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DE-Abitur · GeschichteT·1111 / 11
Geschichtsbewusstsein und Erinnerungskultur sind im KMK-EPA als eigene Kompetenzdimension verankert und in allen Bundesländern Pflicht. Wie eine Gesellschaft erinnert (Gedenktage, Mahnmale, Schulbücher, Filme, Soziale Medien) ist nicht weniger Geschichte als das Erinnerte selbst. Diese Dimension wird im Abitur in Form von Quellenanalysen kontroverser Reden, Mahnmaldebatten und Historikerstreits geprüft.
6Abschnitteca. 11Min Lesezeit3Kompetenzen
Operatoren:analysieren · erörtern · beurteilen · interpretieren
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Begriffe Erinnerungskultur und Geschichtsbewusstsein, zentrale Gedenktage und Mahnmale BRD/DDR/gemeinsames Deutschland.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Historikerstreit 1986/87 (Nolte vs. Habermas), Goldhagen-Debatte 1996, Walser-Bubis-Debatte 1998, Mbembe-Debatte 2020 zu Holocaust und Kolonialgewalt.
Kernpunkte
GESCHICHTSKULTUR UND ERINNERUNG — DREI DIMENSIONEN
Welche drei Beschriftungen in "Geschichtskultur und Erinnerung — drei Dimensionen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Kernpunkte
GESCHICHTSKULTUR UND ERINNERUNG — DREI DIMENSIONEN
Welche drei Beschriftungen in "Geschichtskultur und Erinnerung — drei Dimensionen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Interpretieren Sie zentrale Aussagen der Rede Richard von Weizsäckers im Deutschen Bundestag (8.5.1985) zum 40. Jahrestag des Kriegsendes. Charakterisieren Sie ihre erinnerungskulturelle Bedeutung.
Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Plenum des Deutschen Bundestages, gehalten zum 40. Jahrestag des Kriegsendes. Quellengattung: Staatsrede mit symbolisch-erinnerungspolitischer Funktion. Gesendet im Rundfunk, breit übersetzt; gilt als Schlüsseltext der westdeutschen Erinnerungskultur.
Weizsäcker bezeichnet den 8. Mai 1945 nicht als Niederlage, sondern explizit als „Tag der Befreiung" — befreit „vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft". Er adressiert ausdrücklich die ermordeten Juden, Sinti, Roma, Behinderten, politisch und religiös Verfolgten, Widerstandskämpfer, Soldaten und Zivilisten aller Seiten.
Vor 1985 hatte die BRD den 8. Mai überwiegend ambivalent (Niederlage/Befreiung) erinnert. Weizsäcker setzt eine Wende, indem er die Opferperspektive ins Zentrum rückt und die deutsche Verantwortung benennt. Vorgänger der Debatte: Brandts Kniefall in Warschau 1970, „Holocaust"-Serie 1979.
Reaktionen: linksliberales und SPD-nahes Lager — breite Zustimmung. Rechtskonservative Kreise (CSU, Burschenschaften) — Kritik an „einseitiger Schulddebatte". Auslandsperspektive — überwiegend positiv (Le Monde, NYT, Haaretz). Geschichtskulturell folgte der Historikerstreit 1986/87 (Nolte, Habermas).
Die Rede markiert die offizielle Etablierung der „Verantwortungserinnerung" in der westdeutschen Politik. Sie ist Vorgriff auf die zentralen Gedenkstättenpolitiken der 1990er und 2000er Jahre (Holocaust-Mahnmal Berlin 2005, Mahnmal für die im NS verfolgten Homosexuellen 2008). Sie ist erinnerungskulturell paradigmatisch — wird aber heute auch kritisch hinterfragt (Frauenperspektive, Migrationsperspektive).
Ergebnis: Weizsäckers Rede vollzieht den Übergang zu einer offiziellen „Verantwortungserinnerung" der BRD. Sie ist Schlüsselquelle der Demokratisierung des Geschichtsbewusstseins der Bonner Republik.
Musterlösung
Analysieren Sie den Historikerstreit 1986/87 als erinnerungskulturelle Kontroverse. Stellen Sie die Positionen Ernst Noltes und Jürgen Habermas’ gegenüber und beurteilen Sie die Streitfrage nach der „Singularität" des Holocaust.
Der Streit entzündete sich an Ernst Noltes FAZ-Artikel „Vergangenheit, die nicht vergehen will" (6.6.1986). Quellengattung: Feuilleton-Debatte in überregionalen Zeitungen (FAZ, Die Zeit) — also öffentlich-publizistische, nicht primär fachwissenschaftliche Texte. Das ist quellenkritisch wichtig: Es geht um Deutungshoheit in der Öffentlichkeit.
Nolte rückte den Holocaust in eine Reihe mit dem sowjetischen „Archipel Gulag" und deutete die NS-Verbrechen teils als „asiatische Tat", als „präventive" Reaktion auf den Bolschewismus („kausaler Nexus"). Implizit relativierte er damit die Einzigartigkeit und entlastete die deutsche Verantwortung durch Vergleich.
Jürgen Habermas (Die Zeit, 11.7.1986: „Eine Art Schadensabwicklung") warf Nolte und anderen eine „apologetische" Relativierung vor. Er verteidigte die Singularität des Holocaust und plädierte für einen „Verfassungspatriotismus", der die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zur Grundlage westdeutscher Identität macht.
Kern ist die Frage, ob der Holocaust mit anderen Massenverbrechen vergleichbar oder „singulär" ist. Die Forschung unterscheidet seither präziser zwischen Vergleichen (legitimes methodisches Verfahren) und Gleichsetzung/Relativierung (Entlastungsstrategie). Vergleichen heißt Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeiten, nicht moralisch nivellieren.
Werturteil (Maßstab: redliche, opferorientierte Erinnerung): Habermas’ Position setzte sich durch; die Verantwortungserinnerung wurde zum Konsens der Berliner Republik. Der Streit wirkt fort: Die Mbembe-Debatte 2020 verhandelt erneut das Verhältnis von Holocaust und Kolonialgewalt — diesmal mit dem Konzept der „multidirektionalen Erinnerung" (Rothberg) als Vermittlungsangebot.
Ergebnis: Der Historikerstreit verhandelte die Singularität des Holocaust: Nolte relativierte durch Gleichsetzung mit dem Stalinismus, Habermas verteidigte die Verantwortungserinnerung und setzte sich durch. Die methodische Lehre — Vergleichen statt Gleichsetzen — prägt die Erinnerungsdebatten bis heute.
Typische Fehler
Kernpunkte
GESCHICHTSKULTUR UND ERINNERUNG — DREI DIMENSIONEN
Welche drei Beschriftungen in "Geschichtskultur und Erinnerung — drei Dimensionen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
BRD UND DDR — STRUKTURVERGLEICH
Welche drei Beschriftungen in "BRD und DDR — Strukturvergleich" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Kernpunkte
GESCHICHTSKULTUR UND ERINNERUNG — DREI DIMENSIONEN
Welche drei Beschriftungen in "Geschichtskultur und Erinnerung — drei Dimensionen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie Michael Rothbergs Konzept der „multidirektionalen Erinnerung" (2009) als Antwort auf den Vorwurf der „Konkurrenz der Opfer". Welche Chancen und Grenzen birgt es für die deutsche Erinnerungskultur?
Kernpunkte
GESCHICHTSKULTUR UND ERINNERUNG — DREI DIMENSIONEN
Welche drei Beschriftungen in "Geschichtskultur und Erinnerung — drei Dimensionen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Kernpunkte
GESCHICHTSKULTUR UND ERINNERUNG — DREI DIMENSIONEN
Welche drei Beschriftungen in "Geschichtskultur und Erinnerung — drei Dimensionen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler