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Notizen/Chemie/Umwelt- und Atmosphärenchemie (CHE-Um)
Notizen · ChemieAT · Matura

Umwelt- und Atmosphärenchemie (CHE-Um)

Klimagase und Treibhauseffekt, Ozonschicht, Smog und Saurer Regen, Wasseranalytik, Recycling, Mikroplastik und biologische Abbaubarkeit.

6 Abschnitte·~16 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Standard 5 · Vertiefung 1·Stand 06/2026

T·111111 / 12
Prüfungsprofil
CHE-Um-11.1 · Atmosphärische Phänomene (Treibhauseffekt, Ozon, Smog) erklärenCHE-Um-11.2 · Wasserchemie, Belastung und Aufbereitung beschreibenCHE-Um-11.3 · Stoffkreisläufe, Recycling und Nachhaltigkeit beurteilen
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Umwelt- und Atmosphärenchemie (CHE-Um)
    • 01Treibhauseffekt, \ce{CO2} und Klimawandel◐
    • 02Ozonschicht, FCKW und Montrealer Protokoll◐
    • 03Wasserchemie und Trinkwasseraufbereitung◐
    • 04Recycling, Mikroplastik und Kreislaufwirtschaft◐
    • 05Luftschadstoffe, saurer Regen und Smog◐
    • 06Energieträger: fossil, erneuerbar und Wasserstoff●
§ 01

Treibhauseffekt, COX2\ce{CO2}COX2​ und Klimawandel#

●●○StandardLPCHE-Um-11.1

Kernpunkte

Der Treibhauseffekt ist zunächst lebensnotwendig: Ohne ihn läge die mittlere Temperatur der Erdoberfläche bei −18-18−18 statt bei +15+15+15 Grad C. Das Problem ist nicht der Effekt selbst, sondern seine anthropogene Verstärkung durch zusätzliche Treibhausgase ().

Treibhauseffekt - Energiebilanz

Erdoberfläche Atmosphäre (CO2, CH4, H2O, N2O) S kurzwellig (Sonne) IR-Abstrahlung Rückstreuung
Abb. 1Kurzwellige Sonnenstrahlung passiert die Atmosphäre; Treibhausgase absorbieren langwellige Wärmestrahlung.
Der Mechanismus ist ein Strahlungsfilter: Die kurzwellige Sonnenstrahlung (sichtbares Licht, UV) durchdringt die Atmosphäre weitgehend und erwärmt die Erdoberfläche. Diese strahlt die Wärme als langwellige Infrarotstrahlung zurück. Treibhausgase absorbieren genau diese IR-Strahlung in bestimmten Schwingungsmoden ihrer Moleküle und geben sie teils zur Erde zurück - die Wärme bleibt in der Troposphäre.
Wirksame Treibhausgase sind mehratomige Moleküle mit veränderlichem Dipolmoment: COX2\ce{CO2}COX2​, CHX4\ce{CH4}CHX4​, HX2O\ce{H2O}HX2​O, NX2O\ce{N2O}NX2​O, Ozon und die FCKW. Die zweiatomigen Hauptbestandteile der Luft (NX2\ce{N2}NX2​, OX2\ce{O2}OX2​) absorbieren dagegen keine IR-Strahlung und tragen nichts bei.
Der Mensch verstärkt den Effekt vor allem durch COX2\ce{CO2}COX2​: Seine Konzentration stieg von 280 ppm (vorindustriell) auf über 420 ppm (2024), die globale Mitteltemperatur um rund 1,2 Grad C. Hauptquellen sind die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die Zementherstellung und die Entwaldung; natürliche Senken sind die Photosynthese der Pflanzen und die Lösung im Ozean (als HCOX3X−\ce{HCO3-}HCOX3​X−).
Nicht jedes Gas wirkt gleich stark. Das Treibhauspotenzial (GWP) vergleicht die Wirkung relativ zu COX2\ce{CO2}COX2​: Methan ist über 100 Jahre etwa 28-mal, Lachgas rund 270-300-mal so wirksam, FCKW noch weit stärker (aber durch das Montrealer Protokoll begrenzt). Methan hat zwar eine kürzere atmosphärische Lebensdauer, ist aber pro Molekül deutlich potenter.
Quantitativ lässt sich der Beitrag berechnen: Pro Liter verbranntem Benzin entstehen rund 2,3 kg COX2\ce{CO2}COX2​ (siehe Rechenbeispiel). Wichtig für die Matura ist die Abgrenzung zum Ozonloch - das ist ein eigenes Phänomen (UV-Schutz, nächster Abschnitt) und darf nicht mit dem Klimawandel verwechselt werden.
CX8HX18+12 ,X5 OX2→8 COX2+9 HX2O\ce{C8H18 + 12{,}5 O2 -> 8 CO2 + 9 H2O}CX8​HX18​+12,X5​ OX2​​8COX2​+9HX2​O

Verbrennung Octan (Hauptkomponente Benzin)

Musterbeispiel

CO2-Emission einer Autofahrt berechnen

Berechne die COX2\ce{CO2}COX2​-Emission für eine Fahrt von 100 km100\,\text{km}100km bei einem Verbrauch von 6 L6\,\text{L}6L Benzin (Dichte 0,75 kgL0{,}75\,\tfrac{\text{kg}}{\text{L}}0,75Lkg​, näherungsweise als Octan CX8HX18\ce{C8H18}CX8​HX18​ behandelt).

  1. 01Masse und Stoffmenge Octan

    Masse: 6 L⋅0,75 kgL=4,5 kg=4500 g6\,\text{L} \cdot 0{,}75\,\tfrac{\text{kg}}{\text{L}} = 4{,}5\,\text{kg} = 4500\,\text{g}6L⋅0,75Lkg​=4,5kg=4500g. Molmasse CX8HX18\ce{C8H18}CX8​HX18​: 8⋅12+18⋅1=114 gmol8 \cdot 12 + 18 \cdot 1 = 114\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}}8⋅12+18⋅1=114molg​, also n=4500114=39,5 moln = \tfrac{4500}{114} = 39{,}5\,\text{mol}n=1144500​=39,5mol.

  2. 02Stöchiometrie der Verbrennung

    Aus CX8HX18+12 ,X5 OX2→8 COX2+9 HX2O\ce{C8H18 + 12{,}5 O2 -> 8 CO2 + 9 H2O}CX8​HX18​+12,X5​ OX2​​8COX2​+9HX2​O folgt: 111 mol Octan liefert 888 mol COX2\ce{CO2}COX2​, also n(COX2)=8⋅39,5=316 moln(\ce{CO2}) = 8 \cdot 39{,}5 = 316\,\text{mol}n(COX2​)=8⋅39,5=316mol.

    CX8HX18+12 ,X5 OX2→8 COX2+9 HX2O\ce{C8H18 + 12{,}5 O2 -> 8 CO2 + 9 H2O}CX8​HX18​+12,X5​ OX2​​8COX2​+9HX2​O
  3. 03Masse CO2

    Molmasse COX2=44 gmol\ce{CO2} = 44\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}}COX2​=44molg​: m(COX2)=316 mol⋅44 gmol≈13 900 g≈13,9 kgm(\ce{CO2}) = 316\,\text{mol} \cdot 44\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}} \approx 13\,900\,\text{g} \approx 13{,}9\,\text{kg}m(COX2​)=316mol⋅44molg​≈13900g≈13,9kg.

Ergebnis: Die Fahrt erzeugt rund 13,9 kg COX213{,}9\,\text{kg}\ \ce{CO2}13,9kg COX2​ - also etwa 2,3 kg COX22{,}3\,\text{kg}\ \ce{CO2}2,3kg COX2​ pro Liter Benzin. Dieser Richtwert (≈2,3 kgL\approx 2{,}3\,\tfrac{\text{kg}}{\text{L}}≈2,3Lkg​) ist eine prüfungsrelevante Faustzahl und verknüpft das Thema mit "Stöchiometrie" und "Reaktionsenergetik".

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der Treibhauseffekt ist im Grunde gut - ohne ihn wäre die Erde ein Eisklumpen.

    Treibhauseffekt - Energiebilanz

    Erdoberfläche Atmosphäre (CO2, CH4, H2O, N2O) S kurzwellig (Sonne) IR-Abstrahlung Rückstreuung
    Abb.Kurzwellige Sonnenstrahlung passiert die Atmosphäre; Treibhausgase absorbieren langwellige Wärmestrahlung.
  2. 2

    Problematisch ist die anthropogene Verstärkung - COX2\ce{CO2}COX2​ hat sich seit der Industrialisierung um 50 % erhöht.

  3. 3

    Methan ist klein, aber wirksam - rund 28-mal stärker als COX2\ce{CO2}COX2​ (GWP100, AR6), dafür kürzere Lebensdauer.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank6 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere den Treibhauseffekt aus chemischer Sicht und nenne drei wichtige anthropogene Treibhausgase mit Quellen.

Maturafokus

  • Unterschied natürlicher vs. anthropogener Treibhauseffekt klar machen.
  • COX2\ce{CO2}COX2​-Quellen quantifizieren (z.B. Liter Benzin -> 2,3 kg COX2\ce{CO2}COX2​).
  • Konzept "GWP" (Global Warming Potential) erwähnen.

Typische Fehler

  • Ozonloch mit Klimawandel gleichgesetzt - verschiedene Phänomene.
  • Wasserdampf als anthropogen handelbar dargestellt.
  • Methan-GWP mit COX2\ce{CO2}COX2​ verwechselt.

Aktive Wiederholung

Berechne die COX2\ce{CO2}COX2​-Emission pro 100 km Autofahrt bei 6 L/100 km Benzinverbrauch.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IPCC AR6 - Synthesis Report (IPCC)

§ 02

Ozonschicht, FCKW und Montrealer Protokoll#

●●○StandardLPCHE-Um-11.1

Kernpunkte

Hoch oben in der Stratosphäre (15-30 km) liegt eine dünne Ozonschicht, die das Leben auf der Erde schützt: Sie absorbiert die energiereiche UV-B- und UV-C-Strahlung der Sonne, die sonst DNA schädigen und Hautkrebs auslösen würde. Wichtig ist die Unterscheidung - dieses stratosphärische Ozon schützt, während bodennahes Ozon im Sommersmog ein Schadstoff ist.
Natürlich entsteht und zerfällt Ozon in einem Gleichgewicht, dem Chapman-Zyklus: UV-Strahlung spaltet OX2\ce{O2}OX2​ in Sauerstoffatome (OX2→hν2 O\ce{O2 ->[h\nu] 2 O}OX2​hν​2O), die sich mit weiterem OX2\ce{O2}OX2​ zu Ozon verbinden (O+OX2→OX3\ce{O + O2 -> O3}O+OX2​​OX3​); Ozon wird durch UV wieder gespalten. Bei jedem Schritt wird UV-Energie in Wärme umgewandelt - das ist der Schutzmechanismus.
Gestört wird dieses Gleichgewicht durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), früher als Kältemittel und Treibgase verwendet. Sie sind so reaktionsträge, dass sie unzersetzt bis in die Stratosphäre aufsteigen. Dort spaltet die energiereiche UV-Strahlung ein Chloratom ab: CFClX3→hνCFClX2X∗+ClX∗\ce{CFCl3 ->[h\nu] CFCl2^{*} + Cl^{*}}CFClX3​hν​CFClX2​X∗+ClX∗.
Das freigesetzte Chlorradikal startet einen katalytischen Abbau-Kreislauf (): ClX∗+OX3→ClO+OX2\ce{Cl^{*} + O3 -> ClO + O2}ClX∗+OX3​​ClO+OX2​, dann ClO+O→ClX∗+OX2\ce{ClO + O -> Cl^{*} + O2}ClO+O​ClX∗+OX2​. Entscheidend ist, dass das Chloratom am Ende zurückgebildet wird - es wird nicht verbraucht, sondern kann den Zyklus bis zu 100.000-mal durchlaufen. So zerstören schon winzige FCKW-Mengen riesige Ozonmengen.

Katalytischer Ozonabbau durch Chlorradikale

Katalytischer OzonabbauNetzgraph, Cl-Radikal → ClO, ClO → Cl-RadikalCl-RadikalClO+ O3+ O
Abb. 2Ein Chlorradikal zerstört Ozon und wird dabei immer wieder zurückgebildet; jeder Umlauf setzt OX2\ce{O2}OX2​ frei. Der Kreislauf macht schon winzige FCKW-Mengen verheerend wirksam.
Besonders dramatisch ist das Ozonloch über der Antarktis: In den extrem kalten polaren Stratosphärenwolken sammeln sich im Polarwinter Chlorverbindungen an, die mit der ersten Frühjahrssonne schlagartig den Ozonabbau auslösen. Der Verlust ist dort saisonal am stärksten.
Die Lösung war politisch: Das Montrealer Protokoll (1987) verbot FCKW schrittweise weltweit und ersetzte sie durch ozonschonende Stoffe (HFKW, HFO, natürliche Kältemittel). Es gilt als das erfolgreichste Umweltabkommen der Geschichte - die Ozonschicht erholt sich langsam, eine vollständige Schließung des Lochs wird gegen 2060 erwartet.
CFClX3→hνCFClX2X∗+ClX∗\ce{CFCl3 ->[h\nu] CFCl2^{*} + Cl^{*}}CFClX3​hν​CFClX2​X∗+ClX∗

Photolyse eines FCKW

ClX∗+OX3→ClO+OX2;    ClO+O→ClX∗+OX2\ce{Cl^{*} + O3 -> ClO + O2};\;\;\ce{ClO + O -> Cl^{*} + O2}ClX∗+OX3​​ClO+OX2​;ClO+O​ClX∗+OX2​

Katalytische Ozonzersetzung

Musterbeispiel

Katalytischen Ozonabbau als Kreislauf verstehen

Gib die beiden Teilreaktionen des chlorkatalysierten Ozonabbaus an, bilde die Nettoreaktion und begründe, warum Chlor ein Katalysator ist.

  1. 01Teilreaktion 1

    ClX∗+OX3→ClO+OX2\ce{Cl^{*} + O3 -> ClO + O2}ClX∗+OX3​​ClO+OX2​ - das Chlorradikal entreißt dem Ozon ein Sauerstoffatom.

  2. 02Teilreaktion 2

    ClO+O→ClX∗+OX2\ce{ClO + O -> Cl^{*} + O2}ClO+O​ClX∗+OX2​ - das ClO reagiert mit einem freien O-Atom und gibt das Cl-Radikal zurück.

  3. 03Addition

    Cl und ClO kürzen sich heraus, es bleibt die Nettoreaktion OX3+O→2 OX2\ce{O3 + O -> 2 O2}OX3​+O​2OX2​.

  4. 04Katalysator-Argument

    Chlor wird in Schritt 1 verbraucht und in Schritt 2 zurückgebildet; es erscheint nicht in der Nettogleichung - das ist genau die Definition eines Katalysators.

Ergebnis: Nettoreaktion OX3+O→2 OX2\ce{O3 + O -> 2 O2}OX3​+O​2OX2​; Chlor wird zurückgebildet und ist damit Katalysator (Abb. 2). Diese Regeneration erklärt, warum ein einzelnes Cl-Atom bis zu 100.000 Ozonmoleküle zerstören kann.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stratosphärische Ozonschicht ist unser UV-Filter - ohne sie wäre Leben auf Land kaum möglich.

  2. 2

    FCKW sind die Schurken - chemisch unauffällig, aber in 30 km Höhe katastrophal wirksam.

  3. 3

    Das Montrealer Protokoll zeigt: Globale Probleme können mit Wissenschaft und Diplomatie gelöst werden.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere die Bedeutung der Ozonschicht und beschreibe, wie FCKW zu ihrer Schwächung beitragen.

Maturafokus

  • Trennung stratosphärische Ozon (Schutz) vs. troposphärische Ozon (Schadstoff in Smog).
  • Katalytischer Charakter des Cl-Radikals (nicht verbraucht).
  • Erfolg des Montrealer Protokolls als Beispiel internationaler Klimapolitik.

Typische Fehler

  • Ozonloch mit Treibhauseffekt verwechselt.
  • Ozonschicht in der Troposphäre lokalisiert.
  • Cl-Atom wird nach jeder Reaktion "verbraucht" dargestellt.

Aktive Wiederholung

Erläutere den katalytischen Abbau von Ozon durch FCKW und begründe die globale Wirkung schon kleiner Mengen.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: UNEP Ozone Secretariat (UNEP)

§ 03

Wasserchemie und Trinkwasseraufbereitung#

●●○StandardLPCHE-Um-11.2

Kernpunkte

Sauberes Trinkwasser ist nicht selbstverständlich - es muss aufbereitet und überwacht werden. Die Trinkwasserverordnung legt Grenzwerte fest, etwa 50 mg/L für Nitrat, 10 µg/L für Blei, sehr niedrige Werte für Pestizide und praktisch keine krankheitserregenden Keime. Die Chemie liefert die Verfahren, diese Werte einzuhalten.
Die Trinkwasseraufbereitung läuft in mehreren Stufen: zuerst mechanische Filtration (Sand, Kies), dann chemische Fällung (Eisen- und Phosphatentfernung), anschließend Aktivkohle (bindet organische Spurenstoffe und Geruchsstoffe) und zuletzt eine Desinfektion gegen Keime - mit Chlor, Chlordioxid, Ozon oder UV-Licht.
Bei der Chlordesinfektion bildet sich in Wasser hypochlorige Säure, ClX2+HX2O⇌HClO+HCl\ce{Cl2 + H2O <=> HClO + HCl}ClX2​+HX2​O​HClO+HCl; das HClO\ce{HClO}HClO ist das eigentliche keimtötende Oxidationsmittel. Es zerstört Bakterien zuverlässig und wirkt im Leitungsnetz nach - ein Vorteil gegenüber der rückstandsfreien, aber nicht nachwirkenden UV-Entkeimung.
Wie stark ein Gewässer organisch belastet ist, misst man über den biochemischen Sauerstoffbedarf (BSB - die Sauerstoffmenge, die Mikroorganismen zum Abbau verbrauchen) und den chemischen Sauerstoffbedarf (CSB - bestimmt durch Oxidation mit KX2CrX2OX7\ce{K2Cr2O7}KX2​CrX2​OX7​). Hohe Werte zeigen viel abbaubares organisches Material an.
Eine zentrale Belastung ist die Eutrophierung: Überschüssige Nährstoffe (Stickstoff und Phosphor aus Düngung und Abwasser) lösen eine Algenblüte aus. Beim mikrobiellen Abbau der absterbenden Algen wird der gelöste Sauerstoff aufgezehrt - es folgen Sauerstoffmangel, Fischsterben und im Extremfall das „Umkippen" des Gewässers.
Die Kläranlage kehrt diesen Prozess um: mechanische Reinigung (Rechen, Sandfang), biologische Stufe (Belebtschlamm baut organische Stoffe ab), chemische Stufe (Phosphatfällung, Stickstoffentfernung) und zunehmend eine vierte Stufe gegen Mikroschadstoffe (Medikamentenreste). Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium und Blei sind besonders heikel, weil sie sich in der Nahrungskette anreichern (Bioakkumulation, Biomagnifikation).
ClX2+HX2O⇌HClO+HCl\ce{Cl2 + H2O <=> HClO + HCl}ClX2​+HX2​O​HClO+HCl

Chlordesinfektion: HClO (hypochlorige Säure) ist das eigentliche Oxidations- und Desinfektionsmittel

Musterbeispiel

Nitratgrenzwert prüfen

Eine Wasserprobe enthält 0,90 mmol/L0{,}90\,\text{mmol/L}0,90mmol/L Nitrat (NOX3X−\ce{NO3-}NOX3​X−). Liegt sie unter dem Trinkwassergrenzwert von 50 mg/L50\,\text{mg/L}50mg/L? (M(NOX3X−)=62 gmolM(\ce{NO3-})=62\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}}M(NOX3​X−)=62molg​)

  1. 01Einheit umrechnen

    c=0,90⋅10−3 molL⋅62 gmol=0,0558 gL=55,8 mgLc = 0{,}90\cdot 10^{-3}\,\tfrac{\text{mol}}{\text{L}}\cdot 62\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}} = 0{,}0558\,\tfrac{\text{g}}{\text{L}} = 55{,}8\,\tfrac{\text{mg}}{\text{L}}c=0,90⋅10−3Lmol​⋅62molg​=0,0558Lg​=55,8Lmg​.

  2. 02Vergleich

    55,8 mg/L>50 mg/L55{,}8\,\text{mg/L} > 50\,\text{mg/L}55,8mg/L>50mg/L - der Grenzwert ist überschritten.

Ergebnis: Die Probe enthält rund 55,8 mg/L Nitrat und überschreitet damit den Grenzwert von 50 mg/L; als Trinkwasser ist sie nicht zugelassen. Hauptquelle für Nitrat ist die landwirtschaftliche Düngung.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Trinkwasseraufbereitung ist Chemie im Dienst der Gesundheit - mechanisch, biologisch, chemisch.

  2. 2

    Eutrophierung ist ein chemisches Domino - Phosphat -> Algen -> Sauerstoffmangel -> Fischsterben.

  3. 3

    Schwermetalle reichern sich entlang der Nahrungskette an - ein Glas Sushi-Thunfisch kann mehr Hg enthalten als ein See voller Plankton.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreibe das Phänomen der Eutrophierung und seine chemischen Ursachen.

Maturafokus

  • Kläranlagen-Stufen sauber unterscheiden.
  • Bioakkumulation an konkreten Beispielen (Hg in Fischen, Pb in Knochen).
  • Nitrat-Problem im Grundwasser (Landwirtschaft).

Typische Fehler

  • Mineralwasser wird als "ohne Mineralstoffe" verstanden.
  • BSB und CSB verwechselt.
  • Algenblüte als direkte Vergiftung beschrieben - tatsächlich indirekt über OX2\ce{O2}OX2​-Mangel.

Aktive Wiederholung

Beschreibe die Schritte einer modernen Kläranlage und ihre chemischen Prinzipien.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMK Wassermonitoring (BMK)

§ 04

Recycling, Mikroplastik und Kreislaufwirtschaft#

●●○StandardLPCHE-Um-11.3

Kernpunkte

Eine wachsende Weltbevölkerung mit endlichen Rohstoffen zwingt zum Umdenken: weg von der linearen Wegwerf-Ökonomie („nehmen - herstellen - wegwerfen") hin zur Kreislaufwirtschaft, in der Materialien immer wieder genutzt werden. Die Chemie liefert dafür die Recyclingverfahren und neue, abbaubare Werkstoffe.
Nicht alle Strategien sind gleichwertig. Die Abfallhierarchie ordnet sie: Vermeidung steht an erster Stelle, dann Wiederverwendung (Mehrweg), dann stoffliches Recycling, danach die thermische Verwertung (Verbrennung mit Energiegewinnung) und zuletzt die Deponie. Je weiter oben, desto besser für Ressourcen und Klima.
Beim werkstofflichen Recycling wird das Material eingeschmolzen oder zerfasert und neu geformt. Glas und Aluminium lassen sich nahezu unbegrenzt und ohne Qualitätsverlust recyceln (Aluminium spart dabei 95 % der Primärenergie); bei PET und Papier verkürzen sich die Polymer- bzw. Faserketten mit jedem Zyklus, sodass die Qualität allmählich sinkt.
Wo das werkstoffliche Recycling an Grenzen stößt, hilft das chemische Recycling: Durch Pyrolyse oder Solvolyse werden die Polymerketten wieder bis zu den Monomeren oder kleinen Bausteinen gespalten, aus denen sich vollwertiger neuer Kunststoff aufbauen lässt. Das ist energieaufwendiger, dafür qualitativ verlustfrei.
Ein ungelöstes Problem ist das Mikroplastik - Kunststoffpartikel kleiner als 5 mm. Es entsteht primär (Reifenabrieb, Kosmetik) und sekundär (durch UV-Strahlung und mechanische Zerkleinerung größerer Teile). Mikroplastik ist heute in allen Meeren, in Böden und sogar im menschlichen Blut nachweisbar - ein aktuelles Forschungsfeld.
Alternativen sind biobasierte und abbaubare Kunststoffe wie Polylactid (PLA, aus Milchsäure) oder PHA - Achtung: „biologisch abbaubar" heißt meist nur unter Industriekompost-Bedingungen, nicht im Gartenkomposter oder im Meer. Auf der Klimaseite versucht man, COX2\ce{CO2}COX2​ abzutrennen und zu speichern (CCS) oder als Rohstoff zu nutzen (CCU, etwa zu Methanol oder Polymeren).
PET (Granulat)→280 °C, GlykolyseMonomere→Repolymerisationneues PET\ce{PET\,(Granulat) ->[\text{280 °C, Glykolyse}] Monomere ->[\text{Repolymerisation}] neues PET}PET(Granulat)280 °C, Glykolyse​MonomereRepolymerisation​neues PET

Chemisches Recycling von PET

Musterbeispiel

Energieeinsparung durch Aluminium-Recycling

Die Primärherstellung von Aluminium benötigt ca. 15 kWh/kg, das Recycling nur etwa 5 % davon. Berechne die Energieeinsparung beim Recycling von 1,0 t Aluminium.

  1. 01Primärenergie

    1000 kg⋅15 kWhkg=15 000 kWh1000\,\text{kg} \cdot 15\,\tfrac{\text{kWh}}{\text{kg}} = 15\,000\,\text{kWh}1000kg⋅15kgkWh​=15000kWh.

  2. 02Recyclingenergie

    5 %5\,\%5% davon: 0,05⋅15 000=750 kWh0{,}05 \cdot 15\,000 = 750\,\text{kWh}0,05⋅15000=750kWh.

  3. 03Einsparung

    15 000−750=14 250 kWh15\,000 - 750 = 14\,250\,\text{kWh}15000−750=14250kWh (rund 95 %).

Ergebnis: Pro Tonne recyceltem Aluminium spart man rund 14 250 kWh - etwa der Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts in drei Jahren. Das erklärt, warum Aluminium-Recycling ökologisch wie wirtschaftlich besonders lohnt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Recycling ist die zweite Chance für Material - aber Vermeidung bleibt die wirksamste Strategie.

  2. 2

    PET kann mehrfach recycelt werden, doch Ketten verkürzen sich. Chemisches Recycling führt zurück zu den Monomeren.

  3. 3

    Mikroplastik ist in allen Meeren angekommen und sogar in der menschlichen Blutbahn nachweisbar - ein Forschungsfeld der Gegenwart.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere am Beispiel des Aluminium-Recyclings die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft.

Maturafokus

  • Recycling-Codes (1=PET, 2=HDPE, ...) parat haben.
  • Vor- und Nachteile von Biokunststoffen sachlich darstellen.
  • Konzept Kreislaufwirtschaft vs. lineare Ökonomie.

Typische Fehler

  • Biologisch abbaubar = sofort verrottet (tatsächlich oft Industriekompost nötig).
  • Mikroplastik wird mit Nanoplastik gleichgesetzt.
  • Aluminium-Recycling wird als unwichtig dargestellt.

Aktive Wiederholung

Vergleiche das Recycling von PET-Flaschen mit dem von Mehrwegglasflaschen hinsichtlich Energie, Material und Umweltauswirkung.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: EU Circular Economy Action Plan (European Commission)

§ 05

Luftschadstoffe, saurer Regen und Smog#

●●○StandardLPCHE-Um-11.1

Treibhauseffekt - Energiebilanz

Erdoberfläche Atmosphäre (CO2, CH4, H2O, N2O) S kurzwellig (Sonne) IR-Abstrahlung Rückstreuung
Abb. 3Kurzwellige Sonnenstrahlung passiert die Atmosphäre; Treibhausgase absorbieren langwellige Wärmestrahlung.

Kernpunkte

Hauptluftschadstoffe: Schwefeldioxid (SOX2\ce{SO2}SOX2​), Stickoxide (NO\ce{NO}NO, NOX2\ce{NO2}NOX2​, zusammen NOXx\ce{NO_x}NOXx​), Kohlenstoffmonoxid (CO\ce{CO}CO), Feinstaub und flüchtige organische Verbindungen.
Saurer Regen entsteht, wenn SOX2\ce{SO2}SOX2​ und NOXx\ce{NO_x}NOXx​ in der Atmosphäre zu Schwefel- und Salpetersäure oxidiert werden: SOX2→SOX3→HX2SOX4\ce{SO2 -> SO3 -> H2SO4}SOX2​​SOX3​​HX2​SOX4​.
Folgen des sauren Regens: Versauerung von Böden und Gewässern, Schädigung von Wäldern, Korrosion von Bauwerken (Kalkstein CaCOX3\ce{CaCO3}CaCOX3​).
Stickoxide entstehen bei hohen Verbrennungstemperaturen aus Luftstickstoff und -sauerstoff (NX2+OX2→2 NO\ce{N2 + O2 -> 2 NO}NX2​+OX2​​2NO).
Sommersmog (Ozon): NOXx\ce{NO_x}NOXx​ und VOC bilden unter Sonnenlicht bodennahes Ozon, ein Reizgas (im Gegensatz zum schützenden Ozon der Stratosphäre).
Minderungsmassnahmen: Rauchgasentschwefelung (Kalkwäsche), Katalysator im Auto (wandelt NOXx\ce{NO_x}NOXx​, CO\ce{CO}CO, unverbrannte KW um), Partikelfilter.
Der Drei-Wege-Katalysator reduziert NOXx\ce{NO_x}NOXx​ zu NX2\ce{N2}NX2​ und oxidiert CO\ce{CO}CO/KW zu COX2\ce{CO2}COX2​ und HX2O\ce{H2O}HX2​O.
2 SOX2+OX2→2 SOX3;SOX3+HX2O→HX2SOX4\ce{2 SO2 + O2 -> 2 SO3}; \quad \ce{SO3 + H2O -> H2SO4}2SOX2​+OX2​​2SOX3​;SOX3​+HX2​O​HX2​SOX4​

Bildung der Schwefelsäure (saurer Regen)

Musterbeispiel

Saurer Regen greift Kalkstein an

Erläutere mit Reaktionsgleichungen, wie aus SOX2\ce{SO2}SOX2​ saurer Regen wird und wie dieser Kalksandstein/Marmor (CaCOX3\ce{CaCO3}CaCOX3​) angreift.

  1. 01Oxidation und Hydratation

    2 SOX2+OX2→2 SOX3\ce{2 SO2 + O2 -> 2 SO3}2SOX2​+OX2​​2SOX3​; anschliessend SOX3+HX2O→HX2SOX4\ce{SO3 + H2O -> H2SO4}SOX3​+HX2​O​HX2​SOX4​.

  2. 02Angriff auf Kalkstein

    CaCOX3+HX2SOX4→CaSOX4+HX2O+COX2↑\ce{CaCO3 + H2SO4 -> CaSO4 + H2O + CO2 ^}CaCOX3​+HX2​SOX4​​CaSOX4​+HX2​O+COX2​↑ - das schwerlösliche CaSOX4\ce{CaSO4}CaSOX4​ (Gips) bildet eine brüchige Kruste.

  3. 03Bewertung

    Das gebildete COX2\ce{CO2}COX2​ entweicht und Material wird abgetragen - typische Schadensbilder an Denkmälern.

Ergebnis: Saurer Regen (HX2SOX4\ce{H2SO4}HX2​SOX4​) wandelt CaCOX3\ce{CaCO3}CaCOX3​ in Gips um und zerstört so Bauwerke. Querverweis: Thema "Anorganische Anwendungschemie" (Korrosion).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre die Funktion des Drei-Wege-Katalysators im Auto und gib die wichtigsten Reaktionen an.

Maturafokus

  • Stelle die Reaktionskette von SOX2\ce{SO2}SOX2​ zu HX2SOX4\ce{H2SO4}HX2​SOX4​ (saurer Regen) auf (Operator: aufstellen).
  • Erkläre die Wirkung des sauren Regens auf Kalkstein mit Reaktionsgleichung (Operator: erklären).
  • Beurteile Minderungsmassnahmen (Katalysator, Entschwefelung) nach Wirksamkeit (Operator: beurteilen).
  • Unterscheide schützendes (stratosphärisches) und schädliches (bodennahes) Ozon.

Typische Fehler

  • Bodennahes Ozon (Smog, schädlich) wird mit der schützenden Ozonschicht verwechselt.
  • Saurer Regen wird allein auf COX2\ce{CO2}COX2​ zurückgeführt, ohne SOX2\ce{SO2}SOX2​ und NOXx\ce{NO_x}NOXx​ zu nennen.
  • Der Katalysator wird als reines Filtersystem statt als Redox-Reaktionsbeschleuniger missverstanden.
  • Stickoxidbildung wird nicht mit hohen Verbrennungstemperaturen verknüpft.

Aktive Wiederholung

Erkläre die Entstehung des sauren Regens aus SOX2\ce{SO2}SOX2​ und stelle die Reaktion mit Kalkstein (CaCOX3\ce{CaCO3}CaCOX3​) zur Erklärung der Bauwerkskorrosion auf.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Umweltbundesamt Österreich - Luftschadstoffe (Umweltbundesamt)

§ 06

Energieträger: fossil, erneuerbar und Wasserstoff#

●●●VertiefungLPCHE-Um-11.3

Galvanische Zelle - Daniell-Element

Zn Cu ZnSO4(aq) CuSO4(aq) V Salzbrücke Anode (-) Kathode (+)
Abb. 4Zn-Halbzelle (Anode, Oxidation) und Cu-Halbzelle (Kathode, Reduktion), verbunden über Voltmeter und Salzbrücke.

Kernpunkte

Fossile Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas) liefern Energie durch Verbrennung; dabei entsteht zwangsläufig COX2\ce{CO2}COX2​ - die zentrale Klimaproblematik.
Der Heizwert (Energie pro Masse) steigt mit dem H/C-Verhältnis: Erdgas (Methan) ist je freigesetztem COX2\ce{CO2}COX2​ klimagünstiger als Kohle.
Biomasse/Biokraftstoffe sind näherungsweise CO2-neutral, sofern das freigesetzte COX2\ce{CO2}COX2​ zuvor beim Pflanzenwachstum gebunden wurde.
Wasserstoff als Energieträger: Verbrennung/Brennstoffzelle liefert nur Wasser; entscheidend ist aber die Herstellung.
Grüner Wasserstoff: Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Quellen (2 HX2O→2 HX2+OX2\ce{2 H2O -> 2 H2 + O2}2HX2​O​2HX2​+OX2​) - klimaneutral.
Grauer Wasserstoff: Dampfreformierung von Erdgas (CHX4+2 HX2O→COX2+4 HX2\ce{CH4 + 2 H2O -> CO2 + 4 H2}CHX4​+2HX2​O​COX2​+4HX2​) - setzt COX2\ce{CO2}COX2​ frei.
Bewertungskriterien für Energieträger: Klimabilanz (Lebenszyklus), Energiedichte, Speicherbarkeit, Infrastruktur und Ressourcenverfügbarkeit.
2 HX2O→Strom2 HX2+OX2  (gru¨n);CHX4+2 HX2O→COX2+4 HX2  (grau)\ce{2 H2O ->[\text{Strom}] 2 H2 + O2} \;(\text{grün}); \quad \ce{CH4 + 2 H2O -> CO2 + 4 H2} \;(\text{grau})2HX2​OStrom​2HX2​+OX2​(gru¨n);CHX4​+2HX2​O​COX2​+4HX2​(grau)

Grüner vs. grauer Wasserstoff

Musterbeispiel

CO2-Bilanz von Brennstoffen vergleichen

Vergleiche, ob Methan oder Kohlenstoff (vereinfacht für Kohle) pro Mol freigesetztem COX2\ce{CO2}COX2​ mehr Energie liefert, und leite eine Klimabewertung ab.

  1. 01Verbrennungsgleichungen

    Methan: CHX4+2 OX2→COX2+2 HX2O\ce{CH4 + 2 O2 -> CO2 + 2 H2O}CHX4​+2OX2​​COX2​+2HX2​O (ca. −890-890−890 kJ/mol). Kohlenstoff: C+OX2→COX2\ce{C + O2 -> CO2}C+OX2​​COX2​ (ca. −394-394−394 kJ/mol).

  2. 02Energie pro CO2

    Beide liefern 1 mol COX2\ce{CO2}COX2​. Methan setzt aber ca. 890 kJ frei, Kohlenstoff nur ca. 394 kJ.

  3. 03Bewertung

    Methan liefert mehr als doppelt so viel Energie je COX2\ce{CO2}COX2​ - es ist pro Energieeinheit klimagünstiger (höheres H/C-Verhältnis).

Ergebnis: Methan ist je freigesetztem COX2\ce{CO2}COX2​ deutlich energieeffizienter als reiner Kohlenstoff. Querverweis: Abschnitt "Treibhauseffekt, COX2\ce{CO2}COX2​ und Klimawandel".

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Unterscheide grünen und grauen Wasserstoff mit Reaktionsgleichungen und beurteile, warum nur grüner Wasserstoff klimaneutral ist.

Maturafokus

  • Vergleiche fossile und erneuerbare Energieträger anhand ihrer CO2-Bilanz (Operator: vergleichen).
  • Erkläre den Unterschied von grünem und grauem Wasserstoff mit Reaktionsgleichungen (Operator: erklären).
  • Beurteile Wasserstoff als Energieträger unter Berücksichtigung der Herstellung (Operator: beurteilen).
  • Begründe, warum Erdgas pro Energieeinheit weniger COX2\ce{CO2}COX2​ als Kohle erzeugt.

Typische Fehler

  • Wasserstoff wird pauschal als "sauber" bezeichnet, ohne die Herstellung (grau vs. grün) zu berücksichtigen.
  • CO2-Neutralität von Biomasse wird ohne die Bedingung "vorher gebundenes CO2" behauptet.
  • Heizwertunterschiede werden nicht mit dem H/C-Verhältnis begründet.
  • Elektrolyse und Brennstoffzelle (Umkehrprozesse) werden verwechselt.

Aktive Wiederholung

Beurteile Wasserstoff als Energieträger für die Verkehrswende und unterscheide mit Reaktionsgleichungen grüne und graue Herstellung.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e, Kap. 5 "Thermochemistry" (OpenStax)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Treibhauseffekt, \ce{CO2} und Klimawandel◐
    • 02Ozonschicht, FCKW und Montrealer Protokoll◐
    • 03Wasserchemie und Trinkwasseraufbereitung◐
    • 04Recycling, Mikroplastik und Kreislaufwirtschaft◐
    • 05Luftschadstoffe, saurer Regen und Smog◐
    • 06Energieträger: fossil, erneuerbar und Wasserstoff●

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Aus den Notizen ins Training

Umwelt- und Atmosphärenchemie (CHE-Um)

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Beispielfrage

Erläutere den Treibhauseffekt aus chemischer Sicht und nenne drei wichtige anthropogene Treibhausgase mit Quellen.

6 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

IPCC

  • IPCC AR6 - Synthesis Report

UNEP

  • UNEP Ozone Secretariat

BMK

  • BMK Wassermonitoring

European Commission

  • EU Circular Economy Action Plan

Umweltbundesamt

  • Umweltbundesamt Österreich - Luftschadstoffe

OpenStax

  • OpenStax Chemistry 2e, Kap. 5 "Thermochemistry"

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