Aufgabenstellung
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Österreich als Teil des NS-Regimes („Ostmark"); Vernichtungspolitik und Shoah; Widerstand in Österreich (O5, Aktion „01", Stauffenberg-Bezug); Befreiung 1945 und Moskauer Deklaration als Grundlage des Wiederaufbaus.
6Abschnitteca. 15Min Lesezeit3KompetenzenNiveauBasis 1 · Standard 1 · Vertiefung 4Stand 06/2026
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
NSDAP-Herrschaftsapparat (Führerstaat)
Analysieren Sie den NS-Begriff „Arisierung" quellenkritisch: Was bezeichnet er tatsächlich, welche Funktion hat die Wortwahl, und wie sollte man als Historiker:in damit umgehen?
Hinter „Arisierung" steht die systematische Beraubung der jüdischen Bevölkerung: erzwungene „Verkäufe" und Enteignung von Unternehmen, Wohnungen und Vermögen — in Wien über 30.000 Wohnungen und rund 50.000 Betriebe.
Der Begriff ist ein NS-Euphemismus: Die Endung „-isierung" rahmt den Raub als geordneten Verwaltungsvorgang und blendet Gewalt, Vertreibung und Mord aus.
Die Wortwahl normalisiert das Verbrechen, verteilt die Mittäterschaft (Profiteure, Behörden, Nachbarn) und tarnt sie bürokratisch.
Quellenkritisch wird der Begriff nur in Anführungszeichen und mit Erläuterung verwendet — er ist Analysegegenstand, nicht zu übernehmende Beschreibung.
Erst die Übersetzung in „staatlich organisierter Raub" macht den Vorgang sichtbar; die NS-Sprache selbst ist Teil der Tat.
Ergebnis: Eine starke Antwort entlarvt „Arisierung" als Euphemismus für organisierten Raub, hält sprachliche Distanz (Anführungszeichen) und benennt die breite Mittäterschaft — NS-Sprache wird analysiert, nicht reproduziert.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erkläre die Strukturen des NS-Herrschaftssystems in Österreich („Ostmark") nach 1938. Wie funktionierte das Zusammenspiel von Partei, SS, Wehrmacht und Verwaltung?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: DÖW — NS-System Österreich (DÖW)
NSDAP-Herrschaftsapparat (Führerstaat)
Österreichische Erinnerungsorte und Gedenkdaten
Rekonstruiere die Radikalisierung der NS-Politik gegen die jüdische Bevölkerung von 1933/38 bis 1942 in nachvollziehbaren Stufen.
Ausgrenzung und rechtliche Diskriminierung: Berufsverbote, Nürnberger Gesetze 1935, in Österreich sofort ab 1938 angewandt. Ziel ist die Verdrängung aus dem öffentlichen Leben.
„Arisierung" jüdischen Eigentums, Novemberpogrom 9./10.11.1938, erzwungene Auswanderung (Eichmanns „Zentralstelle" Wien 1938 als Modell der bürokratischen Vertreibung).
Nach Kriegsbeginn 1939 Konzentration in Ghettos (v. a. im besetzten Polen), Deportationen aus dem gesamten Machtbereich. Aus Wien Deportationen v. a. 1941/42.
Einsatzgruppen-Morde ab 1941, Wannsee-Konferenz 20.1.1942 (Organisation des „Endlösungs"-Programms), Vernichtungslager (Auschwitz-Birkenau, Treblinka u. a.). Völkermord (Shoah) mit rund sechs Millionen Ermordeten.
Ergebnis: Die Verfolgung steigerte sich in erkennbaren Stufen von Entrechtung über Enteignung und Vertreibung bis zum bürokratisch organisierten Völkermord — die Wannsee-Konferenz 1942 markiert die Koordination, nicht den Beginn der Mordpolitik.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Analysiere die Shoah als systematische Vernichtungspolitik. Welche Rolle spielten österreichische Akteure, Orte und Institutionen?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: DÖW — Holocaust in Österreich (DÖW) · KZ-Gedenkstätte Mauthausen (BMI / Mauthausen Memorial)
Österreichische Erinnerungsorte und Gedenkdaten
Beurteilen Sie den österreichischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus hinsichtlich Breite, Wirkung und geschichtskultureller Indienstnahme.
Der Widerstand war heterogen: kommunistisch (größte organisierte Gruppe), sozialdemokratisch, katholisch (Franz Jägerstätter, Carl Lampert), monarchistisch, slowenisch in Kärnten und der Häftlingswiderstand in Mauthausen.
Symbolisch das O5-Zeichen am Stephansdom; militärisch die Beteiligung von Carl Szokoll am Wiener Operationsplan rund um den 20. Juli 1944.
Repression, Isolation und Denunziation machten organisierten Widerstand extrem gefährlich; rund 2.700 Hingerichtete (DÖW-Schätzung) zeigen das Risiko.
Die Moskauer Deklaration nutzte den Widerstand als Argument für die völkerrechtliche Wiedererrichtung Österreichs.
In der „Opferthese" wurde der Widerstand überbetont und die breite Mittäterschaft unterbetont — eine kritische Bewertung hält beides auseinander.
Ergebnis: Der Widerstand war real, breit und riskant, aber strukturell isoliert; eine triftige Bewertung würdigt ihn, ohne ihn zur Entlastung der Mittäterschaft zu instrumentalisieren.
Widerstand in Österreich war breit, aber strukturell isoliert — er reichte vom Stephansdom-Graffito bis zum Stauffenberg-Beteiligten Szokoll.
Die Moskauer Deklaration ist Doppeldokument: Opfererzählung und Mitverantwortungsforderung gleichzeitig.
Befreiung ist nicht Niederlage — die sprachliche Differenz ist politisch wichtig.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Analysiere den österreichischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Welche Strömungen, welche Akteur:innen, welche Wirkungen?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: DÖW — Widerstand und Verfolgung (DÖW) · Mauthausen Memorial — Befreiung 1945 (Mauthausen Memorial)
Blockbildung Kalter Krieg (ca. 1955–1989)
Ordne den Verlauf des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) und erkläre, warum 1942/43 als militärische Wende gilt.
Mit dem deutschen Überfall auf Polen (1.9.1939) beginnt der Krieg; bis 1941 besetzt das Deutsche Reich grosse Teile Europas (Blitzkriege gegen Polen, Frankreich u. a.).
Der Überfall auf die Sowjetunion (22.6.1941, „Unternehmen Barbarossa") und der Kriegseintritt der USA nach Pearl Harbor (Dez. 1941) machen den Krieg global; mit dem Vernichtungskrieg im Osten verschmilzt die Kriegführung mit der Shoah.
Die Niederlage bei Stalingrad (Kapitulation Feb. 1943), El Alamein (1942) und die Schlacht im Atlantik kehren die Initiative um; ab 1943 ist das Reich strategisch in der Defensive.
Landung in der Normandie (6.6.1944), sowjetische Offensiven, Befreiung der Lager (u. a. Mauthausen Mai 1945), bedingungslose Kapitulation 8./9.5.1945 in Europa; Kriegsende in Asien nach den Atombombenabwürfen im August 1945.
Ergebnis: Der Zweite Weltkrieg eskalierte 1941 zum globalen Krieg und kippte 1942/43 (Stalingrad, El Alamein) zugunsten der Alliierten; bis Mai 1945 führte die Defensive des Reiches zur bedingungslosen Kapitulation und zur Befreiung der Lager.
Der Krieg beginnt 1939 mit dem Überfall auf Polen und wird 1941 global.
Im Osten ist es ein Vernichtungskrieg, kein „normaler" Krieg.
Stalingrad 1942/43 ist die Wende — ab da ist das Reich in der Defensive.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Stelle den Verlauf des Zweiten Weltkriegs in Phasen dar und erkläre, warum 1942/43 als Wende gilt. Benenne die Beteiligung österreichischer Akteure.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: DÖW — Österreicher in Wehrmacht und SS (DÖW)
NSDAP-Herrschaftsapparat (Führerstaat)
Analysieren Sie eine typische NS-Propagandaaufnahme (z. B. ein inszenierter Massenaufmarsch mit Führerkult) quellenkritisch: Was zeigt sie, was blendet sie aus, welche Funktion hat sie?
Es handelt sich um eine inszenierte Bild- oder Filmquelle (Regie, Bildausschnitt, Montage) — kein neutrales Abbild der Wirklichkeit.
Sie inszeniert „Volksgemeinschaft", Ordnung und Führerkult; Komposition und Masse erzeugen den Eindruck von Geschlossenheit und Stärke.
Ausgeblendet werden die Ausgeschlossenen und Verfolgten, der Terror und die Zwangslagen — das Bild zeigt das gewünschte Selbstbild.
Ziel ist Mobilisierung und Zustimmung; die „Volksgemeinschaft" wirkt als Ein- UND Ausschlusskonzept.
Belastbar als Quelle für die NS-Selbstdarstellung und Propagandatechnik; nicht belastbar als Beleg für tatsächliche Zustimmung oder Alltagsrealität.
Ergebnis: Eine starke Analyse liest die Propagandaquelle als Inszenierung: Sie belegt das NS-Selbstbild und die Propagandalogik, nicht die Realität — Bildquellen werden dekonstruiert, nicht geglaubt.
Der NS stützt sich auf Terror UND Zustimmung — beide gehören zusammen.
Propaganda inszeniert die „Volksgemeinschaft" und schliesst zugleich Menschen aus.
NS-Bildquellen sind Inszenierungen — dekonstruiere sie, statt sie zu glauben.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erkläre, warum das NS-Regime als „Zustimmungsdiktatur" bezeichnet wird. Analysiere eine NS-Propagandaquelle hinsichtlich Inszenierung und Funktion.
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Quellen: DÖW — NS-Propaganda und Alltag (DÖW)
Österreichische Erinnerungsorte und Gedenkdaten
Analysieren Sie die Moskauer Deklaration (1943) als Quelle: Welche zwei Aussagen enthält sie über Österreich, welche Funktion hatten sie, und wie wirkten sie in der Erinnerungskultur?
Erklärung der Alliierten (USA, UK, UdSSR) 1943 — mitten im Krieg, mit Blick auf die Nachkriegsordnung.
Österreich wird als „erstes Opfer" der NS-Aggression bezeichnet — die Grundlage für die spätere völkerrechtliche Wiedererrichtung.
Zugleich wird ein eigener Beitrag zur Befreiung gefordert und an die Mitverantwortung erinnert — dieser Teil wurde später oft verschwiegen.
Der Opferpassus diente politisch der Eigenstaatlichkeit; der Mitverantwortungspassus passte nicht in das Nachkriegs-Selbstbild.
Die selektive Lesart begründete die „Opferthese" bis in die 1980er; erst die Waldheim-Affäre 1986 und Vranitzky 1991 verschoben den Diskurs zur Mitverantwortung.
Ergebnis: Die Moskauer Deklaration ist ein Doppeldokument: belastbar für die alliierte Nachkriegsplanung — und ein Lehrstück dafür, wie eine selektive Quellenlesart (nur „Opfer") Geschichtskultur prägt.
Die Moskauer Deklaration nennt Österreich „Opfer" und fordert zugleich Mitverantwortung.
Die Opferthese hält bis in die 1980er — Waldheim 1986 und 1988 bringen die Wende.
1991 bekennt Vranitzky erstmals offiziell die Mitverantwortung Österreichs.
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Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Beurteile den Wandel der österreichischen Erinnerungskultur von der Opferthese zur Anerkennung der Mitverantwortung. Beziehe Moskauer Deklaration, Waldheim-Affaere und das Vranitzky-Bekenntnis 1991 ein.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: DÖW — Opferthese, Erinnerungskultur (DÖW) · Demokratiezentrum Wien — Waldheim-Affaere (Demokratiezentrum Wien)
Belege & Quellen
BMI / Mauthausen Memorial
Demokratiezentrum Wien