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Notizen/Latein/L 3 - Syntax: Kasuslehre
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L 3 - Syntax: Kasuslehre

Die Funktionen der sechs lateinischen Kasus. Jeder Kasus hat eine Hauptbedeutung und ein Fachvokabular spezifischer Sinnrichtungen (Genitivus subiectivus, Dativus possessivus, Ablativus absolutus, Vokativ als Anrede). Wer die Kasusfunktionen kennt, erschliesst die Sinnstruktur jedes Satzes.

3 Abschnitte·~15 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 1 · Vertiefung 1·Stand 06/2026

T·0333 / 13
Prüfungsprofil
L-SYNT-1 · Die Funktionen der sechs Kasus beherrschenL-SYNT-2 · Spezialformen wie Ablativus absolutus, Dativus possessivus, Genitivus partitivus benennen und übersetzenL-SYNT-3 · AcI und NcI als satzwertige Konstruktionen erkennen und in deutsche Nebensätze umwandeln
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 3 Abschnitte▾
  1. L 3 - Syntax: Kasuslehre
    • 01Die sechs Kasus und ihre Funktionen○
    • 02AcI und NcI - satzwertige Infinitivkonstruktionen◐
    • 03Ablativus absolutus●
§ 01

Die sechs Kasus und ihre Funktionen#

●○○BasisLPLAT-Synt-Kasus-3.1

Ablativus absolutus - Schema

Ablativus absolutus - eine Form, fünf SinnrichtungenNetzgraph, Subst. urbe → Abl. absolutus, Partizip capta → Abl. absolutus, Abl. absolutus → temporal: nachdem, Abl. absolutus → kausal: weil, Abl. absolutus → konzessiv: obwohl, Abl. absolutus → konditional: wenn, Abl. absolutus → modal: indemSubst. urbePartizip captaAbl. absolutustemporal:nachdemkausal: weilkonzessiv:obwohlkonditional:wennmodal: indem
Abb. 1Substantiv im Ablativ + Partizip im Ablativ (PPP/PPA, gleicher Numerus & Genus) = adverbialer Nebensatz. Beispiel: urbe capta = „nachdem die Stadt erobert worden war". Die Sinnrichtung erschließt man aus dem Kontext.

Kernpunkte

Jeder der sechs Kasus ist ein Rollenanzeiger: Er sagt, welche Funktion ein Substantiv im Satz übernimmt. Über die Grundbedeutung hinaus trägt jeder Kasus aber einen Fächer benannter Spezialfunktionen — die Kasuslehre ist das Fachvokabular dafür. Wer diese Funktionen kennt, liest die Sinnstruktur eines Satzes direkt aus den Endungen ab, noch bevor er ihn ins Deutsche überträgt.
Der Nominativ ist der Kasus des Subjekts (Caesar venit) und des Prädikatsnomens (Caesar imperator est). Wichtig für deutsche Muttersprachler: Im Lateinischen ist der Nominativ IMMER Subjekt — einen Nominativ als Objekt gibt es nicht. Wer also zwei Nominative findet, hat fast sicher ein Prädikatsnomen vor sich, kein zweites Objekt.
Der Genitiv ist der vielseitigste Attributkasus, deutsch oft mit „von" oder „-s". Sein Funktionsfächer reicht vom Genitivus possessivus (liber Caesaris, „das Buch Caesars") über den partitivus (pars militum, „ein Teil der Soldaten") und qualitatis (vir magnae virtutis, „ein Mann von großer Tugend") bis zum subiectivus und obiectivus. Diese letzten beiden sind die Klausurfalle schlechthin: amor matris kann „die Liebe der Mutter" (sie liebt, subiectivus) ODER „die Liebe zur Mutter" (sie wird geliebt, obiectivus) heißen — nur der Kontext entscheidet. Einige Verben regieren den Genitiv direkt: memini, obliviscor, misereor.
Der Dativ ist der Kasus des Zuwendens, deutsch meist „wem?". Grundfunktion ist das indirekte Objekt (dare aliquid alicui). Dazu kommen elegante Sonderfunktionen: der Dativus possessivus mit esse (mihi est liber = „mir ist ein Buch" = „ich habe ein Buch"), der Dativus commodi/incommodi (zum Vor- oder Nachteil) und der Dativus finalis (auxilio venire, „zur Hilfe kommen"). Treffen Zweck- und Personendativ zusammen, entsteht der doppelte Dativ: auxilio Romanis venire = „den Römern zu Hilfe kommen".
Der Akkusativ ist zuerst der Kasus des direkten Objekts (Caesar Galliam vicit). Er übernimmt aber auch die Richtungsangabe ohne Präposition bei Städtenamen und domus/rus (Romam ire = „nach Rom gehen"), die Zeitdauer (tres annos = „drei Jahre lang") und — besonders wichtig — den Subjektakkusativ im AcI (Caesarem venire). Romam darf man deshalb nicht reflexartig als Objekt lesen: Ohne Präposition bei einem Städtenamen ist es die Richtung „nach Rom".
Der Ablativ ist das Schweizer Taschenmesser unter den Kasus. Drei Grundbedeutungen bilden den Kern: die Trennung (Abl. separativus: libero te metu, „ich befreie dich von der Furcht"), das Mittel (Abl. instrumenti: gladio pugnare, „mit dem Schwert kämpfen") und die Begleitung mit cum (Abl. sociativus: cum amicis venire). Dazu treten der Vergleich (Abl. comparationis: altior monte, „höher als der Berg" — nicht „höher des Berges"!), der Zeitpunkt (hieme, „im Winter"), der Ort bei Städtenamen (Roma, „in Rom") und der Ablativus absolutus. Diese Funktionsbreite macht den Ablativ zur häufigsten Quelle von Fehldeutungen.
Zwei kleine Kasus runden das System ab. Der Vokativ ist der Kasus der Anrede (o Caesar); er ist formgleich mit dem Nominativ, außer bei der 2. Deklination Maskulinum auf -us, wo er auf -e endet (amice!), bzw. auf -i bei Eigennamen auf -ius (Vergili!). Der Lokativ schließlich ist eine alte, fast erloschene Form, die nur in Ortsangaben überlebt — Romae, Carthagini, domi, ruri, humi —, wie sie oben in der Formenlehre schon angeklungen ist.
Musterbeispiel

Kasus-Funktion: mihi est filius

Bestimme Kasus und Funktion und übersetze.

  1. 01mihi

    Dat.Sg. von ego.

  2. 02est

    3.Sg.Praes.Akt. von esse.

  3. 03filius

    Nom.Sg.m. von filius.

  4. 04Konstruktion

    Dativus possessivus: mihi (Dat.) + est (Verb des Seins) + filius (Nom.) - "mir ist ein Sohn" = "ich habe einen Sohn".

  5. 05Stilebene

    Eleganter als habeo filium; betont, dass der Besitz nicht aktiv erworben, sondern zugehörig ist.

Ergebnis: "Ich habe einen Sohn." Dativus possessivus ist die römische Präferenz für Besitzaussagen mit personalen Bezugswörtern.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sechs Kasus haben jeweils eine Hauptfunktion und mehrere Spezialfunktionen - lerne sie als Familie, nicht als Liste.

  2. 2

    Genitiv hat sechs Hauptfunktionen: Attribut, partitiv, qualitativ, subjektiv, objektiv, possessiv. Die Funktion wird aus dem Kontext erschlossen.

  3. 3

    Ablativ ist der vielseitigste Kasus - drei Grundbedeutungen (Trennung, Mittel, Begleitung) plus ein Dutzend Spezialfunktionen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Bestimmen Sie im Interpretationstext (paraphrasiert nach Cicero, De Officiis) die Kasusfunktion der unterstrichenen Nominalformen virtutis, civibus, gladio, Romam, mihi und benennen Sie den Funktionstyp (Gen.subiectivus, Dat.commodi, Abl.instrumenti, Akk.directionis, Dat.possessivus o.ae.).

Maturafokus

  • Die Funktion des Genitivs (partitiv vs. subjektiv vs. objektiv vs. possessiv) zu bestimmen ist Klausur-Standardaufgabe.
  • Dativus possessivus ist Lieblingsbeispiel der Interpretation: "mihi est domus" statt "habeo domum" - elegantere Konstruktion.
  • Ablativus absolutus erkennen ist Pflicht; die Sinnrichtung (temporal/kausal/konzessiv/konditional/modal) ist Auslegungssache.

Typische Fehler

  • Genitivus subiectivus vs. obiectivus: "amor matris" ist ambivalent - "Liebe der Mutter" (sie liebt) oder "Liebe zur Mutter" (sie wird geliebt) - Kontext entscheidet.
  • Dativ wird mit Genitiv verwechselt (-i Endungen in 2. Dekl.: domini Gen.Sg. vs. Dat.Sg.; nur Kontext klärt).
  • Ablativ comparationis wird übersehen: altior monte ist "höher als der Berg" (NICHT "höher des Berges").
  • Akkusativ der Richtung bei Stadtnamen ohne Präposition (Romam) wird falsch als Objekt gelesen.

Aktive Wiederholung

Bestimme die Kasusfunktion in: "amor patriae", "amor matris", "pars militum", "vir magnae virtutis", "mihi est liber", "auxilio Romanis venire", "Romae habito", "Romam venio", "cum amicis pugno", "altior monte".

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Latein-Reifepruefungskonzept (BMBWF / IQS) · Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch (oebv)

§ 02

AcI und NcI - satzwertige Infinitivkonstruktionen#

●●○StandardLPLAT-Synt-AcI-3.2

Accusativus cum Infinitivo (AcI) - Visualisierung

AcI - Accusativus cum InfinitivoNetzgraph, dicit (Kopfverb) → Caesarem (Akk.), dicit (Kopfverb) → venire (Inf.), Caesarem (Akk.) → dass-Satz, venire (Inf.) → dass-Satzdicit (Kopfverb)Caesarem (Akk.)venire (Inf.)dass-Satz
Abb. 2Kopfverb (dicit, audit, videt, scit, putat) + Subjektakkusativ + Infinitiv = dass-Satz. Beispiel: Cicero dicit Caesarem venire = „Cicero sagt, dass Caesar kommt." Infinitiv-Zeitstufen: venire (gleichzeitig), venisse (vorzeitig), venturum esse (nachzeitig).

Kernpunkte

Der Accusativus cum Infinitivo (AcI) ist die wichtigste Konstruktion der lateinischen Prosa: Mit ihm bettet das Lateinische eine vollständige Aussage als Objekt in einen Hauptsatz ein. Wo das Deutsche einen dass-Satz bildet, stellt das Lateinische einen Akkusativ — den Subjektakkusativ — und einen Infinitiv nebeneinander. Cicero dicit Caesarem venire heißt eben nicht „Cicero sagt Caesar zu kommen", sondern „Cicero sagt, dass Caesar kommt". Wer diesen Mechanismus durchschaut, hat die indirekte Rede entschlüsselt.
Ausgelöst wird der AcI von einer festen Gruppe von Kopfverben: Verben des Sagens (dico, narro, trado), des Meinens und Wissens (puto, credo, scio), des Wahrnehmens (video, audio, sentio) und des Wollens (volo, nolo, malo). Sobald ein solches Verb auftaucht, sollte man gezielt nach dem Paar Subjektakkusativ + Infinitiv fahnden — nach genau dem Schema, das die nebenstehende Darstellung veranschaulicht.
Die Übersetzung steht und fällt mit der Zeitstufe des Infinitivs, und die ist immer relativ zum Kopfverb. Der Infinitiv Präsens bezeichnet Gleichzeitigkeit (venire = „dass er kommt"), der Infinitiv Perfekt Vorzeitigkeit (venisse = „dass er gekommen ist"), der Infinitiv Futur Nachzeitigkeit (venturum esse = „dass er kommen wird"). Wer venisse gleichzeitig statt vorzeitig übersetzt, verschiebt die ganze Zeitachse der Aussage.
Beim Infinitiv Futur lohnt ein genauer Blick auf die Form: Der aktive Infinitiv Futur enthält das PFA, das mit dem Subjektakkusativ in Genus und Numerus kongruiert — Caesarem venturum esse, aber Liviam venturam esse. Der passive Infinitiv Futur dagegen ist unveränderlich, gebildet aus Supinum + iri: oppida deletum iri = „dass die Städte zerstört werden". Gerade diese seltene passive Form wird besonders häufig übersehen.
Im AcI gilt die Reflexivitätsregel besonders scharf: se bezieht sich auf das Subjekt des übergeordneten Verbs. Caesar dixit se venturum esse heißt „Caesar sagte, dass ER (Caesar selbst) kommen werde"; stünde dort eum, wäre eine andere Person gemeint. Dieser kleine Unterschied entscheidet regelmäßig über den Sinn ganzer Sätze — und wird in der Interpretation gern abgefragt.
Wird das Kopfverb passiv, verwandelt sich der AcI in den Nominativus cum Infinitivo (NcI): Das Subjekt rückt in den Nominativ, weil das übergeordnete Verb passiv ist. Caesar dicitur venisse = „Caesar soll gekommen sein / es wird gesagt, dass Caesar gekommen ist". Typische NcI-Verben sind dicor, feror, putor, traditur und vor allem videor — das idiomatisch „ich scheine" bedeutet, nicht „ich werde gesehen". videris venire heißt also „du scheinst zu kommen".
Im Deutschen löst man AcI und NcI fast immer mit einem dass-Satz oder einer Infinitivgruppe auf; beim NcI bietet sich oft die unpersönliche Wendung „es wird gesagt/berichtet, dass" an. Entscheidend ist, die Konstruktion überhaupt als satzwertig zu erkennen — denn übersetzt man Caesarem venire wörtlich als „Caesar kommen", entsteht kein deutscher Satz, sondern ein Trümmerhaufen.
Musterbeispiel

Vollanalyse AcI: Cicero dicit consules salutem rei publicae conservare.

Löse den AcI auf und übersetze zielsprachenadäquat.

  1. 01Kopfverb

    dicit = 3.Sg.Praes.Akt. von dico - "er/sie sagt".

  2. 02Subjekt Hauptsatz

    Cicero (Nom.Sg.) - "Cicero".

  3. 03AcI als Objekt

    consules (Akk.Pl.) = Subjektakkusativ; conservare (Inf. Praes. Akt.) = Infinitiv.

  4. 04Inneres Objekt im AcI

    salutem (Akk.Sg.f.) als direktes Objekt von conservare; rei publicae (Gen.Sg.f.) als attributiver Genitiv zu salutem.

  5. 05Zeitstufe

    Inf. Praes. = gleichzeitig zum Hauptverb (Praes.); also: "Cicero sagt, DASS die Konsuln das Wohl des Staates BEWAHREN".

  6. 06Deutsch glätten

    Im Deutschen mit dass-Satz; das Genitivattribut rei publicae bleibt als Genitiv stehen.

Ergebnis: "Cicero sagt, dass die Konsuln das Wohl des Staates bewahren." Klassischer AcI nach Sageverb - Subjektakkusativ + Infinitiv Präsens.

Musterbeispiel

NcI mit videor: hostes videntur urbem capturi esse.

Analysiere die NcI-Konstruktion und übersetze.

  1. 01Kopfverb

    videntur = 3.Pl.Praes.Pass. von video; bei videor IDIOMATISCH: "sie scheinen".

  2. 02Subjekt

    hostes (Nom.Pl.m.) - im NcI im Nominativ, weil das übergeordnete Verb passiv ist.

  3. 03Infinitiv

    capturi esse = Inf. Fut. Akt., kongruiert mit hostes (Nom.Pl.m. → -uri).

  4. 04Inneres Objekt

    urbem (Akk.Sg.f.) als direktes Objekt von capere.

  5. 05Zeitstufe

    Inf. Fut. = nachzeitig - die Feinde "scheinen die Stadt erobern zu werden" / "es scheint, dass sie die Stadt erobern werden".

Ergebnis: "Die Feinde scheinen die Stadt erobern zu werden." NcI mit videor + Inf. Fut. - Subjekt im Nominativ, Infinitiv kongruiert mit Subjekt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    AcI ist nicht ein Akkusativobjekt + Infinitiv, sondern ein eingebetteter dass-Satz im Akkusativgewand.

    Accusativus cum Infinitivo (AcI) - Visualisierung

    AcI - Accusativus cum InfinitivoNetzgraph, dicit (Kopfverb) → Caesarem (Akk.), dicit (Kopfverb) → venire (Inf.), Caesarem (Akk.) → dass-Satz, venire (Inf.) → dass-Satzdicit (Kopfverb)Caesarem (Akk.)venire (Inf.)dass-Satz
    Abb.Kopfverb (dicit, audit, videt, scit, putat) + Subjektakkusativ + Infinitiv = dass-Satz. Beispiel: Cicero dicit Caesarem venire = „Cicero sagt, dass Caesar kommt." Infinitiv-Zeitstufen: venire (gleichzeitig), venisse (vorzeitig), venturum esse (nachzeitig).
  2. 2

    Die Zeitstufe des Infinitivs ist relativ zum Hauptverb: Praes. = gleichzeitig, Perf. = vorzeitig, Fut. = nachzeitig.

  3. 3

    NcI mit videor ist Idiom - "scheinen", nicht "gesehen werden".

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Im Übersetzungstext (paraphrasiert nach Sallust, Catilinaria) finden sich mehrere AcI-Konstruktionen. Identifizieren Sie alle, geben Sie pro AcI das Kopfverb, den Subjektakkusativ, den Infinitiv und die Zeitstufe an. Übertragen Sie jede Konstruktion in einen zielsprachenadäquaten dass-Satz.

Maturafokus

  • AcI ist DER Klausurklassiker in der Übersetzungsaufgabe; korrekte Auflösung mit dass-Satz bringt sichere Punkte.
  • Inf. Fut. mit -urum esse wird oft übersehen oder als Präsens übersetzt - typischer Verlustpunkt.
  • videor + Inf. ("scheinen") ist Standardfalle: "videris venire" = "du scheinst zu kommen" (NICHT "du wirst gesehen kommend").

Typische Fehler

  • AcI wird als Hauptsatz übersetzt: "Caesarem venire" wird zu "Caesar (Subjekt) kommt", obwohl Caesarem Akkusativ ist und venire Infinitiv.
  • Inf. Perf. wird gleichzeitig statt vorzeitig übersetzt: "Caesarem venisse" = "Caesar kommt" statt "Caesar ist gekommen / gekommen sei".
  • Reflexives se im AcI wird mit eum verwechselt: Caesar dixit se venturum esse = "Caesar sagte, dass er (Caesar selbst) kommen werde" - se reflektiert das Subjekt des übergeordneten Verbs.
  • NcI mit videor wird als Passiv übersetzt: "Caesar videtur venire" = "Caesar scheint zu kommen" (NICHT "Caesar wird gesehen, zu kommen").

Aktive Wiederholung

Übersetze: "Puto Caesarem venire / venisse / venturum esse." "Caesar dixit se vidisse Galliam." "Cicero traditur consul fuisse." "Hostes videntur fugere."

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: AHS-Lehrplan Latein (BMBWF / RIS) · Perseus Project - Sallust Catilinaria (Tufts University)

§ 03

Ablativus absolutus#

●●●VertiefungLPLAT-Synt-Kasus-3.3

Ablativus absolutus - Schema

Ablativus absolutus - eine Form, fünf SinnrichtungenNetzgraph, Subst. urbe → Abl. absolutus, Partizip capta → Abl. absolutus, Abl. absolutus → temporal: nachdem, Abl. absolutus → kausal: weil, Abl. absolutus → konzessiv: obwohl, Abl. absolutus → konditional: wenn, Abl. absolutus → modal: indemSubst. urbePartizip captaAbl. absolutustemporal:nachdemkausal: weilkonzessiv:obwohlkonditional:wennmodal: indem
Abb. 3Substantiv im Ablativ + Partizip im Ablativ (PPP/PPA, gleicher Numerus & Genus) = adverbialer Nebensatz. Beispiel: urbe capta = „nachdem die Stadt erobert worden war". Die Sinnrichtung erschließt man aus dem Kontext.

Kernpunkte

Der Ablativus absolutus ist die kompakteste Nebensatz-Ersatzkonstruktion des Lateinischen: ein Substantiv und ein Partizip, beide im Ablativ, die zusammen einen begleitenden Umstand zur Haupthandlung ausdrücken. „Absolutus" — losgelöst — heißt er, weil dieses Substantiv grammatisch nicht in den Hauptsatz eingebunden ist. Gerade Caesar und Livius bauen ihre Erzählung aus solchen Ablativen; wer sie sicher auflöst, liest historische Prosa flüssig.
Die Konstruktion besteht aus einem Substantiv im Ablativ plus einem damit in Numerus und Genus kongruierenden Partizip im Ablativ; die nebenstehende Übersicht zeigt das Schema. Das Erkennungssignal ist ein Ablativpaar, das sich nicht in das Verb des Hauptsatzes einfügt — es „hängt" syntaktisch frei. Daneben gibt es den nominalen Abl. abs. ganz ohne Partizip, dazu weiter unten mehr.
Steht im Abl. abs. ein PPP, ist die Konstruktion vorzeitig zum Hauptverb: urbe capta milites in castra reverterunt = „Nachdem die Stadt erobert worden war, kehrten die Soldaten ins Lager zurück". Entscheidend ist das Passiv des PPP: urbe capta heißt „nachdem die Stadt erobert worden war", nicht „nachdem sie die Stadt erobert hatten" — wer hier aktiv übersetzt, vertauscht Täter und Betroffenen.
Steht dagegen ein PPA, ist die Konstruktion gleichzeitig: Caesare imperante milites pugnabant = „Während Caesar befahl, kämpften die Soldaten". Die Faustregel ist also einfach — PPP gleich vorzeitig, PPA gleich gleichzeitig — und sie spiegelt genau das relative Zeitverhältnis der Partizipien aus der Formenlehre.
Der nominale Ablativus absolutus kommt ganz ohne Partizip aus: Er verbindet zwei Substantive oder Substantiv und Adjektiv im Ablativ, weil esse kein Partizip Präsens besitzt. Cicerone consule heißt „unter dem Konsulat Ciceros / als Cicero Konsul war", me invito „gegen meinen Willen", te duce „unter deiner Führung". Weil das verräterische Partizip fehlt, wird er besonders oft übersehen und als bloße Aufzählung („Cicero und der Konsul") missdeutet.
Welche logische Beziehung der Abl. abs. zum Hauptsatz herstellt, sagt die Form nicht — das ist Interpretationsleistung. Fünf Sinnrichtungen kommen in Frage: temporal („nachdem/während"), kausal („weil"), konzessiv („obwohl"), konditional („wenn") und modal („indem"). Die mechanische Standardübersetzung mit „nachdem" ist oft blass; im Kontext der Catilinaria etwa ist „weil" meist treffender. Die Wahl der Sinnrichtung gehört begründet.
Das namengebende Merkmal „absolutus" ist zugleich das Abgrenzungskriterium: Das Subjekt der Konstruktion ist NICHT mit dem Subjekt des Hauptsatzes identisch. Wäre es identisch, läge ein Participium coniunctum vor. Im Deutschen gibt man den Abl. abs. meist als Nebensatz wieder; beim nominalen Typ ist auch eine präpositionale Wendung („unter Caesars Konsulat") elegant. Auf keinen Fall aber darf er als selbständiger Hauptsatz erscheinen.
Musterbeispiel

Sinnrichtung wählen: Catilina detecto cives metu liberati sunt.

Bestimme die Konstruktion und schlage zwei verschiedene Sinnrichtungen vor.

  1. 01Konstruktion erkennen

    Catilina (Abl.Sg.m.) + detecto (PPP, Abl.Sg.m. von detego) = Abl.abs. mit PPP, also vorzeitig.

  2. 02Hauptsatz

    cives (Nom.Pl.) liberati sunt (Perf.Pass.) - "die Bürger wurden befreit". metu (Abl.Sg. von metus) = Abl.separationis nach liberare.

  3. 03Sinnrichtung temporal

    "Nachdem Catilina entlarvt worden war, wurden die Bürger von ihrer Furcht befreit."

  4. 04Sinnrichtung kausal

    "Weil Catilina entlarvt worden war, wurden die Bürger von ihrer Furcht befreit." - logisch stärker, weil die Befreiung Folge der Entlarvung ist.

  5. 05Wahl begründen

    Im Kontext der Catilinaria ist die kausale Wiedergabe vorzuziehen, weil die Kausalbeziehung im Vordergrund steht.

Ergebnis: Die kausale Wiedergabe trifft den Sinn präziser; die temporale ist nicht falsch, aber blass.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Abl.abs. ist "losgelöst" - das Subjekt der Konstruktion ist nicht das Subjekt des Hauptsatzes.

    Ablativus absolutus - Schema

    Ablativus absolutus - eine Form, fünf SinnrichtungenNetzgraph, Subst. urbe → Abl. absolutus, Partizip capta → Abl. absolutus, Abl. absolutus → temporal: nachdem, Abl. absolutus → kausal: weil, Abl. absolutus → konzessiv: obwohl, Abl. absolutus → konditional: wenn, Abl. absolutus → modal: indemSubst. urbePartizip captaAbl. absolutustemporal:nachdemkausal: weilkonzessiv:obwohlkonditional:wennmodal: indem
    Abb.Substantiv im Ablativ + Partizip im Ablativ (PPP/PPA, gleicher Numerus & Genus) = adverbialer Nebensatz. Beispiel: urbe capta = „nachdem die Stadt erobert worden war". Die Sinnrichtung erschließt man aus dem Kontext.
  2. 2

    Mit PPP = vorzeitig ("nachdem"); mit PPA = gleichzeitig ("während"); ohne Partizip = nominaler Abl.abs. ("unter / als").

  3. 3

    Die Sinnrichtung wählst du aus dem Kontext: temporal, kausal, konzessiv, konditional, modal. Niemals mechanisch immer "nachdem".

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Im Übersetzungstext (paraphrasiert nach Caesar, De Bello Gallico) finden sich vier Ablativi absoluti. Identifizieren Sie sie, bestimmen Sie pro Konstruktion das beteiligte Substantiv und Partizip und schlagen Sie die kontextuell passende Sinnrichtung (temporal / kausal / konzessiv / konditional / modal) mit Begründung vor.

Maturafokus

  • Abl.abs. erkennen ist Pflicht; die Sinnrichtung zu wählen ist Interpretationsleistung.
  • Der nominale Abl.abs. (Cicerone consule) wird oft übersehen, weil kein Partizip auftaucht.
  • In Interpretationsaufgaben wird oft nach der Funktion des Abl.abs. gefragt: "Welche logische Beziehung stellt der Abl.abs. her?"

Typische Fehler

  • Abl.abs. wird als Hauptsatz übersetzt: "urbe capta milites venerunt" wird zu "die Soldaten kamen, die Stadt eroberte" statt "nachdem die Stadt erobert worden war".
  • PPP wird aktiv übersetzt: urbe capta = "nachdem sie die Stadt eroberten" statt "nachdem die Stadt erobert worden war" (passivisch!).
  • Nominaler Abl.abs. wird als Aufzählung gelesen: Cicerone consule wird zu "Cicero und der Konsul" statt "als Cicero Konsul war".
  • Die Wahl der Sinnrichtung wird mechanisch immer "nachdem" - dabei sind kausale/konzessive Wiedergaben oft sinnvoller.

Aktive Wiederholung

Übersetze mit der jeweils passenden Sinnrichtung: "Caesare interfecto bellum civile ortum est." "Sole oriente milites profecti sunt." "Cicerone consule coniuratio detecta est." "Hostibus victis tamen pax non facta est."

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Perseus Project - Caesar De Bello Gallico (Tufts University) · BMBWF Latein-Reifepruefungskonzept (BMBWF / IQS)

Inhalt

Abschnitt -- / 03

    • 01Die sechs Kasus und ihre Funktionen○
    • 02AcI und NcI - satzwertige Infinitivkonstruktionen◐
    • 03Ablativus absolutus●

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Aus den Notizen ins Training

L 3 - Syntax: Kasuslehre

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Beispielfrage

Bestimmen Sie im Interpretationstext (paraphrasiert nach Cicero, De Officiis) die Kasusfunktion der unterstrichenen Nominalformen virtutis, civibus, gladio, Romam, mihi und benennen Sie den Funktionstyp (Gen.subiectivus, Dat.commodi, Abl.instrumenti, Akk.directionis, Dat.possessivus o.ae.).

16 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

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  • BMBWF Latein-Reifepruefungskonzept

oebv

  • Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch

BMBWF / RIS

  • AHS-Lehrplan Latein

Tufts University

  • Perseus Project - Sallust Catilinaria
  • Perseus Project - Caesar De Bello Gallico

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