Aufgabenstellung
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Globales, selektives und detailliertes Lesen literarischer und nicht-literarischer Texte. Vom ersten Überblick bis zur Tiefenanalyse - Lesestrategien sind das Fundament jeder Schreibaufgabe der Reifeprüfung.
6Abschnitteca. 18Min Lesezeit3KompetenzenNiveauBasis 3 · Standard 3Stand 06/2026
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Schreibprozess der 270-Minuten-Klausur
Du erhältst einen 720-Wörter-Kommentar zur Klimapolitik. Die Aufgabenstellung verlangt: "Nennen Sie drei Maßnahmen, die der Autor vorschlägt." Wie gehst du vor?
Aus der Aufgabenstellung: "vorschlägt", "Maßnahmen", "drei". Suchsignale sind Modalverben (sollte, müsse, könne), Imperative, Aufzählungen.
Augen wandern in 30 Sekunden über die Seite und suchen Bullet-Points, Zwischenüberschriften, Aufzählungen "erstens / zweitens / drittens".
Z.B. Absatz 4: "Erforderlich wären drei Schritte: Tempolimit, CO2-Bepreisung, Pflicht-Photovoltaik bei Neubauten."
Prüfe, ob im restlichen Text weitere Maßnahmen genannt sind. Manchmal sind drei Maßnahmen über den Text verteilt.
In eigenen Worten paraphrasieren - das ist die Prüfungsanforderung. NICHT direkt zitieren ohne Markierung.
Ergebnis: Selektives Lesen in unter 90 Sekunden statt fünf Minuten - das spart Zeit für den Schreibteil. Voraussetzung: vorheriges globales Lesen, damit der Text grob strukturiert ist.
Drei Lesemodi: global für Überblick, selektiv für Suche, detailliert für Analyse.
SQ3R bedeutet: Survey - Question - Read - Recite - Review.
Aktive Markierung ist nachweislich wirksamer als passives Mehrfachlesen.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Nimm eine SRDP-Beilage (Zeitungskommentar, ca. 700 Wörter) und übe dreimal: (1) globales Lesen in 1 Min., (2) selektives Lesen mit drei Suchfragen in 1 Min., (3) detailliertes Lesen mit Stilmittelmarkierung in 5 Min.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: AHS-Lehrplan Deutsch (BMBWF) · Dunlosky et al.: Improving Students Learning (2013) (Sage)
Erzählperspektiven — vier Grundtypen (Schulmodell)
Text A: Reportage "Die Nacht der Schleuser" (Der Standard, 2024) - Text B: Kurzgeschichte "Bahnhof" von Robert Menasse (1996). Beide thematisieren Grenzüberschreitung. Wie unterscheiden sich die Lesehandlungen?
Text A informiert über ein reales Phänomen mit Recherchequellen. Text B inszeniert eine fiktive Begegnung am Westbahnhof, ohne Anspruch auf empirische Wahrheit.
Text A fragt: Was ist nachweislich der Fall? Welche Quellen werden zitiert? Welche Position vertritt der Autor? Text B fragt: Welche Wahrnehmung entsteht? Welche Bilder werden evoziert? Welche Mehrdeutigkeit ist beabsichtigt?
Text A: Argumentations- und Sprachanalyse (Faktenargumente, sprachliche Mittel der Glaubwürdigkeit). Text B: Erzähl- und Bildanalyse (Erzählperspektive, Symbolik, Sprachrhythmus).
Text A wird in Textanalyse + Kommentar bearbeitet. Text B in Textinterpretation + Stellungnahme. Beide Schreibhandlungen unterscheiden sich klar.
Ergebnis: Sachtext und literarischer Text verlangen unterschiedliche Lese- und Schreibhandlungen. Wer das ignoriert, verliert Punkte in der Inhaltsdimension - die wichtigste der vier Dimensionen des Beurteilungsrasters (IQS).
Sachtexte verweisen auf Sachverhalte - literarische Texte erzeugen Wahrnehmung.
Lies einen Sachtext mit der Frage: Was ist der Fall? Lies einen literarischen Text mit der Frage: Was wird gezeigt?
Die Verwechslung der Textsorte ist der klassische Punktverlust in der Inhaltsdimension.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Vergleiche eine Reportage und eine Kurzgeschichte zu einem ähnlichen Thema (zB Fluchterfahrung). Notiere für beide: Funktion, Erzählinstanz, Sprache, Wirkungsabsicht. Wo unterscheiden sich die analytischen Werkzeuge?
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Brinker: Linguistische Textanalyse (8. Aufl., 2014) (Erich Schmidt Verlag) · IQS: Beurteilungsraster Schreibklausur Deutsch (IQS)
Bauplan der Inhaltsangabe
Verdichte einen 800-Wörter-Kommentar über Mietpreise in Wien auf eine 180-Wörter-Zusammenfassung. Welche Schritte sicherst du?
Erste Lektüre - These und drei tragende Argumente unterstreichen. Beispiele, Anekdoten, Wiederholungen werden NICHT markiert.
Text in 4-6 Sinnabschnitte teilen, jedem in 1-2 Schlagwörter überschreiben: "1. Anlass: Mietpreisindex März 2024 +9,2 %", "2. Hauptthese: strukturelles Versagen", "3. Argument A: Privatisierung Gemeindebau", "4. Argument B: Investorenmarkt", "5. Gegenargument: Neubauförderung", "6. Schluss: Mietzinsdeckel + Genossenschaften".
Standardform: "Im Kommentar Titel, erschienen am DATUM in MEDIUM, kritisiert AUTOR die ZENTRALE PROBLEMSTELLUNG." Damit sind ca. 35 Wörter fix verbraucht.
Pro Sinnabschnitt 1-2 Sätze in Konjunktiv I oder mit "laut Autor". Verben des Sagens variieren: "argumentiert", "verweist auf", "räumt ein", "fordert". Beispiele werden NICHT übernommen, sondern durch "etwa" oder "unter anderem" geclustert.
Prüfen: (1) keine eigene Wertung im Text - keine Adjektive wie "überzeugend", "schwach", "gerechtfertigt"; (2) Präsens durchgängig; (3) keine Originalzitate über 5 Wörter; (4) Wortzahl im Toleranzbereich 162-198.
Ergebnis: In ca. 18 Minuten entsteht eine korrekte Zusammenfassung. IQS-Raster honoriert Indikatoren wie indirekte Rede, Variation der Sagensverben und Verzicht auf Wertung mit voller Inhalts- und Stildimension.
Inhaltsangabe ist die neutrale, eigenständige Wiedergabe - keine Zitatcollage, keine Wertung.
Basissatz nennt Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsort, Thema in einem einzigen Satz.
Variiere Sagensverben: argumentiert, behauptet, plädiert, kritisiert, fordert - das zeigt sprachliche Reife.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Verdichte eine SRDP-Beilage (Kommentar, ca. 700 Wörter) auf eine 130-Wörter-Inhaltsangabe. Setze: Basissatz, drei bis vier Kernaussagen in indirekter Rede, neutralen Schlusssatz ohne eigene Meinung.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Duden: Inhaltsangabe schreiben (Duden) · BMBWF Schreibhandbuch Deutsch (Oberstufe) (BMBWF)
Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat
Teilauftrag einer Textanalyse: "Bestimmen Sie die dominante Funktion des Kommentars und belegen Sie sie mit drei sprachlichen Mitteln." Vorlage: ein Zeitungskommentar zum Tempolimit. Wie kommst du methodisch vom Eindruck zum belegten Befund?
Frage zuerst: Will der Text vor allem informieren (neutral, prüfbar), bewerten (Position, wertende Adjektive) oder appellieren (Anrede, Imperativ)? Ein Kommentar ist nie reine Information - die Wortwahl ist erkennbar wertend ("riskant", "überfällig"). Damit ist die Informationsfunktion als DOMINANTE Funktion ausgeschlossen.
Bewertung und Appell konkurrieren. Entscheidend ist das Schreibziel: Der Text begründet ausführlich eine Position und ruft erst am Schluss zum Handeln auf. Die Bewertungsfunktion überwiegt, der Appell ist ihr untergeordnet - so wird die Dominanz begründet, nicht behauptet.
Jeder Beleg = Mittel + Textstelle + Wirkung. (1) Wertende Adjektive ("ein riskantes Spiel mit Menschenleben") - Konnotation lenkt die Leserwertung. (2) Rhetorische Frage ("Wie viele Tote braucht es noch?") - erzeugt scheinbare Evidenz. (3) Modalverben des Sollens ("man müsste längst handeln") - markiert die normative Haltung.
Schließe den Bogen: Die Bewertungsfunktion stützt das Schreibziel, die Leserschaft zu einer bestimmten Position zu bewegen - eine bloße Informationsfunktion würde Zustimmung gar nicht erst anstreben. Genau diese Verknüpfung honoriert die Inhaltsdimension des IQS-Rasters.
Ergebnis: Drei belegte sprachliche Mittel + die Verknüpfung von Funktion und Schreibziel - das ist die vollständige Antwort. Nie nur "Der Text appelliert" behaupten: Mittel benennen, Stelle zitieren, Wirkung erklären. Die häufigste Schwäche ist das Verwechseln von Inhalt ("Der Text handelt von ...") und Funktion ("Der Text bewertet ...").
Fünf Grundfunktionen nach Brinker: informieren, appellieren, verpflichten, kontaktieren, deklarieren.
In der Schule reichen oft drei: informieren, appellieren, bewerten.
Multifunktionalität ist die Regel - die Dominanz entscheidet die Textsorte.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Nimm drei Texte aus einer aktuellen Tageszeitung: Nachricht, Kommentar, Leserbrief. Bestimme die dominante Textfunktion und belege jede mit zwei sprachlichen Mitteln.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Brinker: Linguistische Textanalyse (8. Aufl., 2014) (Erich Schmidt Verlag) · Duden Grammatik (10. Aufl., 2022) (Duden)
Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat
Verfasse den Einstieg einer Zusammenfassung zu einem Kommentar von A. Berger über das schulische Handyverbot.
"In ihrem Kommentar Konzentration statt Klingelton (Quelle, 2024) vertritt A. Berger die These, ein schulisches Handyverbot fördere die Aufmerksamkeit der Lernenden."
"Zunächst führt die Autorin an, ständige Erreichbarkeit unterbreche das konzentrierte Arbeiten." - Beispiel und Ausschmückung des Originals entfallen.
Alle Aussagen stehen in indirekter Rede (Konjunktiv I: fördere, unterbreche); eigene Wertung fehlt vollständig.
Ergebnis: Der Einstieg liefert einen vollständigen Basissatz und eine erste gestraffte, wertungsfreie Wiedergabe in indirekter Rede - die textsortengerechte Grundlage einer Zusammenfassung.
Zusammenfassung: Inhalt gestrafft, sachlich, in eigenen Worten.
Basissatz zuerst: Autor, Titel, Textsorte, Thema, Kernaussage.
Präsens, indirekte Rede, keine Wertung, kein wörtliches Zitat.
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Fasse einen Sachtext von etwa 600 Wörtern in rund 200 Wörtern zusammen: Beginne mit einem vollständigen Basissatz, schreibe im Präsens und in indirekter Rede und verzichte auf jede eigene Wertung.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: BMBWF Schreibhandbuch - Zusammenfassung (BMBWF) · IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS)
Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat
Argumentationsbaum - These, Argument, Beleg
Eine Frage lautet: Warum kritisiert der Autor das Verbot? Option A nennt einen im Text erwähnten, aber unzutreffenden Grund. Wie gehst du vor?
Das Schlüsselwort ist warum kritisiert - gesucht wird der Begründungsgrund der Kritik, nicht irgendeine Aussage des Textes.
Option A nennt eine Aussage, die zwar im Text steht, aber Teil der Gegenposition ist und nicht die Kritik begründet - ein klassischer halbwahrer Distraktor.
Die zutreffende Option wird mit der Textstelle gestützt, an der der Autor seinen Kritikgrund ausdrücklich nennt (Zeilenangabe).
Ergebnis: Der Distraktor steht zwar im Text, beantwortet aber die Frage nicht. Wer das Schlüsselwort der Frage markiert und die Antwort am Text belegt, vermeidet die Falle - das ist die Kernkompetenz des Leseverstehens.
Drei Ebenen: explizites, schlussfolgerndes, reflektierendes Verstehen.
Jede Antwort am Text belegen - Zeilen- oder Abschnittsangabe.
Distraktoren entlarven: im Text, aber nicht die Antwort.
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Bearbeite zu einem Sachtext drei Leseverstehensaufgaben (eine Richtig-Falsch mit Beleg, eine offene Kurzantwort, eine Multiple-Choice) und begründe jede Lösung mit einer konkreten Textstelle.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS) · BMBWF Schreibhandbuch - Leseverstehen (BMBWF)
Belege & Quellen
Erich Schmidt Verlag