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Notizen/Deutsch/D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)
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D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)

Sprachreflexion auf vier Ebenen: Grammatik und Syntax, rhetorische Stilmittel, Sprachvarietäten (Standard, Soziolekt, Dialekt) und Sprachwandel/Sprache und Gesellschaft.

6 Abschnitte·~17 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 4·Stand 06/2026

T·0777 / 13
Prüfungsprofil
D-SB-4.1 · Grammatik- und Syntaxstrukturen verstehen und anwendenD-SB-4.2 · Stilmittel und rhetorische Figuren erkennen und einsetzenD-SB-4.3 · Sprachvarietäten und Sprachwandel reflektieren
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)
    • 01Grammatik und Syntax für die Klausur○
    • 02Stilmittel-Katalog - die 30 wichtigsten Figuren◐
    • 03Sprachvarietäten - Standard, Dialekt, Soziolekt, Fachsprache◐
    • 04Sprachwandel, Anglizismen, Gendern - aktuelle Debatten◐
    • 05Rechtschreibung und Zeichensetzung - die Normsprachdimension○
    • 06Sprachgeschichte - vom Mittelhochdeutschen zur Gegenwartssprache◐
§ 01

Grammatik und Syntax für die Klausur#

●○○BasisLPD-SB-4.1

Kernpunkte

Wortarten: Substantiv (Nomen), Verb, Adjektiv, Pronomen, Numerale, Artikel, Präposition, Konjunktion, Adverb, Interjektion.
Satzarten: Aussagesatz, Fragesatz, Aufforderungssatz, Wunschsatz, Ausrufesatz. Prüfungsrelevant: erkennen, welche Satzart welche Wirkung hat (Fragesatz = Aktivierung, Aufforderung = Appell).
Satzbau (): Der Hauptsatz ist selbstständig und erscheint als Aussage-, Frage- oder Aufforderungssatz; der Nebensatz ist abhängig (Konjunktional-, Relativ-, Infinitivsatz). Daraus folgen zwei Stilrichtungen - Hypotaxe (viele verschachtelte Nebensätze, komplex, oft wissenschaftlich) und Parataxe (viele knappe Hauptsätze, schnell, oft journalistisch).

Satzbau - Haupt- und Nebensatz

Satzbau-SystematikBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Hauptsatz → Aussagesatz; Hauptsatz → Fragesatz; Hauptsatz → Aufforderungssatz; Nebensatz → Konjunktionalsatz; Nebensatz → Relativsatz; Nebensatz → InfinitivsatzHauptsatzNebensatzSatzAussagesatzFragesatzAufforderungssatzKonjunktionalsatzRelativsatzInfinitivsatz
Abb. 1Der Hauptsatz ist selbstständig und erscheint als Aussage-, Frage- oder Aufforderungssatz; der Nebensatz ist abhängig (Konjunktional-, Relativ- oder Infinitivsatz). Viele Hauptsätze ergeben Parataxe, viele Nebensätze Hypotaxe.
Tempora: Präsens (Standard für Analyse, Inhaltsangabe, Interpretation), Präteritum (Erzählzeit), Perfekt (Konversation), Plusquamperfekt (Vorzeitigkeit), Futur I/II (Zukunft).
Modi: Indikativ (Wirklichkeit), Konjunktiv I (indirekte Rede), Konjunktiv II (Irrealität, Höflichkeit), Imperativ (Aufforderung).
Genus Verbi: Aktiv (Täter steht im Mittelpunkt), Passiv (Handlung steht im Mittelpunkt). Wissenschaftliche Sprache verwendet oft Passiv ("es wurde gezeigt"), pointierter Stil bevorzugt Aktiv ("wir zeigen").
Musterbeispiel

Hypotaxe in Parataxe umwandeln

Originalsatz: "Da die Mietpreise in Wien, die seit 2010 kontinuierlich steigen, mittlerweile ein Niveau erreicht haben, das für Studierende ohne familiäre Unterstützung kaum noch tragbar ist, fordern Wohnungspolitikerinnen seit Jahren strukturelle Maßnahmen, die jedoch von der Bundesregierung, die andere Prioritäten setzt, bisher nicht umgesetzt wurden."

  1. 01Analyse

    Ein Satz mit fünf Nebensätzen, ca. 50 Wörter. Hochkomplex, schwer lesbar. Klassische akademische Hypotaxe.

  2. 02Umwandlung in Parataxe

    "Die Mietpreise in Wien steigen seit 2010 kontinuierlich. Mittlerweile haben sie ein Niveau erreicht, das für Studierende ohne familiäre Unterstützung kaum noch tragbar ist. Wohnungspolitikerinnen fordern seit Jahren strukturelle Maßnahmen. Die Bundesregierung setzt jedoch andere Prioritäten und hat sie bisher nicht umgesetzt."

  3. 03Wirkung der Umwandlung

    Vier Sätze statt einer; lesbarer; klarere Argumentation; pointierter. Geeignet für Kommentar oder Meinungsrede.

  4. 04Wann Hypotaxe behalten?

    In wissenschaftlichen Texten und in der Textanalyse ist Hypotaxe oft funktional (Differenzierung, Präzisierung). In journalistischen Texten ist Parataxe wirksamer.

Ergebnis: Hypotaxe-Parataxe-Wahl ist eine bewusste Stilentscheidung. Beide haben ihren Platz - aber jeweils mit Funktionsbegründung.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Wortarten, Satzarten, Satzbau, Tempora, Modi - das Grammatik-Grundgerüst für die Klausur.

  2. 2

    Hypotaxe ist komplex und differenziert, Parataxe ist klar und pointiert.

  3. 3

    Konjunktiv I ist Pflicht in indirekter Rede.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Geben Sie folgende drei Sätze in indirekter Rede wieder (Konjunktiv I oder Ersatzform). Begründen Sie, wo Sie die Ersatzform wählen.

Maturafokus

  • Grammatik wird nicht isoliert abgeprüft, aber durchgängig bewertet - die Normsprachliche-Korrektheit-Dimension ist eine der vier IQS-Dimensionen.
  • Tempora müssen konsequent eingesetzt werden - in der Analyse Präsens durchgängig.
  • Konjunktiv I in indirekter Rede ist Prüfungsstandard.

Typische Fehler

  • Wechsel zwischen Präsens und Präteritum in der Analyse - das stört die Stildimension.
  • Konjunktiv I wird nicht verwendet oder mit Konjunktiv II verwechselt.
  • Passiv wird inflationär verwendet, obwohl Aktiv klarer wäre.

Aktive Wiederholung

Nimm einen eigenen Aufsatz und analysiere: Wie oft verwendest du Hypotaxe vs. Parataxe? Welche Tempora dominieren? Ist der Konjunktiv I korrekt eingesetzt? Wo könntest du Aktiv statt Passiv wählen?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Grammatik (10. Aufl., 2022) (Duden) · Eisenberg: Das Wort - Grundriss der deutschen Grammatik (Metzler)

§ 02

Stilmittel-Katalog - die 30 wichtigsten Figuren#

●●○StandardLPD-SB-4.2

Stilmittel-Systematik nach Wirkungsebene

STILMITTEL 5 Wirkungsebenen KLANG Alliteration, Assonanz, Onomatopoesie, Reim WORT Neologismus, Euphemismus, Hyperbel, Litotes BILD (Tropen) Metapher, Personifikation, Symbol, Vergleich, Allegorie SYNTAX Anapher, Ellipse, Parallelismus, Inversion, Klimax, Chiasmus ARGUMENT Rhetorische Frage, Ironie, Antithese, Präteritio
Abb. 2Klang, Wort, Syntax, Bild und Argumentation - die fünf Hauptfamilien rhetorischer Figuren.

Kernpunkte

Klangfiguren: Alliteration (gleicher Anlaut: "Wind und Welle"), Assonanz (gleicher Vokal: "viele Riesen tanzen"), Onomatopoesie (Lautmalerei: "krachen, zischen"), Reim (Endgleichheit).
Wortfiguren (Wertung/Quantität): Hyperbel (Übertreibung: "tausend Tode"), Litotes (Untertreibung durch Verneinung: "nicht übel"), Euphemismus (beschönigender Ersatz: "entschlafen"), Neologismus (Wortneuschöpfung). Achtung: Hyperbel, Litotes und Euphemismus zählen in der strengen Systematik zu den Tropen (paradigmatische Ersetzung), nicht zu den syntagmatischen Figuren.
Syntaxfiguren: Anapher (Wortwiederholung am Satzanfang), Epipher (am Satzende), Parallelismus (gleiche Satzstruktur), Chiasmus (kreuzweise Anordnung), Inversion (Umkehrung), Ellipse (Auslassung), Klimax (Steigerung), Asyndeton (ohne Konjunktion), Polysyndeton (mit vielen Konjunktionen).
Tropen (Bildfiguren): Metapher (übertragene Bedeutung), Personifikation (Vermenschlichung), Allegorie (durchgeführtes Bild), Symbol (Stellvertreter), Vergleich (mit "wie"), Synekdoche (Teil für Ganzes), Metonymie (Vertauschung sachverwandter Begriffe).
Argumentfiguren: Rhetorische Frage (keine Antwort erwartet), Ironie (Gegenteil gemeint), Antithese (Gegensatz), Paradoxon (scheinbarer Widerspruch), Oxymoron (zwei Gegenteile in einem Begriff: "bittersüß"), Präteritio (Erwähnung durch Auslassung).
Jeder Stilmittelbefund muss DREI Schritte enthalten: Benennen (Name) + Belegen (Zitat) + Deuten (Wirkung). Niemals nur einen oder zwei.
Grundunterscheidung der Systematik: FIGUREN wirken syntagmatisch (in der Anordnung/Wortfolge - z.B. Anapher, Parallelismus, Chiasmus, Alliteration); TROPEN wirken paradigmatisch (durch Ersetzung eines Ausdrucks - z.B. Metapher, Metonymie, Ironie, Hyperbel, Litotes, Euphemismus). Wer beim Befund "Figur oder Tropus?" mitdenkt, deutet die Wirkung präziser.
Musterbeispiel

Stilmittelanalyse - vom Befund zur Funktion

Analysiere die Stilmittel der ersten Strophe von Rilkes "Der Panther" (1903). Wie kommst du vom Aufzählen zur Funktionsdeutung?

  1. 01Befund: Klang

    Konsonanz/Wiederholung auf "St" ("der Stäbe ... tausend Stäbe ... tausend Stäben") und die weichen Konsonanten in "so müd geworden" - alle aus der ersten Strophe. Notiere zunächst nur, was vorliegt.

  2. 02Befund: Wortwahl

    Adverbiale "so müde", "nichts mehr"; Hyperbel "tausend Stäbe"; das Adjektiv "betäubt" (Strophe 2); das Verb "hält" am Versende.

  3. 03Befund: Syntax

    Hypotaktischer Bau ("so ... dass er nichts mehr hält"), Inversion ("Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe"), Vergleichspartikel "als ob".

  4. 04Funktionsdeutung Klang

    Die weichen Konsonanten (w, g, s) suggerieren akustisch eine Geschmeidigkeit, die im INHALT als Erstarrung beschrieben wird - der Klang widerspricht dem Sinn. Wirkung: paradoxe Doppelbewegung von körperlicher Eleganz und seelischer Lähmung.

  5. 05Funktionsdeutung Wortwahl

    Die Hyperbel "tausend Stäbe" verschiebt die Wahrnehmungsperspektive von der real beobachtbaren Gitterstruktur (vielleicht 50 Stäbe) ins Subjektive: die Welt ist für den Panther in Stäbe aufgelöst. Damit wird das Gitter zur Wahrnehmungsstruktur, nicht zum Hindernis.

  6. 06Funktionsdeutung Syntax

    Der Konjunktiv "als ob ... gäbe" markiert den Schritt von der Beobachterperspektive (1. Vers: noch sichtbar) in die Innensicht des Tieres. Die Inversion verschiebt das Subjekt nach hinten - das Tier verliert syntaktisch seine Stellung als Handelnder.

Ergebnis: Vom Befund (was steht da?) über die Funktion (was macht es?) zur Bedeutung (was deutet das?). Drei Sätze pro Stilmittel reichen oft. Nie nur "Alliteration verstärkt die Aussage" - immer welche Aussage und WIE genau.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stilmittel in fünf Familien: Klang, Wort, Syntax, Bild, Argument.

    Stilmittel-Systematik nach Wirkungsebene

    STILMITTEL 5 Wirkungsebenen KLANG Alliteration, Assonanz, Onomatopoesie, Reim WORT Neologismus, Euphemismus, Hyperbel, Litotes BILD (Tropen) Metapher, Personifikation, Symbol, Vergleich, Allegorie SYNTAX Anapher, Ellipse, Parallelismus, Inversion, Klimax, Chiasmus ARGUMENT Rhetorische Frage, Ironie, Antithese, Präteritio
    Abb.Klang, Wort, Syntax, Bild und Argumentation - die fünf Hauptfamilien rhetorischer Figuren.
  2. 2

    Drei Schritte: Benennen + Belegen + Deuten.

  3. 3

    Falsche Namen schaden mehr als das Weglassen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Identifizieren Sie in einem Auszug aus einer politischen Rede mindestens fünf rhetorische Mittel. Benennen Sie sie, belegen Sie sie mit kurzen Zitaten und deuten Sie ihre Wirkung im Argumentationskontext.

Maturafokus

  • Stilmittel sind in JEDER Text- und Textinterpretation prüfungsrelevant.
  • Funktionsdeutung ist Pflicht - die Prüfungskommission honoriert nicht die Liste, sondern die Wirkung.
  • Falsche Stilmittelnamen schaden mehr als das Weglassen.

Typische Fehler

  • Stilmittel werden nur aufgezählt ohne Funktion - das ist Niveau 2.
  • Stilmittel werden verwechselt: Alliteration mit Anapher, Metapher mit Symbol.
  • Falsche Stilmittel werden erfunden ("Adjektivierung", "Bilderfeld") - das wirkt unprofessionell.

Aktive Wiederholung

Lerne die 30 wichtigsten Stilmittel auswendig: Name, Definition, Beispiel, typische Wirkung. Übe an einem Sachtext und einem literarischen Text die Anwendung des Benennen-Belegen-Deuten-Schemas.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Rhetorik (3. Aufl., 2023) (Duden) · Ueding: Klassische Rhetorik (5. Aufl., 2011) (C.H. Beck)

§ 03

Sprachvarietäten - Standard, Dialekt, Soziolekt, Fachsprache#

●●○StandardLPD-SB-4.3

Sprachreflexion - Pyramide der Varietäten

STANDARDSPRACHE BILDUNGSSPRACHE / FACHSPRACHE UMGANGSSPRACHE / SOZIOLEKTE DIALEKTE / IDIOLEKTE Schreibklausur fordert Standard- und Bildungssprache. Dialekte sind nur in figurensprachlichen Zitaten zulässig.
Abb. 3Von der Standardsprache zu Soziolekt, Dialekt und Idiolekt.

Kernpunkte

Standardsprache: überregional verbindliche Schriftnorm. In Österreich: österreichisches Standarddeutsch (mit lexikalischen Eigenheiten wie "Jänner", "Erdäpfel", "Marille").
Dialekt: regional geprägte Varietät. In Österreich: bairisch-österreichische Dialekte (Wienerisch, Oberösterreichisch, Steirisch, Kärntnerisch, Vorarlberger Alemannisch).
Soziolekt: gruppenspezifische Sprache (Jugendsprache, Berufssprache, Milieusprache).
Fachsprache: terminologisch geprägte Spezialsprache (Medizin, Recht, Wissenschaft).
Idiolekt: persönlicher Sprachstil eines Individuums.
Bildungssprache: schriftlich-akademisch, mit komplexer Syntax und Fachvokabular - in der Schreibklausur PFLICHT.
Musterbeispiel

Plurizentrik analysieren - österreichisches vs. deutsches Standarddeutsch

Nenne fünf lexikalische Unterschiede zwischen österreichischem und deutschem Standarddeutsch und deute ihre kulturelle Funktion.

  1. 01Lebensmittel

    AT: Erdäpfel - DE: Kartoffeln; AT: Marille - DE: Aprikose; AT: Topfen - DE: Quark; AT: Karfiol - DE: Blumenkohl. Funktion: Tradition als Identitätsmarker.

  2. 02Verwaltung

    AT: Matura - DE: Abitur; AT: Bezirkshauptmannschaft - DE: Landratsamt; AT: Sozialversicherung - DE: Krankenkasse. Funktion: institutionelle Eigenständigkeit.

  3. 03Alltag

    AT: Jänner - DE: Januar; AT: Faschiertes - DE: Hackfleisch. Funktion: regionale Prägung.

  4. 04Variante als Standard

    Plurizentrik bedeutet: österreichisches Standarddeutsch ist NICHT regionale Abweichung, sondern eigenständige Standardvariante mit eigener Norm.

  5. 05Prüfungsrelevanz

    In der Schreibklausur ist österreichisches Standard PFLICHT - "Jänner" statt "Januar" wird honoriert, nicht moniert.

Ergebnis: Plurizentrik ist linguistisch und kulturell wichtig. Es gibt nicht ein "richtiges" Deutsch, sondern mehrere standardisierte Varianten.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sprachvarietäten: Standard, Dialekt, Soziolekt, Fachsprache, Idiolekt.

    Sprachreflexion - Pyramide der Varietäten

    STANDARDSPRACHE BILDUNGSSPRACHE / FACHSPRACHE UMGANGSSPRACHE / SOZIOLEKTE DIALEKTE / IDIOLEKTE Schreibklausur fordert Standard- und Bildungssprache. Dialekte sind nur in figurensprachlichen Zitaten zulässig.
    Abb.Von der Standardsprache zu Soziolekt, Dialekt und Idiolekt.
  2. 2

    In der Klausur: österreichisches Standarddeutsch ist Pflicht und vollwertige Variante.

  3. 3

    In der Literaturanalyse: Dialekt ist oft bewusstes Stilmittel.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Analysieren Sie die Verwendung von Dialektelementen in einem Auszug aus Wolf Haas' Brenner-Reihe. Bestimmen Sie die literarische Funktion der Sprachvariation.

Maturafokus

  • In der Schreibklausur ist Standard- und Bildungssprache verbindlich - keine Dialektelemente, keine Umgangssprache.
  • In literarischer Analyse können Dialekt-/Soziolekt-Verwendung von Autoren ein wichtiges Stilmerkmal sein (zB Bernhard, Wolf Haas).
  • Sprachvarietäten erkennen ist Teil der mündlichen Reifeprüfung - oft an Beispieltexten oder Audio-Belegen.

Typische Fehler

  • Schüler verwenden Dialektwörter in der Klausur ("schauen tun" statt "tun" oder umgangssprachliche Wendungen).
  • Standardsprache wird mit Norddeutsch verwechselt - dabei ist österreichisches Standarddeutsch eine VOLLwertige Standardvariante.
  • Soziolekt-Analyse beschränkt sich auf Jugendsprache - dabei sind Berufs- und Milieusprachen ebenso prüfungsrelevant.

Aktive Wiederholung

Analysiere einen Auszug aus Wolf Haas' "Brennerova" und identifiziere: Dialektelemente, Soziolektmerkmale, Standardabweichungen. Deute die Funktion der Sprachvariation für die Erzählinstanz.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: ÖsterreichKorpus - Variation des Deutschen (ÖAW) · Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz (1995) (De Gruyter)

§ 04

Sprachwandel, Anglizismen, Gendern - aktuelle Debatten#

●●○StandardLPD-SB-4.3.2

Sprachreflexion - Pyramide der Varietäten

STANDARDSPRACHE BILDUNGSSPRACHE / FACHSPRACHE UMGANGSSPRACHE / SOZIOLEKTE DIALEKTE / IDIOLEKTE Schreibklausur fordert Standard- und Bildungssprache. Dialekte sind nur in figurensprachlichen Zitaten zulässig.
Abb. 5Von der Standardsprache zu Soziolekt, Dialekt und Idiolekt.

Kernpunkte

Sprachwandel ist linguistischer Normalfall, nicht Krise: Neologismen entstehen, alte Wörter verschwinden, Bedeutungen verschieben sich. Pace und Richtung des Wandels sind Forschungsgegenstand.
Anglizismen: lexikalische Übernahmen aus dem Englischen (Computer, Meeting, downloaden). Funktion: kulturelle Domänenkennzeichnung, Präzision in Fachsprachen, Prestigemarker.
Generisches Maskulinum: Verwendung der maskulinen Form ("der Lehrer") als überordnender Begriff. Wissenschaftlich umstritten: psycholinguistische Studien (Stahlberg/Sczesny) zeigen geringere Sichtbarkeit von Frauen.
Genderformen: Doppelnennung ("Lehrerinnen und Lehrer"), Schrägstrich-Variante ("Lehrer/-innen"), Binnenmajuskel ("LehrerInnen"), Sternchen-/Doppelpunkt-/Unterstrich-Variante ("Lehrer*innen", "Lehrer:innen", "Lehrer_innen"), neutrale Form ("Lehrende"). Jede Form hat Argumente.
Aktuelle Lage (2026): Der Rat für deutsche Rechtschreibung empfiehlt seit 2018 Formen wie die Doppelnennung und nimmt Sonderzeichen (Stern, Doppelpunkt, Unterstrich) ausdrücklich NICHT ins amtliche Regelwerk auf - unter anderem aus Gründen der Lesbarkeit und Barrierefreiheit. In österreichischen Schulen ist die jeweilige Hausnorm verbindlich.
Sprache und Macht: Begriffe konstruieren Wirklichkeit (Framing, ). Beispiele: "Wirtschaftsflüchtling" vs. "Schutzsuchender", "illegal" vs. "ohne Aufenthaltstitel", "Klimaleugner" vs. "Klimaskeptiker". Jede Bezeichnung legt eine Bewertung nahe, bevor ein Argument fällt - die Konnotation lenkt die Deutung.

Manipulationscheckliste - sechs Warnsignale

Manipulation - sechs WarnsignaleTabelle mit 2 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Warnsignal · Woran erkennbar; Emotion · starke Reizwörter; Fehlende Quelle · ohne klare Quelle; Scheinkausal · weil A, also B; Generalisierung · ›alle‹, ›immer‹; Framing · Wortwahl lenkt; Bildfälschung · Schnitt, Filter, KIWARNSIGNALWORAN ERKENNBAREMOTIONstarke ReizwörterFEHLENDE QUELLEohne klare QuelleSCHEINKAUSALweil A, also BGENERALISIERUNG›alle‹, ›immer‹FRAMINGWortwahl lenktBILDFÄLSCHUNGSchnitt, Filter, KI
Abb. 4Sechs Warnsignale für Manipulation - erst die Quelle prüfen, dann zitieren. SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims (Caulfield 2019, von der UNESCO übernommen).
Musterbeispiel

Framing-Analyse - wie Wortwahl die Deutung steuert

Zwei Schlagzeilen über dieselbe Maßnahme: „Asyl-Ansturm an der Grenze" und „Schutzsuchende erreichen die Grenze". Analysiere das Framing Schritt für Schritt - so, wie es eine Sachtextanalyse verlangt.

  1. 01Schritt 1 - den gerahmten Ausdruck isolieren

    „Ansturm" und „Schutzsuchende" bezeichnen dieselbe Personengruppe, aber mit gegensätzlicher Färbung: „Ansturm" stammt aus dem militärisch-katastrophischen Wortfeld (Masse, Gefahr), „Schutzsuchende" aus dem Wortfeld Recht und Hilfsbedürftigkeit.

  2. 02Schritt 2 - den Frame benennen

    „Ansturm" aktiviert das Deutungsmuster Bedrohung/Abwehr (Konnotation: Kontrollverlust); „Schutzsuchende" das Muster Humanität/Rechtsanspruch. Der Frame ist das mitgelieferte Deutungsmuster, nicht der bloße Inhalt.

  3. 03Schritt 3 - die gesteuerte Deutung beschreiben

    Der Frame legt die Bewertung nahe, BEVOR ein Argument fällt: Wer „Ansturm" liest, denkt an Abwehrmaßnahmen; wer „Schutzsuchende" liest, an Hilfe. Das ist keine Falschaussage, sondern Lenkung über Konnotation - genau deshalb ist Framing ein neutraler linguistischer Begriff, nicht ein Synonym für Lüge.

  4. 04Schritt 4 - im Analysetext benennen und belegen

    Formuliere den Befund: „Der Begriff ‚Ansturm' rahmt das Geschehen als Bedrohung, indem er die Konnotation von Masse und Gefahr transportiert; eine neutralere Bezeichnung wäre ‚ankommende Geflüchtete'." So wird das Framing benannt, belegt und durch eine Alternative entschärft.

Ergebnis: Framing-Analyse in vier Schritten: Ausdruck isolieren, Frame benennen, gesteuerte Deutung zeigen, neutrale Alternative anbieten. Die Warnsignale der Manipulationscheckliste (Abb. 4) - Emotion, Generalisierung, Framing - sind die Suchraster dafür. Häufiger Fehler: Framing mit „Manipulation/Lüge" gleichsetzen, statt es als wertneutralen Mechanismus jeder Wortwahl zu analysieren.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sprachwandel ist Normalfall, nicht Krise.

  2. 2

    Genderformen: Doppelnennung, Schrägstrich, Binnenmajuskel, Sternchen/Doppelpunkt/Unterstrich, neutrale Form.

  3. 3

    Framing analysieren: Begriffe konstruieren Wirklichkeit.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Verfassen Sie eine dialektische Erörterung zur Frage "Sollen österreichische Schulen verbindlich gendergerechte Sprache verwenden?". Beziehen Sie sich auf die Beilage "Streit um den Stern" (Die Zeit, 2023).

Maturafokus

  • Sprachwandel und Gendern sind beliebte Prüfungsthemen in mündlicher und schriftlicher Reifeprüfung.
  • Argumentative Beherrschung der Genderdebatte ist Pflicht - mit Kenntnis aller Hauptpositionen.
  • Framing-Analyse ist Prüfungsstandard bei Sachtextanalyse.

Typische Fehler

  • Sprachwandel wird als "Sprachverfall" gedeutet - das ist linguistisch falsch.
  • Genderdebatte wird mit privater Meinung statt mit Argumenten geführt.
  • Framing wird mit "Manipulation" gleichgesetzt - dabei ist Framing ein neutraler linguistischer Begriff.

Aktive Wiederholung

Analysiere ein aktuelles Zeitungsstück (Standard, Presse, Falter) auf: Anglizismen, Genderformen, Framing-Begriffe. Diskutiere die Funktion jeder Sprachwahl.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Rat für deutsche Rechtschreibung - Empfehlung zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch (2018, akt. 2023) (Rat für deutsche Rechtschreibung) · Stahlberg/Sczesny: Effekte des generischen Maskulinums (2001) (Hogrefe)

§ 05

Rechtschreibung und Zeichensetzung - die Normsprachdimension#

●○○BasisLPD-SB-4.1

IQS-Beurteilungsraster Deutsch - vier Dimensionen

IQS-Beurteilungsraster DeutschTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Dimension · Beurteilt · Punkte; Inhalt · Aufgabenerfüllung · 0–4; Textstruktur · Aufbau, Kohärenz · 0–4; Stil & Ausdruck · Register, Ausdruck · 0–4; Normsprache · Sprachrichtigkeit · 0–4DIMENSIONBEURTEILTPUNKTEINHALTAufgabenerfüllung0–4TEXTSTRUKTURAufbau, Kohärenz0–4STIL & AUSDRUCKRegister, Ausdruck0–4NORMSPRACHESprachrichtigkeit0–4
Abb. 6Vier Dimensionen, jede mit 0-4 Punkten bewertet - maximal 16 Punkte gesamt. 4 = sehr gut, 0 = nicht erfüllt.

Kernpunkte

Normsprachliche Korrektheit ist eine der vier Beurteilungsdimensionen (je 0-4 Punkte): Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und Syntax entscheiden mit über bis zu vier Punkte pro Aufgabe.
das/dass-Probe: Lasst sich das Wort durch dieses, welches oder jenes ersetzen, steht das (Artikel/Relativpronomen); andernfalls steht dass (Konjunktion).
Kommasetzung bei Infinitivgruppen mit um zu, ohne zu, statt zu, anstatt zu und als zu ist verpflichtend - eine der häufigsten Fehlerquellen der Klausur.
Komma bei Nebensätzen und Einschüben: eingeleitete Nebensätze (weil, dass, obwohl, der/die/das) werden durch Komma abgetrennt; nachgestellte Zusätze und Appositionen stehen in Kommas.
Groß- und Kleinschreibung: Nominalisierungen (das Lesen, beim Schreiben, etwas Wichtiges) werden großgeschrieben; Signalwörter sind Artikel, Pronomen, Präpositionen und Mengenangaben vor dem Wort.
Der zugelassene Duden ist in der Klausur das einzige Hilfsmittel für Rechtschreibung - gezieltes Nachschlagen unsicherer Fälle in der Überarbeitungsphase sichert Punkte in der Normsprachdimension.
Fehlerklassifikation der Handreichung: Zur RECHTSCHREIBUNG zählt alles, was im amtlichen Regelwerk geregelt ist - inklusive grammatikbasierter Rechtschreibphänomene wie das/dass oder den/denn. Zu den GRAMMATIKfehlern zählen u.a. falsche Wortbildung, Flexion, Tempus-/Modusgebrauch, Kongruenz (Subjekt-Prädikat), falsch gefügte Funktionswörter und Konstruktionsbrüche. Zu den AUSDRUCKsfehlern zählen Wortverwechslungen, falsche Redewendungen/Kollokationen und falscher Präpositionsgebrauch.
Die Normsprachdimension wird kriterienorientiert nach Gesamteindruck und Schwere der Fehler bewertet - NICHT durch bloßes Fehlerzählen (so die Handreichung ausdrücklich); bei Grammatik gibt es zudem einen Graubereich, in dem Zweifelsfälle nicht vorschnell als Fehler gewertet werden.
Musterbeispiel

das/dass-Probe und Infinitivkomma anwenden

Korrigiere: Ich weiß das es wichtig ist regelmäßig zu üben um besser zu werden.

  1. 01das/dass prüfen

    Ersatzprobe: dieses es wichtig ist ergibt keinen Sinn, also Konjunktion: Ich weiß, dass es wichtig ist ...

  2. 02Nebensatzkomma setzen

    Vor dem dass-Satz steht ein Komma: Ich weiß, dass es wichtig ist, ...

  3. 03Infinitivkomma setzen

    Die Infinitivgruppe mit um zu wird durch Komma abgetrennt: ... regelmäßig zu üben, um besser zu werden.

Ergebnis: Korrigierte Fassung: Ich weiß, dass es wichtig ist, regelmäßig zu üben, um besser zu werden. Drei Regeln (dass-Konjunktion, Nebensatzkomma, Infinitivkomma) sind korrekt angewandt - genau die Fälle, die in der Normsprachdimension Punkte sichern.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Normsprachdimension: bis zu vier Punkte pro Aufgabe.

  2. 2

    das/dass mit Ersatzprobe, Infinitivkomma bei um/ohne/statt zu.

  3. 3

    Nominalisierungen großschreiben, Duden gezielt nutzen.

Maturafokus

  • Korrigiere einen Text systematisch auf das/dass, Infinitivkommas, Nominalisierung und Kasus.
  • Erläutere die das/dass-Probe und die Kommaregel bei Infinitivgruppen an Beispielen.
  • Nutze den zugelassenen Duden gezielt in der Überarbeitungsphase.

Typische Fehler

  • das/dass wird nach Gefühl statt mit der Ersatzprobe gesetzt.
  • Das Komma bei um zu / ohne zu / statt zu fehlt.
  • Nominalisierungen werden kleingeschrieben (das laufen statt das Laufen).

Aktive Wiederholung

Korrigiere einen fehlerhaften Absatz systematisch mit einer Fehlercheckliste (das/dass, Infinitivkomma, Nebensatzkomma, Nominalisierung, Kasus) und schreibe die korrigierte Fassung vollständig ab.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Rechtschreibung (28. Aufl., 2020) (Duden) · Rat für deutsche Rechtschreibung - Regelwerk (Rat für deutsche Rechtschreibung)

§ 06

Sprachgeschichte - vom Mittelhochdeutschen zur Gegenwartssprache#

●●○StandardLPD-SB-4.3

Zeitstrahl deutschsprachiger Literaturepochen

750 1500 1720 1800 1850 1900 1945 1990 2026 Mittelalter Humanismus / Barock Aufklärung St. u. Dr. Klassik Romantik Vormärz / Realismus Natur. Wr. Mod. Expressionismus Nachkrieg Gegenwart Hellblau = AHS-Matura-Schwerpunkt - Texte aus diesen Epochen tauchen am häufigsten auf. "Wr. Mod." = Wiener Moderne (Schnitzler, Hofmannsthal, Rilke) - österreichischer Pflichtbestand. Nachkrieg-AT: Bachmann, Bernhard, Aichinger, Mayröcker; Gegenwart-AT: Jelinek, Handke, Streeruwitz, Petrowskaja.
Abb. 7Vom Mittelalter (ca. 750) bis zur Gegenwart (2026). Hervorgehoben: Schwerpunkte der österreichischen Matura.

Kernpunkte

Die deutsche Sprache durchlief mehrere Stufen: Althochdeutsch (ca. 750-1050), Mittelhochdeutsch (ca. 1050-1350), Frühneuhochdeutsch (ca. 1350-1650) und Neuhochdeutsch (ab ca. 1650).
Luthers Bibelübersetzung (1522/1534) gilt als Meilenstein der Vereinheitlichung: Sie verbreitete eine überregionale Schriftsprache und prägte Wortschatz und Wendungen bis heute.
Sprachwandel betrifft alle Ebenen: Lautwandel (z.B. Diphthongierung min hus zu mein Haus), Bedeutungswandel (Bedeutungsverengung, -erweiterung, -verschlechterung) und Wortschatzwandel (Entlehnung, Neologismus, Archaismus).
Bedeutungswandel als Prüfungswissen: arbeiten bedeutete einst leiden / sich quälen; toll bedeutete einst wahnsinnig - Wortbedeutungen sind historisch wandelbar.
Sprachpflege und Sprachkritik begleiten den Wandel: Vom Barock (Sprachgesellschaften) über die Aufklärung (Gottscheds Normierung) bis zur Gegenwart (Anglizismus- und Genderdebatte) wird über richtiges Deutsch gestritten.
Sprachwandel ist weder Verfall noch Fortschritt, sondern Anpassung an Kommunikationsbedürfnisse - diese reflektierte Haltung ist die geforderte Prüfungsposition.
Musterbeispiel

Bedeutungswandel an Beispielen erläutern

Ordne die Wörter Fraulein, arbeiten und geil je einem Typ des Bedeutungswandels zu.

  1. 01Bedeutungsverengung

    Fraulein war zunächst die Verkleinerungsform zu "Frau" (= Herrin, vornehme Dame) und verengte sich dann speziell auf die unverheiratete Frau; heute ist es weitgehend außer Gebrauch.

  2. 02Bedeutungsverschiebung

    arbeiten bedeutete im Mittelhochdeutschen leiden, sich mühen; heute meint es zielgerichtete Tätigkeit - der negative Beiklang ging verloren.

  3. 03Bedeutungserweiterung

    geil bedeutete ursprünglich üppig, fruchtbar (Boden), erhielt eine sexuelle Bedeutung und wurde in der Jugendsprache zur allgemeinen Steigerung (sehr gut) erweitert.

Ergebnis: Die drei Beispiele zeigen Verengung, Verschiebung und Erweiterung der Wortbedeutung. Sie belegen, dass Bedeutungen historisch wandelbar sind - Sprachwandel ist Anpassung, nicht Verfall.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sprachstufen: Alt-, Mittel-, Fruehneu- und Neuhochdeutsch.

  2. 2

    Luthers Bibelübersetzung vereinheitlichte die Schriftsprache.

  3. 3

    Sprachwandel ist Anpassung, nicht Verfall.

Maturafokus

  • Erläutere eine Stufe des Sprachwandels (Laut-, Bedeutungs- oder Wortschatzwandel) an einem Beispiel.
  • Beurteile die Rolle von Luthers Bibelübersetzung für die Vereinheitlichung des Deutschen.
  • Reflektiere die Verfallsthese kritisch und begründe Sprachwandel als Anpassung.

Typische Fehler

  • Sprachwandel wird pauschal als Sprachverfall bewertet statt als Anpassung reflektiert.
  • Bedeutungswandel und Lautwandel werden verwechselt.
  • Luther wird nur als Reformator, nicht als Sprachvereinheitlicher gewürdigt.

Aktive Wiederholung

Erläutere an drei Beispielen je einen Typ des Bedeutungswandels (Verengung, Erweiterung, Verschlechterung) und nimm begründet Stellung zur These, Sprachwandel sei Sprachverfall.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Grammatik (10. Aufl., 2022) (Duden) · AHS-Lehrplan Deutsch (BMBWF / RIS)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Grammatik und Syntax für die Klausur○
    • 02Stilmittel-Katalog - die 30 wichtigsten Figuren◐
    • 03Sprachvarietäten - Standard, Dialekt, Soziolekt, Fachsprache◐
    • 04Sprachwandel, Anglizismen, Gendern - aktuelle Debatten◐
    • 05Rechtschreibung und Zeichensetzung - die Normsprachdimension○
    • 06Sprachgeschichte - vom Mittelhochdeutschen zur Gegenwartssprache◐

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Aus den Notizen ins Training

D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Geben Sie folgende drei Sätze in indirekter Rede wieder (Konjunktiv I oder Ersatzform). Begründen Sie, wo Sie die Ersatzform wählen.

16 BE · 2022

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Belege & Quellen

Quellen

Duden

  • Duden Grammatik (10. Aufl., 2022)
  • Duden Rhetorik (3. Aufl., 2023)
  • Duden Rechtschreibung (28. Aufl., 2020)

Metzler

  • Eisenberg: Das Wort - Grundriss der deutschen Grammatik

C.H. Beck

  • Ueding: Klassische Rhetorik (5. Aufl., 2011)

ÖAW

  • ÖsterreichKorpus - Variation des Deutschen

De Gruyter

  • Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz (1995)

Rat für deutsche Rechtschreibung

  • Rat für deutsche Rechtschreibung - Empfehlung zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch (2018, akt. 2023)
  • Rat für deutsche Rechtschreibung - Regelwerk

Hogrefe

  • Stahlberg/Sczesny: Effekte des generischen Maskulinums (2001)

BMBWF / RIS

  • AHS-Lehrplan Deutsch

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