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Christliche Hoffnung auf Vollendung (Eschatologie: individuell und kosmisch, klassische und moderne Modelle), interreligiöser Dialog (exklusivistische, inklusivistische, pluralistische Modelle; Christentum im Verhältnis zu Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus), Religionssoziologie (Säkularisierungsthese und ihre Kritiker, Religionsmonitor, EKD-Mitgliedschaftsstatistik). Inhaltsfeld 6 der KMK EPA sowie bundesweite Querschnitte. Querverweise: die eschatologische Hoffnung antwortet auf die Theodizee aus „Gottesfrage", der pluralistische Dialog auf die Religionskritik ebendort und die moderne Christologie aus „Christologie".
6Abschnitteca. 26Min Lesezeit5KompetenzenNiveauStandard 3 · Vertiefung 3Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: drei eschatologische Vorstellungen (individuelle Auferstehung, Wiederkunft Christi, neuer Himmel/neue Erde), Grundkenntnisse Judentum und Islam, drei Modelle der Religionstheologie, Grundbefund Religionsmonitor (Religiosität in Deutschland).
erhöhtes Niveau
eA: fünf eschatologische Kerngedanken (Tod, Gericht, Auferstehung, Himmel/Hölle, neuer Himmel/Erde) mit klassischen und modernen Positionen (Moltmann „Theologie der Hoffnung"); Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus mit Selbstverständnis und ev. Anschluss; vier religionstheologische Modelle (Exklusivismus, Inklusivismus, Pluralismus, Komparativistik); Säkularisierungsthese (Berger, Habermas) und Kritik (Casanova, „post-säkular").
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Eschatologie — „schon jetzt" und „noch nicht"
Spannungsstruktur des Reich-Gottes-Begriffs
Das Reich Gottes ist mit Jesus angebrochen (Mk 1,15) und harrt zugleich der eschatologischen Vollendung (Mt 6,10).
Interpretieren Sie das Bild des „Himmlischen Jerusalem" (Offb 21,1–8) und beurteilen Sie das Verhältnis von Bildsprache und sachlicher Wahrheitsaussage.
Offb 21,1–8 (Schluss der Johannes-Apokalypse, vermutl. ca. 95 n. Chr.): „Ein neuer Himmel und eine neue Erde…", die heilige Stadt kommt von Gott herab; Gott wohnt bei den Menschen; kein Tod, kein Leid, kein Schmerz mehr. Gattung: Apokalyptik mit symbolischer Sprachwelt.
Stadt — kosmischer Frieden und Ordnung. Brautmotiv — Beziehung Gott-Mensch. „Kein Meer" — Aufhebung chaotischer Mächte (im AT ist Meer Symbol für Chaos). „Kein Tempel" (Offb 21,22) — Gott und Lamm sind selbst der Tempel: Aufhebung der Trennung von Heiligem und Profanem.
Die Bilder dürfen weder als Fotografie noch als bloße Metapher gelesen werden. Hermeneutik (Ricoeur): die Symbolsprache „gibt zu denken", sie eröffnet eine reale Sachebene (Hoffnung, Beziehung, Aufhebung des Leidens) gerade durch das Bild — sie kann nicht durch begriffliche Aussagen ersetzt werden, weil das Geschuldete sich der direkten Aussage entzieht.
Augustinus „De civitate Dei" — civitas Dei vs. civitas terrena; chiliastische Strömungen lasen wörtlich; reformatorische Tradition (CA XVII) verwarf Chiliasmus. Moderne Eschatologie (Moltmann „Theologie der Hoffnung" 1964): das eschatologische Bild kritisiert die Gegenwart und mobilisiert Hoffnung — kein Vertrösten, sondern Auftrag.
Bilder sind sachhaltig, aber nicht „dahinter steht eigentlich das Begriffliche". Sie sind die einzige angemessene Sprachform für die eschatologische Sache. Verlust der Bildsprache → Verlust der Sache. Aber: Bilder dürfen nicht wörtlich nehmen, sonst entsteht Phantastik. Hermeneutische Aufgabe: Bilder ernst nehmen, ohne sie zu objektivieren.
Ergebnis: Eschatologische Bilder sind notwendige, nicht entbehrliche Sprachform für die Sache der Vollendung; sie eröffnen eine Wirklichkeit, die sich nicht in Begriffen erschließt — Hoffnung lebt aus Bildern, nicht aus Theorien.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die Apokatastasis-These (Allversöhnung) und beurteilen Sie ihre evangelische Anschlussfähigkeit zwischen Gottes universalem Heilswillen (1 Tim 2,4) und menschlicher Freiheit zum Nein.
Aktive Wiederholung
Interpretieren Sie 1 Kor 15,20–28 als Grundtext christlicher Eschatologie und beurteilen Sie die These Moltmanns, christliche Hoffnung sei subversiv gegenüber dem Bestehenden.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)
Christentum, Judentum und Islam — Vergleich abrahamitischer Religionen
Vergleichen Sie die christliche Christologie mit der islamischen Sicht Jesu (Isa ibn Maryam) und problematisieren Sie die Möglichkeit eines theologisch ehrlichen Dialogs.
Jesus Christus = wahrer Gott und wahrer Mensch (Chalcedon 451). Inkarnation (Joh 1,14), Kreuzestod als Sühne, Auferstehung als Bestätigung. Trinitarische Verankerung: Sohn als zweite Person der Trinität. Heilsmittler.
Im Koran ist Isa ibn Maryam ein hochgeschätzter Prophet: jungfräulich geboren (Sure 19,16–22), wundertätig, Bote Gottes. Aber: kein Sohn Gottes (Sure 112 lehnt Trinität strikt ab), keine Kreuzigung (Sure 4,157: scheinbare Kreuzigung), kein Sühnetod, kein göttlicher Mittler. Letzter Prophet ist Mohammed.
Beide bekennen einen Gott (monotheistisch). Beide kennen Schöpfungsglauben, Gericht, Barmherzigkeit, Gebet, Pflicht zur Nächstenhilfe. Beide schätzen Maria (Maryam). Beide stehen in der „abrahamitischen" Traditionslinie.
Gottesbild: Trinität vs. strikter Tauhid. Christologie: vere Deus vs. nur Prophet. Heilsweg: Gnade durch Christus vs. Unterwerfung (islam) und gute Werke. Offenbarungsverständnis: Christus als die Selbstoffenbarung Gottes vs. Koran als unerschaffenes Wort Gottes. Diese Differenzen sind theologisch irreduzibel.
Position der EKD und des LWB: Dialog auf Augenhöhe verlangt (a) Anerkennung des Anderen als Glaubender, (b) Mut zum eigenen Bekenntnis, (c) Verzicht auf vereinnahmenden Inklusivismus, (d) gemeinsame Praxis (Diakonie, Friedensarbeit). „Christen und Muslime in Deutschland" (DBK/EKD 2003) als Beispiel. Vermeidung beider Extreme: Triumphalismus und Verharmlosung.
Ergebnis: Ein ehrlicher christlich-islamischer Dialog erkennt sowohl die tiefen Gemeinsamkeiten (Monotheismus, ethische Grundpfeiler) als auch die irreduziblen Differenzen (Christologie, Trinität, Heilsverständnis) an und gewinnt seine Kraft aus konkreter Kooperation, nicht aus dogmatischer Nivellierung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie christliche und islamische Christologie (NT vs. Koran 4,157) und beurteilen Sie, wie ein interreligiöser Dialog ohne Aufgabe je eigener Identität geführt werden kann.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie die Verwerfung der Substitutionstheologie seit 1945 und beurteilen Sie ihre Bedeutung für eine evangelische Theologie des Judentums.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)
Modelle der Theologie der Religionen
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie John Hicks pluralistische Religionstheologie als „kopernikanische Wende" und problematisieren Sie ihre Verträglichkeit mit dem chalcedonischen Christologie-Bekenntnis.
Aktive Wiederholung
Vergleichen Sie Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus als religionstheologische Modelle und entwickeln Sie eine begründete evangelische Position.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophy of Religion (Stanford University) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)
Kirchenmitgliedschaft in Deutschland 1990–2023 (schematisch)
Überprüfen Sie die klassische Säkularisierungsthese (M. Weber, P. Berger, T. Luckmann) anhand aktueller religionssoziologischer Daten und entwickeln Sie eine differenzierte Antwort.
M. Weber: „Entzauberung der Welt" als Folge der rationalen Lebensführung; Religion verliert öffentliche Funktion. P. Berger („The Sacred Canopy", 1967): Pluralismus erodiert Plausibilität religiöser Weltbilder. T. Luckmann („Unsichtbare Religion", 1967): Privatisierung statt Verschwinden.
Deutschland: Mitgliederschwund in beiden Volkskirchen (EKD: von ca. 29 Mio. 1990 auf knapp 18 Mio. 2024; Katholisch ähnliche Tendenz). Kirchgangs- und Gebetsraten sinken. „Religiös unmusikalisch" (Habermas) wird zur Mehrheit. Aber: religiöse Indifferenz, nicht militanter Atheismus.
P. Berger revidiert seine These (1999): außer Westeuropa sind die meisten Gesellschaften so religiös wie nie. USA: stabile Religiosität. Subsahara-Afrika und Lateinamerika: pentekostal-charismatisches Wachstum. Naher Osten und Südasien: Re-Islamisierung, Hindunationalismus. Säkularisierung ist regional, nicht universal.
C. Taylor („A Secular Age", 2007): nicht Schwinden, sondern Wandel — Glaube wird zur Option unter anderen, der „immanente Rahmen" wird zur Default-Option. J. Casanova: religiöse Vitalität ist möglich, sogar gestiegen — was schwindet ist die kirchlich gebundene Mehrheitsform. Wertewandel: spirituelle Suche statt institutioneller Bindung („spiritual but not religious").
Differenzierte Antwort: (a) institutionelle Volkskirchlichkeit schwindet in Westeuropa empirisch; (b) Religion als solche schwindet weder global noch unbedingt qualitativ; (c) das Religiöse pluralisiert sich (Wellness-Spiritualität, Reli-Mix, Konversionen); (d) Kirchen müssen neue Sozialformen finden (Citykirche, Diakonie, digitale Formate).
Ergebnis: Die klassische Säkularisierungsthese ist als universaler Modernisierungsmechanismus widerlegt; in Westeuropa beschreibt sie korrekt einen institutionellen Wandel, der durch Differenzierungs- und Pluralisierungsthesen treffender erfasst wird.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie Jürgen Habermas’ Konzept der „post-säkularen Gesellschaft" und beurteilen Sie seine Implikationen für eine öffentliche Theologie der EKD.
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie die These der Säkularisierung anhand der EKD-Statistik und beurteilen Sie ihre Tragfähigkeit im Lichte des Bertelsmann Religionsmonitors.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bertelsmann Religionsmonitor — empirische Studien zur Religiosität (Bertelsmann Stiftung) · EKD-Statistik zur Kirchenmitgliedschaft (EKD) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie Ian Barbours vier Modelle zum Verhältnis Religion–Naturwissenschaft und beurteilen Sie, welches Modell evangelisch tragfähig ist.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophy of Religion (Stanford University) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)
Formen der Sterbehilfe und die evangelische Vorrangregel
Würde-Begründung biblisch (Gen 1,27)
Die Würde des Menschen wurzelt in seiner Gottebenbildlichkeit — relational, nicht leistungs- oder vernunftgebunden.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie, inwiefern die christliche Hoffnung auf Auferstehung (statt Unsterblichkeit der Seele) die Sterbehilfedebatte verändert, und diskutieren Sie das „Dammbruch-Argument" gegen das BVerfG-Urteil 2020 auf seine Tragfähigkeit hin.
Aktive Wiederholung
Beurteilen Sie aus evangelisch-theologischer Sicht die Zulässigkeit des assistierten Suizids und stellen Sie dabei das Autonomie-Argument der relationalen Würdebegründung (imago Dei) gegenüber.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Belege & Quellen
Stanford University
Bertelsmann Stiftung