY-Mess-10.1

Kernpunkte

Keine Messung liefert exakt den wahren Wert - jede ist mit einer Unsicherheit behaftet. Man unterscheidet zwei Arten: Zufällige Fehler streuen unregelmäßig um den wahren Wert (Ablesen, Rauschen) und mitteln sich bei Wiederholung heraus; systematische Fehler verzerren alle Messungen in dieselbe Richtung (etwa ein falsch kalibriertes Gerät) und lassen sich durch Mitteln nicht beseitigen.
Eine Messreihe fasst man durch zwei Kenngrößen zusammen: den Mittelwert xˉ=1n∑xi\bar x=\frac{1}{n}\sum x_{i}xˉ=n1​∑xi​ als bestes Schätzmaß für den wahren Wert und die Standardabweichung σ\sigmaσ als Maß für die Streuung der Einzelmessungen.
Entscheidend - und oft verwechselt - ist die Unsicherheit des Mittelwerts: u(xˉ)=σ/nu(\bar x)=\sigma/\sqrt nu(xˉ)=σ/n​. Sie ist um den Faktor n\sqrt nn​ kleiner als σ\sigmaσ, denn der Mittelwert vieler Messungen ist verlässlicher als eine Einzelmessung.
Das Ergebnis schreibt man als x=xˉ±u(xˉ)x=\bar x\pm u(\bar x)x=xˉ±u(xˉ). Dabei richtet sich die Zahl der signifikanten Stellen nach der Unsicherheit: Diese rundet man auf ein bis zwei signifikante Stellen, den Mittelwert auf dieselbe Dezimalstelle.
Der internationale Standard für solche Angaben ist der GUM (Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement). Er sorgt dafür, dass Messergebnisse weltweit einheitlich und vergleichbar dokumentiert werden ().

Messunsicherheit - Streuung um Mittelwert

x̅ (Mittelwert) ±σ-Bereich Messwert Messung Nr.
Abb. 1Mittelwert mit Fehlerbalken zeigt Standardabweichung der Einzelmessungen.
Bei wenigen Messungen (n<10n<10n<10) unterschätzt der einfache Faktor σ/n\sigma/\sqrt nσ/n​ das Vertrauensintervall; dann korrigiert man mit dem Student-t-Faktor, der mit sinkender Messzahl wächst und das Intervall realistisch verbreitert.
σ=1n−1∑i=1n(xi−xˉ)2\sigma=\sqrt{\dfrac{1}{n-1}\sum_{i=1}^{n}(x_{i}-\bar x)^{2}}σ=n−11​i=1∑n​(xi​−xˉ)2​

Empirische Standardabweichung

u(xˉ)=σnu(\bar x)=\dfrac{\sigma}{\sqrt n}u(xˉ)=n​σ​

Standardunsicherheit des Mittelwerts

Interaktive Grafik lädt…

Musterbeispiel

Periodendauer-Messung

n=5n=5n=5 Messungen wie oben.

  1. 01Mittelwert

    Tˉ=(1,98+2,03+2,01+1,97+2,04)/5=2,006\bar T=(1{,}98+2{,}03+2{,}01+1{,}97+2{,}04)/5=2{,}006Tˉ=(1,98+2,03+2,01+1,97+2,04)/5=2,006 s.

  2. 02Standardabweichung

    σ≈0,031\sigma\approx 0{,}031σ≈0,031 s.

  3. 03Unsicherheit

    u(Tˉ)=0,031/5≈0,014u(\bar T)=0{,}031/\sqrt 5\approx 0{,}014u(Tˉ)=0,031/5​≈0,014 s.

Ergebnis: T=(2,01±0,01)T=(2{,}01\pm 0{,}01)T=(2,01±0,01) s.

Musterbeispiel

Student-t-Korrektur bei kleiner Stichprobe

Aus denselben n=5n=5n=5 Messungen (Tˉ=2,006\bar T=2{,}006Tˉ=2,006 s, Stichproben-Standardabweichung s=0,031s=0{,}031s=0,031 s) soll ein 95%95\%95%-Vertrauensintervall angegeben werden. Warum reicht der Faktor k=2k=2k=2 hier nicht?

  1. 01Standardunsicherheit

    u(Tˉ)=s/n=0,031/5≈0,014u(\bar T)=s/\sqrt n=0{,}031/\sqrt 5\approx 0{,}014u(Tˉ)=s/n​=0,031/5​≈0,014 s.

  2. 02Freiheitsgrade

    ν=n−1=4\nu=n-1=4ν=n−1=4; aus der t-Tabelle t95%, 4=2,776t_{95\%,\,4}=2{,}776t95%,4​=2,776 (statt ≈2,0\approx 2{,}0≈2,0 der Normalverteilung).

  3. 03Erweiterte Unsicherheit

    U=t⋅u(Tˉ)=2,776⋅0,014≈0,038U=t\cdot u(\bar T)=2{,}776\cdot 0{,}014\approx 0{,}038U=t⋅u(Tˉ)=2,776⋅0,014≈0,038 s.

  4. 04Vergleich

    Mit k=2k=2k=2 ergäbe sich nur 0,0270{,}0270,027 s; bei wenigen Messungen unterschätzt k=2k=2k=2 das Intervall.

Ergebnis: 95%95\%95%-Intervall: T=(2,01±0,04)T=(2{,}01\pm 0{,}04)T=(2,01±0,04) s. Für kleine nnn vergrößert der Student-t-Faktor das Vertrauensintervall; erst für grosse nnn geht ttt gegen den Normalwert.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Zufällige Fehler streuen, systematische Fehler verzerren - beide müssen gesondert behandelt werden.

  2. 2

    Mittelwert und Standardabweichung sind die Grundgrößen jeder Messreihe.

  3. 3

    Die Unsicherheit des Mittelwerts ist kleiner als die der Einzelmessungen, nämlich um Wurzel n.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre den Unterschied zwischen zufälligen und systematischen Fehlern. Aus fünf Wiederholungsmessungen einer Strecke erhältst du: 1,24;1,26;1,23;1,25;1,271{,}24; 1{,}26; 1{,}23; 1{,}25; 1{,}271,24;1,26;1,23;1,25;1,27 m. Gib das Ergebnis mit Unsicherheit an.

Maturafokus

  • Mittelwert und Standardabweichung aus kleinen Datenreihen berechnen.
  • Sinnvolle Rundung: Unsicherheit auf 1-2 signifikante Stellen, Mittelwert entsprechend.
  • Zwischen Standardabweichung der Messwerte und Unsicherheit des Mittelwerts unterscheiden.

Typische Fehler

  • σ\sigmaσ mit u(xˉ)u(\bar x)u(xˉ) verwechselt (Faktor n\sqrt nn​ vergessen).
  • Unsicherheit mit zu vielen signifikanten Stellen angegeben.
  • Systematische Fehler in Standardabweichung "verrechnet".

Aktive Wiederholung

Messdaten: TTT in s: 1,98;2,03;2,01;1,97;2,041{,}98; 2{,}03; 2{,}01; 1{,}97; 2{,}041,98;2,03;2,01;1,97;2,04. Berechne Mittelwert, Standardabweichung und Unsicherheit des Mittelwerts.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BIPM GUM - Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement (BIPM)

§ 02

Fehlerfortpflanzung und Regression#

●●●VertiefungLPPHY-Mess-10.2

Kernpunkte

Wird eine gesuchte Größe aus mehreren gemessenen berechnet, pflanzen sich deren Unsicherheiten fort. Nach der Gaußschen Fehlerfortpflanzung addieren sich die Beiträge nicht einfach, sondern quadratisch (als Wurzel der Summe der Quadrate) - so heben sich unabhängige Fehler im Mittel teilweise gegenseitig auf.
Die Regel hängt von der Rechenart ab: Bei Addition und Subtraktion addieren sich die absoluten Unsicherheiten quadratisch, bei Multiplikation und Division dagegen die relativen Unsicherheiten quadratisch. Letzteres ist der häufigste Fall, etwa bei der Dichte ρ=m/V\rho=m/Vρ=m/V.
Bei Potenzbeziehungen y=xny=x^{n}y=xn verstärkt sich der relative Fehler um den Faktor nnn: u(y)/y=∣n∣⋅u(x)/xu(y)/y=|n|\cdot u(x)/xu(y)/y=∣n∣⋅u(x)/x. Eine quadratische Abhängigkeit verdoppelt also den relativen Fehler - das wird in Maturaaufgaben häufig übersehen.
Für lineare Zusammenhänge bestimmt die lineare Regression die bestmögliche Ausgleichsgerade durch streuende Messpunkte (). Sie liefert Steigung und Achsenabschnitt jeweils mit ihrer Standardunsicherheit.

Lineare Regression durch Messpunkte

Lineare RegressionSchaubild von Ausgleichsgerade, y-Achsenabschnitt bei y = 0.3, steigend, im Bereich x von 0 bis 10246810123456Ausgleichsgeradeyx
Abb. 2Die Ausgleichsgerade legt sich bestmöglich durch die streuenden Messpunkte; ihre Steigung trägt die physikalische Information.
Steigung und Achsenabschnitt sind physikalisch zu deuten und mit Einheit anzugeben - eine Regressionssteigung ohne Einheit ist wertlos. Das Bestimmtheitsmaß R2R^{2}R2 gibt an, welcher Anteil der Streuung durch das lineare Modell erklärt wird (R2=1R^{2}=1R2=1 bedeutet eine perfekte Gerade).
Systematische Abweichungen der Daten von der erwarteten Geraden sind keine bloßen Messfehler, sondern Hinweise auf Modellgrenzen: Eine deutliche Krümmung kann zeigen, dass der angenommene lineare Zusammenhang nur näherungsweise gilt.
u(f)=∑i(∂f∂xi)2u(xi)2u(f)=\sqrt{\sum_{i}\left(\dfrac{\partial f}{\partial x_{i}}\right)^{2}u(x_{i})^{2}}u(f)=i∑​(∂xi​∂f​)2u(xi​)2​

Gaussche Fehlerfortpflanzung

y=k x+d;k=∑(xi−xˉ)(yi−yˉ)∑(xi−xˉ)2y = k\,x + d;\quad k=\dfrac{\sum(x_{i}-\bar x)(y_{i}-\bar y)}{\sum(x_{i}-\bar x)^{2}}y=kx+d;k=∑(xi​−xˉ)2∑(xi​−xˉ)(yi​−yˉ​)​

Lineare Regression (kleinste Quadrate)

Musterbeispiel

Pendelmessung zur Schwerebeschleunigung

T=(2,01±0,02)T=(2{,}01\pm 0{,}02)T=(2,01±0,02) s, l=(1,00±0,005)l=(1{,}00\pm 0{,}005)l=(1,00±0,005) m.

  1. 01Formel

    g=4π2l/T2g=4\pi^{2}l/T^{2}g=4π2l/T2.

  2. 02Wert

    g=4π2⋅1,00/2,012≈9,77g=4\pi^{2}\cdot 1{,}00/2{,}01^{2}\approx 9{,}77g=4π2⋅1,00/2,012≈9,77 m/s2^{2}2.

  3. 03Relative Unsicherheit

    ug/g=(ul/l)2+(2uT/T)2=0,0052+(0,0199)2≈0,0205u_{g}/g=\sqrt{(u_{l}/l)^{2}+(2 u_{T}/T)^{2}}=\sqrt{0{,}005^{2}+(0{,}0199)^{2}}\approx 0{,}0205ug​/g=(ul​/l)2+(2uT​/T)2​=0,0052+(0,0199)2​≈0,0205.

  4. 04Absolut

    ug≈0,20u_{g}\approx 0{,}20ug​≈0,20 m/s2^{2}2.

Ergebnis: g=(9,77±0,20)g=(9{,}77\pm 0{,}20)g=(9,77±0,20) m/s2^{2}2.

Musterbeispiel

Fehlerfortpflanzung bei Dichte-Messung

Eine Kugel hat m=(50,0±0,1)m=(50{,}0\pm 0{,}1)m=(50,0±0,1) g und V=(18,5±0,3)V=(18{,}5\pm 0{,}3)V=(18,5±0,3) cm3^{3}3. Welche Dichte mit Unsicherheit?

  1. 01Dichte

    ρ=m/V=50/18,5≈2,703\rho=m/V=50/18{,}5\approx 2{,}703ρ=m/V=50/18,5≈2,703 g/cm3^{3}3.

  2. 02Relative Unsicherheiten

    um/m=0,002u_{m}/m=0{,}002um​/m=0,002, uV/V≈0,016u_{V}/V\approx 0{,}016uV​/V≈0,016.

  3. 03Quadratisch addieren

    uρ/ρ=0,0022+0,0162≈0,0162u_{\rho}/\rho=\sqrt{0{,}002^{2}+0{,}016^{2}}\approx 0{,}0162uρ​/ρ=0,0022+0,0162​≈0,0162.

  4. 04Absolutwert

    uρ≈0,044u_{\rho}\approx 0{,}044uρ​≈0,044 g/cm3^{3}3.

Ergebnis: Dichte ρ=(2,70±0,04)\rho=(2{,}70\pm 0{,}04)ρ=(2,70±0,04) g/cm3^{3}3.

Musterbeispiel

Federkonstante aus Messdaten

Eine Feder wird mit unterschiedlichen Massen belastet. Daten: FFF in N: 0;1,0;2,0;3,0;4,00; 1{,}0; 2{,}0; 3{,}0; 4{,}00;1,0;2,0;3,0;4,0; sss in cm: 0;2,1;4,1;6,0;8,20; 2{,}1; 4{,}1; 6{,}0; 8{,}20;2,1;4,1;6,0;8,2. Bestimme die Federkonstante durch lineare Regression.

  1. 01Mittelwerte

    Fˉ=2,0\bar F=2{,}0Fˉ=2,0 N, sˉ=4,08\bar s=4{,}08sˉ=4,08 cm.

  2. 02Steigung

    D=ΔF/Δs≈4,0 N/0,082 m=48,8D=\Delta F/\Delta s\approx 4{,}0\text{ N}/0{,}082\text{ m}=48{,}8D=ΔF/Δs≈4,0 N/0,082 m=48,8 N/m.

  3. 03Regression

    Genaue Auswertung mit kleinster Quadrate liefert D≈49,1±1,2D\approx 49{,}1\pm 1{,}2D≈49,1±1,2 N/m.

Ergebnis: Federkonstante D≈49,1D\approx 49{,}1D≈49,1 N/m mit Standardunsicherheit ca. ±1,2\pm 1{,}2±1,2 N/m.

Musterbeispiel

Gausssche Fehlerfortpflanzung mit Ableitungen

Die kinetische Energie E=12mv2E=\tfrac{1}{2}m v^{2}E=21​mv2 wird aus m=(0,500±0,002)m=(0{,}500\pm 0{,}002)m=(0,500±0,002) kg und v=(12,0±0,3)v=(12{,}0\pm 0{,}3)v=(12,0±0,3) m/s bestimmt. Berechne EEE und seine Unsicherheit über die allgemeine Gauss-Formel mit partiellen Ableitungen.

  1. 01Bestwert

    E=12⋅0,500⋅12,02=36,0E=\tfrac{1}{2}\cdot 0{,}500\cdot 12{,}0^{2}=36{,}0E=21​⋅0,500⋅12,02=36,0 J.

  2. 02Partielle Ableitungen

    ∂E∂m=12v2=72,0\dfrac{\partial E}{\partial m}=\tfrac{1}{2}v^{2}=72{,}0∂m∂E​=21​v2=72,0 J/kg, ∂E∂v=mv=6,00\dfrac{\partial E}{\partial v}=m v=6{,}00∂v∂E​=mv=6,00 J⋅\cdot⋅s/m.

  3. 03Einzelbeiträge

    (∂E∂mum)=72,0⋅0,002=0,144\left(\tfrac{\partial E}{\partial m}u_{m}\right)=72{,}0\cdot 0{,}002=0{,}144(∂m∂E​um​)=72,0⋅0,002=0,144 J; (∂E∂vuv)=6,00⋅0,3=1,80\left(\tfrac{\partial E}{\partial v}u_{v}\right)=6{,}00\cdot 0{,}3=1{,}80(∂v∂E​uv​)=6,00⋅0,3=1,80 J.

  4. 04Quadratisch kombinieren

    uE=0,1442+1,802≈1,81u_{E}=\sqrt{0{,}144^{2}+1{,}80^{2}}\approx 1{,}81uE​=0,1442+1,802​≈1,81 J.

  5. 05Kontrolle (relative Form)

    uE/E=(um/m)2+(2uv/v)2≈0,050u_{E}/E=\sqrt{(u_{m}/m)^{2}+(2u_{v}/v)^{2}}\approx 0{,}050uE​/E=(um​/m)2+(2uv​/v)2​≈0,050, also uE≈1,81u_{E}\approx 1{,}81uE​≈1,81 J - gleiches Ergebnis.

Ergebnis: E=(36,0±1,8)E=(36{,}0\pm 1{,}8)E=(36,0±1,8) J; die Geschwindigkeit dominiert die Unsicherheit, weil sie quadratisch eingeht (2uv/v2u_{v}/v2uv​/v).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Bei der Fehlerfortpflanzung addieren sich Unsicherheiten quadratisch.

  2. 2

    Lineare Regression liefert die beste Gerade durch Messpunkte und Unsicherheiten für Steigung und Achsenabschnitt.

  3. 3

    Das Bestimmtheitsmass R im Quadrat zeigt, wie gut die Modellannahme die Daten beschreibt.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere das Prinzip der linearen Regression an einem Beispiel (z. B. F-s-Diagramm einer Feder). Was kann aus Steigung und Achsenabschnitt physikalisch abgelesen werden? Diskutiere kurz die Aussagekraft des Bestimmtheitsmasses.

Maturafokus

  • Bei multiplikativen Formeln (z. B. ρ=m/V\rho=m/Vρ=m/V) relative Fehler addieren.
  • Regressionsergebnis als Geradengleichung mit Steigungsfehler angeben.
  • R2R^{2}R2 richtig interpretieren (Anteil der erklärten Varianz).

Typische Fehler

  • Fehler linear statt quadratisch addiert.
  • Bei Wurzel-/Potenzbeziehungen Faktor nnn in relativer Unsicherheit vergessen (u(y)/y=n⋅u(x)/xu(y)/y=n\cdot u(x)/xu(y)/y=n⋅u(x)/x für y=xny=x^{n}y=xn).
  • Regressionssteigung ohne Einheit angegeben.

Aktive Wiederholung

In einem Schwerebeschleunigungs-Experiment werden Periodendauer T=(2,01±0,02)T=(2{,}01\pm 0{,}02)T=(2,01±0,02) s und Pendellänge l=(1,00±0,005)l=(1{,}00\pm 0{,}005)l=(1,00±0,005) m gemessen. Berechne ggg und seine Unsicherheit.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax College Physics - Measurement Uncertainty (OpenStax)

§ 03

Diagramminterpretation und Linearisierung#

●●○StandardLPPHY-Mess-10.3

s(t) beim freien Fall

s(t) beim freien FallSchaubild von s(t) = ½·g·t², Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 51234520406080100120s(t) = ½·g·t²s in mt in s
Abb. 4s(t) = 0.5 g t^2 mit g = 9.81 m/s^2.

Kernpunkte

Ein physikalisches Diagramm ist nur dann aussagekräftig, wenn beide Achsen mit Größe und Einheit beschriftet sind und die Skalen sinnvoll, also nicht irreführend, gewählt sind. Das ist die Grundvoraussetzung jeder Auswertung.
Steigung und Achsenabschnitt einer Geraden tragen physikalische Bedeutung: Im vvv-ttt-Diagramm ist die Steigung die Beschleunigung (), im sss-ttt-Diagramm die Geschwindigkeit. Wichtig ist, die Steigung aus Achsenwerten mit Einheit zu berechnen, nicht aus gezählten Kästchen.

v-t-Diagramm - gleichmäßig beschleunigte Bewegung

v-t-Diagramm - gleichmäßig beschleunigte BewegungSchaubild von v(t), Steigung a, Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 512345246810v(t), Steigung av in m/st in s
Abb. 3Steigung gleich Beschleunigung a, Fläche unter Graph gleich zurückgelegter Weg s.
Auch Flächen unter Graphen sind bedeutungstragend: Die Fläche im vvv-ttt-Diagramm ist der zurückgelegte Weg, die im FFF-sss-Diagramm die verrichtete Arbeit. Wer Steigung und Fläche richtig deutet, kann ein Diagramm vollständig auslesen.
Viele physikalische Zusammenhänge sind nicht linear; durch Linearisierung überführt man sie in eine Gerade, indem man geeignete Größen gegeneinander aufträgt. Aus der Geraden lassen sich die gesuchten Konstanten dann besonders einfach und genau bestimmen.
Typische Linearisierungen sind T2T^{2}T2 gegen lll beim Pendel, ln⁡N\ln NlnN gegen ttt beim radioaktiven Zerfall, 1/b1/b1/b gegen 1/g1/g1/g bei der Linse und ppp gegen 1/V1/V1/V bei Boyle-Mariotte. Die richtige Wahl der aufgetragenen Größen ist der Kern der Aufgabe.
Eine Gerade durch den Ursprung belegt direkte Proportionalität; ein von null verschiedener Achsenabschnitt verrät dagegen einen systematischen Effekt (etwa eine Reaktionszeit oder einen Nullpunktsfehler) und ist deshalb stets mitzubetrachten.
T2=4π2g lT^{2}=\dfrac{4\pi^{2}}{g}\,lT2=g4π2​l

Linearisierung des Fadenpendels (T² gegen l)

Musterbeispiel

Schwerebeschleunigung aus der Pendel-Geraden

Ein T2T^{2}T2-gegen-lll-Diagramm liefert die Steigung k=4,03k=4{,}03k=4,03 s2^{2}2/m. Bestimme ggg.

  1. 01Modell

    T2=4π2g lT^{2}=\dfrac{4\pi^{2}}{g}\,lT2=g4π2​l, also Steigung k=4π2/gk=4\pi^{2}/gk=4π2/g.

  2. 02Auflösen

    g=4π2k=39,484,03g=\dfrac{4\pi^{2}}{k}=\dfrac{39{,}48}{4{,}03}g=k4π2​=4,0339,48​.

  3. 03Auswertung

    g≈9,80g\approx 9{,}80g≈9,80 m/s2^{2}2.

Ergebnis: g≈9,80g\approx 9{,}80g≈9,80 m/s2^{2}2 - in guter Übereinstimmung mit dem Literaturwert 9,819{,}819,81 m/s2^{2}2.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Diagramme sind nur aussagekräftig mit beschrifteten Achsen und sinnvollen Skalen.

    v-t-Diagramm - gleichmäßig beschleunigte Bewegung

    v-t-Diagramm - gleichmäßig beschleunigte BewegungSchaubild von v(t), Steigung a, Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 512345246810v(t), Steigung av in m/st in s
    Abb.Steigung gleich Beschleunigung a, Fläche unter Graph gleich zurückgelegter Weg s.
  2. 2

    Linearisierung verwandelt einen krummen Zusammenhang in eine Gerade, deren Steigung die gesuchte Größe liefert.

  3. 3

    Steigung und Achsenabschnitt tragen physikalische Bedeutung und verraten systematische Fehler.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre am Beispiel des Fadenpendels, wie man durch Linearisierung aus Messdaten die Erdbeschleunigung bestimmt. Welche Bedeutung haben Steigung und Achsenabschnitt in deinem Diagramm?

Maturafokus

  • Aus einer Geraden Steigung und Achsenabschnitt mit Einheiten ablesen.
  • Passende Linearisierung für einen gegebenen Zusammenhang wählen.
  • Flächen- und Steigungsbedeutung im jeweiligen Diagramm korrekt benennen.

Typische Fehler

  • Steigung ohne Einheit angegeben oder Kästchen statt Achsenwerte gezählt.
  • Linearisierung mit falscher Achsengröße (z. B. TTT statt T2T^{2}T2 beim Pendel).
  • Achsenabschnitt ignoriert, obwohl er auf einen systematischen Fehler hinweist.

Aktive Wiederholung

Bei einer Pendelmessung wird für mehrere Längen lll die Periodendauer TTT bestimmt. Wie linearisiert man T=2πl/gT=2\pi\sqrt{l/g}T=2πl/g​, und wie liest man ggg aus der Steigung ab? Beschreibe die Auswertung.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax College Physics - Graphical Analysis (OpenStax)

§ 04

Experimentdesign, Genauigkeit und Präzision#

●○○BasisLPPHY-Mess-10.4

Kernpunkte

Zwei Qualitätsmerkmale einer Messung sind streng zu trennen: Die Genauigkeit beschreibt, wie nahe das Ergebnis am wahren Wert liegt (Richtigkeit), die Präzision, wie wenig die Werte streuen (Reproduzierbarkeit). Am Zielscheibenbild: Genauigkeit heißt Treffer nahe der Mitte, Präzision heißt Treffer eng beieinander ().

Messunsicherheit - Streuung um Mittelwert

x̅ (Mittelwert) ±σ-Bereich Messwert Messung Nr.
Abb. 5Mittelwert mit Fehlerbalken zeigt Standardabweichung der Einzelmessungen.
Beide sind voneinander unabhängig: Eine Messreihe kann präzise, aber durch einen systematischen Fehler ungenau sein (eng gestreut, doch neben der Mitte) - oder im Mittel genau, aber unpräzise. Gute Experimente streben beides zugleich an.
Das wichtigste Planungsprinzip ist die Variablenkontrolle: Man verändert nur eine unabhängige Größe und hält alle anderen konstant (Kontrollexperiment). Nur so lässt sich eine beobachtete Wirkung eindeutig der veränderten Ursache zuordnen.
Die beiden Fehlerarten bekämpft man mit unterschiedlichen Mitteln: Mehrfachmessungen und Mittelung verringern zufällige Fehler (verbessern die Präzision), während Kalibrierung und Korrektur systematische Fehler beseitigen (verbessern die Genauigkeit). Mitteln allein hilft gegen einen systematischen Fehler nicht.
Auflösung und Empfindlichkeit eines Messgeräts begrenzen die kleinste sinnvoll erfassbare Unsicherheit: Eine Stoppuhr mit 0,010{,}010,01-s-Anzeige kann keine Genauigkeit von 0,0010{,}0010,001 s liefern. Das Gerät muss zur geforderten Genauigkeit passen.
Die Zahl der signifikanten Stellen eines Ergebnisses spiegelt die Messgenauigkeit wider, nicht die Stellenanzahl des Taschenrechners. Mehr Stellen anzugeben, als die Messung hergibt, täuscht eine nicht vorhandene Genauigkeit vor.
rel. Abweichung=∣xmess−xwahr∣xwahr⋅100%\text{rel. Abweichung}=\dfrac{|x_{\text{mess}}-x_{\text{wahr}}|}{x_{\text{wahr}}}\cdot 100\%rel. Abweichung=xwahr​∣xmess​−xwahr​∣​⋅100%

Relative Abweichung (Genauigkeitsmass)

Musterbeispiel

Reaktionszeit bei der Periodenmessung

Statt einer Periode misst man 101010 Perioden und teilt durch 101010; Reaktionsfehler ±0,2\pm 0{,}2±0,2 s pro Start/Stopp.

  1. 01Einzelmessung

    Fehler pro Periode bis zu 0,20{,}20,2 s - bei T≈2T\approx 2T≈2 s sind das rund 10%10\%10%.

  2. 02Sammelmessung

    Bei 101010 Perioden wirkt der Start-Stopp-Fehler nur einmal auf die Summe: 0,2/(10⋅2)≈1%0{,}2/(10\cdot 2)\approx 1\%0,2/(10⋅2)≈1%.

  3. 03Schlussfolgerung

    Die Unsicherheit pro Periode sinkt um den Faktor 101010.

Ergebnis: Messen mehrerer Perioden senkt den (hier zufälligen) Reaktionsfehler erheblich; ein konstanter Versatz bliebe dagegen systematisch.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Genauigkeit trifft den wahren Wert, Präzision liefert reproduzierbare Werte - beides ist nötig.

    Messunsicherheit - Streuung um Mittelwert

    x̅ (Mittelwert) ±σ-Bereich Messwert Messung Nr.
    Abb.Mittelwert mit Fehlerbalken zeigt Standardabweichung der Einzelmessungen.
  2. 2

    Mit Variablenkontrolle ändert man nur eine Größe und hält alle anderen konstant.

  3. 3

    Kalibrierung bekämpft systematische Fehler, Mehrfachmessung die zufälligen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre den Unterschied zwischen Genauigkeit und Präzision und erläutere das Prinzip der Variablenkontrolle an einem selbst gewählten Experiment. Welche Massnahmen verbessern Genauigkeit, welche Präzision?

Maturafokus

  • Genauigkeit von Präzision an einem Zielscheibenbild oder Beispiel unterscheiden.
  • Ein Experiment mit Variablenkontrolle planen.
  • Massnahmen gegen zufällige vs. systematische Fehler getrennt nennen.

Typische Fehler

  • Genauigkeit und Präzision synonym verwendet.
  • Mehr signifikante Stellen angegeben, als die Messung hergibt.
  • Systematische Fehler durch Mittelung "wegrechnen" gewollt (geht nicht).

Aktive Wiederholung

Eine Stoppuhr misst eine Pendelperiode stets 0,10{,}10,1 s zu lang (Reaktionszeit). Ist das ein zufälliger oder systematischer Fehler? Wie kann man ihn reduzieren, und welche Massnahme reduziert ihn NICHT?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BIPM GUM - Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement (BIPM)

§ 05

SI-Einheiten, Größenordnungen und Dimensionsanalyse#

●○○BasisLPPHY-Mess-10.5

Kernpunkte

Das gesamte physikalische Maßsystem ruht auf sieben SI-Basiseinheiten: Meter, Kilogramm, Sekunde, Ampere, Kelvin, Mol und Candela. Alle anderen Einheiten - Newton, Joule, Volt und so weiter - sind aus diesen abgeleitet.
Dezimalvorsätze (Präfixe) skalieren Einheiten in Zehnerpotenzen: k (10310^{3}103), M (10610^{6}106), G (10910^{9}109) nach oben sowie m (10−310^{-3}10−3), μ\muμ (10−610^{-6}10−6), n (10−910^{-9}10−9) nach unten. Beim Umrechnen muss man sie konsequent berücksichtigen, etwa 111 km =103=10^{3}=103 m.
Die Dimensionsanalyse ist die schnellste Formelkontrolle: Beide Seiten einer Gleichung müssen dieselbe Einheit (Dimension) besitzen. Stimmt das nicht, ist die Formel sicher falsch - eine Geschwindigkeit darf nie die Einheit m/s2^{2}2 tragen.
Größenordnungsabschätzungen (Fermi-Aufgaben) liefern mit wenigen gerundeten Annahmen eine schnelle Plausibilitätskontrolle - etwa „wie viele Atemzüge macht ein Mensch pro Jahr?". Das Ergebnis ist nur die Zehnerpotenz, aber sie genügt oft, um eine Rechnung zu prüfen.
Sehr große und sehr kleine Werte schreibt man in wissenschaftlicher Schreibweise a⋅10na\cdot 10^{n}a⋅10n mit 1≤a<101\le a<101≤a<10. Das erleichtert das Rechnen und macht die Größenordnung sofort sichtbar; Längen in der Physik reichen über mehr als 40 Zehnerpotenzen, vom Atomkern bis zum Universum ().

Größenordnungen - von Atomen bis zum Universum

Längen-Größenordnungen (Zehnerpotenz in m)Zahlenstrahl, Atom, Mensch, Erde, Galaxie, Universum−1001020AtomMenschErdeGalaxieUniversum
Abb. 6Längen erstrecken sich über mehr als 40 Zehnerpotenzen; der Maßstab ist die Zehnerpotenz 10n10^{n}10n in Metern.
Der Einheitencheck ist der erste und wichtigste Schritt jeder Plausibilitätsprüfung: Wer Einheiten von Anfang an mitführt (statt sie erst am Schluss anzuhängen) und am Ende kontrolliert, fängt die meisten Flüchtigkeitsfehler ab, bevor sie ins Ergebnis gelangen.
[T]=[l][g]=mm/s2=s2=s[T]=\sqrt{\dfrac{[l]}{[g]}}=\sqrt{\dfrac{\text{m}}{\text{m/s}^{2}}}=\sqrt{\text{s}^{2}}=\text{s}[T]=[g][l]​​=m/s2m​​=s2​=s

Dimensionsanalyse des Pendels

Musterbeispiel

Dimensionscheck der Pendelformel

Stimmt T=2πl/gT=2\pi\sqrt{l/g}T=2πl/g​ dimensional?

  1. 01Einheiten einsetzen

    [l]=[l]=[l]= m, [g]=[g]=[g]= m/s2^{2}2.

  2. 02Bruch

    [l][g]=mm/s2=s2\dfrac{[l]}{[g]}=\dfrac{\text{m}}{\text{m/s}^{2}}=\text{s}^{2}[g][l]​=m/s2m​=s2.

  3. 03Wurzel

    s2=s\sqrt{\text{s}^{2}}=\text{s}s2​=s, also liefert die Formel eine Zeit.

Ergebnis: Die Formel ist dimensional korrekt - das Ergebnis hat die Einheit Sekunde (der Faktor 2π2\pi2π ist dimensionslos).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Alle physikalischen Einheiten lassen sich auf sieben SI-Basiseinheiten zurückführen.

  2. 2

    Die Dimensionsanalyse prüft, ob eine Formel überhaupt die richtige Einheit liefert.

  3. 3

    Größenordnungsabschätzungen geben schnelle Plausibilitätskontrollen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Nenne die SI-Basiseinheiten und erkläre, wie die Dimensionsanalyse zur Prüfung physikalischer Formeln dient. Schätze überschlagsmäßig ab, wie viele Atemzüge ein Mensch pro Jahr macht (Größenordnung).

Maturafokus

  • Einheiten konsequent mitführen und am Ende kontrollieren.
  • Dimensionsanalyse zur Formelprüfung nutzen.
  • Größenordnung eines Ergebnisses vor dem Feinrechnen abschätzen.

Typische Fehler

  • Vorsätze beim Umrechnen vergessen (111 km =103=10^{3}=103 m).
  • Einheiten erst am Schluss "drangehängt" statt mitgeführt.
  • Dimensionsfehler (z. B. Geschwindigkeit in m/s2m/s^{2}m/s2) nicht bemerkt.

Aktive Wiederholung

Prüfe per Dimensionsanalyse, ob die Formel T=2πl/gT=2\pi\sqrt{l/g}T=2πl/g​ für die Periodendauer korrekt ist, und gib die Einheit des Ergebnisses an.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BIPM - The International System of Units (SI) (BIPM)

§ 06

Statistische Verteilung und Ausreisser#

●●○StandardLPPHY-Mess-10.6

Messunsicherheit - Streuung um Mittelwert

x̅ (Mittelwert) ±σ-Bereich Messwert Messung Nr.
Abb. 7Mittelwert mit Fehlerbalken zeigt Standardabweichung der Einzelmessungen.

Kernpunkte

Wiederholt man eine Messung mit rein zufälligen Fehlern sehr oft, häufen sich die Werte glockenförmig um den Mittelwert: Sie folgen näherungsweise einer Normalverteilung (Gauß-Glocke). Das ist der theoretische Hintergrund für die Verwendung von Mittelwert und Standardabweichung.
Die Breite der Glocke beschreibt die 68-95-99,7-Regel: Rund 68%68\%68% aller Werte liegen innerhalb ±σ\pm\sigma±σ um den Mittelwert, etwa 95%95\%95% innerhalb ±2σ\pm 2\sigma±2σ und 99,7%99{,}7\%99,7% innerhalb ±3σ\pm 3\sigma±3σ. Daraus ergeben sich die üblichen Vertrauensintervalle.
Ausreißer sind einzelne Werte weit außerhalb der erwarteten Streuung. Man darf sie nicht beliebig streichen, sondern nur mit nachvollziehbarer Begründung (etwa ein dokumentierter Messfehler) - sonst manipuliert man das Ergebnis.
Mittelwert und Median fallen bei symmetrischen Verteilungen zusammen, weichen aber bei schiefen Verteilungen oder einzelnen Ausreißern voneinander ab. Der Median ist robuster gegen Ausreißer, weil ein einzelner Extremwert ihn kaum verschiebt.
Histogramme veranschaulichen die Häufigkeitsverteilung der Messwerte: Sie zeigen auf einen Blick, ob die Daten symmetrisch streuen, schief sind oder Ausreißer enthalten - eine wichtige erste Sichtprüfung vor jeder weiteren Auswertung.
Mehr Messungen schärfen die Verteilung des Mittelwerts: Der Standardfehler nimmt mit 1/n1/\sqrt n1/n​ ab. Will man die Unsicherheit halbieren, braucht man die vierfache Anzahl an Messungen - der Aufwand wächst also überproportional.
P(∣x−xˉ∣≤2σ)≈95%P(|x-\bar x|\le 2\sigma)\approx 95\%P(∣x−xˉ∣≤2σ)≈95%

95-Prozent-Intervall der Normalverteilung

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Musterbeispiel

95-Prozent-Intervall und Ausreisser

xˉ=10,0\bar x=10{,}0xˉ=10,0, σ=0,2\sigma=0{,}2σ=0,2; Wert 11,511{,}511,5 beurteilen.

  1. 012-Sigma-Intervall

    xˉ±2σ=10,0±0,4\bar x\pm 2\sigma=10{,}0\pm 0{,}4xˉ±2σ=10,0±0,4, also [9,6; 10,4][9{,}6;\,10{,}4][9,6;10,4].

  2. 02Abstand des Werts

    11,511{,}511,5 liegt (11,5−10,0)/0,2=7,5(11{,}5-10{,}0)/0{,}2=7{,}5(11,5−10,0)/0,2=7,5 Standardabweichungen entfernt.

  3. 03Beurteilung

    Ein 7,5σ7{,}5\sigma7,5σ-Wert ist extrem unwahrscheinlich -> mutmasslich Messfehler; nur mit dokumentierter Begründung verwerfen.

Ergebnis: Rund 95%95\%95% der Werte liegen in [9,6; 10,4][9{,}6;\,10{,}4][9,6;10,4]; der Wert 11,511{,}511,5 ist ein begründungspflichtiger Ausreisser.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Zufällige Messfehler folgen näherungsweise einer Gauss-Glocke.

    Messunsicherheit - Streuung um Mittelwert

    x̅ (Mittelwert) ±σ-Bereich Messwert Messung Nr.
    Abb.Mittelwert mit Fehlerbalken zeigt Standardabweichung der Einzelmessungen.
  2. 2

    Die 68-95-99,7-Regel sagt, wie viele Werte innerhalb von ein, zwei und drei Standardabweichungen liegen.

  3. 3

    Ausreisser darf man nur mit guter Begründung verwerfen - alles andere ist unredlich.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre die Normalverteilung von Messwerten und die 68-95-99,7-Regel. Wie geht man mit Ausreissern um, und warum ist das willkürliche Streichen von Messwerten unzulässig?

Maturafokus

  • Die 68-95-99,7-Regel auf Messreihen anwenden.
  • Ausreisser erkennen und ihren Umgang begründen.
  • Histogramm und Normalverteilung interpretieren.

Typische Fehler

  • Ausreisser ohne Begründung gestrichen ("Datenfrisieren").
  • σ\sigmaσ- und 2σ2\sigma2σ-Intervalle verwechselt.
  • Median und Mittelwert gleichgesetzt.

Aktive Wiederholung

Eine normalverteilte Messreihe hat Mittelwert xˉ=10,0\bar x=10{,}0xˉ=10,0 und Standardabweichung σ=0,2\sigma=0{,}2σ=0,2. In welchem Intervall liegen rund 95%95\%95% der Messwerte? Wie gehst du mit einem Wert von 11,511{,}511,5 um?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax College Physics - Statistical Analysis (OpenStax)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Messunsicherheit und Standardabweichung◐
    • 02Fehlerfortpflanzung und Regression●
    • 03Diagramminterpretation und Linearisierung◐
    • 04Experimentdesign, Genauigkeit und Präzision○
    • 05SI-Einheiten, Größenordnungen und Dimensionsanalyse○
    • 06Statistische Verteilung und Ausreisser◐

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

Messung, Experiment und Fehlerrechnung

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

~17
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3
Kompetenzen
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Beispielfrage

Erkläre den Unterschied zwischen zufälligen und systematischen Fehlern. Aus fünf Wiederholungsmessungen einer Strecke erhältst du: 1,24;1,26;1,23;1,25;1,271{,}24; 1{,}26; 1{,}23; 1{,}25; 1{,}271,24;1,26;1,23;1,25;1,27 m. Gib das Ergebnis mit Unsicherheit an.

4 BE · 2024

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Belege & Quellen

Quellen

BIPM

  • BIPM GUM - Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement
  • BIPM - The International System of Units (SI)

OpenStax

  • OpenStax College Physics - Measurement Uncertainty

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Astrophysik und Kosmologie

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