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Notizen/Latein/L 1 - Formenlehre: Substantive, Adjektive, Pronomina
Notizen · LateinAT · Matura

L 1 - Formenlehre: Substantive, Adjektive, Pronomina

Die nominale Morphologie des Lateinischen: fünf Deklinationen, dreigliedrige Adjektive, geschlossenes Pronomensystem, dreistufige Komparation. Wer Endungen sicher erkennt, erschliesst Sinneinheiten in Sekunden.

3 Abschnitte·~16 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 1·Stand 06/2026

T·0111 / 13
Prüfungsprofil
L-FORM-1 · Substantivformen aller fünf Deklinationen sicher bestimmenL-FORM-2 · Adjektive der a-/o- und 3. Deklination flektieren und mit Substantiven kongruierenL-FORM-3 · Pronomina (Personal-, Demonstrativ-, Relativ-, Interrogativ-, Indefinit-) erkennen und übersetzenL-FORM-4 · Adjektive komparieren und Komparationsformen syntaktisch einordnen
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 3 Abschnitte▾
  1. L 1 - Formenlehre: Substantive, Adjektive, Pronomina
    • 01Die fünf Deklinationen im Überblick○
    • 02Adjektive und Komparation○
    • 03Pronomina - Personal, Demonstrativ, Relativ, Interrogativ, Indefinit◐
§ 01

Die fünf Deklinationen im Überblick#

●○○BasisLPLAT-Form-Subst-1.1LPLAT-Form-Subst-1.2

Deklinationstabellen - die fünf Klassen im Überblick

Die fünf DeklinationenTabelle mit 6 Spalten und 12 Zeilen, Daten: 1. Dekl. · 2. Dekl. · 3. Dekl. · 4. Dekl. · 5. Dekl.; Stamm · a · o · Kons./i · u · e; Beispiel · rosa · servus · rex · manus · res; Genus · f. · m./n. · m./f./n. · m. · f.; Nom. Sg. · -a · -us/-er · versch. · -us · -es; Gen. Sg. · -ae · -i · -is · -us · -ei; Dat. Sg. · -ae · -o · -i · -ui · -ei; Akk. Sg. · -am · -um · -em · -um · -em; Abl. Sg. · -a · -o · -e · -u · -e; Nom. Pl. · -ae · -i · -es · -us · -es; Gen. Pl. · -arum · -orum · -um/-ium · -uum · -erum; Dat./Abl. Pl. · -is · -is · -ibus · -ibus · -ebus; Akk. Pl. · -as · -os · -es · -us · -es1. DEKL.2. DEKL.3. DEKL.4. DEKL.5. DEKL.STAMMaoKons./iueBEISPIELrosaservusrexmanusresGENUSf.m./n.m./f./n.m.f.NOM. SG.-a-us/-erversch.-us-esGEN. SG.-ae-i-is-us-eiDAT. SG.-ae-o-i-ui-eiAKK. SG.-am-um-em-um-emABL. SG.-a-o-e-u-eNOM. PL.-ae-i-es-us-esGEN. PL.-arum-orum-um/-ium-uum-erumDAT./ABL. PL.-is-is-ibus-ibus-ebusAKK. PL.-as-os-es-us-es
Abb. 1Stammvokal, Genitiv Singular und typische Endungen unterscheiden die fünf Deklinationen. Beispiele: 1. via/puella, 2. amicus/bellum, 3. civis/corpus, 4. manus/cornu, 5. dies/spes.

Kernpunkte

Das Lateinische ist eine ausgeprägte Flexionssprache: Welche Rolle ein Substantiv im Satz spielt — Subjekt, Objekt oder Attribut —, entscheidet nicht die Wortstellung wie im Deutschen, sondern die Endung. Genau deshalb ist die Formenlehre kein lästiges Vorgeplänkel, sondern das eigentliche Lesewerkzeug: Wer eine Endung blitzschnell entschlüsselt, erkennt die Satzstruktur, bevor er das erste Wort übersetzt hat. Jedes Substantiv folgt dabei einem von fünf Endungsmustern, den Deklinationen — und der erste Schritt jeder Formbestimmung ist, das richtige Muster zu identifizieren.
Der Schlüssel dazu ist nicht der Nominativ, sondern der Genitiv Singular: Er allein verrät die Klasse zuverlässig, weil in ihm der charakteristische Stammvokal sichtbar wird. Die fünf Marken sind -ae (1. Dekl., a-Stamm: rosa, rosae), -i (2. Dekl., o-Stamm: servus, servi), -is (3. Dekl., Konsonant- oder i-Stamm: rex, regis), -us (4. Dekl., u-Stamm: manus, manus) und -ei (5. Dekl., e-Stamm: res, rei). Die Übersicht stellt alle fünf nebeneinander; präge dir die Genitivendung als Erkennungsmarke ein, dann ordnet sich jede weitere Form von selbst ein.
Die 3. Deklination ist die mit Abstand häufigste und zugleich kniffligste Klasse, weil sie in drei Untertypen zerfällt: reine Konsonantenstämme (rex, regis), reine i-Stämme (mare, maris) und Mischstämme (urbs, urbis). Der praktisch wichtigste Unterschied steckt im Genitiv Plural: i-Stämme und Mischstämme bilden -ium (urbium, montium, civium), Konsonantenstämme dagegen -um (regum). Wer hier das -i- überliest und „der Bürger" mit „des Bürgers" verwechselt, verliert in der Übersetzung lautlos den Plural.
Eine echte Arbeitserleichterung ist die Neutrumregel, die quer durch alle Deklinationen gilt: Bei Neutra sind Nominativ und Akkusativ stets formgleich, und im Plural enden sie immer auf -a (templa, maria, cornua, corpora). Begegnet dir also eine Pluralform auf -a, hast du fast sicher ein neutrales Subjekt oder Objekt vor dir — eine Form, die man sonst leicht für einen femininen Nominativ Singular der 1. Deklination hält und damit syntaktisch falsch einbaut.
Die 5. Deklination ist winzig — kaum ein Dutzend maturarelevanter Wörter —, doch diese gehören zum Kernvokabular: res, spes, fides, acies, materies. Fast alle sind feminin; nur dies („Tag") und das daraus zusammengesetzte meridies („Mittag") sind maskulin (dies im Sinne eines Termins gelegentlich auch feminin). Besonders res ist ein Bedeutungschamäleon („Sache, Ding, Lage, Besitz, Staat"): Die feste Wortgruppe res publica heißt eben nicht „die öffentliche Sache", sondern „der Staat".
Eine alte Sonderform überlebt im Lokativ, dem Kasus der Ortsangabe „wo?": Bei Städtenamen der 1./2. Deklination endet er auf -ae/-i (Romae = „in Rom", Corinthi = „in Korinth"), bei der 3. auf -i/-e (Carthagini); dazu die festen Wendungen domi („zu Hause"), ruri („auf dem Land") und humi („auf dem Boden"). Diese Formen sehen aus wie Genitive, bezeichnen aber den Ort — eine klassische Stolperstelle, die man nur über das Vokabel-Wissen entschärft.
Praktisch lernt man Substantive deshalb niemals als Einzelform, sondern als Dreierpack Nominativ + Genitiv + Genus: rosa, -ae f. — servus, -i m. — rex, regis m. — manus, -us f. — res, rei f. Erst diese drei Angaben machen ein Wort eindeutig deklinierbar. Wer manus nur im Nominativ kennt, hält es leicht für einen o-Stamm der 2. Deklination und damit für maskulin — dabei ist manus 4. Deklination und feminin, und schon kongruiert jedes Adjektiv falsch.
Über all dem steht die Einsicht, die das System zusammenhält: der Endungssynkretismus — ein und dieselbe Endung trägt mehrere Funktionen. -is etwa ist Genitiv Singular der 3. Deklination (regis), zugleich Dativ/Ablativ Plural der 1. und 2. (rosis, servis) und Akkusativ Plural mancher i-Stämme (turris). Die Form allein ist also oft mehrdeutig; erst der Satzkontext — welches Wort sie regiert, mit welchem sie kongruiert — macht sie eindeutig. Daraus folgt die Grundhaltung des Übersetzens: Die Formbestimmung liefert die Kandidaten, die Syntax entscheidet.
Musterbeispiel

Vollanalyse einer Wortform: civitatum

Bestimme Kasus, Numerus, Genus, Deklination und Grundform der Form civitatum und übersetze sie kontextfrei.

  1. 01Endung isolieren

    civitat- (Stamm) + -um (Endung). Endung -um signalisiert entweder Akk.Sg. (2. Dekl.) oder Gen.Pl. (3./5./manchmal 2. Dekl.).

  2. 02Stamm prüfen

    civitat- endet auf Konsonant -t; das schliesst die 2. Dekl. aus. civitas, civitatis ist 3. Deklination, und zwar Konsonantenstamm (imparisylbig, Nom. -s nach Vokal): der reguläre Gen. Pl. ist daher -um (civitatum); die i-Variante -ium ist hier selten. (Mischstämme sind dagegen die parisylbigen Wörter auf -is/-es sowie die einsilbigen mit zwei Auslautkonsonanten - z. B. urbium, montium.)

  3. 03Funktion bestimmen

    Gen. Pl. fem.: "der Bürgerschaften / Staaten / Bürgergemeinden".

  4. 04Genus prüfen

    civitas,civitatis ist feminin (wie alle Abstrakta auf -tas).

Ergebnis: civitatum = Gen. Pl. f., 3. Deklination (Konsonantenstamm), Grundform civitas, civitatis f. = "der Bürgerschaften" / "der Staaten" / "der Bürgergemeinden".

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der Genitiv Singular ist dein wichtigster Verbündeter - er allein verrät die Deklinationsklasse.

    Deklinationstabellen - die fünf Klassen im Überblick

    Die fünf DeklinationenTabelle mit 6 Spalten und 12 Zeilen, Daten: 1. Dekl. · 2. Dekl. · 3. Dekl. · 4. Dekl. · 5. Dekl.; Stamm · a · o · Kons./i · u · e; Beispiel · rosa · servus · rex · manus · res; Genus · f. · m./n. · m./f./n. · m. · f.; Nom. Sg. · -a · -us/-er · versch. · -us · -es; Gen. Sg. · -ae · -i · -is · -us · -ei; Dat. Sg. · -ae · -o · -i · -ui · -ei; Akk. Sg. · -am · -um · -em · -um · -em; Abl. Sg. · -a · -o · -e · -u · -e; Nom. Pl. · -ae · -i · -es · -us · -es; Gen. Pl. · -arum · -orum · -um/-ium · -uum · -erum; Dat./Abl. Pl. · -is · -is · -ibus · -ibus · -ebus; Akk. Pl. · -as · -os · -es · -us · -es1. DEKL.2. DEKL.3. DEKL.4. DEKL.5. DEKL.STAMMaoKons./iueBEISPIELrosaservusrexmanusresGENUSf.m./n.m./f./n.m.f.NOM. SG.-a-us/-erversch.-us-esGEN. SG.-ae-i-is-us-eiDAT. SG.-ae-o-i-ui-eiAKK. SG.-am-um-em-um-emABL. SG.-a-o-e-u-eNOM. PL.-ae-i-es-us-esGEN. PL.-arum-orum-um/-ium-uum-erumDAT./ABL. PL.-is-is-ibus-ibus-ebusAKK. PL.-as-os-es-us-es
    Abb.Stammvokal, Genitiv Singular und typische Endungen unterscheiden die fünf Deklinationen. Beispiele: 1. via/puella, 2. amicus/bellum, 3. civis/corpus, 4. manus/cornu, 5. dies/spes.
  2. 2

    Lerne Substantive immer als Paar Nom. + Gen. mit Genus: rosa,-ae f. Ohne diese drei Angaben ist die Form nicht eindeutig.

  3. 3

    Die 3. Deklination ist nicht eine, sondern drei Klassen - Konsonantenstamm, i-Stamm, Mischstamm. Der Genitiv Plural -um/-ium ist das Hauptunterscheidungsmerkmal.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Bestimmen Sie von den fett gedruckten Wortformen aus dem Interpretationstext (Cicero, De Officiis I, paraphrasiert) Kasus, Numerus und syntaktische Funktion und ordnen Sie sie ihrer Deklinationsklasse zu: officii - virtutibus - rerum - manum - civium.

Maturafokus

  • In der schriftlichen Klausur ist Formbestimmung Pflichtteilkompetenz: Prädikat finden, Subjekt im Nominativ identifizieren, Objekte nach Kasus zuordnen.
  • Im Interpretationsteil wird oft nach der Funktion eines Kasus gefragt - der Genitiv etwa kann partitiv, possessiv, subjektiv oder objektiv sein. Die Form allein genügt nicht.
  • Beispielfragenformat: "Bestimmen Sie Kasus, Numerus und syntaktische Funktion der unterstrichenen Wortform virtutibus."

Typische Fehler

  • manus wird als 2. Deklination (m./n.) gelesen statt als 4. Deklination (f.) - dadurch wird die ganze Kongruenz falsch.
  • res publica wird nicht als Wortgruppe (5. + 1. Dekl., feminin) gelesen, sondern als zwei Einzelwörter ohne Verbindung.
  • Der Mischstammgenitiv (urbium, civium, montium) wird mit -um abgekürzt; in der Übersetzung verschwindet dann der Plural.
  • domus (4. Dekl.) wird oft falsch dekliniert - es gibt Nebenformen domi (Lokativ), domum (Akk. der Richtung "nach Hause"), domo (Abl. der Trennung "von zu Hause").

Aktive Wiederholung

Bestimme von folgenden Wortformen Kasus, Numerus, Genus und Deklinationsklasse: poetae, regibus, manuum, diei, urbium, templa, hostium, fidei, montibus, copiis.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch (Neubearbeitung) (oebv) · AHS-Lehrplan Latein (BMBWF/RIS) (BMBWF / RIS)

§ 02

Adjektive und Komparation#

●○○BasisLPLAT-Form-Subst-1.3LPLAT-Form-Subst-1.4

Deklinationstabellen - die fünf Klassen im Überblick

Die fünf DeklinationenTabelle mit 6 Spalten und 12 Zeilen, Daten: 1. Dekl. · 2. Dekl. · 3. Dekl. · 4. Dekl. · 5. Dekl.; Stamm · a · o · Kons./i · u · e; Beispiel · rosa · servus · rex · manus · res; Genus · f. · m./n. · m./f./n. · m. · f.; Nom. Sg. · -a · -us/-er · versch. · -us · -es; Gen. Sg. · -ae · -i · -is · -us · -ei; Dat. Sg. · -ae · -o · -i · -ui · -ei; Akk. Sg. · -am · -um · -em · -um · -em; Abl. Sg. · -a · -o · -e · -u · -e; Nom. Pl. · -ae · -i · -es · -us · -es; Gen. Pl. · -arum · -orum · -um/-ium · -uum · -erum; Dat./Abl. Pl. · -is · -is · -ibus · -ibus · -ebus; Akk. Pl. · -as · -os · -es · -us · -es1. DEKL.2. DEKL.3. DEKL.4. DEKL.5. DEKL.STAMMaoKons./iueBEISPIELrosaservusrexmanusresGENUSf.m./n.m./f./n.m.f.NOM. SG.-a-us/-erversch.-us-esGEN. SG.-ae-i-is-us-eiDAT. SG.-ae-o-i-ui-eiAKK. SG.-am-um-em-um-emABL. SG.-a-o-e-u-eNOM. PL.-ae-i-es-us-esGEN. PL.-arum-orum-um/-ium-uum-erumDAT./ABL. PL.-is-is-ibus-ibus-ebusAKK. PL.-as-os-es-us-es
Abb. 2Stammvokal, Genitiv Singular und typische Endungen unterscheiden die fünf Deklinationen. Beispiele: 1. via/puella, 2. amicus/bellum, 3. civis/corpus, 4. manus/cornu, 5. dies/spes.

Kernpunkte

Adjektive sind im Lateinischen Begleiter: Sie ordnen sich einem Substantiv unter und stimmen mit ihm in Kasus, Numerus und Genus überein — die KNG-Kongruenz. Gerade weil die Wortstellung frei ist, ist diese Kongruenz das Band, an dem man erkennt, welches Adjektiv zu welchem Substantiv gehört — auch dann, wenn die Dichtung beide weit auseinanderreißt. Wer Kongruenz sicher liest, hält den Satz zusammen; wer sie überliest, baut ihn falsch zusammen.
Formal zerfallen die Adjektive in zwei große Gruppen. Die erste folgt der a-/o-Deklination und ist dreigliedrig (bonus, -a, -um): Maskulinum und Neutrum gehen nach der 2., das Femininum nach der 1. Deklination — die Endungen sind also längst bekannt. Zu dieser Gruppe gehört der Großteil der Grundadjektive (magnus, altus, bonus, malus); man muss kein neues Muster lernen, nur die schon vertrauten Substantivendungen wiedererkennen.
Die zweite Gruppe folgt der 3. Deklination und tritt in drei Bauformen auf: dreigliedrig (acer, acris, acre), zweigliedrig (fortis, forte; omnis, omne) und eingliedrig (felix, felicis; ingens, ingentis). Wie viele Nennformen sie auch haben — sie verhalten sich alle wie i-Stämme: Ablativ Singular auf -i, Genitiv Plural auf -ium, Neutrum Plural auf -ia. Bei den eingliedrigen muss man den Stamm erst aus dem Genitiv ablesen (felix → felic-), sonst hält man den Nominativ irrtümlich für den Genitiv.
Kongruenz heißt Übereinstimmung in Kasus, Numerus und Genus — nicht zwingend in der Endung. rosa pulchra (beide 1. Dekl.) klingt gleich, civitas ingens (3.-Dekl.-Substantiv, eingliedriges Adjektiv) hingegen nicht, und doch kongruieren beide korrekt im Nominativ Singular feminin. Mehrdeutig wird poetae boni: das ist Genitiv Singular maskulin („des guten Dichters") ODER Nominativ Plural maskulin („die guten Dichter") — erst der Satz entscheidet. Die häufigste Falle ist das Hyperbaton: Steht magnum weit vor seinem Bezugswort periculum, darf man es nicht mit dem näher stehenden civium verbinden — den Bezug weist die KNG-Kongruenz zu, nicht die Nähe.
Die Steigerung kennt drei Stufen: Positiv (altus = „hoch"), Komparativ (altior, altius) und Superlativ (altissimus, -a, -um). Praktisch erkennt man die Stufe an der Signalsilbe: -ior-/-ius- markiert den Komparativ (der nach der 3. Deklination, Konsonantenstamm, flektiert: altior, Gen. altioris), -issim-/-rim-/-lim- den Superlativ (der nach der a-/o-Deklination geht). Wer diese Silben sieht, weiß sofort, dass eine gesteigerte Form vorliegt.
Einige Hochfrequenzadjektive steigern unregelmäßig und müssen sicher sitzen, weil sie in jedem Text auftauchen: bonus – melior – optimus; malus – peior – pessimus; magnus – maior – maximus; parvus – minor – minimus; multus – plus – plurimus. Besonders plus ist tückisch, weil es im Singular wie ein Neutrum-Substantiv konstruiert wird: plus auri heißt „mehr (an) Gold" mit Genitiv, nicht „mehr Gold" als bloßes Adjektiv.
Schließlich tragen Komparativ und Superlativ je zwei Bedeutungen, und nur der Kontext sagt, welche gemeint ist. Der Komparativ vergleicht („höher") oder steht absolut („ziemlich/allzu hoch"), der Superlativ vergleicht („am höchsten") oder ist Elativ („sehr hoch"). Wer hier mechanisch immer vergleichend übersetzt, verfehlt oft den Sinn. Eine feste Wendung lohnt sich auswendig: quam + Superlativ heißt „möglichst" (quam celerrime = „möglichst schnell"). In der Interpretation wird der Stufenwechsel gern als Stilmittel abgefragt — etwa: erläutere die Wirkung des Sprungs vom Positiv zum Superlativ.
Musterbeispiel

Hyperbaton auflösen: Caesar fortissimos in primam aciem milites collocavit.

Löse das Hyperbaton auf und übersetze. Bestimme die syntaktische Funktion jedes Wortes.

  1. 01Prädikat

    collocavit = 3.Pers.Sg.Perf.Akt. von colloco,-are,-avi,-atum = "er stellte auf".

  2. 02Subjekt

    Caesar, Caesaris m. = Nom.Sg. = "Caesar".

  3. 03Direktes Objekt

    milites = Akk.Pl.m. von miles, militis = "die Soldaten".

  4. 04Attribut zum Objekt

    fortissimos = Akk.Pl.m. Superlativ von fortis,-e = "die tapfersten". Steht weit getrennt vom Bezugswort - typisches Hyperbaton zur Hervorhebung.

  5. 05Adverbiale Bestimmung

    in primam aciem = Akk. der Richtung ("in die erste Schlachtreihe"); primam ist Akk.Sg.f. (kongruiert mit aciem).

  6. 06Deutsch glätten

    Im Deutschen Attribut zum Substantiv ziehen: "die tapfersten Soldaten".

Ergebnis: "Caesar stellte die tapfersten Soldaten in die erste Schlachtreihe." Das Hyperbaton fortissimos ... milites unterstreicht die Auserwählung; die deutsche Wiedergabe löst es zugunsten der Verständlichkeit auf.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Adjektive sind Begleiter - sie müssen sich nach ihrem Bezugswort richten, nicht nach ihrem Standplatz im Satz.

  2. 2

    Komparation hat drei Stufen: Positiv, Komparativ, Superlativ - aber Komparativ und Superlativ haben jeweils eine vergleichende UND eine absolute Bedeutung.

  3. 3

    quam + Superlativ heisst "möglichst" - eine Klausur-Standardwendung, die du auswendig erkennen musst.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank14 Punkte

Aufgabenstellung

Im Interpretationstext (paraphrasiert nach Seneca, Epistulae) finden sich die Adjektivformen sapientissimus, miseriores, omnia, acerrimi. Bestimmen Sie jeweils Kasus, Numerus, Genus, Komparationsstufe und Bezugswort und übersetzen Sie die Wortgruppe in zielsprachenadäquatem Deutsch.

Maturafokus

  • Kongruenzfehler sind in der Klausur Hauptquelle von Punktverlust: Adjektiv und Bezugswort werden falsch verknüpft, ein ferner Bezug wird übersehen.
  • Komparation wird in Interpretationsfragen oft thematisiert: "Welche stilistische Wirkung hat der Wechsel von Positiv zu Superlativ in den Versen X-Y?"
  • quam + Superlativ = "möglichst ...": quam celerrime = "möglichst schnell". Diese Wendung ist Klausurklassiker.

Typische Fehler

  • Adjektive werden mit dem nächststehenden Substantiv kongruiert statt mit dem Bezugswort - "magnum periculum civium" wird als "die grosse Gefahr der Bürger" gelesen, obwohl magnum sich auf periculum bezieht und civium ein freistehendes Genitivattribut ist (was hier zufällig stimmt - der Fehler tritt aber bei Hyperbata auf).
  • Bei eingliedrigen Adjektiven der 3. Dekl. (felix, felicis) wird der Nominativ als Genitiv interpretiert.
  • Der absolute Komparativ ("ziemlich hoch") wird grundsätzlich vergleichend übersetzt; der absolute Superlativ ("sehr hoch") als Vergleichsform ("am höchsten").
  • plus, pluris (Komparativ von multus) wird als Substantiv vergessen: plus auri = "mehr Gold" (Genitiv abhängig von plus).

Aktive Wiederholung

Setze folgende Wortgruppen in den geforderten Kasus: "die höheren Berge" (Nom.Pl., Akk.Pl.), "die tapfersten Soldaten" (Gen.Pl., Dat.Pl.), "der bessere Plan" (Nom.Sg., Abl.Sg.), "möglichst schnell" (Adverb). Komparation: bonus (alle drei Stufen, Mask. Nom.Sg.), magnus, altus.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Pons Latein-Wörterbuch online (PONS) · AHS-Lehrplan Latein (BMBWF / RIS)

§ 03

Pronomina - Personal, Demonstrativ, Relativ, Interrogativ, Indefinit#

●●○StandardLPLAT-Form-Subst-1.5

Deklinationstabellen - die fünf Klassen im Überblick

Die fünf DeklinationenTabelle mit 6 Spalten und 12 Zeilen, Daten: 1. Dekl. · 2. Dekl. · 3. Dekl. · 4. Dekl. · 5. Dekl.; Stamm · a · o · Kons./i · u · e; Beispiel · rosa · servus · rex · manus · res; Genus · f. · m./n. · m./f./n. · m. · f.; Nom. Sg. · -a · -us/-er · versch. · -us · -es; Gen. Sg. · -ae · -i · -is · -us · -ei; Dat. Sg. · -ae · -o · -i · -ui · -ei; Akk. Sg. · -am · -um · -em · -um · -em; Abl. Sg. · -a · -o · -e · -u · -e; Nom. Pl. · -ae · -i · -es · -us · -es; Gen. Pl. · -arum · -orum · -um/-ium · -uum · -erum; Dat./Abl. Pl. · -is · -is · -ibus · -ibus · -ebus; Akk. Pl. · -as · -os · -es · -us · -es1. DEKL.2. DEKL.3. DEKL.4. DEKL.5. DEKL.STAMMaoKons./iueBEISPIELrosaservusrexmanusresGENUSf.m./n.m./f./n.m.f.NOM. SG.-a-us/-erversch.-us-esGEN. SG.-ae-i-is-us-eiDAT. SG.-ae-o-i-ui-eiAKK. SG.-am-um-em-um-emABL. SG.-a-o-e-u-eNOM. PL.-ae-i-es-us-esGEN. PL.-arum-orum-um/-ium-uum-erumDAT./ABL. PL.-is-is-ibus-ibus-ebusAKK. PL.-as-os-es-us-es
Abb. 3Stammvokal, Genitiv Singular und typische Endungen unterscheiden die fünf Deklinationen. Beispiele: 1. via/puella, 2. amicus/bellum, 3. civis/corpus, 4. manus/cornu, 5. dies/spes.

Kernpunkte

Pronomina sind die kleinsten, aber folgenreichsten Wörter des Lateinischen: Sie verweisen, statt zu benennen, und ein falsch aufgelöster Verweis dreht den Sinn eines ganzen Satzes um. Formal teilen die meisten eine eigene „pronominale" Deklination — Genitiv Singular auf -ius, Dativ Singular auf -i (unius, uni; illius, illi). Wer dieses Sondermuster kennt, erkennt ein Pronomen sofort als solches und liest es nicht versehentlich als gewöhnliches Substantiv.
Die Personalpronomina ego (mei, mihi, me) und tu (tui, tibi, te) samt nos/vos benennen Sprecher und Angesprochenen. Für die 3. Person gibt es kein eigenes Personalpronomen — dort springt entweder ein Demonstrativum (is, ea, id) ein oder, wenn der Verweis auf das Satzsubjekt zielt, das Reflexivpronomen sui, sibi, se (für alle Genera und beide Numeri formgleich). se „spiegelt" also stets auf das Subjekt zurück: se laudat = „er lobt sich selbst".
An dieser Reflexivität hängt der wichtigste Unterschied des ganzen Kapitels: suus gegen eius. Das Possessivum suus ist reflexiv und meint immer den Besitz des Satzsubjekts („sein eigener"); eius (Genitiv von is) verweist dagegen auf eine andere, zuvor genannte Person („dessen/deren"). Caesar amicum suum laudat heißt „Caesar lobt seinen (eigenen) Freund", Caesar amicum eius laudat dagegen „Caesar lobt dessen (eines anderen) Freund". Wer suus reflexartig mit „sein" übersetzt, ohne den Bezug zu prüfen, baut hier verlässlich Sinnfehler ein.
Die Demonstrativpronomina bilden ein feines System der Zeigerichtung (Deixis): hic, haec, hoc zeigt auf Nahes beim Sprecher („dieser hier"), iste, ista, istud auf etwas beim Angesprochenen — in Reden oft abwertend („der da") —, ille, illa, illud auf Fernes oder Berühmtes („jener"). Daneben dient is, ea, id als neutraler Rück- und Vorverweis („der/dieser", oft schlicht „er/sie/es"), ipse, ipsa, ipsum als verstärkendes „selbst" und idem, eadem, idem als Identitätsverweis „derselbe". Dass die Akkusativform eundem lautet (aus eum + dem, -m vor d zu -n geworden), verrät, wie idem aus is plus Suffix gebaut ist.
Das mit Abstand häufigste Satzverbindungsmittel ist das Relativpronomen qui, quae, quod. Seine Form folgt einer Doppelregel: Genus und Numerus übernimmt es vom Bezugswort, den Kasus bestimmt seine Funktion im Relativsatz — kurz „Genus und Numerus vom Vorderen, Kasus vom Eigenen". Steht qui am Satzanfang, ist es meist kein Relativsatz, sondern ein relativischer Satzanschluss und mit „und dieser / dieser aber" wiederzugeben — ein Klassiker, den man leicht für eine Frage hält.
Genau diese Verwechslung lauert beim Interrogativpronomen: substantivisch fragt quis? quid? („wer? was?"), adjektivisch qui? quae? quod? („welcher?"). In der direkten Frage steht der Indikativ und ein Fragezeichen, in der indirekten Frage dagegen — eingeleitet durch ein Fragewort nach einem Kopfverb — zwingend der Konjunktiv: quaero quid agas = „ich frage, was du tust". Den Konjunktiv zu übersehen heißt, eine eingebettete Frage als selbständigen Hauptsatz zu lesen.
Die Indefinitpronomina decken das unbestimmte Feld ab: aliquis, aliquid („irgendjemand/-etwas"), quisquam, quidquam (nur in verneinten Zusammenhängen, „(irgend)jemand"), quidam, quaedam, quoddam („ein gewisser"), nemo („niemand"), nihil („nichts"), omnis, omne („jeder/all"). Eine Eselsbrücke spart hier viel Mühe: „Nach si, nisi, num und ne fällt das ali- weg" — aus aliquis wird quis, also si quis venit = „wenn (irgend)jemand kommt".
Musterbeispiel

Reflexivität: Caesar dixit se venturum esse.

Übersetze und erkläre die Reflexivität.

  1. 01Prädikat Hauptsatz

    dixit = "er sagte" (Perf. von dico).

  2. 02Subjekt Hauptsatz

    Caesar.

  3. 03AcI als Objekt

    se venturum esse = Akk. + Inf. Futur. se ist Subjektakkusativ.

  4. 04Bezug von se

    se ist reflexiv und bezieht sich auf das Subjekt des übergeordneten Verbs - also auf Caesar. Würde stattdessen eum stehen, wäre eine andere Person gemeint.

  5. 05Tempus des Infinitivs

    venturum esse = Inf. Futur Aktiv ("kommen werden"); im AcI nachzeitig zum Hauptsatzverb.

Ergebnis: "Caesar sagte, dass er (selbst) kommen werde." Mit eum hingegen: "Caesar sagte, dass er (ein anderer) kommen werde." - der Unterschied entscheidet über den Sinn.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Pronomina sind klein, aber entscheidend - sie steuern den Bezug im Satz.

  2. 2

    Die Goldregel der Reflexivität: suus und se beziehen sich auf das Subjekt des aktuellen Satzes, eius und eum auf eine andere Person.

  3. 3

    Relativpronomen: Genus und Numerus vom Bezugswort, Kasus von der Funktion im Nebensatz.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank14 Punkte

Aufgabenstellung

Im paraphrasierten Interpretationstext nach Sallust kommen die Pronomina suus, eius, idem, quem vor. Bestimmen Sie jeweils Typ und Bezugswort und erklären Sie die Reflexivität (wo zutreffend).

Maturafokus

  • Relativsatzanschlüsse (qui am Satzanfang) werden in der Prüfung oft übersehen - hier ist qui nicht Frage, sondern "und dieser / dieser aber".
  • In Interpretationsfragen wird oft die Referenz eines Demonstrativums oder Possessivums geprüft: "Auf wen bezieht sich suus in Vers 17?"
  • Reflexives suus vs. nicht-reflexives eius ist ein Lieblingstestthema - der Unterschied entscheidet über den Sinn.

Typische Fehler

  • suus wird mechanisch mit "sein" übersetzt, ohne zu prüfen, ob es reflexiv ist; Folge: falscher Bezug ("Caesar ihn auf seinem Pferd" statt "Caesar auf seinem eigenen Pferd").
  • qui am Satzanfang wird als Fragepronomen gelesen; korrekt ist der relativische Satzanschluss ("und dieser ...").
  • is, ea, id wird als Demonstrativum übersetzt, obwohl es oft nur Verweisformel ist ("er, sie, es" als Personalpronomen 3. Pers.).
  • idem (derselbe) wird mit eum (ihn) verwechselt - der Akkusativ eundem entsteht aus eum + dem, wobei das auslautende -m vor dem d zu -n wird (eum-dem -> eundem).

Aktive Wiederholung

Übersetze folgende Pronomina-Wendungen: "ich liebe mich selbst", "er liebt sich selbst" (zwei verschiedene Personen!), "wer kommt?", "ich frage, wer kommt", "irgendjemand sagt das", "niemand glaubt das", "und dieser sagte ...".

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch (oebv) · Perseus Project - Latin Word Study Tool (Tufts University)

Inhalt

Abschnitt -- / 03

    • 01Die fünf Deklinationen im Überblick○
    • 02Adjektive und Komparation○
    • 03Pronomina - Personal, Demonstrativ, Relativ, Interrogativ, Indefinit◐

0/3 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

L 1 - Formenlehre: Substantive, Adjektive, Pronomina

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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4
Kompetenzen
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Beispielfrage

Bestimmen Sie von den fett gedruckten Wortformen aus dem Interpretationstext (Cicero, De Officiis I, paraphrasiert) Kasus, Numerus und syntaktische Funktion und ordnen Sie sie ihrer Deklinationsklasse zu: officii - virtutibus - rerum - manum - civium.

16 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

oebv

  • Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch (Neubearbeitung)

BMBWF / RIS

  • AHS-Lehrplan Latein (BMBWF/RIS)

PONS

  • Pons Latein-Wörterbuch online

Tufts University

  • Perseus Project - Latin Word Study Tool

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EuraStudy·Notizen T·01·MMXXVI

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