Mechanik 1 — Kinematik und Newtonsche Dynamik
Quantitative Beschreibung von Bewegungen mit Weg, Geschwindigkeit und Beschleunigung sowie ihre Ursachen durch Kräfte. Grundlage für sämtliche weitere mechanische und elektromagnetische Themen.
Operatoren:beschreiben · analysieren · berechnen · erläutern · begründen
grundlegendes Niveau
gA: Kinematik und Newton 1–3 sicher auf Geradlinige Bewegungen und einfache Würfe anwenden; Diagrammlesen, Einheiten- und Plausibilitätscheck.
erhöhtes Niveau
eA: Mehrkomponenten-Vektoren, Reibung und Luftwiderstand im Modell berücksichtigen; Wechsel zwischen kartesischer und tangentialer Darstellung, Ableitungs- und Integralrechnung im Kontext.
Kinematik — Weg, Geschwindigkeit, Beschleunigung
BasismechanikKernpunkte
- Mittlere Geschwindigkeit , momentane Geschwindigkeit .
- Beschleunigung — bei konstantem gilt und .
- Vorzeichen unterscheiden Bewegungsrichtung; negatives bedeutet Bremsung, nicht zwingend Bewegung in negative Richtung.
- Im v-t-Diagramm entspricht die Steigung der Beschleunigung, die Fläche unter dem Graphen dem Weg.
- Konsistente SI-Einheiten () sind verpflichtend; Einheitenkontrolle vor Endergebnis.
- Im s-t-Diagramm zeigt die Steigung die Momentangeschwindigkeit; nichtlineare Verläufe verlangen Ableitung oder grafische Tangente.
KINEMATISCHE GRUNDBEZIEHUNGEN
GLEICHMÄSSIG BESCHLEUNIGTE BEWEGUNG
V-T-DIAGRAMM — GLEICHMÄSSIG BESCHLEUNIGTE BEWEGUNG
Welche drei Beschriftungen in "v-t-Diagramm — gleichmäßig beschleunigte Bewegung" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
V-T-GRAPH FÜR A = 2 M/S²
Musterlösung
Fallzeit aus einer Höhe von 45 m
Berechne die Fallzeit und Auftreffgeschwindigkeit eines Steins, der reibungsfrei aus einer Höhe von fallengelassen wird ().
- Schritt 1 — Bewegungsgleichung aufstellen
Aus folgt .
- Schritt 2 — Zahlenwerte einsetzen
.
- Schritt 3 — Auftreffgeschwindigkeit
Aus folgt .
- Schritt 4 — Interpretieren
— etwa Autobahnrichtgeschwindigkeit. Luftwiderstand würde den Wert deutlich reduzieren.
Ergebnis: Fallzeit , Auftreffgeschwindigkeit .
Typische Fehler
- Mittlere Geschwindigkeit als arithmetisches Mittel der Endgeschwindigkeiten statt .
- Beschleunigung mit Geschwindigkeit verwechselt; heißt nicht .
- Vorzeichen beim Bremsen vergessen, sodass über das Stillstandsende hinaus berechnet wird.
- Im s-t-Diagramm Steigung als Beschleunigung statt als Geschwindigkeit gedeutet.
Übungsaufgabe
Berechnen Sie für eine zweistufige Fahrt (in von auf beschleunigt, dann gleichförmig) den insgesamt zurückgelegten Weg und skizzieren Sie das v-t-Diagramm samt Flächeninterpretation.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Differenzieren und integrieren Sie eine vorgegebene Bewegungsgleichung und bestimmen Sie analytisch die Zeitpunkte maximaler Geschwindigkeit und Beschleunigung.
Die drei Newtonschen Gesetze
BasismechanikKernpunkte
- 1. Newton (Trägheitsgesetz): Ohne resultierende Kraft bleibt jeder Körper in Ruhe oder in gleichförmiger geradliniger Bewegung.
- 2. Newton (Aktionsgesetz): — die resultierende Kraft erzeugt eine zur Masse proportionale Beschleunigung in Kraftrichtung.
- 3. Newton (Reaktionsgesetz): Wechselwirkende Körper üben gleich große, entgegengesetzte Kräfte aufeinander aus — die Kräfte greifen an verschiedenen Körpern an.
- SI-Einheit der Kraft: ; Gewichtskraft mit .
- Im Freikörperbild werden alle an einem Körper angreifenden Kräfte als Vektorpfeile eingezeichnet — Vektorsumme ergibt .
- Bezugssysteme: Newton-Gesetze gelten in Inertialsystemen; in beschleunigten Systemen treten Scheinkräfte auf.
2. NEWTONSCHES GESETZ
Die Beschleunigung eines Körpers ist proportional zur resultierenden Kraft und antiparallel zur Trägheit; Einheit der Kraft ist .
GEWICHTSKRAFT
SCHIEFE EBENE — KRAFTZERLEGUNG
Welche drei Beschriftungen in "Schiefe Ebene — Kraftzerlegung" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Block auf schiefer Ebene mit Reibung
Bestimme die Beschleunigung eines Blocks der Masse auf einer schiefen Ebene mit Neigungswinkel und Gleitreibungskoeffizient .
- Schritt 1 — Kräfte zerlegen
Hangabtrieb , Normalkraft , Reibung .
- Schritt 2 — Newton 2 anwenden
.
- Schritt 3 — Zahlenwerte einsetzen
.
- Schritt 4 — Interpretieren
Der Block rutscht beschleunigt nach unten (). Ohne Reibung wäre ; die Reibung halbiert die Beschleunigung.
Ergebnis: Beschleunigung entlang der Ebene nach unten.
Typische Fehler
- Aktion- und Reaktionskraft als Kräftepaar am gleichen Körper interpretiert.
- Gewichtskraft und Normalkraft im Aufzugsbeispiel verwechselt.
- Resultierende Kraft als Summe der Beträge statt als Vektorsumme berechnet.
- In rotierenden Bezugssystemen Scheinkräfte vergessen oder als reale Kräfte addiert.
Übungsaufgabe
Erläutern Sie das 3. Newtonsche Gesetz anhand zweier konkreter Alltagsbeispiele und berechnen Sie ergänzend die mittlere Bremskraft auf eine schwere Person, die in von auf Null abgebremst wird.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Führen Sie eine Variationsrechnung durch — wie ändert sich die Bremskraft, wenn die Aufprallzeit halbiert oder verdoppelt wird? Stellen Sie eine Tabelle mit drei Szenarien auf.
Wurfbewegungen und Superpositionsprinzip
StandardmechanikKernpunkte
- Der schiefe Wurf zerlegt sich in eine horizontale gleichförmige und eine vertikale gleichmäßig beschleunigte Bewegung.
- Komponenten: konstant; .
- Die Bahnkurve ist eine Parabel.
- Maximale Wurfweite bei , wenn Abwurf- und Auftreffhöhe gleich sind.
- Steighöhe ; Flugzeit .
- Luftwiderstand reduziert Wurfweite und macht die Bahn asymmetrisch (steiler abfallender Ast); im Modell ohne Luftwiderstand bleibt sie symmetrisch.
WURFWEITE UND STEIGHÖHE (GLEICHE ABWURF-/AUFTREFFHÖHE)
SCHIEFER WURF — BAHNKURVE
Welche drei Beschriftungen in "Schiefer Wurf — Bahnkurve" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Schiefer Wurf — Wurfweite und Steighöhe
Ein Ball wird vom Boden mit unter abgeschossen. Bestimme die maximale Wurfhöhe, die Flugzeit und die Wurfweite (Luftwiderstand vernachlässigt; ).
- Schritt 1 — Geschwindigkeitskomponenten
; .
- Schritt 2 — Maximale Steighöhe
.
- Schritt 3 — Flugzeit
.
- Schritt 4 — Wurfweite
.
- Schritt 5 — Interpretieren
Bei wäre die Weite maximal (); 35° liegen knapp darunter — geringer Verlust.
Ergebnis: , Flugzeit , Wurfweite .
Typische Fehler
- Annahme, wirke auch horizontal — dann wäre die Bahn keine Parabel mehr.
- Verwechslung von Wurfweite und maximaler Wurfhöhe.
- Maximalweite bei pauschal angewendet, obwohl Abwurfhöhe abweicht.
- Sinus und Cosinus vertauscht; enthält , enthält .
Übungsaufgabe
Bestimmen Sie für einen Fußballschuss mit aus Höhe unter den Auftreffpunkt am Boden und die Auftreffgeschwindigkeit.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie qualitativ und mit Skizze den Einfluss linearen () und quadratischen Luftwiderstands () auf die Bahnkurve eines Tennisballs.
Gleichförmige Kreisbewegung
StandardmechanikKernpunkte
- Winkelgeschwindigkeit ; Bahngeschwindigkeit .
- Zentripetalbeschleunigung zeigt zum Mittelpunkt.
- Zentripetalkraft ist die resultierende Kraft auf den Körper; sie ist keine eigenständige Kraftart.
- Beispiele für : Reibung in der Kurve, Seilkraft beim Kettenkarussell, Gravitation auf der Erdumlaufbahn.
- Periode und Frequenz sind reziprok: ; Drehzahl häufig in Umdrehungen pro Minute angegeben.
- Die Zentrifugalkraft tritt nur in rotierenden Bezugssystemen auf — sie ist eine Scheinkraft.
ZENTRIPETALBESCHLEUNIGUNG
ZENTRIPETALKRAFT
GLEICHFÖRMIGE KREISBEWEGUNG
Welche drei Beschriftungen in "Gleichförmige Kreisbewegung" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Mindestreibung in der Kurve
PKW mit , Kurvenradius ; bestimmen Sie .
- Geschwindigkeit umrechnen
.
- Bedingung formulieren
Haftreibung muss Zentripetalkraft liefern: .
- Auflösen
.
- Interpretieren
Trockener Asphalt erreicht , nasser etwa — der Wert liegt am Rand der Sicherheit.
Ergebnis: — auf nasser Fahrbahn knapp ausreichend.
Typische Fehler
- Zentrifugalkraft im Inertialsystem als reale Kraft mitgenommen.
- Bahngeschwindigkeit mit Winkelgeschwindigkeit verwechselt.
- Periodendauer in Minuten statt Sekunden in die Formel eingesetzt.
- Bei Kurvenfahrt als Mindesthaftbedingung mit ungleichgewichtig verglichen.
Übungsaufgabe
Ein PKW fährt mit durch eine ebene Kurve mit Radius . Berechnen Sie den minimal nötigen Haftreibungskoeffizient zwischen Reifen und Straße.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Leiten Sie die Beziehung aus dem Grenzwert eines Vektor-Differenzenquotienten der gleichförmigen Kreisbewegung her und kommentieren Sie die geometrische Bedeutung.
Impuls und Stoßprozesse
StandardmechanikKernpunkte
- Impuls ; Einheit .
- 2. Newton-Gesetz in Impulsform: — gilt auch bei variablen Massen (z. B. Rakete).
- In einem abgeschlossenen System ist der Gesamtimpuls erhalten.
- Elastischer Stoß: kinetische Energie und Impuls erhalten; inelastischer Stoß: nur Impuls erhalten.
- Für zentralen elastischen Stoß zweier Körper: .
- Vollkommen inelastischer Stoß: .
IMPULS
IMPULSERHALTUNG IM ABGESCHLOSSENEN SYSTEM
ZENTRALER STOSS — IMPULSERHALTUNG
Welche drei Beschriftungen in "Zentraler Stoß — Impulserhaltung" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Vollkommen inelastischer Stoß
Zwei Wagen ( mit , ruhend) stoßen vollkommen inelastisch zusammen.
- Impulserhaltung
.
- Auflösen
.
- Energiebilanz
; .
- Interpretieren
Energieverlust () wird in Verformung und Wärme dissipiert; Impuls bleibt strikt erhalten.
Ergebnis: Gemeinsame Endgeschwindigkeit , Energieverlust.
Typische Fehler
- Energiebilanz beim inelastischen Stoß angewendet, obwohl kinetische Energie nicht erhalten ist.
- Vorzeichen der Geschwindigkeit bei entgegengesetzten Bewegungen vergessen.
- Stoßformel mechanisch übernommen, ohne zu prüfen.
- Impuls als skalare Größe behandelt und Richtungen ignoriert.
Übungsaufgabe
Berechnen Sie für einen vollkommen inelastischen Zusammenstoß eines -PKW mit und eines stehenden -LKW die gemeinsame Endgeschwindigkeit sowie den prozentualen Energieverlust.
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Leiten Sie die elastischen Stoßformeln aus Impuls- und Energieerhaltung systematisch her und prüfen Sie die Grenzfälle sowie .
Bezugssysteme und Scheinkräfte
VertiefungmechanikKernpunkte
- In Inertialsystemen gelten die Newtonschen Gesetze ohne Zusatzkräfte.
- Beschleunigte Bezugssysteme erfordern Trägheitskräfte (Scheinkräfte), z. B. Zentrifugalkraft und Corioliskraft.
- Galilei-Transformation: , — Geschwindigkeiten addieren sich klassisch.
- Coriolis-Effekt erklärt Ablenkung großräumiger Strömungen (Passatwinde, Meeresströmungen).
- Auf der rotierenden Erde gilt im Laborsystem in guter Näherung Newton, weil Erdrotation langsam.
SCHEINKRAFT IM BESCHLEUNIGTEN SYSTEM
Typische Fehler
- Zentrifugalkraft im Inertialsystem berücksichtigt — falsch.
- Coriolis-Effekt als Effekt der Atmosphärendichte interpretiert.
- Bezugssystem während der Rechnung gewechselt, ohne Transformation anzuwenden.
- Mit Galilei-Transformation bei sehr großen Geschwindigkeiten gerechnet, obwohl Relativität greift.
Übungsaufgabe
Erläutern Sie, warum eine Pendelmessung im Aufzug bei beschleunigtem Aufstieg eine veränderte Periodendauer ergibt, und berechnen Sie die effektive Erdbeschleunigung für .
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie Galilei- und Lorentz-Transformation in einer Tabelle; benennen Sie die Geschwindigkeitsschwelle, ab der relativistische Korrekturen relevant werden ().