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DE-Abitur · SportT·033 / 9
Trainingslehre liefert die wissenschaftliche Begründung für gezielte sportliche Leistungsentwicklung. Sie verbindet Belastungsphysiologie, Trainingsprinzipien (Reizschwelle, progressive Belastung, Superkompensation, Periodisierung), Methodenlehre (Dauer-, Intervall-, Wiederholungs-, Kraft-Methoden) und Planung (Mikro-, Meso-, Makrozyklus) mit der Steuerung über Leistungsdiagnostik. Die physiologischen Anpassungen, auf die das Training zielt (Hypertrophie, Kapillarisierung, Mitochondrienzahl, Faserrekrutierung), werden im Thema Sportbiologie hergeleitet (vgl. Thema „Sportbiologie"); die Belastungssteuerung über Aktivierung und Wettkampfvorbereitung knüpft an das Thema Sportpsychologie an (vgl. Thema „Sportpsychologie").
7Abschnitteca. 17Min Lesezeit4Kompetenzen
Operatoren:beschreiben · erklären · analysieren · entwickeln · beurteilen
grundlegendes Niveau
gA: Trainingsprinzipien (Reizschwelle, Progression, Superkompensation) erklären; einen einfachen Trainingsplan für eine konditionelle Fähigkeit entwerfen; Belastungsnormative (Intensität, Umfang, Dichte) benennen.
erhöhtes Niveau
eA: Periodisierungsmodelle vergleichen (klassisch / blockorientiert), Trainingspläne mit quantifizierten Belastungsnormativen und Diagnostikbezug entwickeln, Effekte auf physiologische Adaptationen (Hypertrophie, Kapillarisierung, Mitochondrienzahl) begründen.
Kernpunkte
SUPERKOMPENSATIONS-MODELL
Welche drei Beschriftungen in "Superkompensations-Modell" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Stellen Sie Superkompensation und Fitness-Fatigue-Modell (Banister) gegenüber. Erläutern Sie, warum letzteres die langfristige Leistungsentwicklung präziser abbildet, weil es Ermüdung und Fitness als zwei unabhängige Zustandsgrößen modelliert.
Kernpunkte
GA1-TRAININGSBEREICH (GRUNDLAGENAUSDAUER)
Verbessert kapillare Versorgung, Mitochondrienzahl und Fettstoffwechsel. Sprechfähigkeit als Praxiskontrolle.
TRAININGSBEREICHE IM AUSDAUERTRAINING
Welche drei Beschriftungen in "Trainingsbereiche im Ausdauertraining" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie, warum sich Maximalkraft und Hypertrophie trotz ähnlicher Belastungsmuster physiologisch unterscheiden (neuromuskuläre Aktivierung vs. myofibrilläre/sarkoplasmatische Hypertrophie) und welche Konsequenzen das für die Methodenwahl im Leistungssport hat.
Kernpunkte
GA1-TRAININGSBEREICH (GRUNDLAGENAUSDAUER)
Verbessert kapillare Versorgung, Mitochondrienzahl und Fettstoffwechsel. Sprechfähigkeit als Praxiskontrolle.
ANAEROB ALAKTAZIDE ATP-RESYNTHESE
Kreatinphosphat (KP) liefert die Phosphatgruppe zur sofortigen ATP-Regeneration in den ersten 6–10 Sekunden maximaler Belastung.
ANAEROB LAKTAZIDE ENERGIEBEREITSTELLUNG
Bei Sauerstoffmangel wird Pyruvat zu Laktat reduziert (Laktatdehydrogenase, NADH-Recycling). Schnelle, aber begrenzte ATP-Ausbeute.
AEROBE VOLLVERBRENNUNG VON GLUCOSE
Vollständige Oxidation in Glykolyse, Citratzyklus und Atmungskette. Hohe Energieausbeute, aber begrenzt durch Sauerstoffversorgung.
TRAININGSBEREICHE IM AUSDAUERTRAINING
Welche drei Beschriftungen in "Trainingsbereiche im Ausdauertraining" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
ZEITLICHER VERLAUF DER ENERGIEBEREITSTELLUNG
Welche drei Beschriftungen in "Zeitlicher Verlauf der Energiebereitstellung" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Analysieren Sie die prozentualen Anteile der drei Energiebereitstellungssysteme bei einem 800-m-Lauf (Wettkampfzeit 2:00 min) und begründen Sie, warum die Disziplin als „Königsstrecke der Mittelstrecke" gilt.
Wettkampfdauer 120 s, kontinuierlich submaximal bis maximal. Geschwindigkeit ca. 6,7 m/s, HF im Bereich HFmax ± 5 S/min. Laktatwerte nach Zielankunft regelmäßig 18–22 mmol/l (Saltin, Hollmann).
Anaerob alaktazid (ATP/KP): ~ 5–10 % (Sprint zum Start, letzte 50 m). Anaerob laktazid (Glykolyse): ~ 25–30 % — sorgt für die hohen Endlaktatwerte. Aerob (Oxidation): ~ 60–66 % — bei ~2:00 min überwiegt nach AOD-Messungen das aerobe System (Spencer & Gastin 2001).
Der maximale Sauerstoffschuld („oxygen debt") nach 800 m beträgt etwa 16–18 l. Die Nachatmungsphase EPOC (Excess Post-exercise Oxygen Consumption) dauert 30–60 min, in denen Laktat oxidiert oder zu Glykogen rückgeführt wird (Cori-Zyklus).
800-m-Training muss anaerob-laktazide UND aerobe Kapazitäten gleichzeitig entwickeln: lange Intervalle (4 × 600 m, Pause 3 min) als laktazider Reiz, daneben Tempodauerläufe als aerobe Basis. Daher die Bezeichnung „Königsstrecke" — sie verbindet die Anforderungen der Sprint- und Langstrecken-Disziplinen.
Ergebnis: 800 m sind nach modernen AOD-Messungen ein bereits dominant aerob geprägter Belastungstyp (~ 60–66 % aerob) mit erheblichem anaerob-laktaziden Anteil (~ 25–35 %). Die Doppelanforderung an anaerobe Kapazität und aerobe Basis macht die Strecke trainingsmethodisch besonders anspruchsvoll.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie HIIT-Protokolle (z. B. 4×4 min nach Helgerud) mit klassischer extensiver Intervallmethode hinsichtlich Effekt auf VO2max, anaerobe Schwelle und Trainingsökonomie. Berücksichtigen Sie Studienlage (Helgerud 2007, Gibala 2012).
Kernpunkte
KRAFTTRAININGS-METHODEN IM INTENSITÄTS-WIEDERHOLUNGS-RASTER
Welche drei Beschriftungen in "Krafttrainings-Methoden im Intensitäts-Wiederholungs-Raster" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie das Konzept der „periodisierten Krafttrainingsplanung" (Matveyev, blockorientierte Periodisierung nach Issurin). Erläutern Sie, warum sich Krafttypen nicht gleichzeitig optimal entwickeln lassen (Interferenzeffekt zwischen Maximalkraft und Ausdauer).
Kernpunkte
SIEBEN KOORDINATIVE FÄHIGKEITEN NACH BLUME / HIRTZ
Welche drei Beschriftungen in "Sieben koordinative Fähigkeiten nach Blume / Hirtz" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie, warum statisches Dehnen unmittelbar vor explosiven Belastungen (Sprint, Sprung) die Leistung kurzzeitig reduziert (sog. „stretch-induced strength loss") und ordnen Sie das Phänomen biomechanisch ein.
Kernpunkte
KLASSISCHE PERIODISIERUNG EINES MAKROZYKLUS
Welche drei Beschriftungen in "Klassische Periodisierung eines Makrozyklus" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Entwickeln Sie einen achtwöchigen Mesozyklus für einen Schüler (17 J., Bestzeit 22:30 min auf 5 km), der seine 5-km-Bestzeit um mindestens 60 s verbessern möchte. Begründen Sie die Periodisierung, die Belastungsparameter und die Methodenwahl.
Ziel: SMART formuliert — 5 km in ≤ 21:30 min in Woche 8. Ausgangsdaten: aktuelle Pace 4:30 min/km, HFmax (Faustformel) 203 S/min, Trainingsumfang aktuell 25 km/Woche, drei Einheiten. Schwächen: fehlender Tempobereich, kein systematisches Intervalltraining.
Prinzip der progressiven Belastung: Umfangssteigerung in vier Stufen (25 → 32 → 38 → 32 km Entlastungswoche). Prinzip der Variabilität: Drei Reiztypen pro Woche — GA1, GA2/Schwelle, Intervalle. Prinzip der Superkompensation: 48 h Erholung zwischen Schlüsseleinheiten.
Wochen 1–3 (Aufbau): 25–32 km, Fokus GA1 (60–70 % HFmax), 1× Schwellenlauf. Wochen 4–6 (Entwicklung): 35–38 km, Intervalle 6×800 m bei 95–100 % HFmax, Pause 90 s. Woche 7 (Entlastung): 60 % Umfang, 1× lockeres Tempo. Woche 8 (Peak): Tapering — kurze, scharfe Reize 4×400 m, Volumen halbiert.
Intensität: GA1 60–70 % HFmax (122–142 S/min), Schwelle 80–88 % (162–179 S/min), VO2max-Intervalle 95–100 % HFmax. Umfang: Schlüssel-Einheit Schwelle 25–35 min Nettotempo. Dichte: GA1 → Schwelle min. 24 h Abstand. Dauer der Einheit zwischen 30 (Intervall + WUP) und 75 min (langer GA1).
Kontrolle: Wochenpuls in Ruhe (Anstieg > 5 S/min = Übermüdung), wöchentlicher 3-km-Tempolauf in Woche 4 und 7 zur Pace-Validierung. Anpassung: bei stagnierender Schwellen-HF Reizdichte erhöhen, bei Schmerzsymptomen Umfang reduzieren.
Eine 60-s-Verbesserung auf 5 km entspricht knapp 4 % Geschwindigkeitssteigerung — realistisch in 8 Wochen bei systematischer Belastung. Bei eA-Anforderung: Erwartungswert über Tempo-Trainings-Pace und VO2-Reserve quantitativ herleiten.
Ergebnis: Acht-Wochen-Mesozyklus mit klarer Periodisierung (Aufbau — Entwicklung — Entlastung — Peak), drei differenzierten Reizen pro Woche und integrierter Leistungsdiagnostik liefert eine realistische 60-s-Verbesserung der 5-km-Zeit; die Trainingsprinzipien (Progression, Variation, Superkompensation) sind als Begründungsskelett unverzichtbar.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Beurteilen Sie kritisch die wissenschaftliche Evidenz zur Periodisierung. Studien (Williams 2017, Mujika 2018) zeigen, dass strukturierte Periodisierung gegenüber unstrukturierter Belastung im Mittel 5–15 % mehr Leistungsgewinn liefert — die Vorteile gegenüber Blockperiodisierung sind methodenspezifisch.
Kernpunkte
FICK-PRINZIP (SAUERSTOFFAUFNAHME)
Sauerstoffaufnahme = Herzminutenvolumen × arteriovenöse Sauerstoffdifferenz. VO2max ist der zentrale Bruttokennwert der aeroben Leistungsfähigkeit.
MAXIMALE HERZFREQUENZ (FAUSTFORMEL)
Vereinfachte Schätzung; in der Praxis ±10 Schläge Streubreite. Präzisere Formel: HFmax = 208 − 0,7 · Alter (Tanaka-Formel, 2001).
KARVONEN-FORMEL ZUR TRAININGS-HF-BERECHNUNG
p ist der gewünschte Anteil der Herzfrequenzreserve (HFR). Sie wirkt individueller als der reine HFmax-Prozent-Ansatz, weil sie das Ruheniveau einbezieht.
FUNCTIONAL THRESHOLD POWER (FTP, RADSPORT)
Durchschnittliche Leistung über 20 Minuten ergibt nach Korrektur die maximale Dauerleistung. Steuerungsgröße für strukturierte Trainingsbereiche.
LAKTAT-LEISTUNGS-KURVE MIT SCHWELLENKONZEPT
Welche drei Beschriftungen in "Laktat-Leistungs-Kurve mit Schwellenkonzept" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
LAKTATKONZENTRATION ÜBER BELASTUNGSSTUFEN
VO2-VERLAUF BEI RAMPENFÖRMIGER BELASTUNG
HERZFREQUENZ VS. BELASTUNGSINTENSITÄT
Musterlösung
Werten Sie die nebenstehende Laktatkurve eines Stufentests aus. Bestimmen Sie aerobe Schwelle, individuelle anaerobe Schwelle (IANS) und beurteilen Sie die Trainingsempfehlung für GA2-Einheiten.
Bis Stufe 4 (3,2 m/s) flacher Anstieg, ab Stufe 5 (3,6 m/s) deutliche Steigung — typische „Hockey-Stick"-Form. Die Krümmungsänderung markiert den Übergang aerob → mischmetabolisch.
Aerobe Schwelle bei ca. 2 mmol/l → 3,0 m/s. IANS (fix 4 mmol/l) bei 4,0 m/s (Wert direkt ablesbar). Bei eA-Aufgabe alternativ Berechnung über Dickhuth- oder Mader-Modell (4 mmol/l fix).
GA1: 70–85 % der IANS-Geschwindigkeit → 2,8–3,4 m/s. GA2: 85–95 % → 3,4–3,8 m/s. EB: Bereich oberhalb IANS, ca. 4,0–4,5 m/s, kurze Intervalle.
Empfehlung für GA2-Einheiten: 2 × 20 min bei 3,5–3,7 m/s, Pause 5 min. Reizt die laktazide Kapazität an der Schwelle, ohne sie zu überschreiten — verschiebt die IANS-Kurve nach rechts.
Ergebnis: Aerobe Schwelle 3,0 m/s, IANS 4,0 m/s; GA2 zwischen 3,4–3,8 m/s. Strukturiertes Schwellentraining ist der zentrale Hebel zur Rechtsverschiebung der Laktatkurve.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie die methodenkritische Diskussion zur „individuellen anaeroben Schwelle". Vergleichen Sie die Konzepte nach Mader (fixe 4 mmol/l), Dickhuth (1,0 + min. Laktat) und Stegmann (individuelle Steigerung). Welche Methode liefert den Trainingsalltag valide Steuerungsdaten?